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Hänsel und Gretel
Pathfinder


Anmeldungsdatum: 08.02.2002
Beiträge: 416
Wohnort: Diese Erde

BeitragVerfasst am: 2.Jun 2002 9:17    Titel: Antworten mit Zitat

Sobald sich ein Unternehmen entschließt, mit jedwedem Druckwerk (auch der in Word “selbstgebastelte“ Briefkopf...), Mailings, Webauftritten, Telefonmarketing und on Air sein Angebot direkt an den Endverbraucher zu richten, ist es an der Zeit zu vergleichen.

Hier ist die Schnittstelle und hier entsteht der berühmte “erste Eindruck“. (Schlechtfrisierte und mit Rundfalte in der Hose versehene Vertreter, werden (bestimmt) zu anderer Gelegenheit bedacht.)

Täglich flattern mir Angebote in allen erdenklichen Medienformen auf den Tisch. Selbstgebrannte Mini-CD’s mit abenteuerlichen Powerpoint-Animationen in den Farben eines türkischen Bazars, welche den Sinn und Zweck der Erfindung von Sonnenbrillen wieder ins Gedächtnis rufen. Mangelhaft erstellte Firmenlogos die den Eindruck erwecken, als hätte man sie mit der Fußnagelschere ihrer ursprünglichen Umgebung entrissen. Farbkombinationen die allem, aber nicht der geltenden Farblehre entsprechen, schon gar nicht der, des Herrn Goethe.

Eigenwillige Raumaufteilungen in Prospekten, welche selbst bei avantgardistischster Denkweise kein durchdachtes Layout erkennen lassen. Professionelle Texte mit entsprechend interessantem Inhalt und der richtigen Mischung an Reizworten, Information und Kernaussage in unpersönlicher aber dennoch verbindlicher Ausdrucksform.

“Ja, ja...“ – hört man dann, “...das können sich die großen Unternehmen leisten, aber Unsereins...“ Unsereins was?

Mit “Unsereins“ will mir der imaginäre Gesprächspartner vermitteln, dass er es nicht kann und darüber hinaus auch nicht willens ist, sich von einem Fachmann beraten zu lassen, weil diese Dienstleistung mit etwas ganz fürchterlichem verquickt ist. Mit einer Investition, oder wie “Unsereins“ zu sagen pflegt: Unnütze Geldausgabe, das machen wir ja alles selbst (*).

Genauso sieht es dann auch aus, wird als solches entlarvt und in einem ballistisch einwandfreien Bogen der Rundablage übereignet. Peng. Der Nächste Bitte.

Wie sollte man vorgehen, wo nimmt man Maß? Nichts einfacher als das! Bei den Erfolgreichen, wo sonst. Schaut man sich doch einfach die Webseiten von Mercedes, Porsche, oder Siemens an. Das ist professionell. Das ist vorne. Das ist schon mal eine Vorgabe. Schaut man sich danach die an, mit denen man “hausieren“ gehen will, erkennt man eine gewisse Deckungsgleichheit, oder eben nicht. Sieht die eigene Seite aber eher aus wie der 2te Preis beim Kindermalwettbewerb, lass es.

Ebenso ist es mit allen anderen genannten PR’s. Briefköpfe, die einer dieser Hemisphäre unbekannter Norm unterworfen wurde und unter dem Motto: Wie viele verschiedene Schriften hat mein Rechner eigentlich auf Lager, in Szene gesetzt wurde. Textformulierungen die daran erinnern, mit dem Absender schon Brüderschaft getrunken zu haben, aber sich um keinen Preis daran erinnern zu wollen. Auf Fehler(-teufelchen) wollen wir nicht näher eingehen.

Mini-Kataloge und Prospekte, auf deren Titelblatt die Chefin höchst selbst Bademoden der Größe 38 zeigt, wobei schon eine kulante 42 zu eng wäre. Peinlich.

Air-Promo, bei denen der Chef selbst den Text einspricht und um keinen Preis gewillt ist, dies in “etwas“ abgeschwächtem Dialekt zu versehen, damit auch Hörer des Nachbarortes sein Idiom und das damit verbundene Angebot konsumieren könnten. Peinlich.

TV-Spots der Marke “Eigenbau“, die nach zweimaliger Ausstrahlung in der Versenkung verschwinden, weil kein Mensch verstanden hat, was um/beworben wurde. Peinlich.

Addiert man nun den “Ball der Peinlichkeiten“, macht er einen nicht zu unterschätzenden Anteil, am hoffentlich angestrebten Erfolg aus. Die hier ausgebliebenen Umsätze, sind der Unterlassung des Einsatzes professionellen Supports zuzuschreiben.

Das Argument (*) ist also dünner als Bibelpapier und führt sich selbst ad absurdum.
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