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Lutz Spilker * Consulter *

Anmeldungsdatum: 04.05.2004 Beiträge: 1432 Wohnort: Nürnberg
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Verfasst am: 4.Jun 2005 16:16 Titel: Gesund leben – krank aussehen |
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Gesund leben – krank aussehen
Diese Feststellung trifft leider immer häufiger zu.
Zuzahlungen bei den Krankenkassen und allgemeine Kürzun-
gen im übrigen Gesundheitswesen, lassen dem Verbraucher
nur die Alternative, sich um sein eigen’ Wohl selbst zu küm-
mern.
Doch wie stellen sich die Ergebnisse dar?
Galt noch in den Sechzigern und Siebzigern die Faustregel
»weiße Zähne und braune Haut« auf dem Weg zum Erfolg,
so ist man heutzutage besser informiert.
Hautschutzfaktor 12 ist angesagt und die erste Pigmentstö-
rung wird als Melanom enttarnt, samt Besitzer zur nächsten
Untersuchung geschleppt. Kreideweiß und fahl wie eine frisch
verputze Wand, schreitet man ergo gesund daher.
Auch die nachpolierten und auf Hochglanz geschruppten Kau-
leisten, stoßen bei Dentisten auf Ablehnung, greift es doch
den Zahnschmelz an. Kaum merklich, doch immerhin.
Frische Kräuter pudert man in den Salat und sie zieren nach
der Mahlzeit die Zwischenräume der Zähne. Man kann aus
seiner Nahrungsaufnahme kein Geheimnis mehr machen. Man
trägt sie im Gesicht.
Es wird entwässert, der Stepper entstaubt und ordentlich mal-
trätiert, statt Chips und Flips kaut man Pinien- und Kürbisker-
ne beim allabendlichen Fernsehprogramm und aus dem gepfleg-
ten Pils wird ein geschmackloses Mineralwasser, still, selbstre-
dend.
Verhaltene Fröhlichkeit kommt auf und man sehnt ein saftiges
T-Bonesteak mit reichlich Pommes und Majo, nebst der deko-
rierenden Rose Kräuterbutter auf dem Tellerrand herbei.
Doch nichts dergleichen wird geschehen, ist man sich doch
seines, dadurch heftig steigenden, Cholesterinwertes im Kla-
ren. Eine Sojafrikadelle tut es auch und das Müsli aus getrock-
neten Früchten vom Frühstück, bekommt im Magen endlich
Gesellschaft.
Angesichts des uns Tag und Nacht bedrohenden Ozonlochs,
ist es mit dem flinken Zisch aus dem Deo-Sprüher auch passé.
Deoroller passen besser in die Handtasche und kleistern die
Poren fett zu. Der Schweiß sucht sich einen anderen Weg in
die Welt und findet ihn auch, wie unsere Nase es bestätigen
kann.
Der Wohnraum wird nach den Kriterien esoterischer verpeil-
ter Gurus umgestellt und man wundert sich, dass im Schlaf-
zimmer der Anschluss für die Waschmaschine aus der Wand
lugt. Wenig dekorativ, aber gesunder Schlaf geht vor. Sagt
der Guru mit dem schwarzen Gürtel in Feng-Shui.
Die läppischen 15 Kilometer zur Arbeit radelt man besser, als
dass man sie im bequemen Auto ableistet. Unanhängig der
gerade herrschenden Außentemperaturen, besonders im Ja-
nuar und außerdem geht’s ja auf dem Rückweg bergab. Freu-
de kommt auf, wenn gegen neun Uhr dreißig die letzten Eis-
zapfen aus der Frisur fallen.
Diese hängt, mangels Benutzen eines chemisch hergestellten
Shampoos, ohnehin wie eine geplatzte Dose Sauerkraut am Kopf
und passt sich dem übrigen Erscheinungsbild nahtlos an.
Man strotzt vor Gesundheit und könnte Bäume selbst da aus-
reißen, wo noch keine stehen.
Sitzt man dann gemütlich auf einer Parkbank und genießt
sein Leben in tiefen Zügen, aus der vom Nikotin befreiten
Lunge und dir steckt jemand einen Euro zu, dann ist es so-
weit. |
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