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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 5916
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Verfasst am: 24.Feb 2007 19:17 Titel: Zertifikate - was ist das? Teil I |
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Warum eigentlich Zertifikate? Tatsächlich handelt es sich nur um eine weitgehend sinnleere Worthülse, die für sich genommen nicht viel aussagt.
Über wenige Anlageprodukte wird so eifrig gestritten, wie über Zertifikate. Die einen bejubeln sie als neue Wunderwaffe für den Dauererfolg an der Börse. Die anderen verdammen sie als gefährliches und überteuertes Teufelswerk, mit dem Privatanleger über den Tisch gezogen werden. Beides ist Unfug.
Die Ertragsabsichten der Zertifikateanbieter unterscheiden sich nicht wesentlich von denen in anderen Sparten des Finanzbetriebs –ganz gleich ob Fonds, Lebensversicherung oder Sparbuch. Umsonst gibt es am Bankschalter allenfalls den Kaffee.
In die Finanzwelt hat das Zertifikat vor knapp zehn Jahren Einzug gehalten, wobei es ursprünglich darum ging, eine Abgrenzung zum Optionsschein herzustellen.
Der – so das Marketingkalkül jener Tage – ist nämlich hochspekulativ und hat deshalb ein für den Verkauf von Investmentprodukten ungünstiges Image.
Zertifikate hingegen, so die anfängliche Idee, sollten zwar ebenfalls Optionen und Finanzderivate beinhalten, anders als beim Optionsschein sollten diese aber nicht dazu führen, dass die Anlage riskanter wird als Fonds oder Aktien.
So beispielsweise beim Indexzertifikat, das schlicht und einfach die Entwicklung des Dax widerspiegelt. Ohne Hebel und Gefahren, die über das ohnehin bestehende Börsenrisiko hinausgehen.
Die gut gemeinte Einteilung in den spekulativen Optionsschein und das risikoneutrale Zertifikat gilt heute leider nicht mehr. Vor allem weil – wiederum vom Marketing getrieben – einige Banken das „Hebelzertifikat“ kreiert haben, bei dem das altbekannte und bis dahin optionsschein-typische Totalverlustrisiko plötzlich auch im Zusammenhang mit Zertifikaten auftauchte.
Und wieder waren die Marketing-Strategen gefordert, die das Kunstwort „Zertifikat“ mit dem ebenso sinnleeren Anhängsel „Anlage-“ ergänzten, um damit irgendwie wieder eine Abgrenzung zwischen den Spekulationspapieren und den auch für Otto Normalsparer nutzbaren (und nützlichen) Produktangeboten herzustellen.
Und Otto N.? Für den ergeben sich schon aus der Entstehungsgeschichte des Zertifikats einige weitreichende Konsequenzen. Zum einen, dass er heute vor jedem Kauf genau prüfen muss, ob „sein“ Zertifikat zu den besonders spekulativen oder denen mit moderatem Anlagerisiko gehört. Und zum anderen, dass er bei seiner Depot führenden Bank oft immer noch eine höhere Risikoeinstufung beantragen muss als bei Aktien, obwohl er eigentlich – zum Beispiel über ein Bonus-Zertifikat – eine weniger riskante Anlageform wählen will. Dafür liefert die Erfahrung mit der Produktbezeichnung aber wichtige Hinweise für den Umgang mit Werbung und Marketing von Finanzprodukten. Da gilt immer, dass zweimal hingucken nie schaden kann.
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