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hdschulz Insider
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 953
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Verfasst am: 24.Apr 2008 9:59 Titel: Schmetterlinge in den Wolken |
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Schmetterlinge in den Wolken
Edward Lorenz der Vater der Chaostheorie ist gestorben. Und den in diesem Zusammenhang überall erscheinenden Jubelartikeln muss auch mal etwas Kritisches entgegengesetzt werden (Chaostheorie Kritik).
Den Schmetterlingseffekt ist eine der ganz wichtigen esoterischen Kerntheorien der heutigen Zeit (Kritischer Bericht darüber beim Spiegel). Sie wird vor allem immer dann bemüht wenn die Logik bestritten werden soll. Und zwar das obwohl die eigentliche Aussage längst und auch mathematische widerlegt ist. Besonders beliebt ist die Chaostheorie bei quasi wissenschaftlichen Garnierungen von Herleitungen, daß der Mensch mit mittels minimalstem Einfluss die Natur zerstört. Da kippt dann "die Natur", "der See" oder uns allen am meisten bekannt: "das Klima". Und wenn erstmal etwas kippt ist alles verloren, und "kippen" tut immer der Mensch.
Denn der Schmetterlingseffekt ist eigentlich nichts anderes, als ein übertriebener Kausalitäts-Gedanke. Er projeziert einen Domionoeffekt auf ein Geschehen in dem sich eigentlich kein Ursache-Wirkungs Verbindung mehr festlegen lässt. In Wirklichkeit löst kein Schmetterling irgendwo irgendetwas aus, da überall auf der Welt gleichzeitig viele Ereignisse von dieser kleinteiligen Dimension stattfinden, die sich gegenseitig beeinflussen und aufheben. Es ist immer noch alles beim Alten, kleine Dinge haben eine kleine Wirkung und große Dinge eine große. Der Schmetterling überlebt es nicht wenn der Mensch ihn willentlich mit einer Dampfwalze überfährt. Die vielen kleinen Bewegungen und Zufälligkeiten von Partikeln und Atomen sind nicht der Auslöser von großen Ereignissen, sondern große Ereignisse wie beispielsweise ein Vulkanausbruch oder eine Veränderung im Bahnverlauf der Erde um die Sonne, verändern die Umwelt viel entscheidender und ebnen alle lustigen kleine Schmetterlingseffekte auf einen Schlag ein. Ein Meteoriteneinschlag ist immer noch wichtiger als jeder Minimaleinfluss in kleinteiligen Prozessen. Die Schläge der Schmetterlingsflügel werden in Wirklichkeit schon durch die anderen kleinen Effekte eliminiert.
Und, daß sich in Prozessen, wo sich die kleinsten Wirkungen nicht mehr feststellen lassen, das was passiert nicht voraussagen lässt, da die einwirkenden Zufälligkeiten nicht mehr zu berechnen sind, ist eigentlich alles andere als überraschend. Wenn die einflussnehmenden Faktoren nicht mehr klar zu fassen sind, nicht mehr zu übersehen sind, können wir das Geschehen nicht vorausberechnen. Eigentlich eine Plattitüde. Aber so wie es dann in unsere modernen Wissenschaftserzählung aufgenommen wurde, ist es zu etwas völlig anderem mutiert.
Der Schmetterlingseffekt der zuerst in in der Sience Fiction auftaucht, beschreibt die Idee das geringste Effekte größte Auswirkungen haben. Ray Bradbury hat sowas zu allererst in einer Zeitreise-Geschichte beschrieben. Und das führt uns in sofort in die Welt der Unlogik und des Absurden die damit Verbunden ist. Und sie ist nicht fälschlicherweise damit verbunden, der Zusammenhang kommt aus der dahinterliegenden Geisteshaltung, er ist Philosophie. Zeitreise und viele Welten, hunderte von Dimensionen, Zeit ist Raum, Zeit ist nicht vorhanden, all diese Ideen von völlig fantasielosen Wirklichkeitsverächtern. Die Chaostheorie gilt nicht umsonst als der Todesstoß für die Kausalität. Viele Menschen begreifen bis heute nicht wie sehr die Wissenschaft von esoterischer Spekulation durchsetzt ist, die im Endeffekt von anderen Formen der Gottsuche kaum mehr unterscheidbar ist. Und die Gottsuche in der Welt der mathematischen Wissenschaft ist eine ganz besonders merkwürdige Hartnäckigkeit des 20. Jahrhunderts.
Das sind beliebte Wissenschafts-Topoi unserer Gegenwartskultur: Zeitreise, Urknall, Chaostheorie, und Schwarze Löcher. Man sieht schon an der Liste, daß zuallererst der einfache kindliche Gedanke zählt, der auf jeder Ebenen der Intellektualität, schnell zu begreifen ist. Und letztlich pflanzt sich das fort, was schon immer viral vorhanden war und so auf fruchtbaren Boden fällt. Und der fruchtbare Boden ist der den die menschliche Wissensgenese vorgibt, er ist religiös. Es sind die religiösen Muster und Mythen die immer und unerbittliche weiter verfolgt werden. Schöpfung wird so zu Urknall. Auch in der Wissenschaft sind meistenteils Gottsucher am Werk, die eigentlich nichts anderes wollen als “letzte Fragen” klären. Der ganz große Wurf, wie die Vereinheitlichung von Allem, muss es da schon sein – die große “Welttheorie”. Und dann klappt es wieder nicht. Und immer wieder tauchen neue Fragen auf und immer wieder passt das Gemessene nicht zum Gedachtem. Eigentlich ist es ganz wunderbar, denn immer wenn etwas nicht passt müsste es eigentlich zu tieferer Erkenntnis führen. Leider steht dem die Theorie entgegen, denn die Theorie ist längst, etwas geworden, an das die Wirklichkeit angepasst wird. Sie verkehrt. Die Dinge werden genau entgegengesetzt zu ihrer eigentlichen Aussage aufgelöst. Wie bei der Chaostheorie: eine eigentlich übertriebene Kausalitätsidee wird letztlich dazu benutzt, die Kausalität in aller Gundsätzlichkeit zu negieren.
(aus Luclog) |
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