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tifinaa * Consulter *
Anmeldungsdatum: 19.11.2003 Beiträge: 1176
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Verfasst am: 9.Feb 2005 13:55 Titel: "Schmeckt’s?" |
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"Schmeckt’s?" – "Ja, wie gedruckt!"
Wolf-Dieter Roth 09.02.2005
Designer-Sushi aus dem Inkjet
Aschermittwoch – der Kopf brummt, Fisch ist angesagt, der Blödsinn ist
vorbei. Wirklich? Nein, wir legen jetzt mal die Tintenpatrone mit dem
Sushiaroma ein…
Es schmeckt nach Fisch und Seetang und schaut interessant aus. Es ist
roher Fisch in Reis mit Blättern drum rum. Es nennt sich Sushi. Edel,
nicht billig, gesund – und natürlich.
Natürlich? Natürlich nicht: Ein Canon i560 Inkjet-Drucker ist nämlich
der Erzeuger des "Ink-Jet-Sushi" im "Moto" in Chicago [1]. Das ist für
Leute, denen gewöhnliches Sushi immer noch viel zu gewöhnlich und zu
billig ist. Stattdessen bestückt der Koch Homaro Cantu einen normalen
Tintenstrahldrucker mit Esspapier aus Maisstärke – mit dem
normalerweise Geburstagstorten beschriftet werden – und füllt in die
Tintenpatronen Sojasauce. Damit wird dann etwas aufgedruckt, das
ausgeschnitten und aufgerollt wie Algen, Kaviar und Fisch aussieht.
Damit es nach mehr als Papier und Soja schmeckt, kommt vor dem
Aufrollen noch etwas Aromapulver auf die Rückseite.
Wer großen Hunger hat und nicht warten will, bis sein Sushi
fertiggedruckt ist, kann auch die Speisekarte aufessen. Nicht trocken,
sondern in Gazpacho. Sozusagen Buchstabensuppe, nur das lästige
Ausschneiden spart sich der trotz Hightech geplagte Koch diesmal.
Buchstabensuppe auch für Analphabeten, denn es werden die Gerichte auch
als Zeichnung aufgedruckt und schmecken dann auch so: Die Kuh schmeckt
nach Kuh – in Gestalt von Steak und nicht Fladen – das Huhn nach Huhn
und was man nicht mag, muss man schnell genug aus der Suppe fischen,
bevor diese nach den Erdbeeren des Nachtischs schmeckt.
Star-Wars-Food
Schräg? Nicht schräg genug für Homaro Cantu. Eigentlich ist er
Erfinder, Koch wurde er nur aus Versehen. Momentan arbeitet er an
essbaren Postkarten – hoffentlich nicht mit dem zu manchen
Edgar-Gratiskarten passenden Geschmack – und als nächstes will er
Gerichte komponieren, die nach den Bildern von M.C. Escher [2]
schmecken – dann hoffentlich nicht wie schon mal gegessen [3]. Für die
Freunde der "leichten Küche" experimentiert Canto mit einer
Ionen-Kanone sowie flüssigem Stickstoff, Helium und Supraleitern, um
die Snacks schweben zu lassen.
Wem das irgendwie doch etwas zu kalt ist, der kann sich wiederum auf
den Laserofen freuen, der gezielt Löcher ins Essen brennt – die
Grillversion des Sushi-Druckers. Damit will er durch eine Sushi-Roll
hindurchschießen, sodass der Fisch innen gar und außen roh ist – oder
auch Brot herstellen, das die Kruste innen hat. Der Laser wird von dem
Kaliber sein, mit dem normalerweise in der Industrie gelötet – oder
auch beim Zahnarzt im Gaumen herumgeschmort wird. Mniamniam!
Der verrückte Prof… Koch!
Seine Gäste, die bis zu 250 Dollar für ein 20-Gänge-Menü hinlegen,
essen nicht, um satt zu werden, sondern wollen das besondere Erlebnis.
Bislang wird allerdings noch nicht am Tisch gedruckt, geschnitten und
gerollt. Ein 3D-Essensdrucker ist noch im Planungsstadium und auch das
im Fasching oft bestellte und nie gelieferte "Bier mit Senf, aber den
Schaum unten" ist bei Cantu noch nicht erhältlich. Aber lange dauern
kann es nicht mehr.
Astronautenfraß wird also zukünftig womöglich auch nicht mehr aus Tuben
oder Kapseln kommen, sondern vor Ort frisch gedruckt. Mitsamt den
Recycling-Sets mit Spritzen zum Wiederauffüllen der Druckpatronen. Für
das passende Aroma gibt es dann ja das Pulver auf der Rückseite. Und
wir sind heute ausgesprochen beruhigt, dass Telepolis nicht auf Papier
erscheint.
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/19/19414/1.html |
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