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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 6291
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Verfasst am: 18.Apr 2006 11:51 Titel: Autofahren in Europa - Die Straße lebt |
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Die Italiener rechnen im Straßenverkehr fast immer mit allem, denn Verkehrsregeln werden hier oft sehr frei ausgelegt. Nachahmen sollte man ihre Fahrweise jedoch nicht unbedingt.
Reisende mit Ziel Italien aufgepasst: Auch nach den von Romano Prodi zusammen in einer Koalition mit ehemaligen Kommunisten hauchdünn gewonnenen Parlamentswahlen wird es in Italien keinen Linksverkehr auf den Straßen geben.
Und das Rot der Ampel darf weiterhin als Signal zum Halten und nicht zum Gasgeben verstanden werden.
Dennoch kann es passieren, dass man in abgelegenen Gegenden oder zu später Stunde auf einer Kreuzung zumindest in Sichtkontakt mit einem Fahrzeug kommt, dessen Fahrer diese Regel für sich anders auslegt. Genauso wie ich unter Umständen damit rechnen muss, dass mir ein Wagen in einer Einbahnstraße entgegenkommt.
Blinken ist fakultativ
Entgegen den Geisterfahrern auf deutschen Autobahnen – von solchen Phänomenen hört man in Italien erstaunlich wenig –, weiß jener Fahrer in der Einbahnstraße aber, was er tut, und rechnet mit einem Entgegenkömmling.
Die Italiener rechnen im Straßenverkehr fast immer mit allem – weshalb sie auch so gute Autofahrer sind.
Sie rechnen damit, dass das Fahrzeug vor ihnen plötzlich bremst oder ohne zu blinken abbiegt, und können entsprechend bremsen oder ausweichen.
Sie verfolgen, wenn sie sich nicht gerade mit dem Beifahrer oder ihrem Handy unterhalten, den Verkehr vor sich, nutzen den kargen Raum auf der Straße, stoßen in die kleinste sich bietende Lücke und bauen sich vor einer Ampel auch schon mal in fünf Reihen auf, obgleich es eigentlich nur zwei Fahrspuren gibt.
Kontaktängste kennen sie nicht.
Jedenfalls nicht auf der Straße. Allerdings rechnen nur wenige damit, dass auch hinter ihnen Autos fahren. Deshalb ist Blinken eher fakultativ. Und auf Rückspiegel könnte man eigentlich ganz verzichten. Hinten, da passen ja die auf, die hinter dir fahren.
Man sollte ihre Fahrweise nicht nachahmen, sondern zum Beispiel neidlos anerkennen, dass sie sich besser einfädeln können – und sie einfädeln lassen.
Man muss aber auch wissen, dass auf Erfahrungen während längerer Zeiträume kein Verlass ist. Zum Beispiel darauf, dass man beim Parken im Halteverbot keinen Strafzettel bekommt, weil sich wochenlang keine Amtsperson um den abgestellten Wagen gekümmert hat. Gewohnheitsrechte gibt es nicht und die Justiz in Italien ist ein Lotteriespiel.
Dann wird man plötzlich feststellen, dass sich die meisten Italiener an dieselben Regeln wie wir halten, aber weniger rechthaberisch fahren, auf den Autobahnen nicht so rasen.
Kurz: Sie haben Spaß an dem, was sie treiben. Und wenn sie ihr Auto, wie in Neapel üblich, in Ermangelung von Parkplätzen auf dem Mittelstreifen abstellen – man kann ja drumherum fahren.
Mehr: sueddeutsche.de |
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