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Austria mauert sich ein

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Moderator GM&P
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 6457

BeitragVerfasst am: 24.März 2007 6:27    Titel: Austria mauert sich ein Antworten mit Zitat

Im Ausland grasen Österreichs Firmen und Banken die Landschaften ab. Zu Hause aber verschanzt man sich. Ein nationaler Private-Equity-Fonds soll die Vorzeigekonzerne vor Finanzinvestoren aus dem Ausland schützen.

Oh weh, die Heuschrecken kommen. Es ist, als stürze der Himmel über Wiens Bundeskanzleramt ein, jedenfalls benimmt sich der Kanzler so, Alfred Gusenbauer. Schon am Dienstag hat er über diese Attacke aus Großbritannien geschimpft. Der britische Finanzinvestor CVC Capital Partners will den Wiener Stahlkonzern Böhler-Uddeholm übernehmen. Das sei eine "Katastrophe", sagte der Kanzler. Es wäre das erste Mal, dass ein ausländischer Finanzinvestor bei einem österreichischen Vorzeigeunternehmen einsteigt. An der Börse ist der Konzern 3,6 Mrd. Euro Wert.

Und am Mittwoch, im feinen Kongresssaal des Kanzleramts, setzt Gusenbauer sein tiefstes Sorgengesicht auf und legt in klaren Worten nach: Er halte die Übernahme eines Heimatkonzerns durch einen Finanzinvestoren für "gefährlich". Das Wort "Heuschrecke" nimmt der Bundeskanzler zwar nicht in den Mund, doch jeder weiß, was gemeint ist.

Er referiert über die Gefährlichkeit der Finanziers, appelliert an die Eigner, nicht zu verkaufen, wünscht sich österreichische Investoren für Böhler-Uddeholm - und bei all seinen Ausführungen kann er sich sicher sein, die Zustimmung des Volkes und einflussreicher Patrioten zu bekommen, etwa des Ex-Vizekanzlers Hannes Androsch oder des Raiffeisenbank-Chefs Ludwig Scharinger, die einen "Österreich-Fonds" auflegen wollen, der solche Übernahmen möglichst verhindern soll und "einen Beitrag leisten", so Androsch, "dass die Konzernzentralen in Österreich bleiben".

Mit diesem Vorstoß erreicht der Protektionismus in Österreich eine neue Dimension. Die Fachwelt ist alarmiert: "Wir kommen hier in eine Entwicklung, vor der man nur warnen kann", sagt der deutsche Kartellamtspräsident Ulf Böge zu dem Fall. "Das schadet der langfristigen Entwicklung des Landes." Dazu ist das Spiel doppelzüngig. Österreichs Firmen und Banken tun sich nämlich seit Jahren im Ausland, vor allem in Osteuropa, mit Übernahmen hervor.

Aber das kümmert Bundeskanzler Gusenbauer derzeit wenig. Ein internationaler Finanzinvestor, behauptet er, sei nicht an der industriellen Weiterentwicklung und an der Sicherung der Arbeitsplätze interessiert. Nein, "ein solcher Investor will irgendwann wieder möglichst hohe Eigenerträge realisieren". Böhler-Uddeholm dürfe nicht zum "Spielball der Finanzmärkte" werden.

Und so bittet der Bundeskanzler die österreichische Industriellenfamilie Fries, mit knapp 21 Prozent größter Anteilseigner von Böhler-Uddeholm, die Offerte von CVC auszuschlagen. Ihm wäre es lieber, sagt er, wenn sich eine Gruppe einheimischer Kernaktionäre an dem Stahlunternehmen beteilige, um auch eine feindliche Übernahme unmöglich zu machen.

Der Sozialdemokrat Gusenbauer weiß, dass seine Abschottungsgedanken beim Volk gut ankommen. Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage fordern 73 Prozent der Österreicher, dass Industriekonzerne von einem inländischen Kernaktionär beherrscht werden. Die Angst vor ausländischen Finanzinvestoren hat in dem acht Millionen Einwohner zählenden Land fast hysterische Ausmaße erreicht. Von den Grünen angefangen bis zur rechen Freiheitlichen Partei (FPÖ) - Politiker jeder Couleur warnen vor dem vermeintlichen Angriff auf die Heimat.

Mittlerweile glauben die Bewohner im hintersten Bergdorf zu wissen, dass Finanzinvestoren "böse" sind und dass bei Böhler-Uddeholm der Abbau von Hunderten Arbeitsplätzen droht, obwohl CVC dies ausdrücklich ausschließt. Entsprechend groß ist die Begeisterung für die Idee, möglichst schnell einen nationalen Rettungsfonds zu schaffen, eine österreichische Private-Equity-Gesellschaft, die solche Übernahmen erschwert oder gar verhindert. Sie soll sich mit einer Sperrminorität von mindestens 25,1 Prozent an inländischen Konzernen beteiligen.
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Dechet & Ehimare
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Anmeldungsdatum: 26.03.2006
Beiträge: 65
Wohnort: 1220 Wien

BeitragVerfasst am: 31.März 2008 21:23    Titel: Antworten mit Zitat

Lach.... gut geschrieben... und auch richtig

Tja, Willkommen in Österreich



Liebe Grüße

aus Wien

Rainer Dechet
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Goldfisch5
Specialist


Anmeldungsdatum: 08.12.2005
Beiträge: 116

BeitragVerfasst am: 7.Apr 2008 23:52    Titel: Antworten mit Zitat

Klasse geschrieben

Das Phänonen der Angst vor der "bösen Heuschrecke" ist also mit einiger Verzögerung auch in Österreich angekommen. Vielleicht nicht so ganz zu Unrecht, denn eine leidige Erfahrung habe ich auch machen dürfen. Nach einer Übernahme meines seinerzeitigen Arbeitgebers waren mein Schreibtisch nebst Stuhl schneller versilbert als ich von einem anstehenden "Tapetenwechsel in meiner Zukunft" erfahren habe. Entsprechend gut bin ich auf das Thema "Heuschrecken" zu sprechen. Egal, der Stuhl war eh nicht schön......

Man sollte allerdings nicht vergessen, dass nur der weitaus geringste Teil von Private Equity den Heuschrecken zuzuordnen ist. PE selbst ist - sinnvoll eingesetzt - ein überaus attraktives Instrument, um Unternehmen salonfähig zu machen und somit Arbeitsplätze zu erhalten / zu schaffen. Und ja, ganz nebenbei dem Geldgeber nicht allzu unüppig seine Tasche zu füllen .

Was sonst bleibt dem mittelständischen Unternehmer, der von seiner Bank nichts mehr bekommt? Nicht jeder hat eine liebe Erbtante, die mit dem einen oder anderen Dollar hilfreich an die Seite tritt.

Die Hausbank will Eigenkapital und ein nachvollziehbares Konzept. Das will sie nicht nur bei Neugründungen, sondern auch bei Sanierungen (da sogar besonders - wieso nur... ), oder bei Expansion. Woher also soll sonst das Geld kommen, wenn nicht von einem "mithaftenden Dritten"? Jeder Geldgeber - von Erbtantchen mal abgesehen - will Zinsen, Sicherheiten oder Anteile - oder auch alle drei . Ist das verwerflich? Nicht unbedingt, denn auch ein Anleger bei einem Fonds will ungefähr wissen was denn rauskommt und wo seine Risiken liegen.

Ergebnis? Alles Strolche, nur Mutti nicht . Sagt nun zumindest der Bauer auf der Alm. Und irgendwie hat er recht.
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Dechet & Ehimare
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Anmeldungsdatum: 26.03.2006
Beiträge: 65
Wohnort: 1220 Wien

BeitragVerfasst am: 16.Apr 2008 10:45    Titel: Antworten mit Zitat

...wenn wir schon über Austria reden....

Hier mal ein Auszug aus dem FORMAT (österreichisches WIrtschaftsmagazin)....

Steuerfreiheit für Private Equity Fonds? Molterer fordert Anreize für Risikokapital


ÖVP-Finanzminister Wilhelm Molterer verteidigt im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin FORMAT zwar die Einführung einer Vermögenszuwachssteuer, plant aber gleichzeitig steuerliche Erleichterungen für Private Equity Fonds und Venture Capital. Solche Fonds - etwa der Bawag-Eigentümer Cerberus - geben Firmen Eigenkapital und verkaufen ihre Beteiligung nach ein paar Jahren wieder.

Molterer erklärt gegenüber FORMAT: "Es gibt Branchen mit massivem Risikokapital-Bedarf. Ich will mit einem Kapitalmarktstärkungsgesetz bessere Bedingungen für Private Equity und Venture Capital schaffen - etwa indem Veräußerungsgewinne von Beteiligungen steuerfrei sind." Durch diese Steuerfreiheit erhofft sich der Minister einen Anreiz für Investitionen in Österreich.

Gegen Überregulierung
Auf die Frage, ob nicht gerade auch Private-Equity-Fonds viel Schuld an der globalen Finanzkrise tragen, spricht der Minister zwar von Mindestspielregeln bezüglich Transparenz und von Aufsicht durch die FMA. Allerdings, so Molterer, dürfe man "jetzt nicht das Kind mit dem Bade ausschütten und in eine Überregulierung verfallen."


Naja dann....

Schöne Grüße


Rainer Dechet
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Anmeldungsdatum: 26.03.2006
Beiträge: 65
Wohnort: 1220 Wien

BeitragVerfasst am: 3.Jun 2008 17:03    Titel: oder hier.... Antworten mit Zitat

Geld als Medizin für hungrige Firmen

WB / Draper

Was passiert mit Firmen, bei denen Eigenkapitalgeber eingestiegen sind? Experten und Unternehmer analysierten "Heuschrecken" bei den Venture Capital & Private Equity Awards 2008.

Wien. „Private-Equity-Gesellschaften machen Unternehmen in der Regel gesünder, nicht kränker." Mit solch positiven Worten eröffnete Frank Richter, Investmentbanker bei Goldman Sachs, die Preisverleihung der österreichischen Venture Capital und Private Equity Awards 2008. Beteiligungsfirmen brächten schließlich nicht nur Geld in Unternehmen ein, sondern auch Know How und Zeit. Während Aufsichtsräte nur rund 20 bis 30 Stunden im Jahr für die ihnen anvertrauten börsenotierten Gesellschaften aufbringen könnten, würden sich Private-Equity-Manager rund 20 Stunden in der Woche mit einer Beteiligung auseinandersetzen. Die Folge: Firmen refokussieren sich auf das Kerngeschäft, forschen mehr, verkürzen Zahlungsziele, bringen Kassenbestände in Ordnung und wachsen so schneller als die Konkurrenz.

Der Sieger
Den Beweis dafür lieferte das Mauttechnologie-Unternehmen Efkon von Helmut Rieder und Raimund Prammer, bei dem sich im Jahr 2000 Global Equity Partners (GEP) und UIAG beteiligt hatten. Vor wenigen Wochen verkauften GEP und UIAG die Anteile an Strabag. Efkon zeige, wie Eigenkapital einen regionalen Anbieter zum Global Player verwandeln könne, urteilte die Jury, die den Deal zum Award-Sieger 2008 machte. Ausgezeichnet hatten Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, Beko-Chef Peter Kotauczek, Junge Industrie-Vorsitzender Martin Ohneberg, Regierungsbeauftragter Richard Schenz, Berndorf-Vorstand Peter Pichler, PWC-Partner Bernhard Haider, IV-Generalsekretär Markus Beyrer, DLA-Partner Phillip Dubsky, Börse-Express-Geschäftsführer Christian Drastil, Turnaround-Experte Alexander Falkenberg, Professor Markus Rudolf sowie Hellmut Longin, Präsident des Aktienforums.
Neben den Auszeichnungen dominierte die Frage, ob „Heuschrecken auch Nutztiere sein können" den Abend. Für Abgeordneten Johannes Jarolim (SP) könne speziell Venture Capital positiv zur Entwicklung einer Volkswirtschaft beitragen. Es gebe Geld für Firmen, die sonst keine Finanzierungsmöglichkeiten hätten. Christian Maier, Finanzvorstand der Constantia Industries AG zweifelte, ob sich gesunde Unternehmen derart massiv ins Geschäft hineinreden ließen. Dem kann auch Österreichs größte „Heuschrecke" Michael Tojner, Gründer und Partner von GEP, zustimmen: „Bei einem gesunden Unternehmen, bei dem alles passt, hat Private Equity nichts verloren."


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Dechet & Ehimare
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Anmeldungsdatum: 26.03.2006
Beiträge: 65
Wohnort: 1220 Wien

BeitragVerfasst am: 13.Jun 2008 18:34    Titel: Antworten mit Zitat

PE Investments könnten sich auch bald steuerlich zum Vorteil niederschlagen -->

Auszug aus Wiener Zeitung.

Gesetz für Stärkung von Risikokapital geht in Begutachtung

"Hier gibt es zu wenig Geld"

Wien. (mel) Ungeachtet der Proteste seitens des Koalitionspartners hat Finanzminister Wilhelm Molterer (ÖVP) am Mittwoch wie angekündigt einen Gesetzesentwurf zur Stärkung von Risikokapital in Begutachtung geschickt.

Das Gesetz sieht steuerliche Vorteile für Investmentgesellschaften vor, die Unternehmen durch Beteiligungen außerbörslich Eigenkapital (Private Equity) zuschießen. Profitieren sollen solche Investoren, die besonders innovativen oder sanierungsbedürftigen Betrieben unter die Arme greifen – Fälle also, bei denen Banken wegen zu hoher Risiken vor einer Finanzierung zurückscheuen.


SPÖ gegen Spekulanten

Unter anderem will Molterer Gewinne aus derartigen Beteiligungsverkäufen steuerfrei stellen. Verluste sollen dafür nicht steuerlich absetzbar sein. Manche Arten von Zinsgewinnen würden ebenfalls von der Steuer befreit. Dafür sieht das Gesetz eine Mindestbehaltefrist von einem Jahr vor.

Dennoch fürchtet die SPÖ die steuerliche Begünstigung von Spekulanten. Innerhalb der Private-Equity-Branche lobt man das Vorhaben. Allerdings könne auch dadurch wenig am Grundproblem geändert werden: In Österreich mangle es am Investitionspotenzial. Es sei einfach zu wenig Geld vorhanden.


Mittwoch, 11. Juni 2008



Anm.: Die Finanzierung von Wachstums- und Start-Up Unternehmen ist keine ideologische Frage, sondern eine Frage der Standortsicherung. Ohne neue rechtliche Rahmenbedingungen drohe die Abwanderung der Fonds ins Ausland. "Wachstumskapital sichert die Arbeitsplätze von Morgen. Wer gegen attraktive Rahmenbedingungen für die Kapitalgeber in Österreich ist, vertreibt Kapital und Arbeitsplätze aus dem Land. Es ist begrüßenswert, dass die vernünftigen Teile in beiden Koalitionsparteien dies nun erkannt haben", so Fichtinger (GF vom Aktienforum)



Schön so...

Grüße aus Wien


Rainer Dechet
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