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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 6451
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Verfasst am: 8.Aug 2007 7:14 Titel: Ein Plädoyer für das perfekte Chaos |
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Schon im Kinderzimmer lernen wir: Ordnung ist das halbe Leben. Aber das ist nur die halbe Wahrheit: Unordentliche Schreibtische haben einen Sinn. Ein Schreibtisch funktioniert wie ein Komposthaufen, der Speisereste verdaut, wenn man ihm nur genug Zeit gibt.
Erstaunlich, dass die polierte Tischplatte überhaupt noch durchblitzt. Auf dem antiken Schreibtisch im 15. Stock von New Yorks Park Avenue türmen sich Stapel mit Zeitschriften, Briefen und Unternehmensanalysen. Darunter begraben: vergilbte Kinderfotos, Schreibgerät, Notizzettel. An dem Platz, wo der gefürchtete Finanzinvestor Guy Wyser-Pratte über millionenschwere Geschäfte entscheidet, herrscht Chaos. Aufräumen? Wyser-Pratte räumt nie auf.
Und das ist vermutlich gut so. Nach Erkenntnissen von Psychologen arbeitet jeder Mensch auf seinem eigenen Chaos-Level am effektivsten. Zu Unrecht werden Chaoten als Hallodris verspottet, die ihren Arbeitsalltag nicht unter Kontrolle hätten. Unordentliche Menschen sind oft kreativer, meist spontan und sparen Zeit. Deswegen warnen Experten vor einer übertriebenen Ordnung, die nichts anderes sei als eine "Reduktion von Freiheit", sagt Jürgen Kriz, Psychologe an der Universität Osnabrück.
(...) Ein unaufgeräumter Schreibtisch kann ein höchst funktionales Arbeitsumfeld sein: Er organisiert sich von selbst. Wichtige Dokumente thronen auf Stapeln in greifbarer Nähe, in der "heißen Zone". Unwichtiges wandert, wie von unsichtbarer Hand geführt, von der "warmen" in die "kalte" Zone, gen Schreibtischrand und erledigt sich dort von selbst.
(...) Jeder hat seine eigene Ordnung. In Büros tummeln sich deswegen Dutzende Chaos-Typen. Stapel-Chaoten etwa züchten permanent Zetteltürme, sind ansonsten aber ordentlich. Quartals-Chaoten über- lassen ihren Schreibtisch dem Durcheinander, solange sie an einem Projekt arbeiten. Muldenbauer dagegen räumen nie auf. Sie sind keine Messies, sitzen aber dennoch vor einem beeindruckenden Haufen Papier. Anders die Archivare. Sie haben neben dem Tisch, hinten an der Wand, eigentlich überall im Raum, sauber geschichtete, bedrohlich hohe Stapel. Fragt man sie nach einem jahrealten Dokument, finden sie es intuitiv in Minuten.
Menschen bauen um sich herum eine natürliche Ordnung auf. Die kann auf andere durchaus chaotisch wirken. Für den Schöpfer selbst ist es ein ausgeklügeltes System: Er weiß, welcher Stapel wichtig ist. Wer dieser persönlichen natürlichen Ordnung ein fremdes Ordnungssystem überstülpt, "macht die Menschen ineffizient", sagt Stephan Grünewald, Psychologe und Unternehmensberater.
(...) Wer Chaos zulässt, bleibt flexibel. Der ehemalige Schauspieler und heutige Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, treibt das Prinzip auf die Spitze: Er führt keinen Terminkalender. Wer ihn sprechen will, ruft an. Er schaut dann, ob es passt. Dies nennt er "improvisationsfreudigen Lebensstil". Man kann viel sagen über Schwarzenegger, nicht aber, dass er erfolglos wäre.......
Quelle: kompletten Beitrag lesen HB
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