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Wie werde ich erfolgreich. Folge 08

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Hänsel und Gretel
Pathfinder


Anmeldungsdatum: 08.02.2002
Beiträge: 416
Wohnort: Diese Erde

BeitragVerfasst am: 4.März 2002 19:13    Titel: Antworten mit Zitat

Nicht für die Schule, sondern für das Leben, lernen wir. Der Volksmund fälscht die Aussage in: "Nicht für den Lehrer, sondern für dich, lernst du", gnadenlos ab. Genau genommen sind aber beide Aussagen irgendwie und immer zutreffend.

Bist du was - hast du was und Wissen ist Macht und so weiter. Mit diesen netten Sprüchen werden wir seit unserer Kindheit geprügelt und geplagt. Es verfolgt dich bis in den Schlaf, gräbt sich unbarmherzig in den Hinterkopf und veranlasst dich, dein restliches Dasein danach zu strukturieren und dich entsprechend zu verhalten.

Stimmt das alles jedoch? Ich zweifele stark daran! Selbst, wenn du in der Schule die Oberleuchte in Mathe bist und die Französische Revolution rückwärts flöten könntest, hievte dein Lehrer dich nicht in den Kreis seiner Lieblinge, wenn er dich schlicht und einfach nicht leiden kann. Hochgradig ungünstige Voraussetzungen für einen künftig erfolgreichen Absolvent der Schule. Das Lernen fällt schwer und macht keinen Spaß. Und hier taucht dann zum ersten Mal die Frage in dir auf: "Wozu mache ich das alles eigentlich? Der (Lehrer) kann mich doch eh nicht leiden...?" Resignation, Unwohlsein, permanente Zweifel und die Geburt des Lampenfiebers sind die direkte Folge dessen.

Lerne ich also doch für den Lehrer, für die Eltern und alle anderen, die "große Erwartungen" über mich stülpen, ohne mich vorher danach zu fragen, ob ich mit diesen Erwartungen auch konform gehe? Offensichtlich ja. Sobald ich den Erwartungshaltungen eines Anderen entspreche, werden aus roten, plötzlich grüne Ampeln und aus Sackgassen werden Highways mit Fahrspuren in alle erdenkliche Richtungen. Das ist ja mal wieder einfach. Man wählt für sich den Weg des geringsten Widerstandes und alle Türen gehen auf?! Opportunismus nennt man diese Lebensart, die "Fahne in den Wind zu hängen". Anpassung. Das Aufgeben des eigenen Standpunktes. Ein Beispiel kann uns hier verdeutlichen, wozu so etwas führt.

In den sechziger Jahren tourte ein gewisser Gerd Höllerich mit seiner Band durch die Augsburger Kneipenszene und die Clubs der ansässigen US-Streikräfte und erfreute sich und seine Zuhörer mit Rock 'n' Roll-Musik. Ein Star war er damals noch nicht, aber er war mit dem was er tat, vollends zufrieden. Das war seine Musik und seine Welt. Rock 'n' Roll. Sein späterer Manager entdeckte ihn und erschuf daraus den Schnulzi Roy Black. "Ganz in weiß" verkaufte sich wie Freibier und diese Schiene wurde sein Profil. Der softe Schmusebarde mit der samtkratzenden Stimme und den treuen Dackelaugen, bohrte sich jahrzehntelang in die Herzen seiner Fans. Kennen wir alles selbst und viele Lieder sogar zum Mitsingen.

Der Mann zerbrach. Der Griff zur Flasche und zu Tabletten füllt auch noch heute gerne die Spalten der Gazetten. Er war innerlich ein Rocker, ein Rock 'n' Roller. Kein Schnulzi und kein Schmusi. Leder statt Tracht. Gitarre statt Zither. Er nahm sich letztendlich das Leben und bereitete sich selbst und der lebenslangen Lüge nicht ER gewesen zu sein ein Ende.

Der hier zwanghaft und vordergründig in Erscheinung tretende Erfolg, war nur eine Kulisse. Genauer betrachtet also, war es in Hinblick auf das Ende, eher ein Desaster. Die damit verbundenen Annehmlichkeiten während der Karriere, stellen sich postum betrachtet, nicht als befriedigend dar und sind auf keinen Fall Ersatz für innere Zufriedenheit.

Wie kommt es dazu? Schauen wir doch einmal über den Zaun in Nachbars Garten. Dort hängt die Nachbarin gerade ihre Wäsche auf die Leine. Was ist daran so ereignisreich? Schauen wir einmal etwas genauer hin. Die großen Teile, wie z. B. Bettlaken und Tischdecken, werden als "Sichtblende" nach außen zur Straße hin, also als optische Mauer in Richtung der angrenzenden Grundstücke gehangen. Schau an. Dahinter folgen nach einem ebensolchen Ritual-Prinzip erst die Hemden und Blusen, die Handtücher und Schlafanzüge und ganz innen, also zum Schluss, dort wo keiner mehr hingucken kann, dort hängen die Sloggy's und Renngürtel. Die Slips, Strapse und die Büstenhalter. Vaters Feinripp hängt dort auch. Die Unterwäsche. Die intimen Dinge des Individuums. Das, was keinen Anderen etwas angeht. Wir schämen uns, weil wir Unterwäsche tragen? Oder weil wir sie waschen? Oder weil wir sie vorher getragen haben und damit ein Motiv zum Waschen auslösten? Man mag es kaum glauben, aber es scheint so zu sein. Noch vor wenigen Jahren wurde beim Kauf von Damenbinden, die Packung gegen Einsicht mit Papier umwickelt. Heute knallt uns die Slipeinlagenwerbung beim Abendbrot die Wurst von der Brotschnitte. Die Zeiten ändern sich oftmals schneller, als der Mensch, der darin lebt.

Wir verhalten uns somit entsprechend. Entsprechend der Erwartungshaltung einer imaginären Person, die ständig auf uns einredet und uns sagt, was wir zu tun und zu lassen haben. Diese Strukturen werden uns schon sehr früh beigebracht. “Gib' dem Onkel (oder der Tante) das Händchen, das "schöne Händchen". Erstens ist es kein Onkel im verwandtschaftlichen Sinne und zweitens erzwingt man Sympathie, wo vielleicht keine ist. Angenommen, das Kind scheut wie ein Pferd vor diesem Hindernis und rückt die Flosse nicht ums Verrecken raus. Oh oh. Das Theater im Nachhinein zu Hause kann man sich vorstellen. Welch' eine Blamage! Das passiert NIE wieder, sonst...! Beim nächsten Händchengeben funktioniert das Spiel dann völlig automatisiert, eher schon traumatisiert.

Sie erinnern sich an unser kleines Händeschütteln? Das sind die fundamentalen Zusammenhänge, die Ressentiments. Wir passen uns an, dennoch wir es nicht wollen. Irgendjemand hat irgendwann irgendwelche Regeln erfunden, von denen keiner was weis, keiner sie kennt, aber sich alle daran zu halten scheinen. Merkwürdig ist es schon. Sobald sich aber jemand erdreistet, gegen diese Regeln zu verstoßen, weis es gleich die ganze Welt. Peinlich genau und in Zeitlupe.

Diese Peinlichkeit wollen wir uns ersparen und spielen mit diesen Regeln. Man schneidet keine Kartoffel mit dem Messer...!!! Basta. Warum eigentlich nicht? Weil...?!? Ach so. Deshalb also. Na dann ist es klar. Weil man damit gegen die guten Tischsitten verstößt! Und Knigge hat es auch gesagt, also basta. So ein Quatsch. Die Regel stammt aus einer Zeit, in der es noch keinen rostfreien Stahl gab und das Messer nach einem Schnitt in etwas Nasses (eine Kartoffel zum Beispiel) zu rosten begann und dadurch unbrauchbar wurde. Messer waren damals teuer. Knigge hingegen war ein Satiriker und Zyniker, der mit seinem Machwerk "Über den Umgang mit Menschen", die Bourgeoisie neckte und bis heute nicht korrekt interpretiert wird. Schneiden wir demnach heute Kartoffeln mit dem Messer, schadet es dem Messer nicht mehr. Es ist mittlerweile rostfrei. Die Kartoffel nimmt es mir auch nicht weiter übel. Was ist aber mit dem Händchengeben?

Wir bilden uns ein, der, dem wir keine Hand schütteln, ist nun mächtig sauer und denkt schlecht von uns. Ich reiche meine Hand somit einem Menschen, den ich noch nicht einmal mit der Zange berühren will und habe mich mal wieder beugen lassen. Sloggy mal wieder ganz innen. Ich entspreche unentwegt.

Ich unterwerfe, und man kann es nicht oft genug betonen, mein Ziel und Streben den Erwartungshaltungen mir völlig unbekannter Personen und nicht mit einer Silbe hinterfragten Regeln. Sie erinnern sich? These Synthese Antithese? Wo bleibt unsere Antithese, wenn wir pausenlos entsprechen, funktionieren uns beugen und uns unterwerfen? Nun? Wir wollen keine Rebellen sein. Wir wollen nicht auffallen und um keinen Preis anecken. Warum nicht? Das schickt sich nicht. Sagt wer??? Aha. Vorsicht Falle. Stellen Sie keine Fallen dort auf, wo Sie der Einzige sind, der 'reintritt. Alles schon in den vorausgegangenen Folgen beschrieben und gelesen.

Es klingelt an Ihrer Tür! Hallo, wo laufen sie denn hin? Das war nur ein Beispiel. Noch einmal von vorn. Es klingelt an Ihrer Türe. Sie gehen hin und öffnen. Vor Ihnen steht ein Mann mit weißem Zylinder und weißer Kluft. Eine Drahtrolle über der Schulter und eine Kugel hängt dran. In Ihrem Kopf galoppiert nun alles durcheinander. Wer ist das? Der Schornsteinfeger? Nein, weil der ja schwarz ist. Versteckte Kamera? Ist das gar nicht mein Haus? Träume ich? Merken Sie etwas? Auch Sie unterwerfen diesen Herrn Ihrer Erwartungshaltung!!! Schornsteinfeger haben sich schwarz zu kleiden und basta. Warum? Wenn er sich doch gerne schmutzig macht? In einer schwarzen Kluft...! Was meinen Sie? Macht man sich nicht schmutzig? Doch doch, - aber man sieht es nicht so deutlich.

Immer wieder das selbe. Sloggy ganz innen. Gut getarnt und quasi "unsichtbar". Wir stoßen den ganzen Tag auf Menschen, Dinge und Situationen, die unseren Erwartungshaltungen fraglos unterworfen werden und zu entsprechen haben. Tun sie es nicht freiwillig, so helfen wir brachial nach. Es geht hier nicht um Gesetze, Knöllchen verteilen und Ähnlichem. Es geht um besagte Regeln, die irgendjemand, irgendwann und für irgendwen erschaffen hat und sich alle daran halten, ohne das “Für und Wider“ zu hinterfragen. Die schlichte Art der Anpassung. Eher ein Störfaktor für Erfolg!

Die Krönung der Erfüllung der Erwartungshaltung ist die Aussage: "...den (oder die) kenn' ich..."! Au Backe. Hier setzt derjenige, der diese Aussage trifft eine explizite Abfolge von nun in Erscheinung tretender Ereignisse voraus und gibt dem Betroffenen kaum eine Chance, sich anders zu verhalten. Böse Falle! Basierend auf der Tatsache, dass der Betreffende in ähnlichen Situationen schon einmal so handelte, setze ich mit einer unnachahmlichen Selbstverständlichkeit voraus, dass es ewig und drei Tage so bleiben wird. Man kastriert dem Betreffenden jegliche Möglichkeit der persönlichen Weiterentwicklung, die ihm nach einigen Erkenntnissen dazu verhelfen könnte, ANDERS zu handeln. Handelt er plötzlich anders, so hört man dann: "...das ist aber nicht der ... , den ich kenne...", oder kennen gelernt habe.

Ehepaare sind nicht selten 20, 30 oder gar 35 Jahre verheiratet, wenn's denn so weit kommt. Nichts gegen einzuwenden. Und wenn sich beide nicht mehr verstehen, das ist auch oftmals der Fall, dann bleiben sie dennoch zusammen. Warum? Wegen der Leut'. Was sollen denn die Nachbarn sagen, wenn plötzlich ein Möbelwagen vor dem Haus steht und die Hälfte der Einrichtung abholt...? Die werden sich das Maul zerreißen...! Wie steht man denn da? Also man bleibt. Tüte über'n Kopf, wenn man einkaufen geht? Genau das ist es. Wir halten lieber eine kaputte Taschenlampe in die Dunkelheit, anstatt uns Gedanken über neue Batterien zu machen. Wir halten eine Kette zusammen, an der jedes Glied das Schwächste ist und machen uns ständig was vor.

Und daraus soll Erfolg entstehen? Niemals! Das ist der ungünstigste Nährboden als Ausgangsbasis. Wie kommt man denn da wieder 'raus, aus dieser Zwickmühle? Zugegeben, es ist nicht so leicht. Aber es ist machbar.

Machen Sie einfach einmal das, wonach ihnen gerade ist und was Ihnen gerade in den Kopf kommt. Ein Beispiel? Oh bitte sehr.

Ich sitze allein in einem Café, Bistro oder so was. Plötzlich fällt mir ein Riesen-Joke ein. Vom Vortag aus einer Comedy-Show. Ein echter Brüller. Ich stelle ihn mir noch einmal derart realistisch vor, so dass ich lauthals an zu lachen fange. Wohlgemerkt, ich sitze allein.. Alles was Augen hat starrt mich plötzlich an. Warum? Weil kein SICHTBARER Grund für meine ausgelassene Heiterkeit erkennbar scheint. Wo zum Teufel ist der, der den Witz erzählt hat, über den der Typ da lacht...? In den Gesichtern der Glotzenden sehe ich Fragezeichen, Empörung und absolutes Unverständnis darüber, wie ich mich als Alleindasitzender erdreisten kann, ohne ersichtlichen Grund laut zu lachen. Die Heiterkeit ist demnach nur einer Gruppe von mindestens zwei Leuten vorbehalten. Da ich nur einer bin, darf ich also nicht lachen. Ich muss ernst bis traurig vor mich hin starren und mein tristes Dasein fristen?

Auf gar keinen Fall! Ich lache, wenn es mir zum Lachen zumute ist und weine, wenn ich auch dazu einen Grund verspüre, unabhängig davon, ob ich alleine bin oder in Gesellschaft eines Kegelvereins reise. Dass man mich noch nicht "wegen Lachens ohne Beisein eines Zweiten" in eine Zwangsjacke gesteckt hat, grenzt an ein Wunder.

Ich stelle meine eigenen Regeln auf und beuge mich um keinen Preis irgendeiner völlig unsinnigen und suspekten Erwartungshaltung einer mir ebenso suspekten und unbekannten Person. Ich schneide meine Kartoffeln mit dem Messer und wenn es sein muss, mit einem Schuhlöffel. Ich esse Himbeereis zum Frühstück und tanze Rock 'n' Roll im Fahrstuhl. Ich singe mir selbst ein Liedchen vor, wenn ich im Supermarkt in der Warteschlange an der Kasse stehe und sage in Ostfriesland "Grüß Gott".

Ich will anders sein, als die Masse. Dazu benötige ich weder eine rote Pappnase, noch eine Trompete, um auf mich aufmerksam zu machen. Ich will der Würfel unter den Kugeln sein, den man sofort sieht und beachtet. An dem man sich stößt, weil er Ecken und Kanten hat. Dem man zuhört, weil er offensichtlich etwas kann und was zu sagen weis.

Erst dann kann ich tief durchatmen und mich FREI bewegen. Frei von gesellschaftlichen Zwängen, die mir die Luft zum Atmen nehmen und mir den Hals zuschnüren, bis ich daran ersticke. Regeln, denen ich mich so lange unterwerfe und anpasse, bis ich nicht mehr die Kraft habe aufzustehen, um MEINEN Weg zu gehen.

Das alles ist Ballast, den es abzuschaffen gilt, und erst dann ist man frei. Frei für Neues. Neues und Eigenes. Self made so zu sagen. Vom Tellerwäscher zum Millionär.... ein "SELF MADE MAN" also. Das ist dann Erfolg.
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