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Long-Engagements: Weizen, Mais und Sojabohnen

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Moderator GM&P
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 5849

BeitragVerfasst am: 14.Mai 2007 6:17    Titel: Long-Engagements: Weizen, Mais und Sojabohnen Antworten mit Zitat

Weizen, Mais und Sojabohnen gehörten im letzten halben Jahr zweifellos zu den spannendsten Märkten überhaupt. Nachdem es lange Zeit so aussah als würde die „Rohstoff-Hausse“ an den Getreidepreisen spurlos vorbeigehen, wendete sich das Blatt unplötzlich und die Notierungen legten eine kaum für möglich gehaltene „Rallye“ aufs Börsenparkett. Wie aber geht es nun weiter? Drohen empfindliche Rücksetzer oder wird Getreide wirklich bald unbezahlbar?

Eins mal vorweg: Es ist zwar häufig so, dass die Getreidemärkten sich homogen entwickeln. Kommt es bei einer Sorte zu starken Preisschwankungen strahlen diese meist auch auf die Kurse der anderen Getreidearten aus. Nichtsdestotrotz darf man Weizen, Mais, Sojabohnen & Co sicher nicht undifferenziert über einen „Kamm scheren“, weil die Haupternten zu unterschiedlichen Zeiten „eingefahren“ werden. Beispiel USA: Dort steht der Winterweizen aktuell in seiner Blüte und wird in den kommenden acht bis zehn Wochen sukzessive eingebracht. Winterweizen macht rund drei Viertel des amerikanischen Gesamt-Outputs aus, so dass am US-Weizenmarkt die „fundamentalen Würfel“ gegenwärtig größtenteils bereits gefallen sind. Völlig anderes sieht es hingegen bei Mais und Sojabohnen aus: Hier werden die Felder momentan gerade erst bestellt. Ansatzweise verlässliche Aussagen über die Produktionsmenge lassen sich demzufolge erst im Spätherbst treffen.

Für uns ist Weizen klarer und letztlich sogar einziger Favorit im Hinblick auf Long-Engagements: Die Kälteeinbrüche insbesondere in Kansas und Illinois haben einen nicht unerheblichen Teil der Pflanzen vernichtet, wenngleich die allerschlimmsten Befürchtungen sich nicht bewahrheitet hatten. Dennoch muss mit nicht unerheblichen Ernteeinbußen in den USA gerechnet werden. Erschwerend kommt die Trockenheit der letzten Monate in Nordeuropa, der Ukraine und Australien hinzu. Mittlerweile hat sich die Lage zwar leicht entspannt, aber Rekordernten wird es mit Sicherheit nicht geben.
Zugegeben: Auf die Entwicklung der amerikanischen Weizenpreise, die sich allein über Zertifikate handeln lassen, haben Ernteausfälle in anderen Ländern keine unmittelbaren Auswirkungen. Unterschätzen darf man die Zusammenhänge aber keinesfalls: Denn Missernten können letztlich nur über verstärkte Importe kompensiert werden. Und die USA sind nun einmal ein bedeutender globaler Weizen-Lieferant. Steigt die Nachfrage anderer Staaten nach amerikanischem Weizen, ziehen die Preise erfahrungsgemäß deutlich an, vor allem wenn das Angebot nicht eben übermäßig üppig ist. Und genau dieses Szenario könnte in den kommenden Monaten Realität werden.

Bei Mais und Sojabohnen sind wir bezüglich weiterer Preissteigerungen dagegen eher skeptisch. Genau genommen könnte es in absehbarer Zeit sogar zu heftigen Kursrücksetzern kommen. Der jüngste Anstieg der Notierungen war primär auf die Tatsache zurückzuführen, dass es in den USA zu witterungsbedingten Verzögerungen bei der Aussaat gekommen war. Mittlerweile ist das Wetter im „Corn Belt“ jedoch annähernd optimal. Bereits in einigen Wochen könnten die Farmer daher wieder im Zeitplan liegen.
Darüber hinaus steht zu befürchten, dass einige amerikanische Landwirte den zerstörten Weizen unterpflügen und stattdessen Mais und vor allem Sojabohnen anbauen. Insofern sind bei diesen beiden Getreidesorten nach heutigem Ermessen überdurchschnittlich hohe Erträge zu erwarten. Daran könnte wohl lediglich eine ausgeprägte Dürre-Katastrophe in den Sommermonaten etwas ändern.
Allerdings sind Mais und Sojabohnen auf Grund kontinuierlicher genetischer Veränderungen relativ resistent gegen Trockenheit geworden. Mit echten Versorgungsengpässen sollten Anleger daher lieber nicht rechnen, zumal die Erträge in Südamerika auf ein neuerliches Rekordniveau zusteuern.

Unterm Strich könnten sich Short-Spekulationen auf Mais und Sojabohnen daher trotz der immer wieder gebetsmühlenartig beschworenen „Ethanol-Fantasie“ mittelfristig als überaus lukratives Investment entpuppen.
Quelle: derivate
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