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Wie werde ich erfolgreich. Folge 04

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Hänsel und Gretel
Pathfinder


Anmeldungsdatum: 08.02.2002
Beiträge: 416
Wohnort: Diese Erde

BeitragVerfasst am: 28.Feb 2002 16:11    Titel: Antworten mit Zitat

Nichts ist schlimmer, als einem Menschen zuhören zu müssen, der mit seiner Sprache, also mit verbaler Ausdrucksform, einen Teil seines Unterhalts zu bestreiten versucht und diese Fähigkeit nur sehr mangelhaft beherrscht. Es geht nicht um Dialekte oder Mundarten mit ihren manchmal recht kuriosen Eigenheiten.

Es geht auch nicht um Fremdsprachen, an denen schon bekannte Häupter wie der seinerzeitige Bundespräsident Heinrich Lübke gescheitert ist, als er in Schwarz-Afrika seine Begrüßungsrede mit den Worten begann: "Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger...". Auch der Ausspruch des Herrn Lübke: "Equal it goes loose...", anstelle für "jetzt geht's los", bleiben mit Tränen in den Augen unvergessene Highlights deutscher Spitzenpolitik. Das brachte Herrn Lübke folgende Umschreibung ein: "Penis-Lübke, der Einfalls-Pinsel".

Sprache als Waffe oder als Werkzeug, wurde schon einmal mit ein paar wenigen Sätzen bedacht, aber nicht in Gänze.

Stammelnde und stotternde Gesellen der sprechenden Zunft sind ein Gräuel. Sie wirken unbeholfen und man ist geneigt, ungewollt zu soufflieren, damit das Drama ein Ende erreicht. Nachrichtensendungen mit diesen Verbalakrobaten bestückt hieße, die doppelte Sendezeit zur Verfügung stellen zu müssen. Teurer Spaß. In professionellen Sprachschulen, wie auch auf Schauspielschulen, wird die Kunst des verbalen Ausdrucks, also der Sprache gelehrt. Das kostet sowohl Zeit, als auch Geld. Das eine hat man nicht und das andere will man sich erst verdienen.

Was soll das Ganze, werden sicher einige fragen? Ich kann doch sprechen! Da könnte man doch gleich wieder den Kindergarten besuchen...! Wenn's der Sache dienlich ist. Nur zu. Wie viele Telefonate führen Sie täglich? Mal ehrlich. 5 oder 10. 20 oder 50? Kommen wir der Sache schon etwas näher. Etliche Anrufe werden meinerseits täglich geführt. Wichtiges als auch weniger Brisantes.

Beschränken wir uns auf die Gespräche, welche wir für wichtig erachten. Wie oft ertappe ich mich dabei, dass ich während eines Telefonates, gelangweilt vom Text des Anrufers, Männchen auf einen Schreibblock kritzele oder mit der Maus Figuren in den Bildschirm male. Warum?

Weil ich eine ekelhafte Angewohnheit besitze, die den Anrufer oder sonstigen Gesprächspartner zur schieren Verzweiflung bringt.

Und welche ist das und wo bleibt das Beispiel? Kömmet schon. Zwei Pistoleros stehen sich zum Duell gegenüber. Jeder hat eine Waffe mit jeweils 6 Schuss zur Hand. Der Eine schießt wie der Teufel drauf los und verballert seinen Magazininhalt und der Andere weicht diesen Schüssen parademäßig und bravourös aus. Aha. Der Eine steht nun ohne Munition da, und der Andere geht locker zur Sache. Er hebt die Knarre, zielt in Ruhe und Gelassenheit und KLICK. Peng, Ende und aus. Vorhang und Applaus auf allen Rängen.

Hört sich gut an? Das ist gnadenlos. Lassen Sie den Anderen doch erst einmal sabbeln und achten dabei auf das, was er sagt; was er eigentlich will. Hat er fertig, so besitzen Sie noch ein volles Magazin. Damit bringen Sie ihn zur Strecke. Sehr probat. Dazu muss man aber sein Handwerk verstehen, denn wenn keiner der Schüsse ihrerseits trifft, holt der Kontrahent zum Konterschlag aus, weil er sich zwischenzeitlich erholt hat.

Sprache muss flüssig kommen. Die "eh" und "äh" krempeln uns den Magen um und zwingen zum Weghören. Keine Faszination. Keine Abwechslung. Keine Verpflichtung, den Rest auch noch hören zu wollen. Man möchte aufstehen und gehen. Es geht nicht um Parolen, die überzeugen sollen. Nicht einzelne, ausgeklammerte Phrasen, die man auswendig kann wie die Wochentage. Es geht um die dreidimensionale Darstellung der Dinge und Sachen, welche elementarer Bestandteil meiner Ansprache oder meines Verkaufsgespräches sind.

Je interessanter ich diese darzustellen in der Lage bin, desto höher ist die Aufmerksamkeit meines Gegenüber. Man kann es auf 2 verschiedene Arten bringen. "Äy Aldä, mussu hier dein krasse Name konkret anmeldä...". Oder man sagt: "Wenn Sie bitte so freundlich wären hier gegenzuzeichnen, dass Sie bei mir nichts unterschrieben haben..."? Sie lachen? Warum? Der Joke ist so offensichtlich, dass er von Ihrem Kunden durchschaut werden SOLL. Er grient wie eine Schmalzbacke und sein Gesicht signalisiert "ich habe kapiert...", er greift den Stift und pinselt. Peng. Danke und Empfehlung.

Und das funktioniert? Nehmen Sie es nicht persönlich, aber es kommt auf den Umstand an. Was biete ich an? Was ist mein Ding? Wer sitzt da gegenüber? Wie stark ist meine Persönlichkeit und und und. Also schon ein wenig mit Niveau. Und eins muss man sein. Wach. Wach, aufmerksam und schnell wie eine Rasiererklinge. Tranige Verkäufer, die sich offensichtlich in einer mir völlig unbekannten Zeitdimension bewegen und denen man beim Gehen die Schuhe besohlen kann, strahlen unsägliche Langeweile aus, die eher einem Beamten mit Pensionsberechtigung zusteht, der kein Leistungsziel verfolgt, sondern eher vom Leistungsziel verfolgt, aber nie eingeholt wird. Wo lernt man das? Diese spritzige, verbindliche, aber dennoch nicht persönliche Art des Gesprächs im Rahmen eines Verkaufs? Ich selbst bevorzuge noch heute die Fußgängerzonen großer Städte wie z. B. Frankfurt. Dort stehen sie. Die Meister der losen Lippe.

Die Propagandisten. Neben den Eingängen der großen Kaufhäuser. Vor den Schaufenstern links und rechts der Türen bauen sie ihre Tische und Stände auf. Was dort angeboten wird, ist unwichtig. Stellen Sie sich einmal daneben und hören mit beiden Ohren aufmerksam zu. Suchen Sie einen "Guten". Auch da hat's Unterschiede. Primitivpöbler mit eher asozialem Tenor, wie auch Feinsprecher. Ich bevorzuge den Feinsprecher. Er genießt es zu sprechen und lässt Sie an diesem Genuss teilhaben. Dass er nebenbei auch noch was verkaufen will, ist Ihnen egal. Wenn Sie ihm dennoch etwas abnehmen, ist es mehr der Obolus, den Sie im Kino als Eintritt auch hätten entrichten müssen, um dem Film beiwohnen zu können.

Diese Verkäufer müssen sich ihre Kundschaft ziehen. Nicht wie ein Verkäufer im Laden. Der wartet, bis man etwas bei ihm bestellt. Er wiegt es ab und verpackt es. Knipst den Bon an die Tüte und reicht es Ihnen über den Tresen. Eigentlich mehr ein Verpackungs- und Wiegekünstler, denn ein Verkäufer. Er hat sein sicheres Geld und macht nicht mehr, als er soll. Der Propagandist hat also keine Kundschaft, auf die er gelassen warten kann. Er muss sie ziehen. (Ja ja - steht schon weiter oben. Besser zweimal als gar nicht...)

Er "zieht" sie im wahrsten Sinne des Wortes in seinen Bann. Jetzt darf er sie nicht mehr loslassen. Mit "eh" und "äh" und langweiligem Allerwelts-bla-bla, steht er bald wieder alleine da und der Umsatz hängt im Seil. Hier kommt die Faszination einer dreidimensionalen Ausdrucksweise zum Vorschein. Jetzt, wenn der Stand von vielen Leuten umzingelt wird, gerät unser Kandidat zur Hochform und zieht alle Register. Er suhlt sich in seiner eigenen Pracht und Herrlichkeit und wenn er lacht, dann lachen auch die Zuhörer. Und wenn er heult, dann brammen die Zuhörer mit. Das ist wahrhaft Erfolg.

Geht er allerdings mit seinem Umsatz in die nächste Kneipe und gurgelt seinen Führerschein zum Teufel, so ist er schwach und sein Tun beschränkt sich auf eine kurze Strecke. Nichts von Dauer und kein Fundament, auf das es sich aufzubauen lohnt.

Gibt es eine Möglichkeit diese Fertigkeit des Ausdrucks zur Übung zu machen, ohne gleich eine Schauspielschule zu konsultieren? Jau. Stellen (stellen - nicht setzen) Sie sich vor Ihren Wohnzimmerschrank oder vor ein Regal. Hauptsache Ihr Auge erfasst mehr als 20 verschiedene Gegenstände unterschiedlicher Art. 20 verschiedene Bücher gilt also nicht. Beginnen Sie, wie beim lesen auch, mit dem ersten Gegenstand links. Und nun zum zweiten, dritten usw. Jetzt haben Sie alle Gegenstände erst einmal beschnuppert und Ihre Strecke abgesteckt. Sie gehen wieder zum ersten Gegenstand. Nun werden wir dieses Ding, was immer es auch ist, genauer betrachten.

Was ist es? Wie nennt man es noch? Wozu dient es? Kann es jeder benutzen? Woraus besteht es? Hat es Geschmack oder Aroma? Wie viel wiegt es? Gibt es davon auch Varianten? Wenn Ja, warum? Was sind die Vorteile, es zu besitzen?

Was sind die Nachteile, es nicht zu besitzen? Benötigt es Strom, oder funktioniert es mit Batterie oder Akku? Gibt es Zubehör? In welchen Farben ist es zu haben? Gibt es verschiedenen Größen? Ist es wasserdicht oder kindersicher? Leuchtet es nachts, oder macht es ein Geräusch? Jetzt kommt Gegenstand Nummer 2 usw., bis die Reihe durch ist. Haben wir erst einmal den richtigen Rhythmus gefunden, setzen wir unsere Gedanken in hörbare Sprache um. Wir beginnen wieder links mit dem ersten Teil. Laut und deutlich und in flüssigen zusammenhängenden Sätzen, sprechen wir nun das aus, was wir vorher schon formulierten. Zugegeben. das ist eine Übung für Profis, nicht für Amateure.

Eigentlich erstaunlich, was irgend ein Ding an Eigenschaften inne haben kann. Finden Sie nicht? Diese Palette der Eigenschaften sollte man wissen, bevor man sie einem anderen nahe zu bringen versucht.

Wer sich jetzt albern vorkommt, weil er sich in einem Zimmer mit der Inneneinrichtung unterhält, sollte es lassen.

Hält Ihnen aber irgendwann, irgendjemand, irgendein Mikrofon vor die Schnüss und erwartet einen Live-Kommentar zu diesem und jenem, wären Sie froh, allein in einem Zimmer zu stehen und sich mit der Einrichtung unterhalten zu DÜRFEN, anstatt mit gewohntem "eh" und "äh" die Atmosphäre zu verpesten, wie es viele, auch Prominente zu tun pflegen.

Konzentration und auch hier, die Bereitschaft zum Aufstieg in die Oberliga sind unabdingbare Voraussetzungen dafür. Womöglich wird Stoiber trotz seiner latenten Legasthenie Bundeskanzler. Na und? Es soll ja auch Leute geben, die T. G. für einen Entertainer halten.

Und ein Herr Thomas Gottschalk macht solche Übungen auch? Das glaube ich jetzt aber nicht...werden manche sagen. Ich glaube das auch nicht. Thommy muss nur auftreten und sich präsentieren. Seine Goldlöckchen zeigen und die Kauleiste muss grinsen. Das reicht in Deutschland. Aber auch nur hier.

Stellen wir Herrn Gottschalk mal auf eine Bühne im Cesar's Palace. So viel Tomaten hat kein Obst- und Gemüsehändler in Las Vegas vorrätig, wie dann benötigt würden, ihn von der Bühne zu vertreiben. Jeder drittklassige Entertainer aus den Staaten stampft unseren lieben Thomas Gottschalk in Grund und Boden. T.G. kann spontan und originell sein. Für hiesige Verhältnisse reicht es offensichtlich aus, sich als Entertainer feiern zu lassen. Aber nicht auf den wirklichen Bühnen dieser Welt. Da müsste Herr Gottschalk noch etwas nachlegen und sich vielleicht doch vor ein Regal oder den Wohnzimmerschrank stellen.

Er kann nicht tanzen, nicht singen und spielt außer Harnröhre kein Instrument. Etwas mager für einen ENTENtrainer. Sammy Davis jr. hingegen war schwarz, sehr klein und nicht der Schönste. Aber er brachte die Säle zum Kochen und sein Publikum zum Wahnsinn.

WELT-ERFOLG.

Die Masse der Sonne nimmt ca. 1 Mio. mal die Masse der guten alten Mutter Erde ein. Wie provinziell klingt dagegen schon Deutschland...
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