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Sozialismus und kein Ende?

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hdschulz
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Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 1096

BeitragVerfasst am: 22.Jul 2007 11:36    Titel: Sozialismus und kein Ende? Antworten mit Zitat

Offensichtlich steuern wir geradewegs auf den dritten Versuch zu.
Gute Nacht Deutschland!

von Romamus Otte, aus der heutigen WamS

In Treue fest: Der deutsche Sozialismus

In dieser Woche fiel mir eine ältere Karikatur wieder ein. Sie zeigt Karl Marx mit Rauschebart und beiden Händen tief in den Hosentaschen. Mit treuem Blick sagt Marx: "Sorry, war nur so eine Idee."

Keine Angst, Karlchen, deine Deutschen nehmen's dir nicht übel.
Das zeigen Daten des Instituts für Demoskopie Allensbach.
Seit dem Untergang der DDR fragen die Meinungsforscher in jedem Jahr: "Halten Sie den Sozialismus für eine gute Idee, die schlecht ausgeführt wurde?"

1991 stimmten in den damals noch sehr neuen Bundesländern 58 Prozent diesem Satz zu. Seither schwankte der Wert nur wenig. Heute sind es 57 Prozent. Auch im Westen fanden 1991 immerhin 30 Prozent, der Sozialismus sei eigentlich eine gute Idee.
Seither steigt die Kurve mit starker Beschleunigung in den letzten beiden Jahren auf nun 45 Prozent.

Da sage jemand, die Deutschen in Ost und West näherten sich nicht an. Sie schwärmen für dieselbe alte Liebe.
Woher kommt diese Treue zum Sozialismus, der so viel Leid über die Deutschen gebracht hat? Was hätte noch passieren müssen, um vom Glauben an die Heilskraft kollektivistischer Gesellschaftsordnungen abzufallen; um die bizarre Lust an der Unterwerfung unter das Kollektiv erkalten zu lassen?

Haben viele vergessen, dass auch die Nationalsozialisten nicht ohne Grund Sozialisten hießen? (Oder sollte auch hier die gute Idee nur in die Hände falscher Führer gefallen sein?)

Ist die klägliche DDR weniger als 20 Jahre nach ihrem Ende vergessen? Die Mauer, die Toten, die alltägliche Schikane, der Zerfall der Städte, die Zerstörung der Natur, die kollektive Lähmung mit all den Verwüstungen des Stillstands? Alles nur eine Frage der falschen Honeckers?

Waren wirklich nur all die sozialistischen Führer unfähig? Oder passt am Ende doch die Ideologie nicht recht zum Menschen?

Wenn kollektive Systeme kollabieren, kommt stets dieses Muster in Mode: Jenen, die im Gleichschritt mitmarschierten, fällt die Einsicht schwer, einem Irrlicht gefolgt zu sein.

"Ich bin's nicht, Adolf Hitler ist's gewesen", heißt es im Theater.
Zwischen all den "Ichs" und all den "Führern" aber wirkt das Kollektiv.
Es neigt immer dazu, andere Meinungen, Lebensentwürfe und Kritik auszugrenzen. Es verachtet die Freiheit, weil sein Dasein daran hängt, dass jeder seine Freiheit dem Kollektiv unterordnet.

Nun also rufen sie wieder "Freiheit durch Sozialismus". In den Sälen wird gejubelt - und vor dem Fernseher genickt. Ach, die alte Liebe Sozialismus. Ja, wenn die nur einmal nicht "schlecht ausgeführt" würde.

Wenn schon nicht von Fidel Castro, dann vielleicht von Hugo Chávez? Wenn schon nicht von Erich Honecker, dann vielleicht von Oskar Lafontaine?

Was den Romantikern die blaue Blume war, ist politischen Träumern der "Sozialismus mit menschlichem Antlitz".
Ein Sehnsuchtsort als Zuflucht vor der kalten Freiheit. Dort wären sie so gern glückliche Sklaven.
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hdschulz
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Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 1096

BeitragVerfasst am: 17.Aug 2007 18:19    Titel: Antworten mit Zitat

Auch Dr. Ulrike Ackermann wundert sich über das kurze Gedächtnis der Deutschen:
Die Figur des selbstverantwortlichen Individuums, das sein Leben, seine Freiheit und sein Streben nach Glück eigenwillig in die Hand nimmt, stößt bis heute auf Misstrauen. In der immer noch geläufigen Individualismuskritik wird das egoistische, gewinn- und zweckorientierte Individuum als Produkt des dekadenten, kalten Kapitalismus angeprangert. Die Rettung soll der Staat besorgen, der zunehmend für alle Lebensrisiken haftbar gemacht wird, und wärmende Gemeinschaften, die egalitäre Sehnsüchte bedienen. Hier der komplette Beitrag aus Deutschlandradio Kultur
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hdschulz
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Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 1096

BeitragVerfasst am: 27.Okt 2007 11:04    Titel: Antworten mit Zitat

Den 90. Jahrestag der Oktoberrevolution kommentiert Michael Holmes unter dem Titel:

Roter Oktober: Die Gefahren linker Utopien sind längst noch nicht gebannt

"....Auch neunzig Jahre nach der russischen Oktober-Revolution scheinen die Ideen des Sozialismus nichts von ihrer Attraktivität verloren zu haben. Nicht mal das Scheitern der kommunistischen Beglückungsideologie vor fast zwanzig Jahren konnte sie dauerhaft diskreditieren. Die Aufarbeitung ihrer Schattenseite bleibt derweil auf der Strecke."


"Wer sich aber die Schriften der Oktoberrevolutionäre noch einmal zu Gemüte führt, der wird - mehr noch vielleicht als über die Menschenverachtung - über die einfachen Grundgedanken erschrecken, die die sozialistisch orientierte Linke bis heute nicht ernsthaft verworfen, sondern eher den jeweiligen Zeitumständen angepasst hat. Die Bolschewiki träumten den Traum von einer erlösten Welt. Sobald er mit der Macht in Berührung kam, verwandelte er sich in einen Albtraum. Die Linke träumt ihn gedankenlos weiter, als sei nichts geschehen."


Der komplette Artikel hier
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hdschulz
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Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 1096

BeitragVerfasst am: 30.Okt 2007 9:33    Titel: Antworten mit Zitat

Nun entdeckt auch die SPD den "Demokratischen Sozialismus" neu.

Dirk Niebel bringt dazu in der FTD den passenden Vergleich:

«Demokratischer Sozialismus ist wie die unbefleckte Empfängnis. Man kann daran glauben, aber man wird es nicht erleben»
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