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Schärfere Sanktionen für ALG II Empfänger

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Spiritus Rector
* Consulter *


Anmeldungsdatum: 12.12.2003
Beiträge: 1126
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 25.Jan 2007 14:37    Titel: Schärfere Sanktionen für ALG II Empfänger Antworten mit Zitat

Zu Jahresbeginn sind die Sanktionen für Arbeitslosengeld II-Empfänger, die zum Beispiel eine zumutbare Arbeit ablehnen, verschärft worden. Leistungsempfänger, die wiederholt gegen ihre Pflichten verstoßen, müssen nun mit strengeren Kürzungen bis hin zum Wegfall der Leistungen rechnen.

Empfänger von Arbeitslosengeld II sind verpflichtet, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, ihre Hilfebedürftigkeit zu beenden oder zu verringern. Hierzu gehört insbesondere, jede zumutbare Arbeit aufzunehmen und an Fördermaßnahmen teilzunehmen.

Arbeitslosengeld II-Empfängern, die ohne wichtigen Grund gegen diese Pflichten verstoßen, werden für drei Monate die Leistungen gekürzt. Das war auch bisher so. Neu ist seit dem 1. Januar 2007 die verschärfte Kürzung bei wiederholter Pflichtverletzung.

Eine wiederholte Pflichtverletzung liegt nach der nun geltenden Rechtslage vor, wenn innerhalb eines Jahres nach Beginn einer vorangegangenen Sanktion erneut eine Pflichtverletzung begangen wird. Das ist insofern neu, als zuvor eine Pflichtverletzung nur als wiederholt galt, wenn sie noch während einer laufenden Sanktion – also im Regelfall innerhalb von drei Monaten – begangen wurde.

Bislang wurde bei einer wiederholten Pflichtverletzung das Arbeitslosengeld II erneut um den gleichen Prozentsatz gekürzt wie bei der ersten. Nunmehr wird beispielsweise bei der zweiten Ablehnung einer zumutbaren Arbeit innerhalb eines Jahres das Arbeitslosengeld II um 60 Prozent gekürzt. Neu ist auch, dass der Anspruch auf Arbeitslosengeld II einschließlich der Leistungen für Unterkunft und Heizung bei jeder weiteren Pflichtverletzung ganz entfallen kann.

Für Personen, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, gelten noch schärfere Regeln. Bei der ersten Pflichtverletzung entfällt wie bisher die Regelleistung vollständig. Neu ist, dass bei wiederholter Pflichtverletzung auch die Leistungen für Unterkunft und Heizung für drei Monate entfallen können.

PM BfA vom 17.01.2007

_________________
Wenn der Staat pleite macht, geht natürlich
nicht der Staat pleite, sondern seine Bürger.

(Carl Fürstenberg, dt. Bankier, 1850-1933)

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Interessent
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Anmeldungsdatum: 13.03.2004
Beiträge: 63

BeitragVerfasst am: 26.Jan 2007 7:39    Titel: Antworten mit Zitat

Beschnüffeln, drohen, sanktionieren sind die bevorzugten Praktiken von Regierung und Behörden gegenüber Bürgern.

Von wachsendem Interesse ist die Diskussion um das sogenannte Bürgergeld, das jeder Bürger unabhängig von irgendwelchen Bedingungen steuerfrei erhalten soll. Erwachsene z.B. 800 Euro pro Monat, Kinder die Hälfte.
Im Gegenzug fallen die derzeitigen Leistungen, wie ALG, Kinder- und alle sonstige Zuschüsse weg. Nach verschiedenen Berechnungen namhafter Einrichtungen erfolgt das für den Staat aufwendungsneutral. Was bleibt ist der Wegfall eines gewaltigen bürokratischen Verwaltungs- und Bürgereinschüchterungsmonster. Die dadurch entstehenden Kosteneinsparungen sind wahrscheinlich gigantisch.

Mal sehen, ob es diese radikale Alternative bis in die politische Diskussion schafft. Der Normalpolitiker ist ja eher nur für Kleinstreförmchen, die seine Macht, Diät, Lobbykontakte, Sexreisen, Schmiere usw. nicht gefährden. Die Ausnahmen davon verdienen dann in der Tat volle Unterstützung.
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Sekaria
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Anmeldungsdatum: 17.09.2004
Beiträge: 34
Wohnort: Karlsruhe

BeitragVerfasst am: 26.Jan 2007 10:37    Titel: Re: Schärfere Sanktionen für ALG II Empfänger Antworten mit Zitat

Spiritus Rector hat folgendes geschrieben::
Zu Jahresbeginn sind die Sanktionen für Arbeitslosengeld II-Empfänger, die zum Beispiel eine zumutbare Arbeit ablehnen, verschärft worden. Leistungsempfänger, die wiederholt gegen ihre Pflichten verstoßen, müssen nun mit strengeren Kürzungen bis hin zum Wegfall der Leistungen rechnen.


Es ist die übliche Praxis sozialpolitischer Spiesser auf Missbrauch im Einzelfall mit der populistischen Forderung nach härteren Sanktionen zu reagieren. Das befriedigt und ist ein ordentliches Gespräch nach dem Sonntagsbraten.

Die Frage ist nur, was unter zumutbarer Arbeit zu verstehen ist und ob diese überhaupt angeboten wird? Ich habe in meiner Zeit als ALG II - Empfänger nur 1 (in Worten EIN) Angebot vom Jobcenter erhalten. Natürlich habe ich mich auch auf andere Tätigkeiten beworben, natürlich gewaschen und rasiert, aber stets überqualifiziert. Als ALG II-Empfänger ist man natürlich stigmatisiert und "natürlich" nur noch für einfache körperliche Arbeit zu gebrauchen. Etwas anderes wird gar nicht angeboten.

Man sah im Jobcenter bereits Sozialwissenschaftler, Techniker und Juristen, selbstverständlich taugen die auch nur noch für das Strassenkehren oder für die Müllabfuhr, wenn sie etwa bei der Existenzgründung falsch beraten worden sind und keinen Anspruch auf ALG I haben. Im Bewerbungsgespräch dann ehrlicherweise zu sagen "ich bin ALG II-Empfänger" ist ein sicherer Chancenkiller. Zu lügen bringt zwar wahrscheinlich den Job, aber - jeder Arbeitsrechtler kann dies bestätigen - auch das Risiko zumindest der fristgerechten Kündigung. Wer ehrlich ist wird gnadenlos abgestraft.

Leute wundert euch nicht, wenn in einigen Jahren ein wütender und verzweifelter Mob auf der Strasse steht. Es brodelt jetzt schon. Ich spreche aus Erfahrung, denn ich war 1 1/2 Jahre privater Arbeitsvermittler, bevor mir die Arbeitsagentur aufgrund der gesetzlichen Neuregelungen die Firma kaputt gemacht hat. Das haben die im Nachhinein sogar zugegeben. Mehrfach habe ich hoch motivierte ALG II - Empfänger im Bewerbungsgespräch gehabt, die beim Arbeitgeber nicht den Hauch einer Chance gehabt haben - weil "der Werdegang nicht stimmte" - sprich irgendwo einmal der Lebenslauf nicht ganz perfekt war.

Es wird Zeit, umzudenken!!!!
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uranus
Specialist


Anmeldungsdatum: 13.04.2006
Beiträge: 117

BeitragVerfasst am: 26.Jan 2007 11:42    Titel: Antworten mit Zitat

Ich frage mich, was macht denn ein ALG II - Empfänger, wenn ihm die
Leistung erst gekürzt und dann sogar gestrichen wird. Überfällt er
zukünftig die ihm am nächsten liegende Tankstelle weil ihm gar keine
andere Möglichkeit mehr bleibt? ...oder werden jetzt älteren Damen um
so mehr die Handtaschen entwendet, weil dies schneller, leichter und
oft ohne Konsequenz bleibt????

Wer sich die Situation in einigen Ländern der früheren Sowjetunion
anschaut wird feststellen, dass dort Einbruchssicherungsmaßnahmen recht
umfangreich sind. Warum? Weil dort kein soziales Netz die Menschen
auffängt. Der Rutsch in die Kriminalität ist manchmal vorprogrammiert.
Wer alt ist, verkauft seinen selbst gestrickten Pullover oder gesammelte
Beeren auf der Straße. Wer jung und kräftig ist, macht einen Einbruch!!
Gleiches fällt mir auf in den ach so reichen USA!!

Unsere Gesellschaft und deren Politiker produzieren nicht nur die Zerstörung
unserer Erde, sondern auch die Verelendung breiter Bevölkerungsschichten.

Weiter so!!! .....oder, armes Deutschland?

uranus
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Sekaria
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Anmeldungsdatum: 17.09.2004
Beiträge: 34
Wohnort: Karlsruhe

BeitragVerfasst am: 26.Jan 2007 11:42    Titel: Faule BA und Geldverschwendung Antworten mit Zitat

Ergänzend zu meinem Beitrag:

http://www.netzeitung.de/arbeitundberuf/509687.html

Es gibt ein enges Beziehungsgeflecht zwischen Arbeitsagentur und den Anbietern von Massnahmen. das Geschäft ist sehr lukrativ. Vielleicht sollte man mal ins Wespennest stossen und prüfen, inwiefern evtl. "Hartz-Verhältnisse" herrschen, die ggf. auch strafrechtlich relevant sein könnten. Das wäre doch mal ein interessanter Aspekt für hier mitlesende Juristen.

Auf den Fluren der Arbeitsagenturen herrscht jedenfalls gähnende Leere, während die Jobcenter chronisch überarbeitet sind - und das alles auf Kosten der Steuerzahler. Ist das richtig? Ich denke nicht.

Vielleicht wäre das holländische oder skandinavische Modell das richtige, aber bitte mit einer intensiven Förderung und beruflichen Reintegration, nicht wie es in Deutschland geschieht mit einer blossen Verwaltung der Arbeitslosigkeit.
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Sekaria
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Anmeldungsdatum: 17.09.2004
Beiträge: 34
Wohnort: Karlsruhe

BeitragVerfasst am: 26.Jan 2007 11:58    Titel: Antworten mit Zitat

uranus hat folgendes geschrieben::
Ich frage mich, was macht denn ein ALG II - Empfänger, wenn ihm die
Leistung erst gekürzt und dann sogar gestrichen wird. Überfällt er
zukünftig die ihm am nächsten liegende Tankstelle weil ihm gar keine
andere Möglichkeit mehr bleibt? ...oder werden jetzt älteren Damen um
so mehr die Handtaschen entwendet, weil dies schneller, leichter und
oft ohne Konsequenz bleibt????

Wer sich die Situation in einigen Ländern der früheren Sowjetunion
anschaut wird feststellen, dass dort Einbruchssicherungsmaßnahmen recht
umfangreich sind. Warum? Weil dort kein soziales Netz die Menschen
auffängt. Der Rutsch in die Kriminalität ist manchmal vorprogrammiert.
Wer alt ist, verkauft seinen selbst gestrickten Pullover oder gesammelte
Beeren auf der Straße. Wer jung und kräftig ist, macht einen Einbruch!!
Gleiches fällt mir auf in den ach so reichen USA!!

Unsere Gesellschaft und deren Politiker produzieren nicht nur die Zerstörung
unserer Erde, sondern auch die Verelendung breiter Bevölkerungsschichten.

Weiter so!!! .....oder, armes Deutschland?

uranus


Völlig richtig erkannt uranus. Der ehrliche geht betteln, der unehrliche wird kriminell. Aber vielleicht ist das ja politisch so gewollt, damit die BILD-Zeitung wieder ihre Themen hat und sich konservative Kreise wieder populistisch ereifern können. Hilfreich ist es nicht, jedenfalls nicht gesellschaftspolitisch.
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Kerstin1956
Newbie


Anmeldungsdatum: 20.04.2006
Beiträge: 48
Wohnort: Cloppenburg

BeitragVerfasst am: 26.Jan 2007 12:20    Titel: Re: Schärfere Sanktionen für ALG II Empfänger Antworten mit Zitat

Spiritus Rector hat folgendes geschrieben::

Empfänger von Arbeitslosengeld II sind verpflichtet, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, ihre Hilfebedürftigkeit zu beenden oder zu verringern. Hierzu gehört insbesondere, jede zumutbare Arbeit aufzunehmen und an Fördermaßnahmen teilzunehmen.

PM BfA vom 17.01.2007


Es gibt -für mich- keine Fördermaßnahmen in D. und es gibt keine "geeigneten" Jobangebote - bin über 50, ungelernt, chron. kran = Gelenkrheuma.
Man wird noch nicht mal zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, geschweige denn bekommt ein Angebot.
ARGE meint ich soll eine betriebl. Ausbildung = Lehre machen. SAP-Lehrgänge oder Sprachkurse werden nicht bezahlt.


Ich habe mich -da die Chancen im Ausland besser sind- wiederholt im Ausland beworben und keinen Cent Reisekosten erstattet bekommen von der ARGE, trotz Nachweise, dass ich mich bei Firmen und Arbeitsämtern gemeldet habe.

Die Gesetze sind für die ARGEn und nicht für die Arbeitslosen gemacht worden. Wer sich um Arbeit bemüht, wird dafür bestraft. So kann man auch jede Initiative der ARbeitssuche im Keim ersticken.

Mein Konto ist nun über 800 Euro überzogen, da ich alle Kosten selbst trage.

Hier in Wien habe ich einen Hartz IV Empfänger aus Hamburg getroffen, der jede Reise von der ARGE erstattet bekommt.


Leider ist die Berichterstattung über die BÖSEN ARBEITSLOSEN sehr einseitig.

WARUM liest man in den Medien nicht wie es wirkllich steht?


Warum bekommen Hartz IV-Empf. nur 260 Euro in 12 Monaten für Bewerbungskosten (keine Reise sondern Porto/Papier usw)???
Meint der Staat, das würde ausreichen wenn man langzeitarbeitslos ist? Bei 5 Euro Pauschalkosten für eine Bewerbung kommt man auf 52 Bewerbungen = 1 Bewerbung pro Woche.
Meinen die zuständigen Politiker ernsthaft, dass es ausreicht, eine Bewerbung pro Woche zu schreiben?
Von den 345 Euro die man theoretisch vom Staat mtl. bekommt, kann man unmöglich Bewerbungskosten bestreiten. Das Geld wird aufgefressen von den laufenden Kosten. In der offiziellen Aufschlüsselung was man von den 345 Euro zahlen soll, kommen keine Bewerbungskosten vor.

Die Hartz IV Gesetze stimmen hinten und vorne nicht.
Eigeninitiative wird nicht gefördert sondern blockiert.
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Observatorium
Specialist


Anmeldungsdatum: 06.10.2006
Beiträge: 136
Wohnort: Ostsee

BeitragVerfasst am: 26.Jan 2007 12:53    Titel: Re: Schärfere Sanktionen für ALG II Empfänger Antworten mit Zitat

>Eigeninitiative wird nicht gefördert sondern blockiert.>

Gut erkannt!
Nicht blenden lassen! Wenn wirklich Ideen und Möglichkeiten unterbreitet werden, wird es gestoppt. Vorsätzlich!
Basel II erklärt den Rest. Unbemerkt sägen sie am eigenen Ast.

Jemand spricht gewisse Verbindungen an. Sehr interessante Feststellung zu den 1€-Sklaven. Wer darf die 1€-Leute beschäftigen?

Steigende Tendenz - Kriminalität! Spricht GoMoPa nicht genügend?

Aus einem norddeutschen Bundesland (S-H) war zu hören, dass HartzII-Empfänger einen Lebensmittelgutschein (Wert 25,- € pro Woche/pro Person) für einen bestimmten Laden bekommen.

Wohin führen diese politischen/wirtschaftlichen Wege?

MhG
Observator
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Sekaria
Newbie


Anmeldungsdatum: 17.09.2004
Beiträge: 34
Wohnort: Karlsruhe

BeitragVerfasst am: 26.Jan 2007 13:42    Titel: Re: Schärfere Sanktionen für ALG II Empfänger Antworten mit Zitat

Observatorium hat folgendes geschrieben::
Nicht blenden lassen! Wenn wirklich Ideen und Möglichkeiten unterbreitet werden, wird es gestoppt. Vorsätzlich!
Basel II erklärt den Rest. Unbemerkt sägen sie am eigenen Ast.

Jemand spricht gewisse Verbindungen an. Sehr interessante Feststellung zu den 1€-Sklaven. Wer darf die 1€-Leute beschäftigen?


Und das perverse daran ist, dass die Neuregelungen den Mitarbeitern der Jobcenter weiter Ermessensspielraum nehmen. Die sind jetzt gesetzlich gezwungen alles zu blockieren, was nicht in das Schema-F passt.

Was die Verbindungen angeht, da meinte ich nicht die 1 EUR-Jobs. Nein, es gibt für die Massnahmeträger sogenannte "Empfehlungslisten". Die Position auf diesen Listen wird beliebig bestimmt, d.h. wer sich bei den zuständigen Mitarbeitern bzw. Abteilungsleitern "beliebt" macht rutscht höher und bekommt mehr Aufträge. Neue Bildungsträger am Markt bekommen keine. Ein Schelm, wer arges dabei denkt, gelle?

Gleiches gilt für die Auszahlung von Vermittlungsgutscheinen. Die "beliebten" alten Hasen im Geschäft, meist auch Massnahmeträger werden vorrangig bedient und erhalten ihre Auszahlung sofort nach der gesetzlichen sechs-Wochen-Frist. Ein kleiner Arbeitsvermittler kann erst einmal warten, denn der MA der Arbeitsagentur fährt erst einmal in Urlaub und "vergisst" die Unterschrift unter der Auszahlungsverfügung.

Seltsamerweise ging alles sehr schnell, als ich die Geschäfts-/Amtsleitung einschaltete. Die Überweisung war nach der Beschwerde innerhalb kürzester Zeit da. Zufall?

Gleiches gilt auch für die Vermittlung von Bewerbern. Ich hatte den Auftrag eines großen Sicherheitsunternehmens, Sicherheitskräfte als Überwachungsposten anzuwerben. Meine Anfrage galt gezielt den ALG II-Beziehern. Es kam KEIN einziger Vorschlag vom Jobcenter, nur ALG I-Bezieher. Ich hatte noch nicht einmal die Möglichkeit ALG II-Bezieher zu berücksichtigen, obwohl ich das wollte, bei tariflicher Bezahlung.

Armes Deutschland!
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Kerstin1956
Newbie


Anmeldungsdatum: 20.04.2006
Beiträge: 48
Wohnort: Cloppenburg

BeitragVerfasst am: 26.Jan 2007 13:56    Titel: Antworten mit Zitat

Zum Thema Lebensmittelgutscheine / Hartz IV habe ich gerade gegoogelt und dies gefunden:

http://www.sozialhilfe24.de/sozialhilfe-forum/ftopic8416.html

Es werden laufend Arbeitslose gezwungen, einen 400 Euro Job aufzugeben zugunsten eines 1-Euro-Jobs. Mit welchem Recht???
Die ARGE bekommt evtl. auch noch "Schmiergelder" von den sozialen Stellen, an die sie 1-Euro-Jobber vermitteln, anders kann ich es mir nicht erklären.

Eine Pflegekraft für 1 Euro ist allemal billiger für den Träger (Caritas und Co) als eine angelernte Pflegehelferin die 7 Euro/Std. bekommt.

Es ist doch naheliegend, dass dies Tür und Tor für Korruption öffnet.
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Sekaria
Newbie


Anmeldungsdatum: 17.09.2004
Beiträge: 34
Wohnort: Karlsruhe

BeitragVerfasst am: 26.Jan 2007 14:22    Titel: Antworten mit Zitat

Kerstin1956 hat folgendes geschrieben::
Es werden laufend Arbeitslose gezwungen, einen 400 Euro Job aufzugeben zugunsten eines 1-Euro-Jobs. Mit welchem Recht???
Die ARGE bekommt evtl. auch noch "Schmiergelder" von den sozialen Stellen, an die sie 1-Euro-Jobber vermitteln, anders kann ich es mir nicht erklären.

Eine Pflegekraft für 1 Euro ist allemal billiger für den Träger (Caritas und Co) als eine angelernte Pflegehelferin die 7 Euro/Std. bekommt.

Es ist doch naheliegend, dass dies Tür und Tor für Korruption öffnet.


So ist es. Mit den 1-EUR-Jobs lassen sich im öffentlichen Bereich Millionen sparen, reguläre Arbeitsplätze werden ersetzt. Das Problem bei den 400-Euro-Jobs ist halt, dass lediglich 192 EUR übrig bleiben und oft auch noch der anzurechnende Verdienst falsch berechnet wird. Die Kosten dürfen nämlich wie bei der Lohnsteuer abgerechnet werden. Im Widerspruchsverfahren wird dies dann auch berücksichtigt, sofern die ARGE sich nicht bewusst über geltendes Recht hinwegsetzt.

Die Praxis der Ein-Euro-Jobs wird inzwischen auch von Bundesrichter Dr. Spellbrink kritisiert. Sie stehen also mit Ihrer Kritik nicht allein. Der Link:

http://freepage.twoday.net/stories/3093526/
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Lonesome Walker
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Anmeldungsdatum: 26.12.2005
Beiträge: 12

BeitragVerfasst am: 26.Jan 2007 15:34    Titel: Antworten mit Zitat

Ein Bekannter von mir wurde verhaftet, weil er an die Rathausmauer "6 Millionen sind zuwenig" geschmiert hat.

Sicherlich ein geistiger Tiefflug;
wenn es aber weiter so geht, wird wieder so einer kommen...

Hoffentlich bin ich dann nicht mehr hier.
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Observatorium
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Anmeldungsdatum: 06.10.2006
Beiträge: 136
Wohnort: Ostsee

BeitragVerfasst am: 26.Jan 2007 15:45    Titel: 1€ - Job Antworten mit Zitat

Es gestaltet sich weit toller!

Lassen wir die wirklich sozialen Verbände beiseite (unabhängig dem seltsamen Tausch). Unabhängig dem Ringsherum, sind es noch sozial aktive Verbände.

Schaut auf sogenannte Vereine, in denen tatsächlich die angedeutete Verhältnisse bestehen; unter Überbegriff "Beschäftigung".
Welche Beschäftigung, unter welchen Maßnahmen?
Was und wer steckt hinter bestimmten Vereinen? Wie existieren diese Absprachen, die "Lieferungen der 1€-Sklaven"? Wie groß sind diese Vereine und welchen "Besitz" haben sie wirklich, den sie eigentlich nicht haben dürfen? Wo steckt hierbei der Sozial-Maßstab? Wie werden die Gelder benutzt, die Arge dafür bezahlt? Wer kennnt die Höhe und wie dieser Betrag verwendet wird (abgesehen von 120,-€ - 150,- € pro Monat an den einzelnen 1€-Arbeiter)? Von was/wem lassen sich die Köpfe und Mitspieler dieser Vereine bezahlen? Wer unterhält letztlich diese Sonderlinge einer zweifelhaften Sozialschiene?
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wealthandsmart
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Anmeldungsdatum: 11.01.2007
Beiträge: 52
Wohnort: Espagna

BeitragVerfasst am: 26.Jan 2007 17:00    Titel: Antworten mit Zitat

Buenas,

Sie wissen schon wohin jene Diskussion führt? Genau in Tal des Nichts.

Sie kennen die Geschichte mit dem Stein und dem See?

Sie diskutieren über die wabernden Wellen. Eigentlich müsste man über den Steinwerfer und das "Steinwerfen" diskutieren und Mittel finden hier änderungsfähig anzusetzen.

Alles andere wäre Stammtisch-Maulen und Flickschusterei.

Um Deutschland vor einem Abgrund zu bewahren, gehört eine Radikalsanierung/-kur her.

Und Sie werden es ungerne lesen, aber ich hoffe es wird bald das Land richtig an die Wand gefahren, damit endlich Reformen eine echte Chance haben, andernfalls wird das ein sehr langwieriger leidiger Prozess.

Benny
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Observatorium
Specialist


Anmeldungsdatum: 06.10.2006
Beiträge: 136
Wohnort: Ostsee

BeitragVerfasst am: 26.Jan 2007 18:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

genau dorthin sollte es nicht führen, eher herauslotsen! Information oder kleine Tipps für die Neugierde, für die dann Eigenständigkeit zu aktivieren ist, das Nachdenken, Ergründen, Suchen und Finden ist bezweckt.

>Sie kennen die Geschichte mit dem Stein und dem See?<

Allerdings!
Könnte es zutreffen, dass Sie bisher "Stein u. auslösende Wellen" anderes
interpretieren?



>Alles andere wäre Stammtisch-Maulen und Flickschusterei.<

Kennen Sie dies? Stammtisch-Jammern überlassen wir einer anderen Sorte. Flickschusterei - darin bewegen wir uns bereits über längere Zeit.
Noch nicht bemerkt?

>Um Deutschland vor einem Abgrund zu bewahren, gehört eine Radikalsanierung/-kur her.<

Wäre gespannt, welche der Sanierungen oder Kuren!

>Und Sie werden es ungerne lesen, aber ich hoffe es wird bald das Land richtig an die Wand gefahren, damit endlich Reformen eine echte Chance haben, andernfalls wird das ein sehr langwieriger leidiger Prozess.<

Sind wir nicht mitten in dem benannten Prozess?

MhG
Observator
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Anmeldungsdatum: 13.03.2004
Beiträge: 63

BeitragVerfasst am: 26.Jan 2007 19:04    Titel: Antworten mit Zitat

Erst wenn die Masse unter den gegebenen Verhältnissen nicht mehr nur nicht leben will, sondern nicht mehr leben kann, wird es ernst. Bis dahin werden die einzelnen Gruppen u.a. die die Arbeit haben gegen Hartz IV´ler geschickt ausgespielt, ausgetrickst und ausgenutzt. Auf die Masse kommt es an, die einer Minderheit der Finanzoligarchie gegenüber steht. "Finanzoligarchie" so ein Schwachsinn weden nun Manche wieder sagen, doch wie eine ganze Nation, ganze Länder und heute die ganze Welt verascht wird, zeigt die Geschichte der Schaffung des Federal Reserve System in den USA. Siehe das Buch von Giffin: "Die Kreatur von Jekyll Island".

"Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, dann ist es für mich gleichgültig, wer die Gesetze macht." (Mayer Amsel Rothschild)
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wealthandsmart
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Anmeldungsdatum: 11.01.2007
Beiträge: 52
Wohnort: Espagna

BeitragVerfasst am: 26.Jan 2007 19:29    Titel: Antworten mit Zitat

Buenas,

ja wir befinden uns mitten drin, also nicht mehr im Anlauf gegen Wand, nein wir müssten längst dagegen geknallt sein, also sind wir noch mitten drin

@Observatorium: meine Ansichten für eine Radikalsanierung möchten Sie ganz sicher nicht lesen

Und nein, die "Masse" auch als Pöbel verschrien wird nicht erst dann aufstehen wenn es nicht mehr "kann", sondern erst dann wenn eine Angstverlagerung stattfindet und diese dauert noch sehr lange. Der "geduckte Michel" hat noch nicht genug Angst, noch hat er die kontrollierte Verlustangst und diese werden die netten Parteien noch ein wenig weiter "kneten".

Und wie "schlecht" es dem Land geht, sieht man wenn man sich umblickt. 2 stellige Renditezuwächse im Auto-Tuning-Sektor. Schon mal gesehen mit wieviel irrem Geld die Jungen ihre Autos aufmöbeln?

Sich einmal bei einem Volksfest umgesehen, wie gelassen der "Pöbel" frönt?

Solange noch keiner hungert oder die Kinder wegsterben wird da nichts passieren. Obwohl doch: maulen, aber das ist im deutschen Gen als feature integriert

Benny
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tifinaa
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Anmeldungsdatum: 19.11.2003
Beiträge: 1177

BeitragVerfasst am: 23.Feb 2007 7:27    Titel: Antworten mit Zitat

Eklatante Rechtsbrüche

Zitat:
Jobcenter Coburg verlangt von Erwerbslosen Einwilligung in eigene Entrechtung

Um Erwerbslose von der Wahrnehmung ihrer Unterhaltsansprüche abzuhalten, schrecken Behörden der Arbeitsverwaltung offenbar selbst vor Rechtsbrüchen nicht zurück.
Am Donnerstag wandte sich der Wuppertaler Sozialhilfeverein Tacheles mit einem besonders »krassen Beispiel von Behördenwillkür und Rechtlosstellung von Langzeitarbeitslosen« aus dem oberfränkischen Coburg an die Presse.
Stein des Anstoßes ist eine vom örtlichen Jobcenter vorgelegte »Erklärung«, die Betroffene vor einem ALG-II-Antrag unterzeichnen sollen. Das Formular enthält eine ganze Reihe von Bestimmungen und Anforderungen, mit denen bei »Einwilligung« die sozialen Rechte der Betroffenen drastisch beschnitten oder mithin sogar verfassungsmäßig verbriefte Grundrechte verletzt werden.

Laut Urteil von Tacheles handelt es sich bei dem mit »Erklärung« überschriebenen Vordruck um eine »Mischung aus gezielter Falschinformation und perfider Einschüchterung« der Betroffenen. Vom Regelwerk des Sozialgesetzbuches II eindeutig nicht gedeckt sei beispielsweise die Behauptung, daß die über den festgelegten Mietobergrenzen liegenden Wohnkosten »nur für drei Monate nach Antragsstellung« in der »tatsächlichen Höhe übernommen werden«. Dagegen gewähre das Gesetz eine Übergangsfrist von »in der Regel« längstens sechs Monaten, in Ausnahmefällen auch mehr. Genauso unzutreffend ist der Satz, daß bei Umzügen nur die »vorher anerkannten Kosten« erstattet werden. Die Einschränkung, daß diese Vorgabe lediglich bei nicht notwendigen Wohnungswechseln greift, wird in dem Schreiben unterschlagen. Bei erforderlichen oder notwendigen Umzügen findet dagegen stets eine Neubewertung statt.

Eine detaillierte Auswertung des Sozialhilfevereins führt noch 18 weitere Beispiele von Auslassungen, Ungenauigkeiten und Rechtsmißbräuchen in dem gerade einmal eine Seite umfassenden Formular auf.
So wird verlangt, daß pauschal »jede Änderung in den Verhältnissen« des Antragstellers und der im selben »Haushalt lebenden Personen unverzüglich« mitzuteilen sei.
Das umfaßt etwa die rechtswidrige Aufforderung, jede Ortsabwesenheit zu melden, so als wäre schon ein Einkauf im Nachbarort untersagt. Unzulässig ist weiterhin eine »Meldepflicht« bei Wohnungswechseln »vor Abschluß eines Mietevertrags« und schlichtweg falsch die Behauptung, zu Unrecht erhaltene Leistungen wären generell – also auch bei fehlerhaftem Behördenhandeln – zurückzuerstatten.

Einen klaren Rechtsbruch begeht das Jobcenter nach Angaben von Tacheles mit der geforderten »Ermächtigung«, Auskünfte über die Betroffenen bei allen Behörden und bei Dritten abzufragen. Dies stelle ebenso wie die verlangte Generalvollmacht für »unangemeldete Hausbesuche« eine unzulässige Einschränkung der Sozial- und Grundrechte dar.

Der Fall Coburg markiere nur »eine von vielen Spitzen, wie die Menschen hintergangen, entwürdigt und aus dem Leistungsbezug vergrault werden«, erklärte Harald Thomé von Tacheles gestern.
Gängige Praxis sei dabei der Aufbau von Drohkulissen, die einer »plumpen Einschüchterung schon bei der Antragsstellung dient«. So droht das Jobcenter Coburg den Betroffenen bei Verstoß gegen ihre »Mitwirkungspflichten« mit einer Geldbuße von bis zu 5000 Euro. »Derart vorpräpariert werden sich Antragssteller genau überlegen, ob und wie selbstbewußt sie ihre Interessen und Rechte gegenüber einer scheinbar übermächtigen Behörde durchsetzen«, bemerkte Thomé.

Tacheles fordert alle betroffenen Antragssteller dazu auf, das Formular nicht zu unterschreiben, und will den Bundesdatenschutzbeauftragten sowie das Bundeswirtschaftsministerium auf den Fall aufmerksam machen.

Der Geschäftsführer für den Leistungsbereich im Jobcenter Coburg, Gerhard Schramm, wies den Vorwurf der Entrechtung am Donnerstag im Gespräch von sich. Man kläre die Antragssteller »lediglich über ihre Pflichten auf, wie sie im Gesetz stehen«. Ohnehin sei das fragliche Formular mehrmals umgeändert worden und entspreche nicht mehr der beanstandeten Version. Herr Schramm war so freundlich, die »aktuelle« Fassung zukommen zu lassen: Sie gleicht jener von Tacheles verbreiteten wie ein Ei dem anderen.
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