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Steuererleichterung in der Praxis

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hdschulz
* Consulter *


Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 1036

BeitragVerfasst am: 8.Okt 2004 14:28    Titel: Steuererleichterung in der Praxis Antworten mit Zitat

o.k.... einigen schon bekannt - vielleicht freuen sich doch noch ein paar darüber:



Steuererleichterung in der Praxis

Lassen Sie uns die geplanten Steuererleichterungen einmal in Form einer Fabel beschreiben, die jeder verstehen kann.

Es waren einmal 10 Männer, die jeden Tag miteinander zum Essen gingen und die Rechnung für alle zusammen betrug jeden Tag genau 100 Euro. Die Gäste zahlten ihre Rechnung ähnlich wie wir unsere Steuern nach Leistungsvermögen und das sah so aus:

Drei Gäste (die Ärmsten) zahlten nichts.
Der Vierte zahlte 1 Euro.
Der Fünfte 3 Euro.
Der Sechste 5 Euro.
Der Siebte 8 Euro.
Der Achte 15 Euro.
Der Neunte 20 Euro
Der Zehnte (der Reichste) zahlte 48 Euro.

Das ging eine ganze Zeit lang gut. Jeden Tag kamen sie zum Essen und alle waren zufrieden.
Bis der Wirt Unruhe in das Arrangement brachte, indem er vorschlug, den Preis für das Essen um 20 Euro zu reduzieren. "Weil Sie alle so gute Gäste sind!"
Wie nett von ihm! Jetzt kostete das Essen für die 10 nur noch 80 Euro, aber die Gruppe wollte unbedingt beibehalten so zu bezahlen, wie sie es gewohnt war und wie wir besteuert werden.
Dabei änderte sich für die ersten drei nichts, sie aßen weiterhin kostenlos.
Wie sah es aber mit den restlichen sieben aus?
Wie konnten sie die 20 Euro Ersparnis so aufteilen, daß jeder etwas davon hatte?
Die sieben stellten schnell fest, daß 20 Euro geteilt durch sieben Zahler 2,85 Euro ergibt.
Aber wenn sie das von den einzelnen Teilbeträgen abziehen würden, bekäme der vierte Gast noch Geld dafür, daß er überhaupt zum Essen geht.
Also schlug der Wirt den Gästen vor, daß jeder prozentual ungefähr gleich viel entlastet werden sollte. Er setzte sich also hin und begann das für seine Gäste auszurechnen.
Heraus kam folgendes: Der vierte Gast, ebenso wie die ersten drei, zahlte ab sofort nichts mehr (100% Ersparnis). Der fünfte zahlte 2 Euro statt 3 Euro (33% Ersparnis). Der Sechste zahlte 4 statt 5 Euro (20% Ersparnis). Der Siebte zahlte 6 statt 8 Euro (25% Ersparnis). Der Achte zahlte 12 statt 15 Euro (20% Ersparnis). Der Neunte zahlte 16 statt 20 Euro (20% Ersparnis). Und der Zehnte (der Reichste) zahlte 40 statt 48 Euro (16% Ersparnis).
Jeder der sieben kam günstiger weg als vorher und die ersten drei aßen immer noch kostenlos.
Aber als sie vor der Wirtschaft noch mal nachrechneten, war das alles doch nicht so ideal wie sie dachten. "Ich hab' nur 1 Euro von den 20 Euro bekommen!" sagte der fünfte Gast und zeigte auf den zehnten Gast, den Reichen. "Aber er kriegt 8 Euro!" "Stimmt!" rief der sechste. "Ich hab' auch nur 1 Euro gespart und er spart achtmal so viel wie ich." "Wie wahr!!" rief der Siebte. "Warum kriegt er 8 Euro zurück und ich nur 2? Alles kriegen mal wieder die Reichen!" "Moment mal," riefen da die ersten drei wie aus einem Munde. "Wir haben überhaupt nichts bekommen. Das System beutet die Ärmsten aus!!" Und aus heiterem Himmel gingen die neun gemeinsam auf den Zehnten los und verprügelten ihn. Am nächsten Abend tauchte der zehnte Gast nicht zum Essen auf.
Also setzten die übrigen 9 sich zusammen und aßen ohne ihn. Aber als es an der Zeit war, die Rechnung zu bezahlen, stellten sie etwas Bemerkenswertes fest:
Alle zusammen hatten nur soviel Geld, um gerade mal die Hälfte der Rechnung bezahlen zu können!

Und wenn sie nicht verhungert sind, wundern sie sich noch heute.

Und so, liebe Kinder, funktioniert unser Steuersystem. Die Menschen, die hier die höchsten Steuern zahlen, haben die größten Vorteile einer Steuererleichterung.
Wenn sie aber viel zahlen und sich auch noch anpöbeln lassen müssen, kann es passieren, daß sie einfach nicht mehr am Tisch erscheinen.
In der Schweiz und in der Karibik gibt es auch ganz tolle Restaurants.


Gruß hdschulz
-------------------

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mhmoeller
* Consulter *


Anmeldungsdatum: 20.12.2003
Beiträge: 1263
Wohnort: Bochum

BeitragVerfasst am: 8.Okt 2004 15:03    Titel: Antworten mit Zitat

Wunderbar erklärt!!!! Kompliment!!!

Und jetzt das ganze Mal in Zahlen aus der deutschen Steuerstatistik.
Und zwar das Aufkommen an Lohn- und Einkommensteuer (direkte Steuern)

Steuerzahler Steuern pro Kopf
0,04% 6% 0,0006000%
4,96% 37% 0,0000298%
5,00% 11% 0,0000088%
15,00% 19% 0,0000051%
25,00% 19% 0,0000030%
50,00% 8% 0,0000006%

100,00% 100% 0,0000040%

Das heißt also: 5 % Prozent, die größten Steuerzahler, erbringen 43 % des Steueraufkommens und 50 %, die kleinsten Steuerzahler, erbringen 8 %. Also zehnmal soviel Steuerpflichte bringen es weniger als ein Fünftel vom Steueraufkommen der größten Steuerzahler. Oder pro Kopf betrachtet: Eine Minderheit zahlt pro Kopf das 1.000fache an Steuern, wie die 50 Prozent der Steuerzahler, die für das geringste Steueraufkommen zu zahlen bereit sind.

Alle Zahlen im übrigen aus der amtlichen Steuerstatistik.
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mhmoeller
* Consulter *


Anmeldungsdatum: 20.12.2003
Beiträge: 1263
Wohnort: Bochum

BeitragVerfasst am: 8.Okt 2004 15:09    Titel: Antworten mit Zitat

Nachtrag:
Die Zahlen beziehen sich auf die Steuerpflichtigen - also diejenigen, die zur Lohn- oder Einkommensteuer veranlagt werden. Wer unter den Mindestsätzen liegt - oder sich so arm gerechnet hat - ist in der Statistik nicht erfaßt - also bspw. Sozialhilfe- oder Arbeitslosenhilfeempfänger oder ein Großteil der Rentner.
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Heinrich Dreier
** Consulter **


Anmeldungsdatum: 28.09.2003
Beiträge: 2921

BeitragVerfasst am: 8.Okt 2004 15:36    Titel: Re: Steuererleichterung in der Praxis Antworten mit Zitat

hdschulz hat folgendes geschrieben::

Und so, liebe Kinder, funktioniert unser Steuersystem. Die Menschen, die hier die höchsten Steuern zahlen, haben die größten Vorteile einer Steuererleichterung.
Wenn sie aber viel zahlen und sich auch noch anpöbeln lassen müssen, kann es passieren, daß sie einfach nicht mehr am Tisch erscheinen.
In der Schweiz und in der Karibik gibt es auch ganz tolle Restaurants.



@
Das sollten sich die Neider doch mal in aller Ruhe durchlesen, denn noch wird man ja für Leistung in Deutschland angegriffen.

Grüße
Heinrich
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hdschulz
* Consulter *


Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 1036

BeitragVerfasst am: 8.Okt 2004 16:03    Titel: Antworten mit Zitat

@mhmoeller

Danke für die Blumen....
Damit hier kein falscher Eindruck entsteht - daher stammt's:

Quelle:
David R. Kamerschen, Ph.D
Ausgezeichneter Professor der Ökonomie
536 Brooks Hall
University of Georgia


Ich hab's nur ein bischen modifiziert.

Gruß hdschulz
----------------
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Trader
Insider


Anmeldungsdatum: 28.10.2003
Beiträge: 931
Wohnort: Weesen

BeitragVerfasst am: 9.Okt 2004 12:57    Titel: Antworten mit Zitat

Einfach klasse dieses Beispiel. Ich liebe solche Erklärungen: Simpel, einfach und kurz - das kann jeder verstehen. Ob's Sparhans auch begreift ist ein anderes Thema...

Tja liebe "habliche" (CH-Ausdruck für wohlhabend bis sehr wohlhabend) nördlichen Nachbarn: Sicherlich ist es Euch nicht entgangen dass es auch in der Schweiz einige sehr gute (Hauben)restaurants gibt (...), aber auch die gewöhnliche Kneipe um die Ecke bietet gute Qualität.

Und keine Angst.. man spricht manchmal auch Deutsch hier (wenn auch mit etwas schwerer Zunge, wir bemühen uns...).

Vergnügte Grüsse
Trader
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