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tifinaa * Consulter *
Anmeldungsdatum: 19.11.2003 Beiträge: 1176
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Verfasst am: 23.Dez 2004 22:46 Titel: Heiligabend |
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Alle Jahre wieder graut es mir vor Heiligabend. Irgendwann am Nachmittag hat man das Gefühl, es sei eine Neutronenbombe gezündet worden: Alle Läden dicht, die Straßen menschenleer, im Radio nur süßliches Gedudel. Um nicht in Tristesse zu versinken, entwickle ich gegen diesen Christenterror jedes Jahr von neuem eine private Antiterror-Strategie.
Dieses Jahr versuche ich es mit einer Mischung aus Kreativität, Völlerei und Sinnenkitzel: Es wird in sechs Gängen gekocht und am besten auch gleich in der Küche gegessen. Wer es nachmachen möchte, möge sich an die folgenden Arbeitschritte halten. (Mengenangaben pro Person).
Man nehme: Zwei Zwetschgen und eine Packung Frühstücksspeck. Eine Fenchelknolle und vier Scheiben Chesterkäse. 250 g Austernpilze und eine Ecke Gorgonzola. Zwei Fleischspieße (Huhn oder Rind), eine Dose Erdnüsse, eine große Ingwerknolle, zwei scharfe Chilischoten, Olivenöl. Zwei Kiwis, eine Banane, eine Orange und noch eine große Ingwerknolle. Mini-Paprikaschoten (gibt es in spanischen oder portugiesischen Lebensmittelgeschäften. Hin und wieder auch in einer gutsortierten Gemüseabteilung im Kaufhaus). Dazu grobes Meeressalz. Zur Besänftigung der strapazierten Geschmacksknospen empfiehlt sich ein gut gekühlter Riesling.
Vorbereitung: Beide Ingwerknollen werden zerschnippelt. Die Hälfte davon mit etwa 1/2 Liter Wasser und viel Zucker zu einem Sirup einkochen, den man anschließend kalt stellt. Die andere Hälfte wird mit den Erdnüssen, den Chilis und einem guten Schuß Olivenöl im Mixer zu einer Sauce püriert (Saté).
Schritt eins: Die Pflaumen entkernen, mit Frühstücksspeck umwickeln und mit Zahnstochern zusammenpieksen. Die Pflaumenspieße werden auf einer feuerfesten Form übergrillt, bis der Speck kross und die Pflaume weich ist.
Schritt zwei: Als nächstes die Fenchelknolle etwa 20 Minuten in Salzwasser weich kochen. Dann die Knolle halbieren, Chesterkäse-Streifen zwischen die einzelnen Blätter schieben, etwa 15 Minuten übergrillen. Vorsicht, heiß!
Schritt drei: Austernpilze in Butter anbraten, mit Salz und Pfeffer abschmecken, in eine feuerfeste Form geben und mit zerkrümeltem Gorgonzola überbacken.
Schritt vier: Die Mini-Paprikaschoten waschen, mit einem Küchentuch abtrocknen und immer wieder wendend in Olivenöl anbraten, bis die Haut Blasen wirft. In eine Schüssel geben, mit grobem Meeressalz überstreuen und von Hand essen. Vorsicht: Jede siebte Schote ist höllenscharf! (Dieses Rezept stammt aus Spanien und nennt sich »pimientos padrón«).
Schritt fünf, das Kapitel »Fleischeslust«. Die Spieße in Olivenöl braten und mit der Saté-Sauce servieren: Heiß wie die Nacht und scharf wie die Sünde! Ob man die wirklich guten Chilischoten erwischt hat, zeigt sich bei folgendem Test: Wenn man gegen den Tannenbaum haucht, müßten die Nadel herunterfallen. Vorher aber die Kerzen löschen, sonst gibt es eine Stichflamme.
An sechster Stelle kommt die scharf-süße Krönung: Obst schälen und in dünne Scheiben schneiden. Den abgekühlten Ingwersirup drübergießen, zehn Minuten ziehen lassen. Schritt sieben: Gaumen mit Riesling kühlen, Obstscheiben löffeln. Vorsicht: Zungenorgasmus!
Frohes Fest |
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