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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 6457
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Verfasst am: 18.Nov 2007 22:04 Titel: Neuer Job, fremde Stadt, einsame Abende |
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Angenommen, Sie nehmen einen Job in Düsseldorf an und müssen schon nächste Woche anfangen. Dann sollten Sie sofort mit der Wohnungssuche aufhören.
Gehen Sie stattdessen in die Augustastraße 30. Sie werden sehen: Ein großzügiges Wohnzimmer, große Glasfenster, und am Tisch ein Haufen junger Leute. Manche von ihnen in Strickjacke, andere im Anzug, Jobnomaden genau wie Sie. Vielleicht hat jemand Spaghetti gekocht. Ein anderer klickt sich in der Couchecke durch Youtube. Und Sie gehören über kurz oder lang ganz selbstverständlich dazu.
Willkommen in Deutschlands wohl größter Wohngemeinschaft.
Hier ist alles ein bisschen gigantischer: der schwarze Esstisch, die zwei Chromkühlschränke, die Pfannen in Großküchenoptik. Auf über 1000 Quadratmetern leben hier Berufseinsteiger, die flexibel sein müssen und mobil. Die WG passt zu ihnen: Schon 14 Tage nach der Kündigung können sie wieder ausziehen.
Einige bleiben Monate, andere Jahre. Zwischen 300 und 800 Euro zahlen sie pro Monat - Internet- und Telefon-Flatrate, Nebenkosten und Wochenend-Brunch inklusive. "Dass es das noch nicht in Paris, London und Madrid gibt, wundert mich", sagt WG-Gründer Klaus Moskob. Seine Mieter - Manager, Berater, Anwälte - wollen vor allem eins: nicht allein sein. "Irgendwann wird sich diese Lebensform durchsetzen", glaubt Moskob, den in der WG alle nur Klaus nennen.
Nebenbei, erklärt er, sei die WG auch eine schlaue Geschäftsidee: "Wir kaufen eine Immobilie, die sonst niemanden interessiert und steigern ihren Wert, indem wir sie bewohnbar machen."
Die Augustastraße 30 gehörte einmal der West LB. Auch in Köln, Frankfurt und Stuttgart will Klaus gemeinsam mit einem Investor leer stehende Gebäude kaufen. In Bonn bauen sie gerade das alte Metropol-Kino zur WG um.
Irgendwann werden die Häuser dann wieder verscherbelt - mit Gewinn, versteht sich.
Dass die Augustastraße 30 einmal ein Bürohaus war, sieht man an den Neon-Lampen. Ungemütlich sind die, findet WG-Bewohner Johannes. In seinem Zimmer hat er deshalb viele kleine Lampen aufgestellt. Viel Zeit verbringt er dort nicht: "Ich arbeite mindestens zehn Stunden am Tag. Danach esse ich mit den anderen - dann bleibt noch etwa eine halbe Stunde zum E-Mailen."
Johannes ist Berater bei Ernst & Young. Dort verdient er zwar genug für eine eigene Wohnung, "aber hier habe ich eine Art Ersatzfamilie". Einziger Nachteil: "Wenn man mit Begleitung im Zimmer ist, sind die anderen immer mit dabei." In Bürogebäuden sind die Wände dünn.
Bewohnerin Lisa will trotzdem nicht in eine eigene Wohnung ziehen: "Früher hatte ich eine. Das war langweilig. Also bin ich hierher gekommen." Generalstabsmäßig macht sie Küchenpläne für die WG und schreibt Abrechnungen. Ordnung schafft eine Putzfrau. Die bügelt bei Bedarf auch mal Hemden.
Wohnheims-Atmosphäre ist zwar erwünscht - aber auch ein gewisser Standard. Deshalb stehen nicht nur ein DVD-Player samt Flachbildschirm zur Verfügung, sondern auch eine Sauna und ein Whirlpool. Vor dem Gemeinschaftsraum parken vier Roller - für den langen Flur.
"Schon nachmittags fragen die ersten per Rundmail: Was essen wir heute Abend?", sagt Lisa. Irgendwer findet sich immer zum Kochen. Übrigens sollen schon über 50 Paare in der Wohnung zusammen gefunden haben. "Und demnächst kommt dann das erste WG-Baby", sagt Klaus Moskob. Es ist sein eigenes.
Quelle: Marike Frick |
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