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mlm-aktuell.de Specialist
Anmeldungsdatum: 14.01.2005 Beiträge: 51 Wohnort: nördlich von Berlin
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Verfasst am: 10.Feb 2005 14:42 Titel: Stadtrat probierte Hartz IV: "Es ist verdammt hart" |
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schweinfurt Seit Januar ist Hartz IV in Kraft, seit Januar müssen einem Alleinstehenden, der Arbeitslosengeld II bekommt, 345 Euro im Monat zum Leben reichen. Miete und Heizkosten werden separat erstattet. Der Schweinfurter SPD-Stadtrat Peter Then wollte wissen, wie das geht und hat es - gleich im Januar - an sich ausprobiert. Sein Fazit: "Es ist verdammt hart."
Peter Then, bekannt als SPD-Stadtrat, Gewerkschafter, langjähriger freigestellter Betriebsrat bei SKF, ist seit letztem Jahr in Rente und verwitwet. Er selbst war nie arbeitslos, wohnt im eigenen Reihenhaus am Bergl und besitzt ein Auto. "Ich hatte, als ich den Versuch begonnen habe, natürlich nicht die psychische Belastung eines Betroffenen", sagt Then, "weil ich glücklicherweise materiell abgesichert bin."
Erfahren wollte er trotzdem, wie es sich einen Monat lang vom Regelsatz West von 345 Euro leben lässt. Dazu hob er am 1. Januar exakt diesen Betrag vom Konto ab, und begann, ihn sparsamst auszugeben. In der ersten Woche waren dies für die Ernährung (Käse, Wurst, Brot und Milch) 7,95 Euro, 2,41 für Obst und Tomaten, 5,28 für Fertiggerichte, beim Kasten Bier griff er zur Billigmarke für 7,99 Euro und beim Mineralwasser auch. Für dieses, Mehl und Zucker reichten 6,79 Euro. Ein Essen im Schnellimbiss (2,80 Euro), Rasierschaum, Haarwasser und der Friseur kosteten zusammen 17,04 Euro. In der Summe gab Then 47,46 Euro aus.
In der zweiten Woche standen auf der Ausgabenseite 69,59 Euro - mit lediglich 27,49 Euro für Lebensmittel und ein Päckchen Tabak, aber 15,45 Euro für ein Medikament, das die Kasse nicht zahlt, 21 Euro für Benzin, 3,60 Euro für zwei Kaffee im Stehcafe und 4,35 für Fotos. Thens Zwischenbilanz zur Halbzeit: Unbedingt Sonderangebote nutzen, "das ist ein absolutes Muss", Brot und Gebäck zum halben Preis vom Vortag kaufen, den Camembert für 0,99 Euro in den Einkaufswagen legen statt den gewohnten für 1,79. Und: Möglichst keine "Schnäppchen" bei Klamotten, das könnte immer noch zu teuer werden.
"Wie lange hält das ein wirklich Betroffener durch?"
Peter Then, Schweinfurter Stadtrat nach dem Hartz IV-Selbstversuch
Dritte Woche: Peter Then lässt es vergleichsweise krachen: Genau 104,78 Euro gibt er aus, dabei das wenigste für Lebensmittel, nämlich 37,73 Euro. Diesmal leistet er sich sogar einmal Fleisch, zwei Tafeln Schokolade und zweimal Tabak. In dem fast doppelt so großen Restbetrag (67,05 Euro) ist das Zeitungsabo mit 23,10 Euro der größte Brocken, 15 Euro kostet die Telefonkarte für's Handy, in der Hoffnung auf ein Wunder spielt er für 4,50 Euro sogar Lotto. Die Änderung einer Jacke schlägt mit 11,20, ein Essen im Gasthaus (Sonderangebot) mit 7,50 und das Fünferpäckchen Rasierklingen mit 5,75 Euro zu Buche.
Endspurt, vierte Woche: Für Lebensmittel, Spüli und Tabak gibt der Stadtrat im Selbstversuch 38,18 Euro aus - das Restgeld für diesen Monat sicherlich fest im Blick. Die Telekom-Rechnung für den Festnetz-Anschluss beläuft sich bei dem Rentner Then auf bescheidene 31,12 Euro.
Am Ende hat er's geschafft: Vom 345-Euro-Regelsatz sind 344,39 Euro weg. 61 Cent kann er in den nächsten Monat mit rüber nehmen. Then hat für durchschnittlich 11,12 Euro am Tag gelebt. Dabei hat er die in der Musterrechnung gelisteten Pauschalen für Wasser/Strom/Gas (26,83 Euro) sowie für Möbel/Waschmaschine/Haushaltsgeräte (27,73 Euro) berücksichtigt und zurückgelegt.
Thens Fazit: "Es ist verdammt hart. Ich hab's einen Monat durchgehalten mit meiner Sicherheit im Hintergrund. Wie lange hält das ein wirklich Betroffener durch?"
Um irgendwie hinzukommen, hat sich der frühere SKF-Betriebsrat vom gesellschaftlichen Leben praktisch ausgeschlossen, sich nicht eine kulturelle Veranstaltung wie Kino, Museum, Theater, Kabarett oder eine Faschingsveranstaltung gegönnt. Er hat nicht einen Euro für Kleidung oder Schuhe ausgegeben - abgesehen von der Jacken-Änderung. Kneipenbesuche? "Fast nicht drin." Mobilität? Das Auto müsste er verkaufen. Um Sprit zu sparen hat er Stadtratssitzungen zu Fuß oder mit der Rad angesteuert, auch nicht mit dem Bus - der hätte ja gekostet.
"Mein Blickwinkel auf die Menschen hat sich verändert", sagt Peter Then. Die 21-jährige Enkelin hat seinen Selbstversuch mit großem Interesse verfolgt. "Respekt", sagte sie am Ende, "eine tolle Leistung."
Quelle: http://www.mainpost.de/mainfranken/fb/art1727,2981344.html?fCMS=2e870cf7bf6ac760c8c8e958a6eb312a |
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