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Scheckzahlungen in den USA

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Moderator GM&P
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 7214

BeitragVerfasst am: 14.Okt 2006 7:22    Titel: Scheckzahlungen in den USA Antworten mit Zitat

In Deutschland begleichen die Menschen ihre Rechnungen am liebsten bar, mit Karte oder per Überweisung. Schecks sind fast ausgestorben. Ganz anders in den USA. Hier kann man fast alles mit einem unterschriebenen Stück Papier bezahlen, selbst Dinge, bei denen der Deutsche den Kopf schütteln würde.

Einen Grund, warum die Amerikaner auch weiterhin auf ihr bewährtes Schecksystem vertrauen, beschreibt Debby Tran, Assistenzärztin aus Los Angeles: „Oft genug stimmen die Rechnungen von meiner Kabelfirma oder meinen Gaswerken nicht.
Da will ich nicht auch noch die Zahlungskontrolle aufgeben, indem ich die Beträge einfach automatisch abbuchen lasse“, sagt die 33-jährige Amerikanerin. Damit spielt die sonst oft zitierte Bequemlichkeit in diesem Fall keine so große Rolle. Millionen von Haushalten nehmen es demnach lieber auf sich, jede Rechnung zu kontrollieren, ein Scheckbuch zu führen und das Porto für per Post geschickte Rechnungen zu übernehmen, als im Internet kurz zu kontrollieren, ob der Betrag elektronisch abgebucht wurde.

Zitat:
Zum Ende des Monats wird Ursula Bjornson immer recht nervös. Weiß die 33-jährige Vorstandsassistentin aus Los Angeles doch, dass sie sich wieder einen Tag nur damit beschäftigen muss, Schecks zu schreiben. „Es ist eine totale Zeitverschwendung, aber in den USA sind Schecks noch immer das herkömmliche Zahlungsmittel“, sagt die gebürtige Wienerin, die seit knapp zehn Jahren in Kalifornien lebt.

Tatsächlich, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten geht es recht antiquiert zu, was das Begleichen von Strom- oder Wasserrechnungen betrifft. Selbst im Supermarkt oder nach dem Arztbesuch wird das dicke Scheckbuch aus der Tasche gezogen. EC, Kredit- oder gar elektronische Abbuchungsverfahren sind dem amerikanischen Konsumenten noch so fremd wie dem Europäer Erdnussbutter und Marmelade auf dem Pausenbrot.

Am häufigsten – so berichtet die US-Notenbank – werden Schecks zur Begleichung von Nebenkosten benutzt (25,7 Prozent). Gefolgt von Einkäufen im Einzelhandel (19 Prozent) und Vergütungen von Firmen oder der Regierung gegenüber Konsumenten (17,8 Prozent). Der Scheckverkehr von Konsument zu Konsument wird mit rund elf Prozent angegeben.

Warum aber sind Schecks noch immer so populär in den USA? Liz Pulliam Weston ist Finanz-Kolumnistin bei MSN Money.com. Die Expertin führt drei Hauptgründe an: „Zum einen haben fast 90 Prozent aller Haushalte in den USA ein Girokonto, von dem Schecks leicht abgebucht werden können. Zum zweiten werden Schecks auch bei den Händlern fast immer akzeptiert. Und drittens ist es die Macht der Gewohnheit, die den Scheckverkehr am Leben erhält.“

Das kann auch Steve Lopez bestätigen. Der Computerfachmann aus Long Beach schreibt in der Regel 20 Schecks im Monat. Damit liegt er genau im Durchschnitt, glaubt man einer Studie des Federal Reserve Boards. „In den USA hält die Liebesaffäre mit dem Scheckverkehr an wie in keiner anderen Industrienation der Welt“, bestätigt auch Weston.

So ist die USA das einzige Land, in dem das Scheckvolumen weiter ansteigt. Ein Sprecher der Federal Reserve erklärt, dass derzeit rund 45 Milliarden Schecks in Amerika im Jahr geschrieben werden. Insgesamt beträgt das Scheckvolumen rund 40 Billionen Dollar. Vergleicht man die Höhe des Scheckvolumens mit dem Volumen elektronischer Transaktionen in den Staaten, so „machen Schecks 84 Prozent des Gesamtvolumens aus“, so die Federal Reserve.

Das Unterzeichnen von Schecks hat in den vergangenen Jahren – trotz vereinfachter elektronischer Zahlungsmethoden – sogar noch zugenommen. Seit dem Ende der 80er-Jahre gar um 54 Prozent. Und all jene, die geglaubt hatten, dass der elektronische Zahlungsverkehr den Scheckverkehr verdrängen würde, sehen sich nun getäuscht. „Ich bin überrascht, wie wenig unser Angebot für elektronische Abbuchungen zum Beispiel für Nebenkostenabrechnungen von den Kunden angenommen wird“, sagt Happy Anazuri, Finanzberater der Wells Fargo Bank in Los Angeles.

Ein weiterer Grund für den anhaltenden Boom im Scheckgeschäft mag darin zu suchen sein, dass sich auch der Scheck „in den letzten Jahren sehr entwickelt hat“, wie Sujit Chakravorti und Timothy McHugh in der Ausgabe von Economic Perspectives schreiben. Die Finanzexperten sagen, dass die Sicherheit im Scheckverkehr steigt. „Schecks werden heute schon an der Kasse gescannt und können später vom Kunden online angeschaut werden. Eine Bezahlung auf Papier verwandelt sich somit in Sekundenschnelle in eine elektronische Transaktion“, so McHugh.
(HB)
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