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hdschulz * Consulter *
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 1058
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Verfasst am: 16.Jan 2006 9:32 Titel: Polizeizöpfe |
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Von Burkhard Müller-Ullrich
Viele Bürger kennen sich mit ihrer Polizei nicht so gut aus. Zum Beispiel wissen sie nicht, worin sich Bundespolizisten von Landespolizisten unterscheiden. Dabei ist das doch schon von weitem zu erkennen. Während die Polizeikräfte der Bundesländer ein adrettes Erscheinungsbild haben, sehen die Mitglieder der Bundespolizei aus wie Penner, Punks und Hippies. Viele tragen Sicherheitsnadeln in Backen und Augenbrauen, grellbunte schulterlange Haare sind ebenso oft anzutreffen wie Rastazöpfe, Zungenpiercings und zerrissene Hosen, ganz zu schweigen von Ringen und Tätowierungen an jeder sichtbaren Körperstelle. Erst vor wenigen Monaten neu eingekleidet, sind die Beamten des ehemaligen Bundesgrenzschutzes schon wieder so heruntergekommen, daß es für das Bundesinnenministerium höchste Zeit war, diese schlimmen Auswüchse eines ästhetischen Hooliganismus mit einem deutlichen Erlaß zu unterbinden.
Seit 1999 wird an diesem Erlaß gefeilt, und gottseidank tritt er nun gerade noch rechtzeitig zur Fußball WM in Kraft. Somit ist sichergestellt, daß unsere Bundespolizisten dem Volk mit einem Minimum an Seriosität gegenübertreten. Wie der „Spiegel“ meldet, sind die unter Bundespolizisten so massenhaft verbreiteten Karl-Lagerfeld-Zöpfe künftig verboten. Polizistinnen dürfen nicht mehr wie Nina Hagen aussehen, sondern nur noch ‚sozialadäquates’ Make-up und höchstens fünf Millimeter große Ohrstecker tragen. Der Begriff des sozialadäquaten Polizei-Makeups wird sicherlich in nächster Zeit noch eine große Karriere machen, nicht nur in Kabarettsendungen, sondern vielleicht auch als besonderer Kick in der Modebranche.
Jedenfalls kann man den Verantwortlichen im Innenministerium zu dieser Initiative nur gratulieren. Der Autoritätsverfall der Staatsgewalt wird endlich gestoppt, denn Bullen mit Zöpfen nimmt niemand ernst. Und gerade wenn die Bullen gar keine Zöpfe haben, muß man etwas dagegen tun. Das nennt sich vorausschauendes Denken. Schließlich macht der moderne Trend zur Individualisierung auch vor der Polizei nicht halt. Doch das Individuum, das den Staat repräsentiert, muß sich maskieren. Das ist der Zweck der Uniform: sie dient nicht nur der funktionalen Erkennbarkeit, sondern auch der individuellen Unkenntlichkeit. Sie dient der Magie des Gewaltmonopols.
Aus diesem Grund treten auch die Richter im Talar auf. Während deren Haartracht in England festgelegt ist, gibt es dazu bei uns keine Bestimmungen. Das ist verwunderlich, denn Haarspalter gibt es hierzulande genug. |
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