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Kontinent der Heuchelei

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hdschulz
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Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 1100

BeitragVerfasst am: 16.Dez 2005 14:56    Titel: Kontinent der Heuchelei Antworten mit Zitat

Kolumne von Maxeiner & Miersch, erschienen am 16.12.2005 in DIE WELT:

Ein gewisses Maß an Heuchelei lassen wir uns durchaus gefallen, aber was Europa in den letzten Wochen abgeliefert hat, ist schon einsame Spitze. Leider muss man dabei kurz unseren Altbundeskanzler erwähnen. Der steigt ganz privat zum Aufsichtsrats-Vorsitzenden eines milliardenschweren deutsch-russischen Pipeline-Projekts auf, das er kurz zuvor ganz unprivat als Bundeskanzler einfädelte. Man stelle sich jetzt mal vor, George Bush hätte so etwas durchgezogen. Der gilt ja schon als Vasall finsterer Ölbosse, weil sein reicher Papa aus Texas stammt und sein Vize früher im Ölbusiness reüssierte. Und doch gibt’s einen Unterschied: Die amerikanischen Wähler wussten vorher, wem sie da ihre Stimme geben, die deutschen Wähler erfahren es erst nachher. Der „Kein Blut für Öl-Fraktion“ gönnen wir die Karriere ihrer Lichtgestalt Gerhard Schröder jedenfalls von Herzen. So ist das, wenn man von lupenreinen Demokraten lupenrein vorgeführt wird.

Sehr talentiert in dieser Hinsicht zeigten sich die Europäer auch auf dem Klimagipfel in Montreal. Unsere Klimaschutztruppe war mit mehreren tausend Einsatzkräften angereist, um George den Schrecklichen zu vermöbeln. Schlachtruf: Das Reich des Bösen weigert sich nach wie vor das Kioto-Protokoll zu unterzeichnen. Und das europäische Reich des Guten? Nun ja, ähm: Es weigert sich lediglich, das Kioto-Protokoll einzuhalten. Denn eigentlich müssten die Emissionen der EU bis 2012 um 5 Prozent unter denen von 1990 liegen. Doch in viele europäischen Ländern sind noch nicht einmal im Ansatz auf dem Weg dorthin: Spanien legte bis dato um 42 Prozent (!) zu, Portugal um 37 Prozent, Irland und Griechenland um 26 Prozent. Zum Vergleich: Die USA verzeichneten im gleichen Zeitraum ein plus von lediglich 13 Prozent (und unter Bush sind sie sogar zwei Prozent gefallen).

Selbstgerechte Heuchelei und zweierlei Maß beflügeln auch die Auseinandersetzung um CIA-Flüge und angebliche geheime amerikanische Gefängnisse. Der EU-Kommissar für Justiz, drohte Polen und Rumänien mit dem „Entzug der Abstimmungsrechte“ innerhalb der Union, falls sich Gerüchte über solche Einrichtungen auf deren Gebiet bewahrheiten sollten. Es seien dann „europäische Werte“ verletzt worden. Nur zu, dann aber möge dies bitte auch für Frankreich gelten: Dort wurde im Oktober direkt beim Pariser Justizpalast von Menschenrechtlern ein Verlies inspiziert, in dem illegale Einwanderer von den französischen Behörden unter unvorstellbaren Bedingungen eingesperrt wurden: Kein Tageslicht, keine Ventilation, erbärmliche Sanitäreinrichtungen, verzweifelte Insassen verstümmelten sich nach Zeugenaussagen selbst. Guantanamo wirkt dagegen wie ein Kurort. Aber „europäische Werte“ scheinen auf unserem sauberen Kontinent nur für CIA-Gefängnisse verbindlich zu sein.

Es ist auch keineswegs so, dass die Amerikaner Gefangenenflüge in zweifelhafte Drittstaaten erfunden hätten. Die Europäer praktizieren ähnliches regelmäßig. Beispielsweise ist es nur dem persönlichen Mut eines Lufthansa-Piloten zu verdanken, dass eine 24jährige Iranerin den Häschern in ihrem Heimatland entging. Auf Veranlassung deutscher Behörden sollte die Frau Anfang des Jahres ausgewiesen werden. Sie hatte sich von ihrem Mann getrennt und in ihrer Heimat erwarteten sie nach Einschätzung von Menschenrechtlern drastische Strafen bis hin zur Steinigung.

Doch so viel Glück ist nicht jedem beschieden. Die spanische Regierung wirft massenhaft afrikanische Einwanderer aus ihren Enklaven nach Marokko hinaus, wo laut Amnesty International Folter und schlechte Behandlung an der Tagesordnung sind. Dies geschieht unter der Regierung von Jose Luis Rodriguez Zapatero, der die USA gerade demonstrativ aufgefordert hat, den Europäern "korrekte" Informationen über mutmaßliche Geheimtransporte gefangener Islamisten des Auslandsgeheimdienstes CIA innerhalb der EU zu liefern.

Na gut, aber wenigstens gegen Neonazis gehen wir in Deutschland streng vor. Deutsche Banken haben sich sogar geweigert Konten für solche Gruppierungen zu führen (und das ist gut so!). Wir sind jetzt einmal gespannt, ob sie jetzt auch die Geschäftsbeziehungen mit dem Neonazi und Holocaust-Leugner Mahmoud Ahmadinejad , Präsident des Iran, beenden. Im ersten Halbjahr 2005 gingen deutsche Waren für 2,2 Milliarden Euro in den Iran, was nicht eben auf einen solchen Schritt hindeutet. Deshalb ein Vorschlag zur Güte: Liefert ihm als Alternative zur Atomkraft einen hübschen Windpark. Das wäre mal keine Heuchelei.
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Moderator GM&P
.


Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 7240

BeitragVerfasst am: 2.Okt 2008 12:45    Titel: Antworten mit Zitat

Die "Weltwoche" titelt in ihrer neuen Ausgabe:

"Adolf Achmadinedschad"

und führt aus:

Letzte Woche erlebte New York eine besondere Premiere: Erstmals wurde die Rednertribüne der Uno-Vollversammlung für antisemitische Agitation genutzt. Ausgerechnet vor jener Organisation, die im Widerstand gegen die Nazis und als die Quintessenz der Lehren aus den Verbrechen des Zweiten Weltkriegs gegründet worden war, konnte am 23. September 2008 die Paranoia eines Adolf Hitler fröhliche Urständ feiern.

Absonderlich genug, dass Achmadinedschad seine Uno-Auftritte zu Predigten umfunktioniert, in denen die Wiederkunft des schiitischen Messias herbeigesehnt wird fünf Stossgebete für den zwölften Imam waren es in diesem Jahr. Zusätzlich liess er seine Rede von den «Protokollen der Weisen von Zion» inspirieren.

Auf der einen Seite, belehrte er die Delegierten aus aller Welt, stünden «die Würde, die Integrität und die Rechte der amerikanischen und europäischen Völker» und auf der anderen Seite deren ewiger Feind: «die kleine, aber hinterlistige Zahl von Leuten namens Zionisten»....

Der komplette Artikel in der Weltwoche
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