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A. Henneberg ** Consulter **
Anmeldungsdatum: 28.08.2002 Beiträge: 4940 Wohnort: Osten
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Verfasst am: 2.Aug 2005 16:07 Titel: Autoversicherung mit Sparplan - Herr Kaiser berät Sie |
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Morningstar: Karlsruhe tritt Versicherern auf die Füße oder "Autoversicherung mit Sparplan"
Ein komödiantisches Aufklärungsstück in einem Akt mit anschließender Analyse von Kapitallebensversicherungen.
Anwesende
Herr Kaiser – Versicherungsberater
Ehepaar Schmidt (Paul und Gerda)
Prolog
| Zitat: |
Gewinnbeteiligung
Das Bundesverfassungsgericht hat festgestellt, dass „bei der Ermittlung eines bei Vertragsende zuzuteilenden Schlussüberschusses die durch die Prämienzahlungen geschaffenen Vermögenswerte angemessen berücksichtigt werden“ müssen. |
| Zitat: |
Transparenz und Gewinnbeteiligung
Zudem kritisierte das oberste deutsche Gericht die Transparenz der Lebensversicherer. Der Gesetzgeber (Bundesregierung) ist nun aufgefordert, neben der Regelung für Überschusszahlungen Vorschriften zur Veröffentlichung von Vermittlungsprovision, Sparanteil, Risikoprämie und Verwaltungsvergütung zu definieren. |
1. Akt:
Neulich in einem Wohnzimmer gegen 18 Uhr 45.
Herr Kaiser: So schöne Geranien hat meine Mutter auch. Frau Schmidt, Sie haben mir vor zwei Wochen gesagt, dass Sie und Ihr Mann Geld auf die Seite legen wollen. Das finde ich gut. Und dafür habe ich heute was ganz besonderes dabei: eine Autoversicherung mit Sparplan.
Herr Schmidt: Aha. Wollen Sie einen Schnaps?
Frau Schmidt: Ach Paul, hör doch mal auf. Erst die Pflicht, dann das Vergnügen. Das hört sich ja gut an. Ein Auto haben wir und sparen wollen wir ja eh.
Herr Kaiser: Genau. Bei einem monatlichen Beitrag von 150 Euro und einer Laufzeit von 20 Jahren garantieren wir Ihnen einen jährlichen Zins von 2,75%. Hinzu kommt eine Überschussbeteiligung. Sie wissen schon, eine Art Bonus, den ich aber nicht garantieren kann.
Frau Schmidt: Also keine Verluste am Ende der Laufzeit?
Herr Kaiser: Keine Verluste.
Herr Schmidt: Und bei den 150 Euro ist die Autoversicherung enthalten? Was ist wenn ich einen Unfall baue?
Herr Kaiser: In den 150 Euro ist alles enthalten: Versicherung und Sparbeitrag zur Bildung eines Kapitalstocks. Wir kommen im Falle einer Vollkaskoversicherung für ihren Schaden und den des Geschädigten auf.
Herr Schmidt: Wenn ich 150 Euro monatlich einzahle, wie viel davon spare ich und was kostet die Teilkaskoversicherung?
Herr Kaiser: Ist heute nicht wunderbares Wetter? Haben Sie ein Cabriolet?
Frau Schmidt: Wie hoch ist denn der Bonus, diese Überschussbeteiligung und wo kommt die eigentlich her?
Herr Kaiser: Die Überschussbeteiligung stammt aus unseren Aktien-, Anleihen- und Immobilienanlagen. Hier haben unsere Vermögensverwalter ganze Arbeit geleistet. Am Ende kommt sogar noch ein Schlussüberschuss als eine Art Sahnehäubchen oben drauf.
Frau Schmidt: Aha. Wie hoch ist sie denn, die Überschussbeteiligung?
Herr Kaiser: Das können wir Ihnen heute noch nicht sagen. Das hängt von den Kapitalmärkten und der Statistik ab, ob mehr Autounfälle - als von uns heute erwartet - in den kommenden Jahren stattfinden.
Frau Schmidt und Herr Schmidt schauen sich an. Ihre Gesichtsausdrücke signalisieren „Bahnhof“.
Herr Schmidt: Jetzt aber einen Schnaps!
Herr Kaiser: Sehr gute Idee! Ich lasse Ihnen die Vertragsunterlagen hier. Sie können sich es ja noch mal durch den Kopf gehen lassen. Ich melde mich dann die Tage.
| Zitat: |
| So geschehen 45 Millionen Mal in deutschen Wohnzimmern, wenn der Zuschauer die „Autoversicherung mit Sparplan“ gegen eine „Kapitallebensversicherung“ austauscht. Nur, dass einmal das Auto versichert wird und im anderen Fall das Leben. Kurzum: Wenn es kracht, muß die Versicherung zahlen. Oder wenn der Versicherungsnehmer vor Ablauf der Versicherungszeit stirbt, muß die Versicherung die Lücke zwischen eingezahlten Prämien und Todesfallsumme füllen. |
Analyse: Was bringen Kapitallebensversicherungen?
Sollte man die im Kommentar pointiert dargestellte Autoversicherung mit Sparplan oder einen Todesfallschutz mit Sparplan (Kapitallebensversicherung) abschließen? Zumal Lebensversicherungen weder die Vermittlungsprovision, die Risikoprämie, die Verwaltungskosten noch den Sparanteil ausweisen? Ist ein Rechnungszins (Garantiezins) von 2,75% chancenreich? Und welcher Betrag wird eigentlich verzinst? Ein Sparer oder Versicherungsnehmer kann sich nach dem fiktiven Beratungsgespräch im Kommentar und den nun folgenden Ausführungen ein eigenes Urteil bilden.
Versicherungsgeschäft
Grundsätzlich: Versicherungen sind einzeln sinnvoll. Eine Autohaftpflichtversicherung schützt den Fahrer vor hohen Unfallkosten. Eine Risikolebensversicherung versichert das Leben des Versicherungsnehmers. Hier wird kein Kapitalstock gebildet. Das Leben wird für die Nachkommen mit einem Todesbonus versüßt. Der Versicherungsnehmer hat nach seinem Ableben nichts von der Versicherungssumme. Eine Rentenversicherung sorgt für eine lebenslange Rentenzahlung. Wer lange lebt, hat viel davon. Wer kurz nach dem Rentenbeginn aus dem Leben scheidet, hat zu viel eingezahlt. Auch bei einer Kapitallebensversicherung sichern Menschen ihren Tod ab. Sie besteht aus einer Risikolebensversicherung und einem Sparplan.
Transparenz und Komplexität
Egal welches Risiko: Todesfall, Lebensdauer nach Renteneintritt oder Autounfall, Versicherungsunternehmen können die Eintrittswahrscheinlichkeit von Risiken statistisch messen. Ein Erwartungswert für die Zukunft setzt schließlich eine Risikoprämie fest. Und dieses biometrische Risiko wird von den Versicherungsbeiträgen abgezogen. Das Manko in den laufenden KL-Verträgen: Provisionszahlungen (Beratungsleistung des Versicherungsvertreters beträgt 3-5% der Versicherungssumme), Risikoanteil (originärer Versicherungsbetrag), Sparanteil (Kapitalstock) und Verwaltungsvergütung (Kosten Versicherungsgesellschaft) bleiben im Dunkeln.
Zitat aus Kommentar: „Wenn ich 150 Euro monatlich einzahle, wieviel davon spare ich und was kostet die Teilkaskoversicherung?“
Der Garantiezins wird auf den Sparbetrag erwirtschaftet, der nach Abzug der Provision, Risikoanteil und Vergütung für die Versicherung übrig bleibt. Damit liegt letztendlich die Verzinsung unter den garantierten 2,75%. Da viele Versicherungsnehmer intuitiv ihren absoluten Versicherungsprämie (Beispiel Kommentar: 150 Euro) als Grundlage für die 2,75% annehmen, aber nur ungefähr 120 Euro im Spartopf landen (80% des Beitrags), reduziert sich die Verzinsung von 2,75% erheblich. Verbraucherschützer hoffen nach dem Urteil, dass der Gesetzgeber Vorschriften zur Aufschlüsselung der Versicherungsprämie erlässt.
Rechenbeispiel Kapitallebensversicherung
Monatliche Prämie: 150 Euro, Verzinsung 2,75% p.a., Laufzeit 20 Jahre Versicherungssumme am Ende der Laufzeit: 47 858 Euro
Sparbeitrag (Annahme 80% der Prämie): 120 Euro, Verzinsung 2,75% p.a., Laufzeit 20 Jahre Versicherungssumme am Ende der Laufzeit:
38 286 Euro
Oder: Versicherungssumme Ende der Laufzeit: 38 286 Euro (s. oben); intuitiver monatlicher Sparbeitrag 150 Euro; Laufzeit 20 Jahre Verzinsung auf das eingesetzte Kapital im Erlebensfall: 0,61% p.a.
Nebenschauplatz Überschussbeteiligung
Karlsruhe hat zudem mehr Transparenz bei der Gewinnbeteiligung über den Garantiezins hinaus gefordert. Die Aussicht auf höhere Renditen ist allerdings fraglich - hat aber großes Rauschen im Blätterwald erzeugt. Konkret geht es um die Überschussbeteiligung, die den Versicherungsnehmern zum Garantiezins gutgeschrieben wird.
Neben dem Kapitalstock, den der Versicherer bildet, existiert ein Topf, in den alle Versicherungsnehmer ihre biometrischen Risikoprämien einzahlen. Aus dieser versicherungstechnischen Rückstellung werden die Auszahlungen im Todesfall geleistet. Überschüsse entstehen, wenn vorsichtiger kalkuliert worden ist als letzten Endes notwendig – zum Jahresultimo ist mehr in der Kasse als vorgesehen. Diese Überschüsse stammen entweder aus einem Sterblichkeitsgewinn (es sterben weniger Menschen als prognostiziert), Zinsgewinn (Deckungsstock/ Vermögensanlagen) oder Kostengewinn (Versicherung wirtschaftet gut). Lebensversicherungen sind verpflichtet 90% dieser Gewinne ihren Kunden gutzuschreiben.
Kritik äußert Karlsruhe an der Verteilung dieser Gewinne über die Versicherungsnehmergenerationen und die Bilanzierung der Kapitalanlagen (stille Reserven). Wie auch immer: Die Renditechancen der deutschen Assekuranz scheinen auf Basis der niedrigen Aktienquoten beschränkt. Stille Reserven könnten in den Aktienbeteiligungen liegen, die maximal 10-12% des Deckungsstocks der deutschen Versicherer ausmachen dürften. Eine Aufwertung der Immobilien scheint mit Blick auf den schwachen deutschen Real-Estate-Markt der letzten Jahre fraglich. Wo sollen also die stillen Reserven schlummern? Die Versicherer werden sich hüten, die Anleihen höher in ihre Bücher einzustellen. Eine Zinswende in der Eurozone könnte zu immensem Abschreibungsbedarf führen. Bei Rentenquoten größer als 80% können stille Reserven schnell zu stillen Lasten werden. Die Reserven der Versicherer sind zudem nach dem Handelsgesetzbuch bilanziert, was größtmögliche Vorsicht vorschreibt. Das Thema “Stille Reserven und Überschussbeteiligung“ ist nur schwer transparent zu machen. Der Aufwand seitens der Versicherung (steigende Verwaltungskosten) könnte den Nutzen für den Versicherer (größere Überschussbeteiligung) übersteigen. Ausserdem stehen die Versicherer im Wettbewerb und preisen ihren Bonus für das kommende Jahr werbewirksam in jedem Verkaufsgespräch an.
Fazit
Kapitallebensversicherungen sind kein adäquates Mittel zur Bildung eines Kapitalstocks. Selbst mit 20 oder 30 Basispunkten (0,2% oder 0,3%) mehr Überschussbeteiligung ist die Verzinsung auf das eingezahlte Kapital für Neuverträge unbefriedigend. Fondssparpläne sind die Alternative. Ihre Trümpfe sind Transparenz, Flexibilität (Anlagestruktur) und geringere Gebühren (Agio und Verwaltungsvergütung).
Wer eine Kapitallebensversicherung oder fondsgebundene Lebensversicherung hat, sollte sie keinesfalls kündigen! Die Beratungsprovision von 3 bis 5% der Versicherungssumme wird in den ersten Monaten gezahlt. Deswegen sind die Rückkaufswerte in den ersten Monaten nahe Null (Fachjargon: Zillmerung) und steigen dann im Verlauf nur leicht an.
Quelle: Morningstar Deutschland GmbH - Werner Hedrich |
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