Verfasst am: 21.Dez 2006 5:34 Titel: Kirche als Gourmet-Tempel
Viele Unternehmen verkaufen ihre Immobilien, um die Liquidität zu verbessern – oder um einfach nur Kosten zu senken. Für die großen deutschen Kirchen war das bisher aber ein Tabu. Doch die schrumpfenden Gemeinden und die demographische Entwicklung fordern ihren Preis.
Angesichts sinkender Steuereinnahmen wollen sich die Kirchen von Liegenschaften trennen – doch die Nachnutzung der Bauten ist oft problematisch.
Ein spektakuläres Beispiel ist dagegen der Verkauf der Bielefelder Martini-Kirche für den symbolischen Betrag von einem Euro an die Living Event GmbH. Die Backsteinkirche, deren Bau auf den Gründer der Bodelschwingh’schen Anstalten zurückgeht, wurde in ein Restaurant mit gehobenem Anspruch umgebaut: Essen statt beten.
Mehr als 2,5 Mill. Euro haben Sanierung und Umbau der halb verfallenen Kirche gekostet. „Alleine hätte ich das auf keinen Fall geschafft“, sagt Gastronom Achim Fiolka, Geschäftsführer der Living Event in Werther. Finanziert wurde das Bauvorhaben über die Bielefelder Sparkasse mit Mitteln der KfW und Darlehen von der Getränkeindustrie.
Für die Kreditgeber aus der Getränkeindustrie waren das „profilstarke Objekt“ sowie eine „viel versprechende Absatzstätte“ entscheidend. Nun will Fiolka das Konzept auf andere Kirchen übertragen und sucht dafür nach neuen Standorten und Investoren: Fünf Kirchen seien ihm bereits angeboten worden, sagt er.
In Deutschland gibt es rund 35 000 Kirchen. Nach Schätzungen steht bis zu 20 Prozent des Gebäudebestandes zum Verkauf.
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