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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 5916
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Verfasst am: 8.Apr 2007 6:27 Titel: Im Dickicht der Zertifikate - Eine Übersicht |
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Discount, Outperformance, Airbag, Basket, Sprint: Die Anlageform der Zertifikate wird zunehmend unübersichtlicher.
Zertifikate werden bereits seit 1990 in Deutschland ausgegeben. Die Schuldverschreibungen beziehungsweise Anleihen haben sich allerdings erst seit dem letzten großen Börsencrash Anfang des Jahrtausends im Massenmarkt durchgesetzt, als viele Kleinaktionäre zum innerhalb kurzer Zeit viel Geld verloren. In der Folge verkauften sie ihre Aktien, zogen Geld aus Aktienfonds ab und schauten sich nach alternativen Anlagemöglichkeiten um.
Viele Anleger freundeten sich mit Zertifikaten an, die zu den Derivaten gehören. Kritiker monieren oft, dass viele Deutsche Zertifikate als eine Art Modeerscheinung kaufen, ohne genau zu wissen, worum es sich dabei handelt.
Vermögensverwalter und Bankberater rechnen nach einer Untersuchung des Deutschen Derivate-Instituts (DDI) damit, dass der Absatz von Anlage-Zertifikaten zukünftig zu Lasten von Aktienfonds und Aktien weiter zunehmen wird. Das DDI befragte gemeinsam mit der Deutschen Börse, dem Deutschen Aktieninstitut und dem Düsseldorfer Marktforschungsinstitut AMR Vermögensverwalter und Anlageberater in Deutschland nach ihren Kenntnissen, dem Informationsverhalten und der Wahrnehmung von Zertifikaten und Aktienanleihen.
Die Befragten halten strukturierte Produkte für den langfristigen Vermögensaufbau unter Kostengesichtspunkten oft für attraktiver als Aktien und Fonds. Dabei stufen sie Zertifikate und auch Fonds als risikoärmer ein als Aktien. Aus Sicht der Anlageberater schneiden Zertifikate im Vergleich zu Aktien und Fonds deutlich besser ab. Der empfohlene Anteil an Zertifikaten im Anlegerdepot wird von ihnen daher bei durchschnittlich 33 Prozent festgelegt.
Zertifikate haben im Vergleich zu Aktienfonds unschätzbare Vorteile: Je nach Zertifikatetyp können die Anleger sehr spezifisch ihr Geld investieren. Die Handelsliquidität ist hoch, so dass Zertifikate quasi jederzeit zu einem marktgerechten Preis gekauft und wieder verkauft werden können. Außerdem kann der Anleger mit bestimmten Typen eine hohe Rendite zum Glossar... in stagnierenden Märkten erzielen und in Investmentklassen investieren, die sonst nur schwer zugänglich sind.
Doch Zertifikate haben auch Nachteile: So bleibt oft untransparent, wie die Preisbildung während der Laufzeit erfolgt und von welchen Komponenten diese abhängt. Bei manchen Produktklassen sind zudem die Gewinnmöglichkeiten limitiert, etwa durch Caps oder den Verzicht auf Dividendenerträge.
Nachdem bereits das Angebot an Aktienfonds für die meisten Anleger kaum noch zu überblicken ist, verliert auch der Zertifikatemarkt auf Grund seines rasanten Wachstums an Transparenz.
Eine Übersicht über einige wichtige Zertifikateklassen soll deswegen das Produktgewirr entflechten:
Index-Zertifikate
Index-Zertifikate bilden Börsenindizes wie zum Beispiel Dax und Dow Jones ab. Das Anlagerisiko wird somit auf mehrere Werte verteilt. Gehandelt wird in der Regel 1:100. Steht der Dax also bei 7000 Punkten, liegt ein Dax-Index-Zertifikat bei 70 Euro. Index-Indizes eignen sich für langfristig orientierte Anleger, die auf steigende Börsenkurse über einen längeren Zeitraum setzen. Deswegen ist auch keine feste Laufzeit vorgesehen. Eine Sonderform sind Basket-Zertifikate, bei denen nur ein Korb von Aktien oder auch andere Anlagenprodukte abgebildet werden.
Vor allem diese Anlageform tritt in Konkurrenz zu Aktienfonds, die sich auch dauerhaft mit Benchmarks wie den großen Börsenindizes messen. Ein weiterer Pluspunkt für die Index-Zertifikate: Anleger müssen hier weder Managementgebühren noch Ausgabeaufschläge zahlen.
Strategie-Zertifikate
Strategie-Zertifikate setzen nicht auf die Auswahl von Fondsmanagern, sondern auf bestimmte Kennzahlen als Selektionskriterien, beispielsweise die Dividendenrendite. Auf Basis neuester Analyseergebnisse wird der Basiswert in regelmäßigen Abständen umgeschichtet. Dafür wird eine Managementgebühr erhoben, die - etwa vergleichbar mit Investmentfond - zwischen 1 und 2 Prozent pro Jahr liegt. Einige Anbieter verlangen zudem eine Erfolgsgebühr.
Die Emittenten bieten verschiedene Strategien an: Beim Momentum-Ansatz beispielsweise gehen die Experten vom Status quo aus. Was also in der Gegenwart gut lief, soll wieder ins Portfolio aufgenommen werden. Der Value-Ansatz zielt auf Aktien von Unternehmen mit hoher Dividendenrendite. Beim Growth-Ansatz zählt vor allem das Ergebniswachstum der Unternehmen, die mit ins Portfolio sollen.
Garantie-Zertifikate
Garantie-Zertifikate sichern 100 Prozent des eingesetzten Kapitals ab. Im Gegenzug muss der Anleger aber auf Dividendenausschüttungen verzichten, seine Rendite wird beschränkt, und er zahlt unter Umständen sogar eine Managementgebühr. Garantie-Zertifikate verkauften sich vor allem nach dem Börsencrash gut.
Die Anlageform ist geeignet für den Typ "ängstlicher Anleger", der Geld über drei bis sechs Jahre am Aktienmarkt anlegen will, ohne sein Kapital zu verlieren. Die Kapitalgarantie gilt allerdings erst zum Laufzeitende. Um vorher keine Verluste zu erleiden, muss der Käufer unter Umständen also die Laufzeit durchhalten.
Discount-Zertifikate
Discount-Zertifikate gewähren einen Abschlag auf den Preis eines Basiswertes. Allerdings sind sie durch Caps gedeckelt, das heißt für den Basiswert wird ein maximaler Kurs festgelegt. Steigt der Kurs über diesen Cap, kann der Anleger nicht mehr davon profitieren.
Die Anlageform ist vor allem für konservativere Anleger interessant, die durch Discount-Zertifikate sowohl einen Renditevorsprung als auch einen Risikopuffer erhalten. Sie ist in Zeiten von kurz- bis mittelfristigen Seitwärtstrends und bei leicht sinkenden Kursen zu empfehlen. Übersteigt der Kurs des Basiswerts allerdings während der Laufzeit den Cap, hat der Käufer einen schlechten Deal gemacht.
Bonus-Zertifikate
Bonus-Zertifikate werden im Gegensatz zu den Discount-Produkten nicht durch einen Cap gedeckelt. Allerdings verzichtet der Anleger auf Dividendenausschüttungen, mit der die Emittenten die Sicherungsfunktion finanzieren.
Wenn sich der Kurs stets im Rahmen einer so genannten Barriere bewegt, erhält der Käufer eine Bonuszahlung. Bonuszertifikate eignen sich ebenfalls bei zu erwartenden Seitwärtsbewegungen des Basiswerts.
Express-Zertifikate
Express-Zertifikate machen ihrem Namen alle Ehre: Sie sind nur für einen kurzen Anlagehorizont gedacht und werden bei seitwärts tendierenden und moderat steigenden Märkten gekauft. Sie wurden erst 2003 eingeführt und zählen damit zu den jüngeren Zertifikateklassen. Die Idee dahinter ist, die Vorteile von Discount- und Bonus-Zertifikaten zu vereinen.
Express-Zertifikate sind durch Basispreis und Knock-in gekennzeichnet. Der Knock-in ist eine unter dem Basispreis gelegene Kursbarriere. Notiert der Basiswert am Ende der Laufzeit über dem festgelegten Basispreis, bekommt der Anleger eine definierte Zielrendite. Liegt der Basiswert zwischen Knock-in und Basispreis, erhält der Investor sein eingesetztes Kapital zurück. Sollte der Basiswert allerdings auch unter der Knock-in-Barriere liegen, verliert der Anleger sein Kapital wie bei der Aktie.
Sprint-Zertifikate
Bei den Sprint-Zertifikaten werden Start- und Stoppkurse gesetzt. Innerhalb dieser Spanne kann der Anleger überproportional an der Kursentwicklung des jeweiligen Basiswerts teilhaben. Die Kursgewinne werden am Ende der Laufzeit verdoppelt, sofern der Kurs zwischen Start und Stopp liegt. Der Stoppkurs, also wieder ein Cap, wird festgesetzt, damit das Modell des Sprint-Zertifikats finanzierbar bleibt.
Sprint-Zertifikate eignen sich besonders dann, wenn von moderat steigenden Kursen auszugehen ist. Bei Kursverlusten entsprechen die Risiken denen des Basiswerts.
Outperformance-Zertifikate
Outperformance-Zertifikate lassen die Anleger überproportional von steigenden Kursen des Underlyings profitieren. Diese Anlageform ist vor allem bei einer allgemeinen Hausse sehr beliebt.
Der Emittent legt eine Partizipationsrate fest, die von der Höhe der Dividendenerträge abhängt. Mit dem Faktor werden die Kursgewinne oberhalb des festgelegten Startkurses, der nahe am Basiswert liegt, zum Laufzeitende multipliziert. Dafür verzichtet der Käufer auf Dividendenausschüttungen. Notiert die Aktie dagegen zum Ende der Laufzeit unter dem Startkurs, erhält der Anleger den Gegenwert des Basiswertes ausgezahlt.
Airbag-Zertifikate
Airbag-Zertifikate setzen ebenfalls auf Kurssteigerungen, allerdings wird eine Sicherung, der Airbag, eingebaut. Der Emittent bestimmt dabei die Schutzbarriere unterhalb des Basiswertes und legt - wie beim Outperformance-Zertifikat - eine Partizipationsrate fest. Faktoren wie Restlaufzeit, Höhe der Schutzbarriere, Volatilität und Dividendenrendite der Aktie oder des Index beeinflussen die Rate.
Airbag-Zertifikate sind dann interessant, wenn der Optimismus nicht zum Kauf von Outperformance-Zertifikaten reicht. Die Verluste sind auf Grund der Schutzbarriere in jedem Fall geringer als bei einer Direktinvestition in Aktien.
Quelle: FTD |
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