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icewastl Specialist
Anmeldungsdatum: 25.10.2005 Beiträge: 247 Wohnort: Frankfurt
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Verfasst am: 14.Dez 2005 23:07 Titel: Verdi oder marxismus...???? |
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Marxistisch:
Streik: Kommunismus pur!
Wie ich heute feststellen durfte, kann man von Generalstreiks auch mal ganz anders betroffen sein, als bei einem gemütlich eingenommenen Wurstbrot vor der heimischen Glotze. Ja, solche Generalstreiks können durchaus kommunistische Grundzüge annehmen! Und das mögen wir bei ZYN! nicht.
1 Seite(n), von Rincemac
Offener Brief an den Vorsitzenden des Bundesverbandes Ver.di Frank Bsirske, den Verkehrsblockierer, das Sandkorn im Getriebe unserer nicht mehr ganz so stark ratternden Wirtschaft.
ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft e. V.
Bundesvorstand
Frank Bsirske
Potsdamer Platz 10
10785 Stadt der Pleiten und Pannen (Berlin)
Sehr geehrter Herr Bsirske,
die folgende Meldung auf der Webseite des MVV München nahm ich mit Unbill zur Kenntnis:
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Warnstreik am 16. Dezember 2002
Liebe Fahrgäste,
die Gewerkschaft Ver.di hat ihre Mitglieder für Montag, den 16.12.2002 zu einem Warnstreik im öffentlichen Personennahverkehr aufgerufen. Von Betriebsbeginn bis Betriebsende steht der komplette Tram- und U-Bahn-Betrieb. Der städtische Busverkehr ist nur stark eingeschränkt möglich.
Die S-Bahn und die regionale Busse in den Landkreisen werden nicht bestreikt!
Wir gehen davon aus, dass am Dienstag früh alles wieder normal läuft.
Für die Unannehmlichkeiten entschuldigen uns bei Ihnen.
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was muss ich da lesen? Unannehmlichkeiten? Und "Die Gewerkschaft Ver.di"! Das sind doch SIE, Herr Bsirske, oder? Ein Leninist im Herzen, vermute ich? Doch dazu später mehr.
Gut, der MVV zieht sich geschickt mit seiner Monopolstellung am Verkehrsmarkt aus der Affäre, wie das ja schon bekannt ist. Bei denen ist ja sowohl eine Oma, die sich mit der Handtasche in der U-Bahn-Türe verfängt und 18 Meter mitgeschleift wird, als auch der unterm Fahrwerk verklemmte Selbstmörder eine Unannehmlichkeit. Die werden praktisch in einem Atemzug genannt, mit "größeren Verzögerungen im Fahrplan". Eine noch viel größere Unannehmlichkeit ist aber, wie wir Münchner U-Bahnfahrer finden, die Blockierung der Gleisstrecke nicht etwa für zwei Stunden sondern für einen ganzen Tag. Aber Sie? Können Sie sich sich einfach aus der Verantwortung stehlen?
Sie als alter Preuße können das vielleicht nicht ganz nachvollziehen bei uns in München, aber es ist schon gelinde gesagt ziemlich blöde, wenn man den ganzen Tag nicht anständig zur Arbeit kommt, und dann noch so fadenscheinige Ausreden bringt wie "ich wollte ja, aber Sie wissen ja! Die U-Bahn! Der Streik!".
Unsere Arbeitgeber legen wert darauf, in die Arbeit zu kommen. Denn anders als in Berlin wird es unsere Arbeitgeber noch am nächsten Tag geben. Jedenfalls, wenn Sie nicht öfter so einen Generalstreik vom Zaun brechen, der eine Millionenstadt halb zum erliegen bringt. Oder ist das Ihr Plan? München marode machen?
Wie gefällt Ihre Idee mit der Blockade eigentlich den Geschäftsführern? Nein, ich meine nicht die zwei vom MVV, sondern die anderen tausenden in München, deren Mitarbeiter zu spät in die Arbeit kommen.
Und überhaupt! Wieso heißt das eigentlich so drohend "Warnstreik"? Wen oder vor was wollen Sie denn warnen? Vor weiteren Streiks? Ein genialer Plan, Herr Bsirske!
Also wenn ich in Erklärungsnotstand falle beim Arbeitgeber, dem das - ich sage jetzt mal - scheißegal ist, warum ich zu spät komme, dann würde ich es nicht als "Unannehmlichkeit" bezeichnen, sondern als Geldvernichtungsaktion, als ekliges Sandkorn im ohnehin schon nicht gut geölten Wirtschaftsgetriebe unserer kapitalistisch gesteuerten Gesellschaft, wo Zeit gleich Geld ist.
Vielleicht fahren ja auch - jetzt mal in Gedanken weitergespielt - ein paar Versicherungsangestellte oder Banker mit der U-Bahn an dem Tag. Ich meine, könnte ja sein, so in der Versicherungshauptstadt München. Sind die eigentlich nicht auch bei Ihnen in der Gewerkschaft? Ich dachte, da fänden derzeit gar keine Tarifrunden statt in dem Milieu. Aber da haben Sie natürlich auch gut mitgedacht, denn so können Sie gleich alle Arbeitgeber in einem Aufwasch zwingen, Entschuldigung, überreden, mehr Gehalt zu zahlen. So langsam geht mir Ihr genialer Plan auf!
Oder haben Sie etwa bewusst einen solchen Streik vom Zaun gebrochen, um möglichst vielen Menschen noch mehr auf den Keks zu gehen als sonst sowieso schon mit Ihren Fernsehauftritten?
Fallen wir gar wieder dem Kommunismus anheim? Sie erinnern sich vielleicht: Ein Strang, alle in einem Boot etc. pp.
Ich dachte ja immer, Kommunismus wäre schon lange abgeschafft in Deutschland.
Oder wie würden Sie das bezeichnen, wenn einer eine Idee hat, und Millionen Menschen dafür leiden müssen? Was für einen Schluß läßt das bei genauer Betrachtung zu? Richtig: Sie sind der Lenin unter den Gewerkschaftern. Vielleicht denken Sie mal über Konservierung und Glassärge nach. Muss von mir aus auch nicht gleich sein.
Bis auf den Schnauzer kein Unterschied:
Bsirske vs. Marx!
Oder haben Sie schon daran gedacht, ein "Gewerkschaftliches Manifest" zu veröffentlichen, damit auch die Gewerkschaftsleiter nach Ihnen zu wahren Leuchten der Gehaltsverhandlungen und deren Methodik werden?
Wir jedenfalls, die Nutzer und Nutznießer des öffentlichen Verkehrs in München finden das toll, wir stehen hinter Ihnen, denn wir sind ja mit im Boot! Und denken Sie sich nichts dabei, wenn Ihnen Hass entgegenschlägt trotz dieser tollen Idee! Machen Sie weiter so! Der wieder aufflammende Kommunismus braucht Menschen wie Sie!
Also: Hoch die Fäuste!
Ihr Rincemac
PS: Natürlich habe ich den Gedanken völlig außer Acht gelassen, dass die gesamte Wirtschaft zur Zeit ziemlich zurückstecken muss, Sie hingegen aber mit einer höheren Lohnforderung daher kommen. Aber das ist wohl antizyklische Lohnpolitik.
Beitrag von Rincemac, ZYN!-Redaktion (info) |
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