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Pyramidenbau bei Dessau

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Moderator GM&P
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 6866

BeitragVerfasst am: 25.Aug 2007 11:54    Titel: Pyramidenbau bei Dessau Antworten mit Zitat

Mein Grab, das hat fünf Ecken - die Rede ist vom größten Bauwerk der Menschheit: Mit der Errichtung einer 500 Meter hohen Pyramide wollen Baumeister bei Dessau den Ägyptern nacheifern und eine gigantische Begräbnisstätte schaffen.

Die Vorstellung der alten Ägypter vom Tod war, wagt man den Vergleich mit anderen Kulturen und Religionen, nicht besonders einfallsreich: Statt an das Paradies oder eine Rückkehr auf die Erde in einer anderen Daseinsform, glaubten sie daran, dass es im Jenseits einfach immer so weitergehen werde wie gehabt. Reichtümer, Speisen und die sterbliche Hülle, so ihre Überzeugung, würden da drüben noch gebraucht, und deshalb nahm man das alles mit ins Grab.
Den in Stein gewordenen Höhepunkt erreichte der Totenkult vor gut viereinhalb tausend Jahren mit dem Bau der Pyramiden von Gizeh. Die Pyramiden Ägyptens waren nicht nur Ausdruck des unvorstellbaren Größenwahns sich selbst vergötternder Herrscherdynastien. Sie waren gigantische spirituelle Stätten, die den Jahrtausenden durch ihre massive Bauweise trotzen sollten.

Dieses Prinzip machen sich in Deutschland nun auch die "Freunde der Großen Pyramide" zu eigen. Der Verein, gegründet von dem Schriftsteller Ingo Niermann und dem Wirtschaftswissenschaftler Jens Thiel, plant den Bau einer Pyramide, die über Jahrzehnte aus Millionen einzelner Betonelemente wachsen soll. Diese sollen als Erinnerungssteine oder Urnenbehältnisse für Verstorbene aus aller Welt dienen.
Als Standort haben die Pyramidenfreunde Brachland nahe der Stadt Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt im Auge. Die Dimensionen sind phantastisch: Eine Höhe von bis zu 500 Metern sei möglich, heißt es in einer Machbarkeitsstudie. Auf der Homepage des Projekts ist vom größten Bauwerk der Menschheit die Rede. Wahrscheinlicher sind - sollte die Pyramide je gebaut werden - 150 Meter Höhe auf einer Grundfläche, die etwa der Größe von sechs Fußballfeldern entspricht.

Die Idee ließe sich als Demokratisierung des Größenwahns deuten. Auf der Website heißt es: "Die eigene körperliche Existenz zu überdauern konnten die ägyptischen Pyramiden nur Wenigen versprechen. Nun steht dieser Weg allen Menschen offen." Die Große Pyramide sei "die erste Völker, Kulturen und Religionen verbindende, international vermarktete Grab- und Erinnerungsstätte".

Ein Witz? Keineswegs, sagt Jens Thiel. Das Projekt sei völlig ernst gemeint. Noch stehen aber Finanzierung und Standort in den Sternen. Doch schon 2009, hofft Thiel, könnten die ersten, voraussichtlich 200 bis 700 Euro teuren Steine gelegt werden. Wer für die Ewigkeit baut, braucht einen langen Atem.
Quelle: SZ
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Anmeldungsdatum: 18.01.2006
Beiträge: 3709

BeitragVerfasst am: 12.März 2008 16:10    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Nur gut 200 Einwohner zählt Streetz, aber seit vergangenem Sommer ist der Dessauer Stadtteil weltbekannt. Damals kamen einige junge Leute in den Ort und kündigten an, auf den Wiesen ringsum die "größte Pyramide der Welt" zu Bestattungszwecken errichten zu wollen. Der mitgereiste Medientross verbreitete die Kunde schnell, nicht ohne den geballten Protest der Bürger zu kommentieren. Ob Kunstprojekt oder realistisches Bauvorhaben, es wurde auf jeden Fall unterhaltsam inszeniert.

Am Montagabend lockten die Urheber dieser Idee ins Hebbel-Theater nach Berlin zur "Großen Pyramidengala". Zwischen musikalischen Einlagen, die in Techno-Rhythmen oder auch Posaunenklängen um Tod und Vergänglichkeit kreisten, ließen die Bestattungsunternehmer in spe, Jens Thiel und Ingo Niermann, ihre neuesten Überlegungen Revue passieren. Und es scheint, dass von Konzeptkunst immer weniger, dafür jedoch immer mehr von ausartender Trauer-Arbeit die Rede ist.

Zur Erinnerung: Die Idee besteht darin, per Internet Menschen zu finden, die die Asche ihrer Verstorbenen in Betonquader verkapseln und zu einer Pyramide aufschichten lassen wollen. Das Gebäude würde in Breite wie Höhe endlos anwachsen. Ein Betreuungsangebot fände sowohl im Internet als auch am Ort selbst statt, wodurch dort ein wirtschaftlicher Boom ausgelöst würde.

Ein Statiker bestätigte, dass die Pyramide "solide, dauerhaft und kostengünstig" gebaut werden könnte, umso mehr als ein tragfähiger Baugrund vorhanden wäre. Mit Kränen würden die Steine aufgeschichtet. Und der Star-Architekt Rem Koolhaas aus Holland präsentierte die Ergebnisse eines Ideenwettbewerbs von vier Architekturbüros. Jedes stehe für eine Haltung. "Poesie" beim Atelier Bow-Wow aus Tokio, das ein Wegenetz wie Adern eines Blattes auf die Pyramide zulaufen lässt, "Mystizismus" beim Büro Mada aus Shanghai, das die Pyramide auf eine Insel im Fluss setzt und in die Tiefe, statt die Höhe wachsen lässt, "Pragmatismus" beim Frankfurter Büro Hirsch, Lorch und Miessen, das eine Stadt geriatrischer Dienstleistungen um die Pyramide ansiedelt, und "Kommunismus" bei Ai Weiwei aus Peking, der Tod und Leben in einer Dauerfeier vereinen will. Zuletzt prophezeite ein Marketingexperte, dass die Idee in einer Welt großen Anklang finden werde, die mehrheitlich von überlieferten Begräbnistraditionen abrückt.

Jens Thiel kündigte an, in zehn Ländern weltweit auf Standortsuche zu gehen. Ob Dessau weiter dabei ist? Kann sein, wenn es die Stadt denn will, aber "Konkurrenz wird es geben". 2009 könnte Baubeginn sein, wo auch immer.

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