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Wendehals Insider
Anmeldungsdatum: 14.09.2005 Beiträge: 630
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Verfasst am: 8.Okt 2005 9:37 Titel: Wenn man Angst vor der Kaffeetasse hat |
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Angst vor der Kaffeetasse
Stuttgart (AP) Geschäftsessen sind für Birgit K. ein Albtraum. Die junge Frau fühlt sich beobachtet, sie wagt es nicht, ein Glas in die Hand zu nehmen und daraus zu trinken, geschweige denn mit Messer und Gabel zu hantieren. Sozialphobie heißt das Phänomen, Schätzungen zufolge sind bis zu acht Prozent aller Deutschen davon betroffen. Mit Schüchternheit oder Lampenfieber lässt sich diese spezielle Phobie nicht erklären bei den Betroffenen beherrscht die Angst vor der Blamage über kurz oder lang das ganze Leben.
«Man wird ein Meister darin, Strategien zu entwickeln, um solche Situationen zu vermeiden», sagt Birgit K.. Im Alltag bedeutet das für die Werbefachfrau, das gemeinsame Mittagessen mit den Kollegen zu umgehen und bei Geschäftsterminen so zu tun, als hätte sie keine Lust auf einen Kaffee oder ein Glas Wasser. «Es ist ein einziges Durchschlängeln und sehr anstrengend und es kann den Job kosten.»
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Zittert ihre Hand mit dem Wasserglas, wartet sie so lange, bis ihr Gegenüber wegschaut, um dann schnell zu trinken. Kleine Gläser mit Stiel meidet sie ebenso konsequent wie kleine Espressotassen oder beispielsweise Mahlzeiten mit Erbsen, die von der Gabel rollen. «Ich kann damit leben, weil ich es mir so eingerichtet habe, aber die Spontaneität und die Unbefangenheit sind kaputt. Eigentlich ist es unmöglich, die entsprechenden Situationen immer zu vermeiden, außer man nimmt in Kauf, sozial zu vereinsamen.»
Doch wann schlägt einfache Unsicherheit in eine waschechte Phobie um? 90 Prozent aller Menschen finden es unangenehm, vor einem großen Kreis zu reden. «Das ist also völlig normal», sagt die Psychologin Dr. Susanne Holzapfel-Rossig von der Christoph-Dornier-Stiftung für Klinische Psychologie in Tübingen. «Wenn man jedoch beginnt, solche Situationen zu meiden und das eigene Leben dadurch immer mehr eingeschränkt wird, wenn also ein Leidensdruck vorherrscht, dann spricht man von einer Phobie.»
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«Sozialphobiker haben eine anderer Verarbeitung von Reizen», erklärt die Psychotherapeutin. Sie bleiben in Gedanken daran hängen, wie sie selbst sich fühlen und wie sie glauben, dass andere Menschen sie beobachten und bewerten. «Das sind Gedankengebäude, die so gar nicht stimmen - aber die Betroffenen kommen davon nicht weg.» Birgit K. bestätigt das: «Die Unkontrollierbarkeit des Ganzen ist so katastrophal, ich verstehe es selbst nicht», sagt sie.
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Menschen, die unter Panikattacken leiden, gehen viel schneller zum Arzt. Obwohl auch da oft lange nicht erkannt wird, dass es sich um ein psychisches Problem handelt. «Aber Sozialphobiker geben sich eher selbst die Schuld an ihren Ängsten und ihrem Verhalten», sagt Holzapfel-Rossig. Die Therapeutin war einer der ersten Menschen, mit denen Birgit K. wirklich über ihr Problem gesprochen hat. Ansonsten hat die junge Frau Angst davor, jemandem ihre Angst zu beichten. «Lieber nicht, sonst schauen die Menschen womöglich noch genauer hin», beschreibt sie den Grund für ihre Zurückhaltung.
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Dennoch ist Birgit K. guter Dinge: «Ich will mich ändern ich weiß zwar nicht, ob ich es kann, aber ich will alles dafür tun.» Die Tatsache, dass sie mit der Therapeutin Ursachen, Symptome geklärt, ihre eigenen Verhaltensmuster erkannt hat und die kritischen Situationen wiederholt aufgesucht hat, war dafür dringend notwendig. «Professionelle Hilfe ist nötig», sagt Holzapfel-Rossig, «Motivation alleine reicht nicht.» |
Freitag 7. Oktober 2005
http://de.news.yahoo.com/051007/12/4ptc4.html |
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