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Nachhilfe in ... richtig bewerben Teil I+II

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Moderator GM&P
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 7216

BeitragVerfasst am: 12.Jul 2006 14:26    Titel: Nachhilfe in ... richtig bewerben Teil I+II Antworten mit Zitat

Bekenntnisse eines Personalberaters

Worauf es im Vorstellungsgespräch ankommt. Und was die größte Falle ist.

Von Oluf F. Konstroffer

Seien Sie unbedingt pünktlich, kommen Sie nicht abgehetzt an und zählen Sie keinesfalls die Probleme auf, mit denen Sie während der Anreise fertig werden mussten. Treten Sie in der Kleidung auf, die dem Anlass angemessen erscheint. Was heißt das? Es gibt Unternehmen, besonders internationale, die haben einen geschriebenen oder auch ungeschriebenen Dress Code.

Für die Damen bedeutet dies, dass Sie den Typ der selbstbewussten Business-Person verkörpern sollten. Also eher ein Kostüm, natürlich auch Hosenanzug, nicht so viel Schmuck, nicht zu viel Make-up und Parfum. Auf jeden Fall sollten Sie eine gepflegte Erscheinung mit sympathischer Ausstrahlung sein.

Vermeiden Sie Aussagen, die Ihnen eine feministische Grundhaltung unterstellen könnten, sagen Sie deshalb nicht: "Wir Frauen haben es schwerer im Beruf als Männer." Sie sind eingeladen worden, weil Ihr Werdegang für Sie spricht und weil Ihre Zeugnisse überzeugt haben.

Für die Herren gilt Ähnliches. Ein blauer oder grauer Anzug, keine weißen Socken oder braune Schuhe, der Hemdkragen ist geschlossen, die Krawatte sollte auch nicht ablenken und Schmuck – außer Ehe- oder Verlobungsring oder dem Ring, der Sie als Absolventen einer Elite-Universität (USA) ausweist – sollten Sie nicht tragen. Ihr Deo sorgt dafür, dass man Sie riechen kann, Ihr Rasierwasser sollte an diesem Tag dezent aufgetragen sein.


Wie wird das Gespräch laufen? Soziale Kompetenz äußert sich im Wesentlichen in der Fähigkeit, sich in die Vorstellungen und Wünsche beteiligter Mitmenschen einzufinden und Konzepte oder Problemlösungsansätze zu entwickeln. Sie werden sich also fragen müssen: Welches Ziel wird meine Gesprächspartnerin verfolgen, welche Vorstellungen könnte der Fachvorgesetzte haben? Die Psychologin will herausfinden, ob Sie als Mensch o.k. sind, der Fachmann will herausfinden, wie es um Ihre theoretischen Kenntnisse bestellt ist, die Sie als Aspirant für das Trainee-Programm mitbringen, wobei beide Interviewpartner Sie nach dem Aktenstudium schon einem bestimmten Karrierepfad zugeordnet haben.

Das ist Ihre Ausgangslage und darauf sollten Sie sich einstellen. Nach den ersten Begrüßungsfloskeln wird die Personalreferentin Ihnen kurz das Unternehmen vorstellen, sie wird einige Details vertiefen, sie wird davon ausgehen, dass Sie sich vorab informiert haben. Stellen Sie also keine Zwischenfragen, die diese Annahme zunichte machen könnten. Diese erste Information kann auch durch Charts, einen Dia-Vortrag oder durch ein Video begleitet werden.

Danach werden Sie an der Reihe sein. Jetzt präsentieren Sie sich. Sie schildern Ihren Lebenslauf kurz und präzise, beleuchten Ihre Studienzeit, verweisen auf besondere Leistungen und können hoffentlich durch Ihre Studiendauer deutlich machen, dass Sie der Typ sind, der konsequent und mit großem Einsatz auf ein klar gestecktes Ziel hinarbeitet. Wenn Ihre Studienzeit länger als üblich war, müssen Sie dafür verständliche Gründe liefern können. Leistungs- und Ergebnisorientierung können sich auch darin äußern, dass Sie Ihren Lebensunterhalt mit Taxifahren oder anderen Beschäftigungen verdienen mussten. Es wird auch für Sie sprechen, wenn Sie Auslandssemester eingeschoben haben, um Ihre englischen Sprachkenntnisse zu verbessern oder um eine Basis für ein späteres Auslandsengagement
zu legen.

Tipp:
Bieten Sie bei Ihrer Selbstdarstellung nur die wichtigsten Fakten an und vermeiden Sie Hinweise auf große Probleme, die Sie bewältigen mussten. Wenn es tatsächlich solche gegeben hat und Sie darauf angesprochen werden sollten, dann stellen Sie die Vorgänge kurz und präzise als Herausforderung dar, denen Sie mit sportlichem Ehrgeiz begegnet sind.


Nehmen Sie auch den Dauerbrenner unter den Fragen von Interviewern ernst: "Welches sind Ihre Stärken, welches sind Ihre Schwächen?" Niemand wird ernsthaft erwarten, dass Sie ohne Umschweife Ihre persönlichen Schwächen offen auf den Tisch legen. Man wird vielmehr beobachten, ob Sie zu Übertreibungen neigen und ob Sie zu selbstkritischen Äußerungen in der
Lage sind.

Bevor wir die am häufigsten gestellten Fragen vorstellen, wollen wir einige grundsätzliche Gedanken entwickeln: Ihre positive Selbsteinschätzung sollten Sie an den Anforderungen des Unternehmens orientieren. Und die sollten Sie wirklich kennen und richtig interpretieren. Sie lesen zum Beispiel, dass Sie flexibel, mobil, einsatzfreudig und belastbar sein müssen.

Bevor Sie dem zustimmen, sollten Sie sich klar machen, was man von Ihnen fordert: Flexibilität bedeutet auch Anpassung an sich ständig verändernde Gegebenheiten; Mobilität ist zum Beispiel gefordert bei kurzfristig notwendigen Reisen ins In- und Ausland und könnte auch Umzug bedeuten; Einsatzfreude deutet nicht auf eine 40-Stunden-Woche hin.


Zuletzt bearbeitet von Moderator GM&P am 12.Jul 2006 14:30, insgesamt 1-mal bearbeitet
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Moderator GM&P
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 7216

BeitragVerfasst am: 12.Jul 2006 14:30    Titel: Nachhilfe in ... richtig bewerben Teil II Antworten mit Zitat

Versprechen Sie nur das, was Sie wirklich halten wollen und können, sonst kann das böse Erwachen schneller kommen, als Sie denken. Wenn Sie nach Ihren Zielen gefragt werden, dann bleiben Sie bitte auf dem Teppich. Es spricht eher für die Realitätsnähe eines Kandidaten, wenn er zugibt, dass er erst einmal die Einstiegschance in ein Unternehmen finden will, um zu zeigen, was in ihm steckt. Die Perspektiven eröffnen sich dann von ganz alleine. Es wirkt schon sehr befremdlich, wenn ein Mensch von 28 Jahren die Aussage macht: "Ich will Geschäftsführer werden, schließlich habe ich doch studiert!" Forderungen oder Ansprüche zu formulieren mit Hinweis auf ein abgeschlossenes Studium, das geht an der Realität vorbei.

Die größte Falle im Interview

Sie kann darin bestehen, dass Sie nach etwa 45 angenehmen Minuten gefragt werden: "Was wollen Sie denn wissen?" Im Gefühl der Sicherheit, denn bis jetzt lief doch alles prima, packen dann einige Hochschulabsolventen einen Fragenkatalog aus, den sie von oben nach unten durchgehen. Dabei haken sie, vor sich hin murmelnd, das ab, was schon besprochen wurde, und stoßen dann auf noch offene Fragen, sehr oft solche, die man besser in der ersten Gesprächsrunde nicht stellt, zum Beispiel:

Wie viel Urlaub gibt es denn?
- Haben Sie die Gleitzeit?
- Wie sieht die Altersversorgung aus?
- Was bieten Sie auf dem Gebiet der Personalentwicklung?
- Wie sind meine Perspektiven?
- Und weitere Fragen, die eine Anspruchshaltung deutlich machen.


Stellen Sie Fragen, mit denen Sie Ihr großes Interesse, Ihre Befähigung und Ihr Potenzial deutlich machen, zum Beispiel:

- Wo sehen Sie Defizite, an denen ich arbeiten kann, um möglichst schnell auch im Trainee-Programm die einzelnen Leistungsschritte machen zu können?
- Halten Sie es für sinnvoll, wenn ich meine französischen Grundkenntnisse auffrische?
- Soll ich meine PC-Kenntnisse um XY erweitern?
- Sollte ich als Ingenieur meine PROEngineer CAD-Kenntnisse vertiefen, damit ich schneller dort einsteigen und etwas Produktives leisten kann?

Sie sehen also, fragen Sie sich und Ihre Interviewpartner, was Sie für das Unternehmen tun können – und nicht, was das Unternehmen für Sie tun kann.

Das Ende eines Gesprächs müssen Sie vorhersehen, zumindest, wenn es signalisiert wird. Die Psychologin hat die Akte zugeklappt und will Ihnen noch ein paar Freundlichkeiten mit auf den Weg geben. In Gedanken ist sie vielleicht schon beim nächsten Kandidaten, der in fünf Minuten auf dem Zeitplan steht. Zu diesem Zeitpunkt werden einige Kandidaten wach und erinnern sich an Fragen, die sie noch unbedingt loswerden wollen. Sie bemerken nicht, dass das Interview beendet ist. Und meist schießen sich diese Bewerber ganz am Schluss treffsicher ins Knie.

Und jetzt kommt Ihre Chance!

Nach spätestens drei Tagen schreiben Sie einen freundlichen, präzise formulierten Brief an Ihre Gesprächspartner, in dem Sie sich für das Gespräch, die Informationen bedanken und nochmals kurz und dezent beleuchten, warum Sie der Kandidat sind, der aufgrund des eigenen Potenzials die Investition eines Trainee-Programms wert ist. Und Sie versprechen, sich voll einzusetzen, damit Sie zur Verwirklichung der ehrgeizigen Unternehmensziele Ihren Beitrag leisten.

Mit einem solchen Brief zeigen Sie, dass Sie am Ball bleiben und dass Sie sich für die Zeit bedanken, die man Ihnen gewidmet hat. Im Zweifelsfall kann eine solche Aktion dazu beitragen, dass ein vielleicht etwas "wackliges" Urteil über Sie revidiert wird.


Leseprobe aus dem aktuellen Bewerbungsratgeber der Süddeutschen Zeitung:
Oluf F. Konstroffer, Professionelle Bewerbungen und Interviews, Redline Wirtschaft, 2006, 15,90 Euro
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