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Worum geht es in Georgien?

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hdschulz
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Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 1142

BeitragVerfasst am: 25.Aug 2008 17:05    Titel: Worum geht es in Georgien? Antworten mit Zitat

Glaubt man den deutschen Medien - vor allem deren linkslastigen Vertretern, die reflexhaft auf alles eindreschen, was sich amerikafreundlich zeigt - so hat den Konflikt um Georgien ein politischer Hasardeur namens Saakaschwili vom Zaun gebrochen, der nun zu Recht von den Russen in die Schranken gewiesen wird, denen man nachsehen kann, dass sie sich beim Ausnutzen der Situation nicht gerade zimperlich zeigen.

Dass es starke Indizien dafür gibt, dass Kriegsschuld und Kriegsziele ganz anders interpretiert werden können, zeigt eine Analyse aus "Zettels Raum":

Das Schema, das die Russen lanciert haben und das jedenfalls in Deutschland bereitwillige Abnehmer findet, besagt, daß ein unberechenbarer Präsident Saakaschwili sich in ein militärisches Abenteuer gestürzt hat und dafür von den Russen bestraft wurde, die ihre Bürger geschützt und Schlimmeres verhütet haben und die jetzt als Friedensmacht weiter in Georgien für Ordnung sorgen.

Das Master Narrative, das Autoren wie Krauthammer und Köpper vertreten und dem ich inzwischen (nachdem ich mir anfangs keine Entscheidung zugetraut hatte) ebenfalls zuneige, nimmt hingegen an:

Nach zehn Jahren der Aufrüstung fühlt sich Putin jetzt stark genug, an die Wiederherstellung des russischen Imperiums zu gehen. Georgien bot sich als Testgelände dafür an, wie die Nato reagieren würde, weil Rußland dort in einer militärisch günstigen Position ist.

Die Entscheidung fiel nach der Konferenz von Bukarest, auf der die Nato Georgien den Status "Membership Action Plan" verweigerte und die Entscheidung auf Dezember vertagte. Vor diesem Termin und vor allem vor den Wahlen im November, die möglicherweise McCain zum nächsten Präsidenten der USA machen würden, mußte Putin handeln, wenn er denn Georgien unter seine Kontrolle bringen wollte. Die Zeit der Olympischen Spiele bot sich an.


Die ganze Analyse mit Quellenangaben hier.
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preusse
Specialist


Anmeldungsdatum: 17.10.2005
Beiträge: 236

BeitragVerfasst am: 26.Aug 2008 15:11    Titel: Antworten mit Zitat

berechtigte sicht, aber auch nur die halbe wahrheit.
die russen werden zu diesen kraftproben punktuell getrieben.
mit der nato als verlängerten arm machen die amerikaner us-aussenpolitik.
sie rücken russland auf die pelle. mal schauen, ab welcher schmerzgrenze der russe quiekt.
jetzt quiekt er!

preusse
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hdschulz
* Consulter *


Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 1142

BeitragVerfasst am: 26.Aug 2008 17:48    Titel: Antworten mit Zitat

preusse hat folgendes geschrieben::
...mit der nato als verlängerten arm machen die amerikaner us-aussenpolitik....
Generell sicher eine berechtigte Sicht - inwiefern das auch für den aktuellen Georgienfall zutreffen soll, erschließt sich mir nicht.
Schließlich hat die Nato Georgien den "Wartezimmerstatus" verweigert und Condi hat Saakaschwili davon abgeraten, in Südossetien militärisch zu intervenieren. Es scheint mir auch logisch, dass die Amis nach den "windfall profits" in Folge des Zusammenbruchs der SU heute an dieser Stelle eher keinen weiteren Druck auf Rußland ausüben wollen - also wenn der Russe z.Zt. quiekt, dann eher, weil ihm die eigene Pelle zu eng geworden ist.
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preusse
Specialist


Anmeldungsdatum: 17.10.2005
Beiträge: 236

BeitragVerfasst am: 26.Aug 2008 18:08    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
...inwiefern das auch für den aktuellen Georgienfall zutreffen soll, erschließt sich mir nicht.


na strategisch schon.
die amis haben ihr schutzschild aktuell fast bis vor die tür der russen geschoben. diese jüngste entwicklung hat die russen endgültig auf den plan gerufen.
langfristig, georgien ist dann auch in der nato, sind die amis dann in der tür.
da bauen sie jetzt eigene positionen auf.
im klartext, die russen organisieren verhandlungsmasse.

preusse
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Moderator GM&P
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 7645

BeitragVerfasst am: 26.Aug 2008 18:53    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Worum geht es in Georgien?


Zitat:
Am dritten Tag der Auseinandersetzung mit Russland flog die US-Armee nach übereinstimmenden Angaben von Nachrichtenagenturen mindestens 800 georgische Elitesoldaten aus dem irakischen Kriegsgebiet in den Kaukasus. Mit acht Transportflügen seien je 100 Soldaten aus dem Irak ausgeflogen wurden, berichtete Generaloberst Anatoli Nogowizin, der Vizechef des russischen Generalstabs, der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti am 11. August.

Gegenüber der US-Agentur AP bestätigte ein nicht genannter US-Militär den Truppentransport am gleichen Tag. Man habe die Russen zuvor darüber informiert, um "Unfälle" (mishaps) zu vermeiden, schrieb AP-Reporter David Nowak. In Washington ging man mit dem Thema nicht ohne Grund sensibel um: Die Hilfestellung für Georgien hätte von Russland ohne weiteres als feindlicher Akt interpretiert werden können. Indirekt wurde es das auch: Der russische Generalstab begegnete der Verlegung der georgischen Truppen aus dem Irak in das kaukasische Kriegsgebiet unmittelbar mit der Entsendung der 58. Armee. Sie solle "die Friedenstruppen verstärken, um das Kräftegleichgewicht wieder herzustellen", hieß es aus Moskau.

Ministerpräsident Wladimir Putin kritisierte die Entscheidung der USA indes offen: "Saddam Hussein hatte hängen müssen, weil er mehrere schiitische Dörfer zerstört hat", sagte Putin in Moskau: "Aber die amtierenden Führer in Georgien, die zehn ossetische Dörfer auf einmal ausgelöscht haben, die alte Leute und Kinder mit Panzern überrollt und Zivilisten bei lebendigem Leibe verbrannt haben - diese Führer müssen nun beschützt werden".

Angesichts des Überraschungsangriffs Georgiens auf die südossetische Hauptstadt Zchinwali war schon zuvor die Präsenz US-amerikanischer Militärberater in Georgien auf harsche Kritik gestoßen. Die russische Regierung und verschiedene Beobachter beziffern die Zahl der offiziell entsandten Ausbilder aus den USA auf bis zu Eintausend. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums beläuft sie sich auf 100 bis 130. Diese Größenordnung wurde am 11. August im Rahmen der US-amerikanischen Evakuierungsmaßnahmen genannt.

Am 9. August, einen Tag nach dem georgischen Angriff auf Südossetien, kursierte in Tallinn über E-Mails und Mailinglisten ein Aufruf zur Entsendung freiwilliger Kämpfer nach Georgien. Im Umlauf gesetzt wurde er von dem Vorsitzenden der Vereinigung der Reserveoffiziere, Priit Heinslau. Die Volontäre sollten ihre estnischen Uniformen mitnehmen und sich auf dem Einsatz im Kriegsgebiet vorbereiten, hieß es in dem Rundschreiben. Man hoffe, mit einem Charterflug der Regierung in die armenische Hauptstadt Eriwan zu gelangen, um von dort aus weiter nach Georgien zu reisen.

Als die Initiative publik wurde, sah sich die Regierung gezwungen, von dem Vorhaben Abstand zu nehmen. Auch wurde den Freiwilligen verboten, die estnische Uniform zu tragen. Trotzdem unterstützte der ehemalige Diplomat und jetzige Leiter des Laidoner-Museums, Indrek Tarand, die Mission weiter. Der Sohn des sozialdemokratischen EU-Abgeordneten Andres Tarand begleitete die Milizionäre trotz der Distanzierung der Regierung zum Flughafen.

Es geht hier nicht um eine Wiederauflage einer bekannten Situation. Was wir im Kaukasus derzeit erleben, ist eine neue Phase der Auseinandersetzung um die Neuordnung der Welt. Nach dem Ende der bipolaren Weltordnung, der Konfrontation der beiden Supermächte, stehen sich zwei Konzeptionen gegenüber. Die USA meint, als einzig verbleibende Weltmacht eine bestimmte internationale Ordnung herstellen und aufrechterhalten zu können. Strategisch formuliert wurde das vom US-Geostrategen Zbigniew Brzezinski, der sich über den Amtsinhaber George W. Bush mehrfach beschwert hat, weil dieser seine Außenpolitik schlecht umsetze. Auf der anderen Seite existiert eine Konzeption, die in China entstanden ist und sich in Russland von Michail Gorbatschow über Boris Jelzin bis hin zu Wladimir Putin und Dmitri Medwedew erhalten hat. Es ist die Konzeption einer multipolar organisierten und kooperativen Weltordnung unter Führung der Vereinten Nationen oder einer vergleichbaren internationalen Organisation.

Wir wurden im Kaukasus nach dem 8. August Zeugen eines Stellvertreterkrieges. Dieser unmittelbare Krieg ist nun zwar zu Ende, der dahinter stehende Konflikt ist aber nach wie vor ungelöst. Es ist ein Stellvertreterkrieg, der für die beiden Großmächte USA und Russland geführt wird, aber auch für die Europäische Union und andere Mächte, die auf diese Region schielen, aber an dem Geschehen nur mittelbar beteiligt sind: China, die Türkei, Iran.

Hier stehen sich zwei Integrationsräume gegenüber. Das ist auf der einen Seite der russische und auf der anderen Seite der europäische Integrationsraum. Dazwischen gibt es einen Grenzbereich, der vom Balkan bis zum Baltikum verläuft. Dazu gehören auch die Ukraine und der Kaukasus. Einerseits wird zwischen der EU und Russland eine so genannte strategische Partnerschaft formuliert, andererseits steht man sich in diesen Regionen in direkter, bissiger und harter Konkurrenz.

Geopolitisch betrachtet würde man hier von einer strategischen Ellipse sprechen. Diese Ellipse reicht vom arabischen Raum und Iran über das kaspische Meer bis nach Norden in den russischen Raum hinein. Der südliche Raum – Arabien und Iran – ist besetzt, weil die Kontrolle über die dortigen Energieressourcen von den nationalen Regimes nicht abgegeben wird. Aber der nördliche Raum scheint zur Disposition zu stehen, deswegen sind darauf alle Augen gerichtet. Bedeutend ist das allein schon, weil im gesamten Gebiet der strategischen Ellipse etwa 80 Prozent der weltweiten Energieressourcen liegen.

Die USA und die EU haben teilweise gleiche Interessen, vor allem in Bezug auf den Transitkorridor in Georgien. Es geht dabei um den Versuch, Russland von seinen Ressourcen und seinem südlichen Einzugsraum zu trennen. Von Europa aus wird dafür südlich von Russland ein Transportkorridor aufgebaut, und in dieses Projekt werden Milliardenmittel gesteckt. Dabei ist vor allem die Pipeline hervorzuheben, die von der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku über Georgien bis in die türkische Hafenstadt Ceyhan verläuft – die so genante BTC-Pipeline.

Die USA haben in der Region eine Reihe von Pipelines bauen lassen, die ökonomisch überhaupt keinen Sinn haben. Sie scheinen nur dem Zweck zu dienen, Russland zu behindern. Das ist auch der Sinn der BTC-Pipeline, die eigentlich auch nicht rentabel ist. Sinnvoller wäre es, das Erdöl aus dem kaspischen Raum über die vorhandenen russischen Leitungen gen Westen zu transportieren. Und viele machen ja genau das. Auch die Aserbaidschaner verkaufen keineswegs nur über die BTC-Pipeline ihr Erdöl. Die ökonomische Vernunft wird hier also offensichtlich durch politische Motive überlagert. Dabei ist dann offenbar der strategische "Gewinn" – also die Behinderung der Russen – größer als der ökonomische Profit.

In der Sache stimmen Europa und die USA überein. Differenzen gibt es in der Frage des Vorgehens. Die US-Amerikaner bevorzugen die militärische, die Europäer die ökonomische Variante, um ihren Einfluss geltend zu machen. Abgesehen davon stehen Washington und Brüssel auch in direkter Konkurrenz, was man sehr deutlich in der Trennung zwischen einen "alten" und einem "neuen" Europa beobachten kann. Gerade im Hinblick auf den NATO-Beitritt Georgiens wird hier von den USA aus ein Spaltkeil in die EU getrieben.
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hdschulz
* Consulter *


Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 1142

BeitragVerfasst am: 27.Aug 2008 9:04    Titel: Antworten mit Zitat

preusse hat folgendes geschrieben::
....na strategisch schon.
die amis haben ihr schutzschild aktuell fast bis vor die tür der russen geschoben. diese jüngste entwicklung hat die russen endgültig auf den plan gerufen....

Zweifellos haben die Amis - und natürlich erst recht die Russen - in Georgien strategische Interessen. Die Frage war aber doch, wer die unmittelbare Verantwortung für den jüngsten taktischen Vorstoß in diesem Gebiet in Form einer kriegerischen Handlung trägt. Darauf bezogen erscheinen mir die Analysen von Zettel, Krauthammer und Köpper plausibel, die sich von den üblichen Kommentaren in der deutschen Presse deutlich unterscheiden.


@Moderator GM&P

Ich hoffe doch sehr, dass Sie Ihr Zitat als Beispiel für die von mir erwähnte reflexhafte Reaktion der linkslastigen Journaille sehen und nicht etwas als ernsthaften Beitrag zur Diskussion.

Einen Stellvertreterkrieg sehen wir da also. Nanu - dann war das gar nicht die russische Armee sondern irgendwelche Zombies, die da in Georgien gewütet haben.

Und die Chinesen als Protagonisten einer multipolar organisierten und kooperativen Weltordnung - ach so ist das!
Da hätte man auch selbst drauf kommen können, schließlich geben die Chinesen in Ihrem Herrschaftsbereich das beste Beispiel für multipolare Organisation und Kooperation, besonders in Tibet, Xinjiang und Ostturkistan. Logisch, dass die Russen als lupenreine Demokraten auch schon immer dafür waren!

Und die BTI-Pipiline hat das Konsortium aus britischen, amerikanischen, französischen, italienischen, norwegischen, japanischen, türkischen, georgischen und aserbeidschanischen Ölkonzernen unter Federführung der BP nur gebaut, um die Russen zu behindern. Da mußte aber die CIA tief in die Tasche greifen, um das zu finanzieren und die alle auf das hehre Ziel einzuschwören und zum Schweigen zu vergattern. Aber das können die ja - schließlich hat das bei nine-eleven auch so gut geklappt.

So - mir reicht das jetzt. Einen Kommentar für den restlichen Mumpitz spar ich mir.
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Moderator GM&P
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 7645

BeitragVerfasst am: 27.Aug 2008 10:15    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
... der linkslastigen Journaille...den restlichen Mumpitz ..


Während von den Medien und der Öffentlichkeit in Europa mehrheitlich solche antirussischen Stimmen wahrgenommen werden, sind in Brüssel kritische Zwischentöne zu vernehmen.

Sie finden sich etwa in einem Informationspapier zur Lage im Kaukasus, das den EU-Parlamentariern von der "Generaldirektion externe Politikbereiche" des EU-Parlaments zugesandt wurde.

In dem internen Neun-Seiten-Bericht wird nicht nur darauf hingewiesen, dass nach dem Krieg und den folgenden Abkommen im Südkaukasus eine "neue geopolitische Situation" entstehen könnte. Der Bericht analysiert auch, dass sich Russland perspektivisch gezwungen sieht, seinen Einfluss gegenüber den ehemaligen sowjetischen Nachbarstaaten geltend zu machen, die Ostausdehnung der NATO zu verhindern und geopolitische Akzente zu setzen.

Eine Schlussfolgerung sei es, so heißt es in dem Papier, dass die Vorgeschichte der Kaukasus-Krise im Kosovo nicht einfach übergangen werden könne.

Dem internen Papier nach zu urteilen, ist man sich in Brüssel auch des Konfliktpotentials bewusst. Im Zusammenhang mit dem letzten NATO-Gipfel in Bukarest im April dieses Jahres habe Russland die territoriale Integrität der beiden Hauptanwärter im kaukasischen Raum, Georgien und Ukraine, direkt an die Frage der NATO-Mitgliedschaft geknüpft. In Brüssel wird dies als "diplomatische Geisel-Taktik" bezeichnet: Wenn der Westen auf die Aufnahme der beiden Staaten besteht, erwägt Russland, ihnen die Souveränität abzuerkennen.

Der Krieg in Georgien könnte vor diesem Hintergrund nur der Prolog einer Reihe militärischer Auseinandersetzungen sein, in denen westliche Armeen dann womöglich direkt involviert wären. "Das Hauptaugenmerk muss deswegen nun auf der Ukraine liegen", heißt es in den Schlussfolgerungen.

Die Eskalationspolitik Georgiens wird in Brüssel auch deswegen kritisch gesehen. Das Vorgehen von Präsident Saakaschwili und seiner Regierung könne kaum als Reaktion bezeichnet werden, heißt es in dem Informationspapier für die EU-Parlamentarier, sondern sei zu einem großen Teil auf Eigeninitiative erfolgt. Vor allem der georgische Artillerieangriff auf die südossetische Hauptstadt Zchinwali könne "nur schwer gerechtfertigt werden".
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hdschulz
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Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 1142

BeitragVerfasst am: 27.Aug 2008 11:39    Titel: Antworten mit Zitat

Moderator GM&P hat folgendes geschrieben::
...Sie finden sich etwa in einem Informationspapier zur Lage im Kaukasus, das den EU-Parlamentariern von der "Generaldirektion externe Politikbereiche" des EU-Parlaments zugesandt wurde...

Gibt es eine Link zu dem Papier? (Ich nehme an, dass Sie wiederum aus der "linkslastigen Journaille" zitieren oder stammt der letzte Beitrag tatsächlich aus Ihrer Feder?)

Was natürlich überhaupt nicht übersehen werden darf, ist die Vorgeschichte im Kosovo - da haben die Nato (und die Schröder-Fischer-Regierung!) schwere Fehler begangen und einen äußerst mißlichen Präzedenzfall geschaffen!!

Und ob Saakaschwili sich geschickt oder auch nur angemessen verhalten hat, darf auch mit Fug und Recht angezweifelt werden.
Dennoch: Die Initiative zu der aktuellen kriegerischen Eskalation hat wohl Putin ergriffen. Allein der beschriebene zeitliche Ablauf legt diesen Schluß nahe.

Zum strategischen Aspekt der ganzen Angelegenheit möchte ich nachstehend auch mal aus der Journaille zitieren. (damit's nicht so einseitig wird, aus der konservativ-liberalen Ecke)

Zitat:
Der Schröder-Putin-Pakt

Mit dem Hitler-Stalin-Pakt kaufte der größte Führer aller Zeiten sich schlicht Zeit. Durch das Schrödersche Appeasement konnte auch Putin Konkurrenten entmachten, die Öl- und Gasindustrie unter seine Kontrolle bringen und die Gewalt über das Volksvermögen so organisieren, dass ihm egal sein kann, wer unter ihm Präsident ist.
Mit der geologisch irrwitzigen Ostsee-Pipeline gab Schröder Putin die Option, dem Baltikum, Weißrussland, Polen und anderen Öl und Gas abzudrehen, ohne auf Einnahmen aus dem notgedrungen weiter zahlenden Westen zu verzichten. Den Antiamerikanismus Deutschlands und Frankreichs hat Putin gnadenlos genutzt. In Poti und Tiflis steht nun unsere Freiheit auf dem Spiel.

Vermutlich haben wir nur noch die Wahl zwischen heißen und kaltem Krieg. Wobei der Begriff der Kälte eine neue Dimension bekommt, wenn die Russen den Öl- und den Gashahn dem Rest Europas zudrehen. Da werden Sarrazins Pullover-Tipps noch eine ganz neue Bedeutung bekommen.

Die Stärke Russlands ist die Uneinigkeit der westlichen Demokratien. Frankreich und Deutschland wurden Freiheit und Demokratie durch die Befreiung von den Amerikanern geschenkt. Was man nicht selbst wirklich erkämpft hat, scheint weniger wert zu sein.

Das (Wahl-)Verhalten der Bürger der neuen Länder scheint dieser Hypothese zu widersprechen. Aber es nährt den Verdacht, dass sie die Freiheit mit der Fiktion des westdeutschen Werbefernsehens verwechselten, das man versehentlich für bare Münze nehmen konnte. Statt Jacobs Krönung und dem netten Herrn Kaiser von der Hamburg-Mannheimer bekamen zu viele Hartz IV und einen Sozialplan. Weil der Westen die Arroganz hatte, die Einheit aus der Portokasse zu bezahlen und eine Währungsunion zu organisieren, mit der Helmut Kohl Stimmen kaufte. SIe erwies sich als Genickschuss für den kleinen Rest der werthaltigen ostdeutschen Ökonomie.

Auch das Verhältnis zu den Amerikanern ist in den beiden großen Ländern am Rhein ambivalent. Während wir von Pop-Musik über Apple bis hin zur Jeans Symbole der amerikanischen Alltagskultur vereinnahmt haben, leisten wir uns spätestens seit dem Vietnam-Krieg, den übrigens John F. Kennedy vom Zaun gebrochen hat, einen gesunden populistisch-latenten Antiamerikanismus. Vor Bush hatte schon Reagan darunter zu leiden, dem wir in letzter Konsequenz die deutsche Einheit verdanken.

Die latente Amerika-Phobie hat Gerhard Schröder 2002 geschickt bedient, um sich noch mal ins Kanzleramt zu retten. Der Schulterschluss mit Chirac und Putin hat dem Russen signalisiert, dass er mit allem durchkommt. Merkels Weigerung, den NATO-Beitritt der Ukraine und Georgiens im Frühjahr unumkehrbar zu erklären, war nicht mehr als das Startsignal für die russische Invasion in Georgien.

Nur der Schulterschluss mit Amerika und die Reinkarnation der Philosophie der Abschreckung wird die Freiheit bewahren. Wer als erster schießt, kommt als zweiter um. Mut ist gefragt, um das Baltikum, selbst das diktatorische Weißrussland und alle anderen Anrainerstaaten Russlands zu schützen, wie Deutschland einst vom Würgegriff Stalins befreit wurde.

Russland Großmannssucht gründet sich aus dem verletzten Stolz der untergegangenen Sowjetunion, ihres Zeichens Rechtsnachfolger eines imperialistischen Zarenreiches. Mit gutem Zureden werden Putin und Medwedew sich nicht davon überzeugen lassen, die Freiheit ihrer ehemaligen Kolonien zu akzeptieren und die gelenkte Demokratie durch den Rechtsstaat zu ersetzen. Dafür braucht es Zwang und nicht nur “diplomatischen Druck von außen”.

Frankreich und Deutschland haben Europa in eine Sackgasse manövriert. Schröders Kumpanei hat uns faktisch ausgeliefert. Weil das „neue Europa” auch in Afghanistan und im Irak für die selbst gerade erkämpfte Freiheit einstand, haben wir das Glück, dass auch eine neue amerikanische Administration aus ihrer Verpflichtung, die Freiheit im Westen zu verteidigen, nicht entlassen ist.

Verdient haben wir das nicht.


(von "eukenserbe" bei FdoG)
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hdschulz
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Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 1142

BeitragVerfasst am: 27.Aug 2008 14:32    Titel: Antworten mit Zitat

Und noch ein Kommentar jenseits der Extrempositionen von Alan Posener aus "Welt-online" (der meine persönliche Meinung am ehesten repräsentiert):

Was der Westen nun gegen Russland tun kann

Von Alan Posener

Angela Merkel nennt Russlands Vorgehen in Georgien "absolut nicht akzeptabel". So weit, so populär. Doch was folgt daraus? Andere Politiker mahnen zu "Besonnenheit". Nur: Was meinen sie damit? Dabei gibt es sehr konkrete Dinge, die der Westen jetzt wirklich unternehmen kann.


Angela Merkel hat klare Worte gefunden: Die Anerkennung Abchasiens und Südossetiens durch Russland sei „absolut nicht akzeptabel“. Weniger klar ist aber, was Deutschland, die EU und die Nato tun könnten, um die von Russland geschaffenen Tatsachen rückgängig zu machen.

Zudem befindet sich der Westen moralisch in Erklärungsnot. Schließlich haben die meisten – wenn auch nicht alle – EU- und Nato-Staaten, darunter Deutschland, erst im Februar die Selbstständigkeit des Kosovo anerkannt und damit die territoriale Integrität Serbiens zerstört. Da wirkt es auf den ersten Blick ein wenig scheinheilig, sich nun auf das Prinzip der territorialen Integrität zu berufen, um die Abspaltung der georgischen Provinzen zu verurteilen. Bevor man sich also fragt, was der Westen gegen die Zerstückelung Georgiens tun können, muss man klären, ob der Westen dazu überhaupt moralisch berechtigt ist.

Ob es klug war, die Unabhängigkeit des Kosovo anzuerkennen, mag dahingestellt bleiben. Schlecht war es in jedem Fall, dass die EU in dieser Frage nicht geschlossen auftrat. Fünf EU-Staaten lehnten die Aufspaltung Serbiens ab; Spanien etwa fürchtete nicht ohne Grund, dass mit der Abspaltung des Kosovo ein Präzedenzfall geschaffen würde, auf den sich rebellische Katalanen und Basken berufen könnten. Russland hatte zudem angekündigt, dass es die Anerkennung des Kosovo zum Anlass nehmen werde, die Abspaltung von Teilen Georgiens zu forcieren. Dies geschah in den folgenden Monaten denn auch und führte zum Krieg mit Georgien und, nach der Niederlage der Georgier, zur Anerkennung der „Unabhängigkeit“ der faktisch von Russland kontrollierten Republiken Abchasien und Südossetien.

Freilich hat Russland mit der Berufung auf den Präzedenzfall Kosovo seinerseits klar gemacht, dass dem Kreml das Prinzip der territorialen Integrität nur dann etwas gilt, wenn es Russland nützt. Und mit der nun erfolgten Anerkennung der abgespaltenen georgischen Provinzen als unabhängige Staaten hat das Duo Medwedew-Putin im Grunde genommen nachträglich die Anerkennung des Kosovo durch den Westen legitimiert. Damit ist ein Prozess in Gang gesetzt worden, den weder Russland noch der Westen kontrollieren kann. Wenn das Prinzip der territorialen Integrität der Nationalstaaten nicht mehr Grundlage der internationalen Beziehungen ist, wird die ohnehin prekäre Situation vieler Staaten weiter erschwert. Man denke nur an die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden, die mit dem Irak, der Türkei, Syrien und dem Iran gleich vier Staaten destabilisieren können.


Die folgenreiche Unabhängigkeit des Kosovo

Das Kosovo wollte der Westen als einmaligen Fall betrachten. Schließlich war die albanische Bevölkerung einem versuchten Völkermord der serbischen Führung ausgesetzt. Deshalb war sie unter UN-Schutz gestellt worden. Und indem gleich beiden Staaten die EU-Mitgliedschaft in Aussicht gestellt wurde, eröffnete das europäische Imperium Serben wie Kosovo-Albanern die Perpektive einer Zukunft, in der nationale Grenzen ohnehin bedeutungslos würden. Die Hoffnung, Russland für diese Sicht der Dinge zu gewinnen, ist nun gescheitert. Russland stellt seinen Wunsch nach Wiederherstellung seiner imperialen Größe und Ausdehung seines Einflussgebiets über den Wunsch, mit dem Westen zusammen die neue Weltordnung zu gestalten. Deshalb hat Merkel auch Recht mit ihrer Feststellung, Russlands Vorgehen habe nicht nur die Situation im Kaukasus, sondern die Weltlage verändert.

In dieser Situation muss sich Europa zunächst nüchtern fragen, was seine Interessen sind und wie sie geschützt werden können. Europa will Stabilität an seinen Grenzen und eine sichere Energieversorgung. Russland und seine Unterstützer wie der Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder sagen: Russland werde für beides sorgen, wenn Russlands berechtigte Anliegen respektiert werden. Dazu gehören die Respektierung einer russischen Interessensphäre, die auch Weißrussland, die Ukraine, Georgien und die anderen Kaukasus-Staaten sowie möglicherweise Moldawa umschließt. Der Westen sollte nicht versuchen, durch die Aufnahme dieser Staaten in die Nato oder gar die EU sein Einflussgebiet auszudehnen. Außerdem sollte der Westen Vorhaben unterlassen wie das Raketenschutzschild in Polen und Tschechien oder die Pipeline „Nabucco“, die Öl und Gas Mittelasiens an Russland vorbei durch Georgien (!) und die Türkei nach Europa bringen soll. Russland biete sich also an als Garant der außenpolitischen Stabilität und der energiepolitischen Sicherheit Europas. Man kann das auch andersherum sagen: Russland droht mit der weiteren Destabilisierung der Peripherie Europas – etwa durch Versuche, den Krim von der Ukraine abzuspalten, Teile Moldawas zu annektieren, die russischen Minderheiten in den baltischen Staaten gegen deren Regierungen aufzuwiegeln – und mit der energiepolitischen Erpressung des Kontinents, falls sich Europa nicht bereit erklärt, sich seine außenpolitische Agenda von Moskau diktieren zu lassen.

Nun mag diese Aussicht manchen Politikern und Kommentatoren – insbesondere jenen, die Europa gern von den USA abspalten würden – als akzeptabel, ja wünschenswert erscheinen. Sie ist aber nicht einmal praktikabel. So kraftstrotzend sich Russland gibt, so schwach ist das Land wirklich. Die Wirtschaft basiert fast ausschließlich auf dem Export von Gas und Öl. Ein Verfall der Energiepreise kann das Land in den Ruin treiben, wie es in den 1980eer Jahren bereits einmal geschah. Die Bevölkerung Russlands altert und schrumpft. Alkoholismus und Aids haben epidemische Ausmaße angenommen. Das politische System ist autoritär und deshalb instabil. Indem die russische Führung die Unabhängigkeitsbestrebungen der Abchasen und Ossetier unterstützt, öffnet sie eine Büchse der Pandora, die zum weiteren Zerfall Russlands führen kann – man denke nur an Tschetschenien. Und militärisch beweist der schnelle Sieg der russischen Armee gegen das winzige Georgien gar nichts. Würde sich Europa in Abhängigkeit von diesem Koloss auf tönernen Füßen begeben, es würde sich nicht Sicherheit, sondern Unischerheit einhandeln.

Deshalb ist die langfristige Antwort auf die veränderte Weltlage klar: Europa muss weiterhin die Perspektive verfolgen, Georgien, die Ukraine und Moldawa in die Nato und in die EU aufzunehmen. Es muss stärker als bisher darauf achten, Pipelines um Russland herumzuführen, und vor allem schnell das „Nabucco“-Projekt abschließen. Überdies müssen alle Alternativen zu Öl und Gas – von Wind- und Sonnenenergie bis hin zur Atomkraft – forciert ausgebaut werden und dürfen nicht an ideologischen Vorbehalten von Links oder Rechts scheitern. Dies alles geht nur, wenn Europa als Einheit handelt. Diese langfristige und vor allem gemeinsame Zielsetzung muss das wichtigste Ergebnis des bevorstehenden EU-Gipfels sein. Zum Glück sind sich hier die wichtigsten europäischen Führer einig – Merkel, Sarkozy, Brown, Berlusconi und Kommissionspräsident Barroso.


Der Schlüssel liegt in der Energiepolitik

Zur Ehrlichkeit gehört es aber auch festzustellen, dass der Westen kurzfristig wenig tun kann, um Russland zur Umkehr zu bewegen. Das aber, was möglich ist, muss getan werden, unabhängig davon, wie sehr Moskau vor einem „neuen Kalten Krieg“ warnt. Die Polen sind mit gutem Beispiel vorangegangen, indem sie unmittelbar nach dem russischen Einmarsch in Georgien den zuvor umstrittenen Vertrag über die Stationierung amerkanischer Abwehrraketen unterzeichnet haben.
Die Amerikaner selbst haben mit der Entsendung von Kriegsschiffen mit Hilfsgütern für Georgien ins Schwarze Meer ein starkes Signal an Russland gesendet. Darüber hinaus sollte Russland so lange weder Mitglied der Welthandelsorganisation WTO noch Gastgeber der Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 sein dürfen, bis eine Regelung für Abchasien und Südossetien gefunden ist, die garantiert, dass sie nicht einfach zu Provinzen Russlands werden. Eine Möglichkeit könnte die Installierung einer UN-Schutztruppe sein, die nicht, wie jetzt, aus Russen besteht.

Die EU sollte die Verhandlungen über ein neues Rahmenabkommen mit Russland ebenso auf Eis legen wie die derzeit bestehenden Visa-Vorteile für russische Staatsbürger. Nichts von alledem wird Russland kurzfristig beeindrucken. Es aber zu unterlassen, würde jene Strömungen in der russischen Führung ermuntern, die auf Konfrontation und Expansion setzen. Zeigt sich Europa aber geschlossen und selbstbewusst, könnten auch in Russland jene Kräfte die Oberhand gewinnen, die begreifen, dass es angesichts der katastrophalen Zukunfstaussichten im Riesenreich in Russlands ureigenstem Interesse liegt, von der Politik der Konfrontation abzurücken und zur Politik der Kooperation zurückzukehren.
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Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 1142

BeitragVerfasst am: 27.Aug 2008 15:53    Titel: Antworten mit Zitat

Eine eindeutige Haltung vertreten die französischen Philisophen und Publizisten André Glucksmann und Bernard-Henri Levy:


SOS Georgien? SOS Europa!

Glauben Sie nicht, dass es sich hier um eine rein lokale Angelegenheit handelt: Es ist wahrscheinlich der entscheidendste Wendepunkt der europäischen Geschichte seit dem Fall der Berliner Mauer. Moskau gibt die Tonart vor: "Völkermord" lautet die Anschuldigung durch Putin, der das Wort beim sechzigsten Jahrestag der Befreiung von Auschwitz nicht auszusprechen geruhte. Der sanfte Medwedjew erinnert an "München", als sei Georgien mit seinen 4,5 Millionen Einwohnern die Wiedergeburt des Dritten Reichs. Wir werden die geistigen Kapazitäten dieser Führungsfiguren nicht unterschätzen. Darum glauben wir, dass sie unter dem Mäntelchen ihrer geheuchelten Empörung die große Keule verstecken. Offensichtlich haben die spin doctors des Kreml die Klassiker der totalitären Propaganda wiedergelesen: je größer meine Lüge, desto besser kann ich zuhauen.

Wer hat in dieser Woche zuerst geschossen? Die Frage erübrigt sich. Die Georgier haben sich aus Südossetien zurückgezogen, ein Terrritorium, das sie laut Völkerrecht immerhin beanspruchen dürfen. Sie haben sich auch aus den benachbarten Städten zurückgezogen. Sollen sie nun noch ihre Hauptstadt räumen? In Wahrheit ist die Intervention der russischen Armee außerhalb ihrer Grenzen gegen ein UNO-Mitglied der erste Fall dieser Art seit Afghanistan im Jahr 1979. 1989 hatte sich Gorbatschow geweigert, sowjetische Panzer ins Polen der Solidarnosc zu schicken. Jelzin hat es fünf Jahre später vermieden, russische Divisionen in das Jugoslawien Milosevic' zu schicken. Selbst Putin scheute das Risiko, seine Truppen gegen die "Rosenrevolution" in Georgien 2002 oder die "orange Revolution" in der Ukraine 2004 einzusetzen. Dies alles bricht heute zusammen. Und es ist eine neue Welt mit neuen Regeln, die unter unseren Augen entsteht.

Worauf warten die Europäische Union und die Vereinigten Staaten, um den Einmarsch ins befreundete Georgien zu stoppen? Soll der prowestliche, demokratisch gewählte Micheil Saakaschwili herausgeschmissen, exiliert, durch eine Marionettenregierung ersetzt oder aufgeknüpft werden? Soll die Ordnung in Tiflis wiederhergestellt werden wie in Budapest 1956 und Prag 1968? Auf diese einfache Frage gibt es nur eine Antwort. Wir müssen eine Demokratie retten, die tödlicher Bedrohung ausgesetzt ist. Denn es geht nicht nur um Georgien. Es geht auch um die Ukraine, um Aserbaidschan, um Zentralasien, um Osteuropa, also um Europa. Wenn wir es zulassen, dass die Panzer und Bomber Georgien kaputtmachen, signalisieren wir allen nahen und weniger nahen Nachbarn Großrusslands, dass wir sie niemals verteidigen werden, dass unsere Versprechen Papiertiger sind, und dass sie nichts von uns zu erwarten haben.

Es bleibt nicht mehr viel Zeit. Sprechen wir also aus, wer der Angreifer ist: das Russland Putins und Medwedjews, dieses famosen und unbekannten "Liberalen", der den Nationalismus des ersten dämpfen soll. Hören wir endlich mit der Druckserei auf: die 200.000 Toten in Tschetschenien "Terroristen", das Schicksal des Nordkaukasus eine "innere Angelegenheit", Anna Politkowskaja eine "Selbstmörderin" und Litwinjenko ein "Alien"... Und gestehen wir endlich ein, dass die putinische Autokratie, die auf den Trümmern der mysteriösen Bombenanschlägen von 1999 errichtet wurde, nicht als vertrauenswürdiger Partner oder gar als befreundete Macht gelten kann. Mit welchem Recht ist dieses aggressive und unaufrichtige Russland noch Mitglied in der G8-Gruppe? Warum sitzt es im Europarat, der geschaffen wurde, um die Werte dieses Kontinents zu verteidigen? Wozu noch an den gewaltigen, vor allem deutschen Investitionen in eine Ostsee-Pipeline festhalten, die - vor allem zu russischem Vorteil - die Pipelines in Polen und der Ukraine umgeht? Wenn der Kreml an seiner kaukasischen Aggression festhält, sollte die EU dann nicht ihr Verhältnis zum Nachbarn überdenken? Er muss sein Öl genauso verkaufen, wie wir es kaufen müssen. Es ist nicht immer unmöglich, einen Meistersinger zum Singen zu bringen. Wenn Europa den Mut und die Intelligenz hat, die Herausforderung anzunehmen, ist es stark. Sonst ist es tot.

Die beiden Unterzeichner dieses Artikels haben Angela Merkel und Nicolas Sarkozy in einem Brief vom 29. März beschworen, die Annäherung der Georgiens und der Ukraine an die Nato nicht zu blockieren. Eine positive Entscheidung, so schrieben wir, "würde die georgischen und ukrainischen Territorien schützen. Das Gas würde dadurch nicht gestoppt. Und die Kriegslogik, die unsere Norpois (so heißt ein Salon-Geostratege bei Proust, d. Üs.) so ängstigt, würde sofort zusammenbrechen. Umgekehrt würde nach unserer Überzeugung gerade unsere Weigerung ein katastrophales Signal an die neuen Zaren des kapitalistisch-nationalistischen Russland senden. Sie würde ihnen zeigen, dass wir schwach und feige sind, dass Georgien und die Ukraine erobert werden dürfen und wir sie auf dem Altar der wiedergekehrten imperialen Gesinnung Russlands opfern. Diese Länder nicht zu integrieren, beziehungsweise ihnen nicht eine Integration in den Raum der europäischen Kultur in Aussicht zu stellen, würde die Region destabilisieren. Kurz, nur wenn wir Wladimir Putin nachgeben, ihm unsere Prinzipien opfern und nichts wagen, werden wir in Moskau aggressivsten Nationalismus unterstützen." Das hieß, das schlimmste Szenario an die Wand malen, ohne schon recht daran zu glauben. Aber es ist eingetreten. Um Moskau nicht zu irritieren, haben Frankreich und Deutschland ihr Veto gegen diese Perspektive der Integration eingelegt. Bei Putin ist die Botschaft angekommen. Er bedankt sich mit seiner Offensive.

Es ist Zeit für neue Methoden. Ohnmächtig, da gespalten, haben die Europäer der Belagerung Sarajewos zugeschaut. Ohnmächtig, da blind, haben sie die Verwüstung Grosnys zugelassen. Sollte uns die Feigheit nun zwingen, der Kapitulation der Demokratie in Tiflis passiv, ja ermutigend, zuzusehen? Der Generalstab im Kreml hat nie an die Existenz einer "Europäischen Union" geglaubt. Er behauptet, dass unter den schönen Reden aus Brüssel die jahrhundertealten Rivalitäten und nationalen Identitäten lauern, die er gnadenlos manipulieren und zu gegenseitiger Lähmung führen kann. Europa, das einst gegen den Eisernen Vorhang gebaut wurde, gegen die Faschismen von einst und jetzt, gegen seine eigenen Kolonialkriege, Europa, das den Mauerfall und die Samtene Revolution gefeiert hat, befindet sich am Rande des Komas. 1945-2008... Wird das Ende unserer kurzen gemeinsamen Geschichte in der kaukasischen Olympiade des Grauens besiegelt?

Andre Glucksmann
Bernard-Henri Levy

Übersetzung: Thierry Chervel

aus "Perlentaucher"
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hdschulz
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Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 1142

BeitragVerfasst am: 28.Aug 2008 17:22    Titel: Antworten mit Zitat

Tobias Kaufmann im Kölner Stadtanzeiger:

Unter Moskaus eiserner Faust

Von Tobias Kaufmann

Warum das Modell getrennter „natürlicher“ Einfluss-Sphären nicht auf den Konflikt um Georgien passt. Das Entscheidende im Kaukasus ist ja gerade, dass diverse Seiten dort Interessen haben, die aus ihrer jeweiligen Sicht legitim sind.

Die Spuren der russischen Panzer in Georgien sind noch frisch, da eilt ein Teil der deutschen Öffentlichkeit zu Hilfe.
Und zwar den Russen. Das geschieht mal aus Liebe zu einem in der Tat liebenswerten Land, mal aus politischem Kalkül. Man solle das gedemütigte Imperium nicht reizen, sagen Russlandfreunde mit und ohne Gazprom-Vertrag, sonst werde das böse enden. Ihre Antwort auf die komplizierte Entzündung an Europas Wurmfortsatz in Asien sind Ideen von Volk und Raum. Im Klartext: Der Westen solle nicht in Moskaus Revier herumstreunen.

Dieser Ansatz ist grotesk. Im Zeitalter der globalisierten Menschen-, Waren- und Informationsströme soll die Welt in geografisch determinierte Einfluss-Spären zerteilt werden? „Einmal sowjetisch, immer sowjetisch“, könnte man die Forderung zusammenfassen, nach der Südosteuropa und der Kaukasus zum gottgegeben russischen Raum definiert wird. Die Rolle des Westens in der Region erscheint dadurch als unangemessen, sind seine Vertreter doch nach der unter anderem von NS-Denkern geprägten Geopolitik „raumfremde Mächte“.

Einmal sowjetisch, immer sowjetisch?

Am deutlichsten hat dies Lorenz Jäger in der FAZ ausgedrückt: „Die Menschenrechtsanwälte machen auf die Dauer ihre Sache lächerlich, wenn sie nicht von den Interessen reden - von denen der Vereinigten Staaten vor allem, aber auch, es ist kein Geheimnis mehr, von denen Israels.“ Lässt man die Verschwörungstheorie mal beiseite, auch in diesem Konflikt steckten die Finger des „Weltjudentums“, so spricht Jäger grundsätzlich etwas Richtiges an: In der Politik geht es nicht zuerst um Moral, sondern um Interessen. Das Entscheidende im Kaukasus ist ja gerade, dass diverse Seiten dort Interessen haben, die aus ihrer jeweiligen Sicht legitim sind.

Russland beharrt auf seinem Einfluss - aber nicht, weil es die unerträgliche Demütigung der „Wende“ verarbeiten müsste. Die Sowjetunion wurde nicht vom Westen erobert. Sie ist bei einer Verpuffung zerstört worden, als man in Moskau mit der Idee eines Sozialismus ohne Zwang experimentierte. Die Wurzel der aktuellen russischen Politik liegt viel tiefer: Moskau als drittes Rom ist der Mythos des russischen Imperiums. Er gilt bis heute. In seinem Hinterhof hat noch jedes Groß-Russland gnadenlos aufgeräumt.

Interessen abwägen

Neben dem Abdrehen des Gashahns und militärischer Gewalt gehört zu den diplomatischen Werkzeugen auch das unehrliche Lamento über ein US-Raketenabwehrsystem, während Moskau selbst ein solches System aufbaut. Neuerdings pochen die Russen auf das Selbstbestimmungsrecht der Osseten - das Tschetschenen und Kosovaren offenbar nicht haben. Denselben doppelten Standard, nur umgekehrt, kann man auch dem Westen vorwerfen. Aber aber es gibt einen wichtigen Unterschied. Bei Ossetien und Abchasien geht es nicht um reale Unabhängigkeit, sondern darum, russische Satellitenstaaten in Georgien einzupflanzen. All das, ob man es als legitim erachtet oder nicht, berührt westliche Interessen.

Moskaus Versuch, die Energie-Infrastruktur der Region so zu monopolisieren, dass Gas und Öl stets über russisch beherrschtes Territorium geleitet wird, bedroht westliche Bedürfnisse ebenso wie das Rütteln an einem stabilen westlichen Brückenkopf am Tor zur islamischen Welt. Diese Interessenkonflikte kann kein Denkmodell einfach abschaffen.

Welche Interessen Europa bedienen sollte ist zudem von einem Faktor abhängig, den die Russlandversteher ausblenden: Was wollen die Balten, die Polen, die Ukrainer, die Georgier? An diesem Punkt implodieren die „natürlichen“ Einfluss-Sphären. Sollen wir Georgien zwingen, sich von Moskau beherrschen zu lassen, weil es geografisch so gegeben ist? Waren die USA, als sie die BRD mit aufbauten und schützten, eine „raumfremde Macht“?

Deshalb führt es auch in die Irre, die Monroe-Doktrin aus dem Kontext zu reißen und sie als allgemeines Axiom einer Außenpolitik der Nicht-Einmischung wiederzuverwerten. Die Monroe-Doktrin war 1823 nicht „vorweggenommener Carl Schmitt“, wie Markus Schwering in dieser Zeitung schrieb, sondern eine Reaktion des jungen Amerika auf die Bedrohung durch die Kolonialmächte Europas. Sie entstand im Konflikt Selbstbestimmung gegen Kolonialismus. Was aber ist der Einmarsch Russlands in Georgien anderes als die Betonung eines überkommenen Machtanspruchs, wie ihn Europas Imperien gegenüber Amerika vertraten?

Diesen Anspruch zuzulassen, ist unmoralisch, und er widerspricht unseren Interessen. Das eine wie das andere zwingt Europa dazu, sich von Moskau nicht alles bieten zu lassen. Zwischen Beschwichtigung, die Russland nur weiter antreiben wird und Kaltem Krieg gibt es eine Menge Spielraum. Ihn gilt es zu nutzen, statt zynische Politikphilosophien wieder auszugraben.
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preusse
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Anmeldungsdatum: 17.10.2005
Beiträge: 236

BeitragVerfasst am: 28.Aug 2008 21:34    Titel: Antworten mit Zitat

Nichts gegen die vorgestellten Artikelschreiber. Da ist auch vieles diskutabel.
Nur nicht der Kern des Problems. Der ist nicht dabei.
Den findet man nicht mit Moral und Philosophie. Der liegt im Bereich Macht und ihre Spielregeln.
Die muss man erkennen, als Instrument akzeptieren und darüber eigene Positionen durchsetzen.
Politik eben.
Das machen z.B. die Amerikaner.
Über den verlängerten Arm Europa beschäftigen sie den potentiellen Supermachtwidersacher Russland. EU Erweiterung - rangerückt, Nato Erweiterung - rangerückt, Schutzschilde - rangerückt, Bündnispartner Serbien zerlegt.....
Wir sollten mal ganz nüchtern akzeptieren, dass das irgendwann zu einer Antwort einer Ex-Supermacht, zumal Diktatur, führen muss.
Und jetzt lassen es die Russen drauf ankommen. Und zwar volles Kanonenrohr.
Und Europa hat das Problem.
Die Amerikaner stört dass kein Stück. Im Gegenteil. Gleichzeitig bekommt der Wirtschaftswidersacher Europa seine Baustelle. Er wird politisch kräftemäßig gebunden und wirtschaftlich in gefährliches Energiefahrwasser gelenkt.
So wird das gemacht.
Deshalb kann man das Ganze mit einem Satz aus Posener´s Vortrag zusammenfassen.

Zitat:
In dieser Situation muss sich Europa zunächst nüchtern fragen, was seine Interessen sind und wie sie geschützt werden können.


Aber das werden wir nicht können.
Und deswegen verhöhnen die Russen Europa ganz ungeschminkt.
Aber vielleicht fangen wir an, in diese Richtung eigener Positionen zu denken....

Preusse
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hdschulz
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Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 1142

BeitragVerfasst am: 30.Aug 2008 12:31    Titel: Antworten mit Zitat

@preusse
An Ihrer Beschreibung weltpolitischer Spielregeln und der Interessen Amerikas gibt es sicher wenig auszusetzen.

Nur - ist das wirklich der einzige "Kern des Problems"? Ich glaube, das wäre zu monokausal gedacht.

Versuchen Sie doch mal, einem Polen oder Ungarn zu erklären, die Mitgliedschaft seines Landes in Nato und EU sei nur das Resultat der Einkreisungspolitik der USA. Der wird sie beleidigt auf die jahrzehntelangen Freiheitsbestrebungen in seinem Land verweisen.

Doch sogar wenn man das Szenario der Druckerhöhung durch die Amerikaner isoliert betrachtet, ist das Gegenteil Ihrer Kausalitätsbeschreibung ebenfalls plausibel:
Eben weil die Nato den Russen im Frühjahr signalisiert hat, ihnen im Kaukasus nicht weiter auf die Pelle rücken zu wollen und somit Druck abzulassen, haben die das als Signal zum quieken aufgefasst.
Man kann also durchaus darüber spekulieren, ob die Russen denn in Georgien einmarschiert wären, wenn der Druck höher gewesen und das Land den Nato-Anwärterstatus bereits besessen hätte. (und natürlich auch darüber, ob Saakaschwili dann nicht zurückhaltender gewesen wäre)

Aber - wie gesagt, das sind Spekulationen.

Neben dem weltpolitischen gibt es natürlich auch noch einen lokalen Aspekt der Krise:
Nicht allen kaukasischen Völkern ist beim Einsturz der Höhle des russischen Bären die Flucht daraus gelungen – die Tschetschenen und Iguschen (ich glaube es gibt sogar noch weitere, die mir momentan nicht einfallen) sind beim Fluchtversuch fürchterlich verprügelt worden. Die jüngste Strafaktion gegen Georgien sollte sicher auch ein Signal für diese sein.

Was mich am Tenor Ihrer Argumentation ein wenig irritiert, ist die unterschwellig spürbare Äquidistanz zu den weltpolitischen Protagonisten des Szenarios.

"Europa muss sich zunächst nüchtern fragen, was seine Interessen sind und wie sie geschützt werden können", so zitieren Sie Posener zustimmend und folgern, dass wir beginnen sollen, in Richtung eigener Positionen zu denken.
Das ist natürlich als Allgemeinplatz nie verkehrt, nur – ist es irgendwie erfolgversprechend, wenn der Westen sich in Bezug auf die Restitutionsgelüste Rußlands auseinanderdividieren läßt und Europa eigene Positionen gegenüber Rußland bezieht? Wie sollten die aussehen? Eine Distanz zu den USA beschreiben? Glauben Sie, dass die Russen dafür dankbar sein werden? Ist es nicht plausibler, dass Sie sich bestärkt fühlen (siehe Georgien) und ihre Kontrollansprüche und später vielleicht Anschlußvorhaben von Ossetien und Abchasien auf die Ukraine und weitere Abspaltungen der SU ausdehnen könnten? Kann uns das egal sein, genau so, wie es Einigen offensichtlich egal ist, wenn alle Öl- und Gaspipelines aus dem kaspischen Raum über Rußland führen? Gibt es für die EU in Fragen der europäischen Raumordnung tatsächlich die Option der Kooperation mit Rußland auf Augenhöhe ohne Schulterschluß mit den USA oder vielleicht dann doch nur als Vasall?

Bei der Suche nach den Ursachen der Situation kann ich Moral und Philosophie auch keineswegs außer acht lassen, wie Sie es empfehlen. Die jüngsten Entwicklungen im Rußland Putinscher Prägung erfordern das.
Wenn Ministerpräsident Putin einmal gesagt hat, die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts sei für ihn der Zusammenbruch der Sowjetunion gewesen, dann kann man sich vorstellen, was ihn antreibt.
Das Scheitern der kommunistischen Ideologie und ihrer angeblich wissenschaftlichen Grundlagen muß auch für ihn offensichtlich gewesen sein. Ob der ehemalige KGB-Offizier weitere Änderungen seiner Überzeugungen vollzogen und gar Schritte in Richtung Demokratie westlicher Prägung gemacht hat, darf bezweifelt werden.

Es gibt in der Bloggerszene eine Menge kluger Analysen der aktuellen Situation im Kaukasus und der nötigen Schlussfolgerungen, die nachstehende gefällt mir inzwischen am besten:

Zitat:

Anmerkungen zu Georgien

Man kann den Kaukasuskonflikt unter zwei Gesichtspunkten betrachten, dem völkerrechtlichen und dem politischen.

Völkerrechtlich ist die Lage völlig eindeutig: Georgien ist ein souveräner Staat, dessen Grenzen mit denen der ehemaligen gleichnamigen Sowjetrepublik identisch und international anerkannt sind. Jeder Staat der Welt ist berechtigt (im Verhältnis zu seinen Bürgern sogar verpflichtet), die eigene Souveränität auf seinem gesamten Territorium durchzusetzen, Separatismus gegebenenfalls mit Waffengewalt zu bekämpfen, und zu diesem Zweck mit seinen Streitkräften und seiner Polizei zu operieren, wo immer er es für angemessen hält. Das alles gilt selbstverständlich auch für Georgien; insofern kann es ein Recht auf Abspaltung weder für Abchasen noch für Süd-Osseten geben, und insofern hatte Russland nicht das Recht – und schon gar nicht die Pflicht -, in dem Konflikt zu intervenieren, wie es auch zuvor nicht das Recht hatte, die Separatisten-„Staaten“ zu unterstützen oder gar russische Pässe an ihre Bewohner zu verteilen, um sich selbst einen Interventionsgrund gleichsam auf Vorrat zu verschaffen.

So weit die völkerrechtliche Lage. Betrachtet man die Dinge aber politisch, so muss man zunächst festhalten, dass die Grenzen, auf deren Unverletzlichkeit Tiflis seit anderthalb Jahrzehnten pocht, einst von Stalin gezogen worden sind; dass sie niemals dazu bestimmt waren, Grenzen souveräner Nationalstaaten zu sein; und dass Moskau sie mit einer gewissen Raffinesse so gezogen hat, dass sie das faktisch auch nicht werden konnten.

Für einen frischgegründeten Nationalstaat mit ethnischen Minderheiten sollte es sich von selbst verstehen, der nationalen Geschlossenheit Vorrang vor der Behauptung jeglichen Territoriums zu geben. Unter diesem Gesichtspunkt wäre es wahrscheinlich politisch klug gewesen, den Anspruch auf die umstrittenen Gebiete schon zu einem Zeitpunkt aufzugeben, wo man für diesen Verzicht noch etwas hätte einhandeln können. Zumal sich speziell im Hinblick auf Süd-Ossetien ernsthaft die Frage stellt, welchen Wert dieses Gebiet eigentlich haben soll. Während Abchasien wenigstens noch eine Schwarzmeerküste mit touristischem (und landwirtschaftlichem) Potenzial hat, hat Süd-Ossetien weder strategischen Wert noch Bodenschätze, ist bettelarm und wird hauptsächlich von Arbeitslosen bevölkert, die sich zudem noch zu Russland hingezogen fühlen.

Eine Torheit war es, diesen Anspruch auf ohnehin in jeder Hinsicht problematische Gebiete mit catonischer Hartköpfigkeit bis heute aufrechtzuerhalten, obwohl er gegen den Willen Russlands offensichtlich nicht durchzusetzen war, zugleich aber eine NATO-Mitgliedschaft Georgiens a priori unmöglich machte. Georgien hat die Taube in der Hand sausen lassen, um sich nach dem Spatz auf dem Dach zu strecken.

Des weiteren war es eine Torheit, Süd-Ossetien mit Gewalt unter Kontrolle bekommen zu wollen. Es konnte doch niemand die Illusion hegen, dass das ungleich stärkere Russland sich einen solchen einseitigen Akt bieten lassen würde, Völkerrecht hin oder her. Allenfalls eine glaubwürdige vorherige Beistandszusage der USA hätte ein solches Unternehmen wenigstens möglich erscheinen lassen; die lag aber nicht vor. Und falls Saakaschwili kalkuliert haben sollte, der Westen könne gezwungen werden, auf die vollendete Tatsache eines russisch-georgischen Konflikts militärisch zu reagieren, so hat er die Bedeutung seines Landes gewaltig überschätzt.

Wenn er aber schon in dieser Weise Vabanque spielen musste, so war es dreimal töricht, mit einer Artillerie- und Luftoffensive statt mit gezielten Kommandounternehmen vorzugehen, dadurch die Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft zu ziehen und so der russischen Propaganda eine Steilvorlage zu liefern. Das russische Gerede über „Völkermord“ und „ethnische Säuberung“ ist – freundlich ausgedrückt – grotesk übertrieben. Das Vorgehen Saakaschwilis war aber gerade hart genug, den Russen jenes Quentchen Recht zuzuspielen, auf das auch eine noch so imperialistische Großmacht nicht verzichten kann, wenn sie wenigstens das eigene Volk hinter sich haben will. Russland konnte sich damit auf genau jene Interventionsgründe berufen, die auch dem westlichen Vorgehen gegen Serbien in Bosnien und vor allem im Kosovo zugrundelagen.

Womit wir bei den westlichen Darstellern in diesem Schmierentheater wären. Mag Saakaschwili auch ein Narr sein, so befindet er sich doch in erstklassiger Gesellschaft:

Da sind zunächst die politischen Amateure in Washington, die einseitig die Unabhängigkeit des Kosovo durchgesetzt haben, wohl wissend, dass dies gegen das Völkerrecht verstößt; und wohl wissend, dass es für diesen Verstoß keine zwingenden oder auch nur wichtigen Gründe gab, weil die Serben in den Verhandlungen mit Pristina den Kosovaren bis an die Grenze der Selbstverleugnung entgegengekommen waren.

Es hat sie auch nicht interessiert, dass Russland für den Fall der kosovarischen Unabhängigkeit völlig unzweideutig angekündigt hat, dass dann auch die Unabhängigkeit Abchasiens und Süd-Ossetiens auf die Tagesordnung kommen würde. Und nun sind alle ganz überrascht und empört, dass Russland genau das tut, was es angekündigt hat, und was es aus seiner Sicht sogar tun muss, um nicht als Papiertiger dazustehen.

Wer jetzt als Papiertiger dasteht – das ist der Westen selbst.

Es sollte sich allmählich auch in Berlin und Paris herumgesprochen haben, dass Russland eine imperialistische Macht ist, und dass jede ehemalige Sowjetrepublik, die sich nicht in die NATO retten kann, dazu verurteilt ist, zur Filiale Moskaus abzusinken – eines Moskaus, dass ein eigenes Interesse daran hat, demokratische und rechtsstaatliche Entwicklungen in diesen Ländern zu hintertreiben. Heute ist das Georgien, morgen wird es die Ukraine sein. Insofern haben die USA selbstverständlich Recht mit ihrer Feststellung, dass der Westen ein vitales Interesse an der Aufnahme Georgiens in die NATO hat, und insofern muss man den Deutschen und Franzosen, die das zu verhindern versuchen, bestenfalls Blauäugigkeit bescheinigen.

Aber, und das hätte den Amerikanern als der Führungsmacht des Bündnisses klarer sein müssen als irgendjemandem sonst: Es ist völlig undenkbar, ein Land in die NATO aufzunehmen, das in seinen Grenzen zwei hochexplosive Krisenherde beherbergt. Kein europäischer Politiker, der noch ganz bei Trost ist, wird eigene Truppen zur Verfügung oder auch nur in Aussicht stellen, um den Verbleib Süd-Ossetiens bei Georgien zu garantieren; für dieses Gebiet gilt nämlich genau das, was Bismarck einmal über den Balkan sagte: dass er nicht die gesunden Knochen eines pommerschen Grenadiers wert ist. Die NATO ist ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, und wer Georgien in seinen bisherigen Grenzen in die NATO führen will, kann ebensogut versuchen, eine Feuerversicherung für ein strohgedecktes Haus zu bekommen.

Es wäre also nur klug gewesen, den Georgiern schon vor Jahren zu signalisieren: Ihr habt die Wahl, in die NATO zu kommen, dann aber die umstrittenen Gebiete (zu einem möglichst hohen Preis) abzustoßen, oder auf Eurem unanfechtbaren Rechtsanspruch zu beharren, dann aber bitte ohne uns: Wir sind nicht der Gerichtsvollzieher des Völkerrechts.

Stattdessen haben die Amerikaner nicht nur bei den Georgiern die Illusion genährt, sie könnten beides haben, die Gebiete und die NATO-Mitgliedschaft; sie haben diese Illusion sogar selber gehegt und sich offenbar sehr gewundert, als sie beim NATO-Gipfel im April bei Deutschen und Franzosen abgeblitzt sind.

Ihnen scheint überhaupt nicht klar gewesen zu sein, dass Berlin und Paris froh waren über die Fortexistenz der Konflikte um Süd-Ossetien und Abchasien. Hätten sie diesen Vorwand nämlich nicht gehabt, so wäre es ihnen ziemlich schwer geworden, eine NATO-Mitgliedschaft Georgiens zu vereiteln.

Mit einem Beitritt wäre aber die gesamte Russlandpolitik des Alten Europa, des dritten Narren in diesem Spiel, über den Haufen geworfen worden. Die beruht auf der Idee, sich das Wohlwollen der Russen, also insbesondere einen großen Absatzmarkt und eine gesicherte Energieversorgung, dadurch zu erkaufen, dass man ihnen die ehemaligen Sowjetrepubliken einschließlich der Ukraine quasi als imperiale Spielwiese überlässt.

Dass eine solche Politik zynisch ist, liegt auf der Hand, wäre aber für sich genommen noch kein Argument gegen diese Politik. (Eine Politik, die im Interesse meines Landes liegt, darf ruhig ein bisschen zynisch sein). Hier aber gesellt zum Zynismus noch die Torheit, und die ist allerdings unverzeihlich.

Es kann ernsthaft niemandem entgangen sein, dass Russland gnadenlos die Energiewaffe zur Erpressung missliebiger Regierungen einsetzt (und nicht einmal nur missliebiger: Sogar das aus Moskauer Sicht völlig handzahme und windelweiche Weißrussland war davon betroffen), dass es unverblümt und gewaltsam sogar in die inneren Angelegenheiten von NATO-Staaten eingreift, um seine Macht zu demonstrieren, man denke nur an die Auseinandersetzungen um das Kriegerdenkmal in Tallinn. Damals wurde sogar die estnische Botschaft in Moskau angegriffen und besetzt und die Botschafterin bedroht (ein Vorgang, der, als er sich 1979 in Teheran zutrug, den sofortigen Abbruch der diplomatischen Beziehungen aller westlichen Länder zum Iran zur Folge hatte). Unser silberschöpfiger Außenminister, und mit ihm das ganze Alte Europa, konnte sich nicht einmal zu einer geharnischten Démarche in Moskau aufraffen; stattdessen empfahl er der estnischen Botschafterin in Moskau, doch einfach in Urlaub zu fahren.

In Berlin scheint man die Russische Föderation für einen vertrauenswürdigen Partner zu halten – einen Staat, dessen Präsident soeben einen „Friedensplan“ über den Haufen wirft, auf dem die Tinte seiner Unterschrift noch nicht trocken ist. Was immer Estland, der Ukraine oder Georgien passiert – uns kann so etwas doch nicht passieren. Welche Verblendung! Welche Arroganz!

Es setzt das Tüpfelchen aufs i, dass dieselben Regierungen, die sich gegenüber Russland in Appeasement üben, also das Krokodil füttern in der Hoffnung, selbst als Letztes oder in der Illusion, selbst überhaupt nicht gefressen zu werden, bei jeder Gelegenheit die Einheit Europas und dessen „Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik“ beschwören.

In Berlin und Paris sind Politiker fest überzeugt davon, Länder wie Polen seien moralisch verpflichtet, sich ihrem Führungsanspruch unterzuordnen. Politiker, denen auf der Stirn geschrieben steht, dass sie nicht bereit sind, für Danzig zu sterben, sind dreist oder blöde genug, speziell den Staaten Ostmitteleuropas geradezu Verrat an der gemeinsamen Sache vorzuwerfen, wenn die ihre Sicherheit besser bei den Amerikanern aufgehoben sehen als beim Alten Europa und dafür auch konsequent den Preis zahlen, Amerika in allen wichtigen Fragen zu unterstützen.

Wer aber aus solchen Gründen die Osteuropäer die „Trojanischen Esel“ der Amerikaner nennt, beweist mehr als nur schlechte Erziehung. Er beweist vor allem ein bei verantwortlichen Politikern unerträgliches Maß an Inkompetenz.

Wie soll es nun weitergehen mit Georgien? Zu einem gewissen Grade haben die Russen durch die von ihnen vollendeten Tatsachen die Lösung vorgegeben, die man schon vor Jahren hätte haben können, damals aber noch zu besseren Bedingungen und ohne den jetzt bestehenden Zeitdruck. Sei’s drum! Es gilt jetzt Georgien unverzüglich in die NATO aufzunehmen, um zu verhindern, dass nach Abchasien und Süd-Ossetien das ganze Land in die Fänge Moskaus gerät. Die Anerkennung der Unabhängigkeit der beiden Separatistenrepubliken wäre damit zwangsläufig verbunden; das wäre der gesichtswahrende Prestigeerfolg, den man Russland zugestehen müsste, damit es die NATO-Mitgliedschaft Georgiens schluckt, ohne noch mehr Porzellan zu zerschlagen. Georgien verlöre damit nichts, was es nicht ohnehin schon verloren hätte, den Russen aber würde signalisiert, dass ihre skrupellose Gewalt- und Drohpolitik die Ausdehnung der NATO nur beschleunigt und ihren eigenen Einfluss verringert. Eine solche Politik ist möglich; sie ist auch notwendig. Sie wird aber nicht stattfinden.

Der Verlauf der Kaukasuskrise hat nämlich unter anderem dies offengelegt: dass den kaltschnäuzigen Zockern im Kreml auf westlicher Seite Führungsgarnituren gegenüberstehen, die man nicht einmal als zweitklassig bezeichnen kann, ohne ihnen zu schmeicheln.
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 7645

BeitragVerfasst am: 30.Aug 2008 13:37    Titel: Antworten mit Zitat

Vor dem EU-Sondergipfel am Montag hat Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin Brüssel aufgefordert, "eine wirklich objektive Bewertung" des Kaukasus-Konfliktes vorzunehmen.

Die Reaktion der Europäischen Union sei seinem Land nicht gleichgültig, sagte Putin im Interview mit der ARD. Russland wolle keine Spannungen und auch kein neues Wettrüsten, sondern strebe nach gutnachbarschaftlichen Beziehungen zu allen. Die Debatte um mögliche Sanktionen gegen Russland verfolge seine Regierung sehr aufmerksam. "Wir hoffen, dass der gesunde Menschenverstand triumphieren wird und dass es eine objektive Einschätzung der Ereignisse geben wird."

Putin bezeichnete Behauptungen als Lüge, wonach Russland nicht allein zum Schutz der Südosseten in Georgien eingegriffen habe und eigentlich Georgiens Präsident Michail Saakaschwili gestürzt werden sollte, um einen NATO-Beitritt der Ex-Sowjetrepublik zu verhindern. Wenn diese Behauptung stimmen würde, hätte Russland den Konflikt begonnen, sagte Putin der ARD weiter. Doch habe Georgien als erstes angegriffen. Menschen wie Saakaschwili dürften seiner Meinung keinen Staat führen, sagte der Ministerpräsident.

Putin betonte, dass Russland nicht georgisches Territorium annektieren wolle. Die russischen Truppen würden sich zurückziehen, wenn die richtigen Prinzipien für eine Kontrolle der Lage in Georgien gefunden worden seien. Putin begrüßte es, dass Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) dies übernehmen würden. Russland sei bereit, dabei mitzuarbeiten, sagte er der ARD weiter.

Putin wies in dem Interview zudem in der EU-Ratspräsidentschaft geäußerte Bedenken zurück, Russland könne als nächstes die territoriale Integrität der Ukraine bedrohen. So zu denken, sei nicht gerecht, sagte der Regierungschef. Russland verfolge in der Region keine Ziele. Im Unterschied zu Georgien und Südossetien habe es auf der Krim keinen ethnischen Konflikt gegeben. Russland habe längst die Grenzen der heutigen Ukraine anerkannt, es gehe höchstens noch um technische Fragen.

Mit Blick auf eine mögliche Vermittlerrolle Deutschlands im Kaukasus-Konflikt sagte Putin, "wir haben sehr gute, vertrauensvolle Beziehungen, sowohl politisch als auch ökonomisch". Russland wolle in der Weltpolitik nicht nach irgendwelchen besonderen Regeln spielen, sondern sich an das Völkerrecht halten. Sein Land unterstütze einheitliche Regeln, die die Interessen aller Teilnehmer berücksichtigten, sagte Putin.
(afp)
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preusse
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Anmeldungsdatum: 17.10.2005
Beiträge: 236

BeitragVerfasst am: 30.Aug 2008 18:13    Titel: Antworten mit Zitat

hallo hdschulz,

zu dem thema können wir zwei uns auch über brieftauben austauschen, dass interessiert sonst keinen.
deshalb viele bemerkungen weggelassen und auf eine these konzentriert.
der kern ist die us aussenpolitik. nationalistisch, arrogant und unsensibel!
der rest der welt sind nützliche idioten, die von fall zu fall aufgestellt werden.
ein fall ist europa.
selbstverständlich haben die amerikaer die eu erweiterung vorangetrieben um europa zu schwächen. glauben sie wirklich was anderes? Dann beschäftigen sie sich nur beispielsweise mal mit der rolle polens!
und natürlich ist die nato erweiterung eine erweiterung ihrer militärischen präsenz.
was denn sonst?
und das wurde bei der entsorgung von altmunition in ex-jugoslawien (alter verbündeter der russen) auch gleich mal gezeigt. Kosowoabspaltung und schutzschilde hinterher.
der ohnehin lahmen ente europa hat man so en passant auch noch einen bleigürtel verpaßt. die muss jetzt rudern um irgendwie über wasser zu bleiben. für schnabelaufreißen ist da keine kraft mehr.

das sehen die russen mit zähneknirschen.
sie sehen dabei nicht die europäer, sie sehen die präsenz amerikas und deren interesse vor ihrer haustür.
Und das kann nicht die rolle europas sein.
und deswegen verhöhnen die russen auch ganz ungeschminkt die eu. mit kalkül. ein europa als handlanger von us interessen kommt für sie nicht in frage.
so ist es aber. das ist des pudels kern.
deshalb liegt die lösung auch nur darin das europa ein eigenes profil entwickelt.
Für mich nicht vorstellbar. zumindest nicht so bald.
ersatzlösung sind dann kleine schritte. einer ist, dass deutschland bilateral profil gewinnt. deutschland hat keine augenhöhe zur usa und brauch die auch nicht zu russland. wir haben eigene interessen und die sollten umgesetzt werden. eine starke wirtschaftliche bindung mit russland ist bei weitem keine energieeinbahnstrasse.
dürfen wir das?
mal bei den franzosen abkucken, wie man nationale weltpolitik macht......

preusse
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Moderator GM&P
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
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BeitragVerfasst am: 31.Aug 2008 8:36    Titel: Antworten mit Zitat

Signal zum quieken

Zitat:
Dennoch: Die Initiative zu der aktuellen kriegerischen Eskalation hat wohl Putin ergriffen. Allein der beschriebene zeitliche Ablauf legt diesen Schluß nahe.


Der georgische Angriff sei erfolgt, bevor russische Panzer nach Südossetien vordrangen, sagen OSZE-Beobachter. Georgien soll den Militärschlag zudem intensiv vorbereitet haben.

In der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) gibt es nach einem Bericht des Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" massive Kritik an der georgischen Führung. Fehlverhalten der Regierung in Tiflis habe zum Ausbruch der Kaukasus-Krise beigetragen, schreibt das Blatt.

Nach Informationen des "Spiegel" berichten OSZE-Militärbeobachter aus der Kaukasusregion, dass Georgien den Militärschlag gegen Südossetien intensiv vorbereitet habe. Der Angriff sei begonnen worden, bevor russische Panzer den Verbindungstunnel nach Südossetien befahren hätten. In den Berichten sei auch von möglichen georgischen Kriegsverbrechen die Rede.

OSZE-Beobachter berichteten davon, dass die georgische Führung südossetische Zivilisten im Schlaf habe angreifen lassen.