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Lutz Spilker * Consulter *

Anmeldungsdatum: 04.05.2004 Beiträge: 1432 Wohnort: Nürnberg
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Verfasst am: 19.März 2006 13:33 Titel: Zeit ist Geld - verdrück’ dich |
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Zeit ist Geld
verdrück’ dich
Diese von Henry Ford getroffene Feststellung ist weltweit bekannt,
wird überall so verstanden und entsprechend umgesetzt. Überall?
Nein - doch nicht. Seit einigen Jahrzehnten weigert sich eine bestim-
mte Gruppe diesen Leitspruch als Basis ihres wirtschaftlichen Han-
delns zu akzeptieren, gar aktiv umzusetzen. Die Rede ist von Drückern.
Jene mehr oder weniger jungen Leute also, welche sich von Klinke
zu Klinke hangeln, um ein Zeitungs-Abbo zu vertickern. Erst neulich
stand wieder so ein „Zeit-Dieb“ vor meiner Türe.
Ich öffnete und man ermahnte mich gleich, nicht zu erschrecken. Aha,
dachte ich, warum denn nicht? Nur weil der junge und schlecht rasierte
Anfangzwanziger eine Verkleidung als Sanitäter trug, mit einem in
Plastik geschweißten Ausweis wedelte und einen zweiten, per Clip
befestigt an der Jacke baumeln hatte? Das sollte mich erschrecken?
Mich erschreckte etwas völlig anderes.
Als ich von der Ausweis-Fuchtelei genug hatte und fragte, um was
es exakt ginge, meinte der Pseudo-Sani, dass er das so nicht erklären
könne, ich müsse schon 2 bis 3 Minuten Zeit erübrigen. Das wollte
ich jedoch um keinen Preis, denn Drücker erkenne ich mit Augen-
binde und im Dunklen.
Klar und deutlich gab ich bekannt, dass ich großes Interesse an über-
haupt nichts habe und schloss beruhigt die Türe.
Vergleichen wir nun das Gelesene mit den allgemeinen Gebaren unserer
Wirtschaft, so bekäme ich beim Bäcker erst dann 5 Brötchen, wenn er
zuvor 7 Mal abgestritten hätte, mir jemals welche verkaufen zu wollen,
welche gebacken zu haben und überhaupt nicht aus der Branche käme,
dies auch keine Bäckerei sondern die chemische Reinigung sei, oder
wie sehe ich das?!
Wer bringt diesen Mädeln und Burschen einen solchen Unsinn bei?
Verkaufsstrategen der Sorte „abgebrochenes BWL-Studium“ etwa?
Dann verstehe ich so manches. Bestelle ich ein Abbo direkt beim Ver-
lag, erhalte ich eine Prämie. Doch wo finde ich sie beim Drücker me-
ines Vertrauens? Na? Eben. Da hinkt der Deal gewaltig. Ein Kasten Pils
müsste schon drin sein oder ein Gutschein für ein Dinner zu zweit bei
Kerzenschein mit Stehgeiger.
Warum stehen die Drücker nicht aufrecht zu ihrem Job? „Guten Tag,
ich möchte Ihnen ein Abbo aufs Auge drücken, was halten Sie davon?“
Damit könnte ich leben, das wäre ok. Nein, viel zu einfach, es muss
eine völlig beknackte Legende geschaffen werden, die mir die Tränen
in die Socken treibt und ich allein schon aus Mitleid eine Fernsehzei-
tung bestelle, selbst wenn es die vierte im Haus wäre. Dann muss der
Hund eben lesen lernen, damit es sich rechnet. |
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