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mhmoeller * Consulter *
Anmeldungsdatum: 20.12.2003 Beiträge: 1263 Wohnort: Bochum
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Verfasst am: 14.Sep 2004 14:11 Titel: Die 1. Urkatastrophe |
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Noch Mitte des 19. Jahrhunderts hatte ein Wildwuchs an regionalen Währungen den innerdeutschen Handel schwer behindert. Als dann 1871 das neue Kaiserreich gegründet wurde, war den Verantwortlichen klar, dass für die Mark nur eine harte Goldwährung in Frage kam, wie sie die anderen Großmächte besaßen. Dabei wird die Landeswährung durch Goldreserven im Verhältnis von eins zu eins abgesichert. Der Gegenwert jeder Papiernote lagerte in Form des gelben Edelmetalls in den Tresoren der Zentralbank.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt eine Währung ohne solche Golddeckung im grenzüberschreitenden Handel als wertlos. Nur wenige Ökonomen hielten 1914 einen internationalen Papierstandard ohne Golddeckung für möglich. Drei Tage nach der deutschen Kriegserklärung an Russland, hob das Kaiserreich am 4. August per Gesetz die Golddeckung auf. Frankreich, Russland und auch England taten es dem Feind bald gleich, denn die »Urkatastrophe« des 20. Jahrhunderts (Georg F. Kennan) ließ sich nur durch den Druck von immer mehr ungedeckten Geldscheinen bezahlen.
Die Folge war jedoch eine schleichende Entwertung des Geldes und eine heftige Inflation, die sich auch nach dem Krieg nicht mehr stoppen ließ. Während im Juli 1912 ein US-Dollar noch 4,20 Mark gekostet hatte, mussten 1919 bereits 14 Mark hingelegt werden. Nachdem sich im Sommer 1922 der Geldverfall zur galoppierenden Hyperinflation beschleunigt hatte, kostete der Dollar im November 1923 dann 4,2 Billionen Mark. Viele Regierungen versuchten, per Wiedereinführung des Goldstandards ihre Währung zu stabilisieren, aber dieses hilflose Comeback endete Anfang der Dreißiger Jahr kläglich in Deflation, Weltwirtschaftskrise und dem Aufstieg Adolf Hitlers an die Macht.
Bei der Reichsmark wurde die Golddeckung 1931 aufgehoben. Die Deutsche Mark war von vorne herein eine reine Papierwährung, wurde jedoch 1958 Bestand der internationalen Golddevisen-Währung, womit sie indirekt über die amerikanische Golddeckung bis 1971 gesichert war.
Die letzten zarten Bande zwischen Gold und einer Währung zerrissen am 15. August 1971. Seit jenem lauen Sommertag haben die USA aufgehört, Dollar gegen Gold einzutauschen. Ohnehin deckten die Goldreserven die Währung nur noch zu einem kleinen Teil ab. Knapp zwei Jahre später erfolgte die Freigabe der D-Mark gegenüber dem US-Dollar und anderen Währungen.
Auf den ersten Blick ist an den Devisenmärkten in den vergangenen Wochen nicht viel passiert. Der Euro bewegt sich zum Dollar mit Kursen von 1,2370 Dollar in Regionen, die auch schon im Dezember 2003 ihre Gültigkeit hatten.
Doch wer sich etwas näher mit den Charts beschäftigt, wird auch bemerken, daß die Schwangungsbreite
in der Dollar-Euro-Parität mehr als 50% beträgt - und das in einem Zeitraum von weniger als vier Jahren. Kostete der Euro am 25.10.2000 0,83 Dollar, so waren was am 17.02.2004 1,29 Dollar. Oder anders ausgedrückt: Im Oktober 2000 konnten für 1 Mio USD 1.204.819 EUR gekauft werden. Wer diese im Februar 2004 wieder in USD zurücktauschte bekam dafür 1.554.217 USD - Gewinn: 554.217 USD.
Frage: Hat sich die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zwischen USA und Euro-Land in so kurzem Zeitraum so rapide verändert?
Lesen Sie auch: Die 2. Urkatastrophe |
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