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Wann wachen wir endlich auf?

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hdschulz
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Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 956

BeitragVerfasst am: 30.Aug 2006 10:18    Titel: Wann wachen wir endlich auf? Antworten mit Zitat

Im Fadenkreuz der Internet-Islamisten

Unter jungen Muslimen in Deutschland hat sich eine Jugendszene herausgebildet, in der islamistische Gewaltverherrlichung Kultstatus erreicht hat. Das Internet hilft bei der Radikalisierung kräftig mit. Verbote werden daran nichts ändern.

Von Richard Herzinger

Berlin - Aufgeschreckt durch die versuchten Bombenattentate auf Regionalzüge in Deutschland diskutiert die Republik hektisch über verschärfte Sicherheits- und Überwachungsmaßnahmen. Doch dem hausgemachten Dschihadismus junger radikaler Muslime wird dadurch nicht grundsätzlich beizukommen sein.

Längst hat sich unter der zweiten und dritten Einwanderergeneration von Migranten aus muslimischen Ländern nämlich eine regelrechte Jugendkultur herausgebildet, in der extremistische islamistische Propaganda Kultstatus erlangt hat. Mit Sicherheit werden nur die wenigsten Jugendlichen aus diesen Milieus zu aktiven Terroristen werden. Doch die Agitatoren des Dschihad finden in dieser jugendkulturellen Umgebung einen fruchtbaren Boden für ihre Rekrutierungstätigkeit. Glorifizierung des weltweiten „Dschihad“ und Gewaltverherrlichung der extremsten Art dringt über islamistische Satellitensender, via Internet und über Propagandavideos, Bücher und Comics, die unter der Hand (auch in einigen Moscheen) verbreitet werden, in deutsche Wohnstuben und Kinderzimmer ein. Und wer tatsächlich ernst machen will, findet im World Wide Web mühelos detaillierte Bauanleitungen für selbst gebastelte Bomben.

Wut, Hass und Obszönität

In seinem kürzlich erschienenen Theaterstück „Schwarze Jungfrauen“ hat der Schriftsteller Feridoun Zaimoglou im einen Einblick in die Lebens- und Denkwelt dieser neuen radikalisierten Jugendszene eröffnet. In insgesamt zehn Monologen lassen er und sein Koautor Gerhard Senkel junge muslimische Frauen, die sich zum strengen islamischen Glauben bekennen, über ihr Leben, ihr Verhältnis zur Religion und zum Sex reden. Die Sprecherinnen sind keine Kunstfiguren, sondern real existierende Personen, die den Autoren ihre Geschichten ins Aufnahmegerät diktiert haben. Zaimoglou hat die Texte sprachlich bearbeitet. Dennoch: inhaltlich sind die Aussagen, wie der Autor versichert, genau so, wie sie im Text stehen, aus den jungen Frauen herausgesprudelt.

Es handelt sich um Monologe voller Wut, Hass, Obszönität und Verachtung gegenüber der gesellschaftlichen Umwelt und den Mitmenschen, die nicht der Gruppe der Neubekehrten angehören, der sich die jungen Frauen zugehörig fühlen. Ihre Monologe schockieren das Gemüt wohlmeinender Multikulturalisten gleich in mehrfacher Hinsicht, handelt es sich hier doch um Angehörige gleich dreier vermeintlich diskriminierter Gruppen: Frauen, Migranten und Muslimen. Diese Frauen stellen sich aber nicht als Opfer von Diskriminierung dar, klagen nicht über Ungerechtigkeit, sondern schleudern ihrerseits aggressive, zuweilen stockreaktionäre Verdammungsurteile gegen die offene Gesellschaft, die sie rundweg als verkommen und ehrlos abtun. Sie ziehen ihrerseits gegen unliebsame Menschengruppen vom Leder, seien es Schwarze ("Bimbos"), Linke ("Zecken"), Schwule, psychisch Kranke, säkulare Muslime oder Juden.

„Schön, dass Deutschland mich verdorben hat“

Bei aller Abscheu vor der lasziven, pluralistischen Gesellschaft in Deutschland: Zurück zu ihren ethnischen Wurzeln wollen diese jungen Frauen nämlich auch nicht. „Ich denk: Ist schön, dass Deutschland mich verdorben hat“, sagt im Stück eine bosnische Muslimin, „denn sonst wär ich ´ne bosnische Bäuerin und darauf geb ich ´n Scheiß.“ Heimat bietet, über ethnische Abstammungsgrenzen hinweg, die Idee eines romantisierten Islam, der umstandslos mit der Lebenswirklichkeit im Westen und den von ihr produzierten Bedürfnissen in Einklang gebracht wird: „Mein Islam is mir geblieben die Dschihadfront steht ich bin schwer für Dschihad aber mit der Liebe da wär ich echt mal glücklich zum ersten Mal in meinem Leben.“

Ist der Islamismus dieser „schwarzen Jungfrauen“ also nur ein juveniles Übergangsstadium, eine Variante im Angebot der Lebensstile, die auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten zu Schau gestellt werden? Wann immer man geneigt ist, das aggressiv geladene Gerede als bloße pubertäre Prahlerei abzutun, wird man in dem Stück mit Passagen wie dieser konfrontiert: „Ich kenn kein Juden und es soll so bleiben es gibt ja auch Deutsche die sagen Ich kenn kein Ausländer und so soll es bleiben. Ich geb ihnen Recht und es ist auch mein gutes Recht dass die Juden bei mir draußen bleiben die machen mich voll wütend mit ihrem Scheißisrael knallen seit Jahren Moslems zu tausenden ab und dann hör ich die ganze Zeit was von einzige Demokratie im Nahen Osten Israel is Terrorstaat und Punkt aus.“

Genaue Anleitung zum Terror

Wie kommt diese Hassideologie in die Köpfe der Einwandererjugendlichen? In breiten Strömen fließt sie vor allem über Fernseh-Satellitensender und durch das Internet fast ungehindert nach Deutschland ein. In ihrem soeben erschienenen Buch „Die Kinder des Dschihad. Die neue Generation des islamistischen Terrors in Europa“ (Piper Verlag, 14 Euro) zeigen sich die Autoren Souad Mekhennet, Claudia Sautter und Michael Hanfeld davon überrascht, „wie verbreitet das Angebot, wie ausgefeilt die Erziehung zum Hass und wie genau die Anleitung zum Terror ist.“

Auf hunderten Internetseiten kann man Hinrichtungsvideos und Kriegsszenen, die den weltweiten „Dschihad“ verherrlichen, herunterladen. Die Zahl der meist arabischsprachigen Seiten wächst ständig. Mehr als 500 Internetseiten stünden unter ständiger Beobachtung, sagte ein Vertreter eines deutschen Nachrichtendienstes den Autoren von „Die Kinder des Dschihad“. Inhalte vagabundierten über Server in der ganzen Welt, wodurch man illegale Sender nicht immer stilllegen könne: „Ich kann etwas dagegen tun, wenn einer dieser Provider in Deutschland oder Europa sitzt, aber nicht, wenn er sich in Süd-Pakistan aufhält“, sagt der Mann vom Nachrichtendienst.

„Let's go for jihad. Now!“

Sei ein Videofilm an einer Stelle nicht mehr zu erreichen, tauche er umgehend unter einer anderen Adresse wieder auf. „So ist auch die Internetseite „Let's go 4 jihad“ nicht mehr unter der ursprünglichen Adresse zu finden (www.lg4j.com)“, schreiben Mekhennet, Sautter und Hanfeld: „´Let's go for jihad´, und zwar „NOW!!!´ hatten dort die ´Mudschaheddin der arabischen Halbinsel´ ihren Brüdern zugerufen und lockten mit mehreren Dutzend Frontvideos aus dem Irak und aus Afghanistan. Unter www.almagribi.blogspot.com stehen ebenfalls jede Menge Videos zum Download bereit, solche von Angriffen und von den Auftritten von Selbstmordattentätern, die sich vor dem Attentat mit der Waffe in der Hand von ihren Angehörigen verabschieden.“

Auch Kinder befinden sich bereits als Zielgruppe fest im Fadenkreuz der Internet-Islamisten. Allein auf sie ausgerichtet ist die Seite www.awladnaa.net. „Sie stellt mit farbigen Comicfiguren dar, wie die ´richtige Erziehung von Kindern aussieht“, schreiben Mehhennet, Sautter und Hanfeld. „Sie lobt den Dschihad und weist dessen Kämpfer als Helden aus, deren Geschichten sich die Kinder in Comicstrips ansehen können. Die Juden, lernen die Kinder, seien für den Tod von 25 von Allahs Propheten verantwortlich sowie für eigentlich jedes Übel in der Welt, habituelle Kindermörder seien sie ohnedies. Wohin der Dschihad zu führen habe, wird auch gelehrt. Zunächst seien die muslimischen Regionen in Spanien, die Gegend um Sevilla oder Andalusien zurückzuerobern.“

Der mediale Arm von al-Qaida

Die Terrororganisation al-Qaida verfügt nach Aussage eines arabischen Terrorexperten über „einen militärischen Arm und einen medialen“. Wie al-Qaida selbst besteht ihr medialer Flügel jedoch aus einem fragmentierten, schwer greifbaren Netzwerk. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht über den Terror mit Verweis auf die Al-Qaida-Quellen berichtet wird. Oft fehlt die Quellenangabe aber auch, die terroristischen Botschaften tauchen im internationalen Informationsfluss unter.

Maßstäbe bei der medialen Verbreitung exzessiver Gewalt zum Zwecke der Propaganda hatte der inzwischen getötete jordanische Anführer des islamistischen Terrors im Irak, Abu Mussab al-Sarkawi, gesetzt. Im Mai 2004 erschien das Video, das die bestialische Enthauptung der amerikanischen Geisel Nicholas Berg zeigt. Seitdem häufen sich im Irak aufgenommene Videos von Hinrichtungen. Sie werden aus nächster Nähe gezeigt, die Schreie der Opfer in voller Lautstärke wiedergegeben. Vor der Abschlachtung werden die vermeintlichen „Verbrechen“ der Opfer verlesen, und diese werden gezwungen, ihre angeblichen Untaten zu gestehen.

Islamistische Version von Splatter movies

Weit verbreitet sind im Netz zudem Videos von Terroranschlägen auf amerikanische und israelische Soldaten in Irak, Afghanistan und Palästina. Der Abschuss von Militärfahrzeugen oder Panzern wird von triumphierenden „Allahu akbar“-Rufen („Gott ist groß“) und heroisierender Musik begleitet. Die Wirkung dieser islamistischen Version von Splatter movies besonders auf Jugendliche lässt sich leicht ausmalen. Sie vermitteln ein Hochgefühl von Allmacht über Leben und Tod, mit dem die Dschihad-Kämpfer ausgestattet seien und animieren dazu, jedes Mittel gegen „Ungläubige“ für gerechtfertigt zu halten.

Verherrlichende Bilder vom „Dschihad“ verbreitet auch der libanesische Fernsehsender „al-Manar“, der täglich weltweit von mehr als zehn Millionen Menschen gesehen wird. Auch in Deutschland ist er der am weitesten verbreitete islamistisch orientierte TV-Sender, der per Satellitenschüssel empfangen wird. „Al-Manar“ („Der Leuchtturm“) wird von der radikalislamischen Hisbollah im Libanon betrieben und, wie die Organisation selbst, wohl massiv mit Geldern aus Iran unterstützt – was der Sender freilich stets bestritten hat. Sein Hauptzweck ist Propaganda gegen Israel, die sich in heftigen „antijüdischen Hetzreden“ entlädt, wie ein Bericht des baden-württembergischen Landesamts für Verfassungsschutz feststellt. Gezeigt wird unter anderem eine Dokumentarserie, die „die Verbrechen des zionistischen Feindes an den Arabern und Muslimen offen legt.“ Die Greuelgeschichten über „zionistische Massaker“ verfehlen ihre Wirkung auf jugendliche muslimische Zuschauer nicht, die sie häufig für bare Münze nehmen. So erklärte ein halbwüchsiger deutsch-arabischer Jugendlicher kürzlich gegenüber „Spiegel TV“, „die Juden“ würden wehrlose muslimische Kinder vor den Augen ihrer Eltern erschießen, um sie in den Wahnsinn zu treiben. Er wisse das aus den Nachrichten von „al-Manar“.

„Weil sie Affen und Schweine sind“

Der Sender betreibt auch einen Kinderkanal, der den Kleinen frühzeitig Hass gegen die „Zionisten“ und „Ungläubigen“ einpflanzt. Aus dem Programm von „Iqra“, einem anderen, hierzulande viel gesehenen Sender – er hat seinen Hauptsitz in Saudi-Arabien – zitiert der Bericht des baden-württembergischen Verfassungsschutzes die folgende Passage. Eine Moderatorin fragt ein dreijähriges Mädchen, ob sie sich „mit Juden auskennt“. Das Mädchen antwortet, es kenne sie und möge sie nicht. Warum?, fragt die Moderatorin. Das Mädchen antwortet: „Weil sie Affen und Schweine sind.“ „Wer hat das gesagt?“, fragt die Moderatorin weiter. Das Mädchen antwort: „Unser Gott“. „Wo hat er das gesagt?“ „Im Koran.“ Die Moderatorin fordert anschließend alle Mütter auf, ihre Kinder auch zu so „guten Muslimen“ zu erziehen. Antisemitische Agitation dieser Art lässt sich auch über die Internetadresse live.irib.ir („Islamic Republic of Iran Broadcasting“) beziehen. Auf dieser Seite kann man Sendungen staatlicher iranischer Fernseh- und Radiosender aufrufen.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat kürzlich seine Absicht bekundet, schärfer gegen die mediale islamistische Propaganda vorzugehen. Doch durch schärfere Zensur im Internet wird die Faszination, die von dieser Gewaltideologie ausgeht, nicht zu beseitigen sein. Das Fernsehmagazin „Kulturzeit“ von 3Sat berichtete im Frühjahr von einer Studie, die von der Alice-Salomon-Fachhochschule in Berlin auf der Basis einer Befragung von 100 muslimischen Kindern zwischen 9 und 14 Jahren angefertigt worden ist. Das Ergebnis zeige, dass Antisemitismus und Hitler-Verehrung bereits in den Köpfen der Kinder verhaftet sind. Die Schulleiterin einer Grundschule in Berlin-Neukölln erzählte in derselben Sendung vom Aufsatz eines Schülers der sechsten Klasse. Darin habe er geschrieben, "man sollte alle Juden in das Meer treiben und dieses Land den Palästinensern wieder zurückgeben". Auf die Erwiderung der Schulleiterin hin, Menschen müsse man wie Menschen behandeln, entgegnete dieser Schüler: "Alle ja, nur nicht die Juden."

Artikel erschienen am Di, 29. August 2006, Die Welt
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