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Schuldengefängnisse......

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vander
Specialist


Anmeldungsdatum: 18.08.2004
Beiträge: 169
Wohnort: Deutschland

BeitragVerfasst am: 15.Nov 2004 11:36    Titel: Schuldengefängnisse...... Antworten mit Zitat

Die Schuldbefreiungsindustrie entwickelt sich zum florierenden Wirtschaftszweig

„Die sind schneller drinnen als sie wieder draußen sind“


Gute Nachricht für Bürger, die unter zunehmender Zins- und Schuldenlast stöhnen: Statt lebenslang unter dem Schatten unbezahlbarer Schulden zu leben, können sich Betroffene jetzt auf einen Schlag von allen Verbindlichkeiten befreien: Durch einen Aufenthalt in speziell dafür konzipierten Schuldgefängnissen, in denen sie – je nach Höhe der Schuld – gemeinnützige Arbeit leisten.


Vom Autobahnbau bis Alten- und Behindertenpflege reicht das Arbeitsangebot, wodurch mit einem Schlag auch gesellschaftlich notwendige, jedoch vernachlässigte Aufgaben abgedeckt werden. Schuldhäftlinge helfen tagsüber den Pflegenotstand zu beheben und rücken abends wieder in ihre Gefängnisunterkünfte ein. Fluchtgefahr besteht kaum. Im Fall eines vorzeitigen Abbruchs der Internierungszeit gilt einfach die Geldschuld des Gefangenen – zuzüglich Zinsen – als nicht beglichen. Auch der Bau integrierter Wohn- und Arbeitslager (etwa von Gefängnis-Altenheimen) wird erwogen.

Biteralf Höss, Geschäftsführer der Schuldgefängniskette „Arbeit macht schuldenfrei“ (AMS) erklärt dies in einem Interview zu einem Akt der Humanität: „Schuldgefangene müssen sich nicht mehr mit Mördern und Einbrechern eine Zelle teilen. Mit dem exponentiellen Anwachsen des Schuldgefangenenstatus ist eine neue Epoche in der Geschichte des Strafvollzuges angebrochen. Der Gefängnisaufenthalt wird vom bedauerlichen ‚Ausrutscher‘ weniger bösartiger Krimineller zum integrierten Abschnitt in der Biographie vieler.“

Voraussetzung für den vollständigen Schuldenerlaß ist allerdings – neben rund 50 Stunden harter wöchentlicher Arbeit – die Bereitschaft, sich den harten Lebensbedingungen der Kasernierung und der strengen formalen Disziplin in den Gefängnissen zu fügen. Ein straff geregelter Tagesablauf, 10-Personen-Stuben und die unbedingte Gültigkeit des Prinzips von Befehl und Gehorsam dürften für manches verzärtelte Kind des frühen 21. Jahrhunderts eine bittere Pille sein.

Der AMS-Chef weiß dem aber positive Aspekte abzugewinnen: „Bescheidenheit, Disziplin und die Bereitschaft, sich erniedrigende Behandlung ohne Gegenwehr gefallen zu lassen, sind auch in vielen anderen Jobs brauchbare Sekundärtugenden. Nur ein in seinem Stolz gebrochener Bürger mit einem vor Erbitterung abgestorbenen Herzen ist im Sinne des harten Standort-Wettbewerbs, dem sich Deutschland auf dem Weltmarkt ausgesetzt sieht, ein guter Bürger. Nicht umsonst haben viele Staaten die Allgemeine Wehrpflicht völlig unabhängig von der tatsächlichen Bedrohungslage beibehalten, so wie das in Deutschland ohnehin von dem Verteidigungsminister beabsichtigt ist.“

Begeistert zeigt sich Biteralf Höss von den Arbeitsmarktchancen, die sich durch den Boom der Schuldgefängnisse auftun. Wärter, Verhörprofis, Baufirmen, Sträflingsbekleidungs- und Catering-Industrie, die für ausreichende Versorgung mit Brot und Wasser sorgen muß . . . all das sind neue Arbeitsplätze. Ganz zu schweigen von der boomenden Zulieferindustrie, z. B. den Herstellern von Türschlössern, Fenstergittern und Sensorischen Deprivations-Zellen (SDZ): 1,5 m hohen Dunkelkammern, die zur Bestrafung aufsässiger Schuldgefangener und zur Abschreckung dienen.

„Welche Regierung könnte es sich erlauben, einen boomenden Wirtschaftszweig abzuwürgen, der verspricht, die Arbeitslosenstatistik nachhaltig nach unten zu korrigieren?“, schwärmt Höss. „Wenn Handys Arbeitsplätze bringen, dann werden Handys hergestellt, wenn Gefängnisse Arbeitsplätze bringen, dann werden eben Gefängnisse gebaut. Die entsprechenden Straftatbestände, um die Zellenbelegung zu sichern, finden sich dann schon. Voraussetzung ist nur ein entsprechender politischer Wille.“

Höss‘ Visionen reichen weit in die Zukunft: „In 20 Jahren werden wir die Internierungsquote in der Bevölkerung auf über 35 % gesteigert haben. Dazu kommen rund die Hälfte an Wach- und Versorgungspersonal. Mit einem Wort: Wir bewegen uns auf eine Gesellschaft zu, die sich zum größten Teil in Gefangene und Wärter aufteilt.“

Höss schlägt in diesem Zusammenhang sogar einen zweijährigen präventiven Schulden-Arbeitsdienst vor, den junge Männer und Frauen im Alter von 18 – 20 auf freiwilliger Basis absolvieren könnten. „Wer vorsorgt, der kann sich im konkreten Verschuldungsfall ein Anrecht auf Verschonung von Schuldhaft erwerben. Das kann sich als sehr segensreich erweisen. Realistisch betrachtet ist Verschuldung heute ohnehin unvermeidlich, und wenn dann eine Familiengründung ansteht, haben es alle Betreffenden schon hinter sich.“

Gegenfrage: „Habe ich das richtig verstanden, junge Leute sollen freiwillig ins Gefängnis gehen, ohne etwas verbrochen zu haben?“

„Das Prinzip der Schuld koppelt sich heutzutage immer mehr vom tatsächlichen persönlichen Verschulden, also dem Fehlverhalten im Einzelfall, ab“, erklärt Höss. „Schuld bedeutet nichts anderes, als daß eine legale begründbare Geldforderung gegen Sie besteht – und eine solche Forderung besteht, zumindest kollektiv betrachtet, heute gegen jeden Bürger. Ähnlich dem kirchlichen Begriff der Erbsünde, wird Schuld in unserer Zeit insofern zunehmend zu einer unausweichlichen Grundbedingung menschlicher Existenz.“

Quelle: Humanwirtschaft. Der Autor, Roland Rottenfußer, Jahrgang 1963, arbeitet als Redakteur bei connection und ist Experte für Geschichten aus der Parallelwelt. Wie aber alle Satiren bekanntlich blitzartig von der Wirklichkeit überholt werden, so wird es auch mit dieser geschehen. Wenn nicht noch unter Schröder, dann bestimmt aber unter Merkel.

"Sprachlos....."

vander
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Schwabenpower
* Consulter *


Anmeldungsdatum: 24.12.2002
Beiträge: 1449
Wohnort: im wilden Süden

BeitragVerfasst am: 15.Nov 2004 17:33    Titel: Klasse! Antworten mit Zitat

Diese Satire ist wirklich klasse und es war richtig, diese hier bei Kommentare einzustellen und nicht bei Satire. Denn wie Sie schon richtig erläutern- manchmal werden Satiren sehr schnell von der Wirklichkeit eingeholt. So blöd sich das anhört, aber in zehn Jahren wird das zumindest schon in der Testphase sein. Übrigens, die passende Zahl dazu von heute: Mehr als 3 Millionen Haushalte in Deutschland sind hoffnungslos überschuldet!
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Auf Regen folgt Sonne!
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Taeaen
User gebannt


Anmeldungsdatum: 10.08.2003
Beiträge: 1940
Wohnort: Aachen

BeitragVerfasst am: 15.Nov 2004 18:13    Titel: Klasse Idee - könnte aus dem Regierungssitz in Berlin kommen Antworten mit Zitat

Meine Rede seit vielen Jahren - die ärmsten Bundesländer mit einer hohen Mauer umgeben und zum "offenen Vollzug" erklären.
Es muss ja nicht gleich ausarten wie im Film "Die Klapperschlange", wo Manhattan als Insel der ewig Dortbleibenden von der restlichen USA abgeschottet wird.

Bei all den Massnahmen, die unsere Regierenden schon gegen die Bürger geplant haben, wird ohnehin innerhalb weniger Jahre der grösste Teil unserer Bevölkerung "kriminalisiert" sein, daher besser jetzt schon anfangen ( z.B. mit dem Saarland, wer flieht, landet bei den Franzosen.. ) und praktische Erfahrungen damit sammeln, als später vor einem Haufen ungelöster Probleme stehen.

Das hätte nun allerdings unter Satire stehen können.. wenn die Thematik nicht so bitterernst wäre !

Erschreckte Grüsse
Taeaen
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loooser
User gebannt


Anmeldungsdatum: 07.10.2003
Beiträge: 2774

BeitragVerfasst am: 15.Nov 2004 19:12    Titel: Antworten mit Zitat

Kann man den Knast auch vorsorglich aufsuchen? Ich meine, dann kann man doch in Zukunft völlig ungehemmt.....

jaja, ich mein ja nur.... !?
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Taeaen
User gebannt


Anmeldungsdatum: 10.08.2003
Beiträge: 1940
Wohnort: Aachen

BeitragVerfasst am: 15.Nov 2004 20:51    Titel: Vorsorglich in den Bau Antworten mit Zitat

@ Bedey

Ob Sie es glauben oder nicht, es gibt einige Leute, welche kurz vor den ersten Nachtfrösten alles daran setzen, um während der kalten Winterzeit im Knast eine warme Bleibe zu haben.
Regelmässiges Essen, nicht vom Feinsten, macht aber satt - meistens irgendein Kumpel auf der Bude, der Fernsehen hat. Fliessend Wasser und wenn man nicht zu faul ist, gibt es sogar ein paar Euro fürs Arbeiten.

Da man aber nicht "einfach so" da rein kommt und man schliesslich auch nicht Jahre da bleiben will, bedarf es eines gewissen Fingerspitzengefühls, die Schwere der Tat so aus zu balancieren, dass einerseits eine Haftstrafe dabei heraus kommt, andererseits diese aber im Frühjahr beendet ist.
Dazu bedarf es ohnehin einiger erheblicher Vorstrafen.

Freundliche Grüsse
Taeaen
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Alvaro
Pathfinder


Anmeldungsdatum: 16.03.2003
Beiträge: 362

BeitragVerfasst am: 19.Nov 2004 22:24    Titel: Antworten mit Zitat

Biteral Hoess ?

das ist sicher eine Anspielung auf Rudolf Hoess,einem KZ-Kommandanten
in Auschwitz.Etwas makaber.


http://www.bad-bad.de/gesch/hoess.htm
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