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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 6291
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Verfasst am: 25.Apr 2006 6:48 Titel: Schatz, wo bist du? |
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Die Erfindung der Badehose hilft dem Menschen, reich zu werden. Sommer für Sommer stecken die Deutschen Milliarden von Geldmünzen in Slip und Shorts, und Millionen davon schwupsen ins Meer, in den Sand, spurlos. Jede zweite DM-Münze liegt noch irgendwo in Deutschland; der Gutteil vermutlich dort, wo man Kohle gewöhnlich findet: im Dreck.
Für die Jagd nach diesen 24 Milliarden Münzen benötigt man eine Schatzkarte, also eine Liste der beliebtesten Urlaubsregionen Deutschlands - und einen Metalldetektor.
Ich fahre an die Ostsee. Packe eine Schaufel ein und meinen Detektor, den Tesoro Cibola: gutes Einsteigergerät, sagte mir ein erfahrener Sondengeher, 1,2 Kilogramm schwer, 550 Euro teuer, 20 Jahre Garantie. Beziehbar über das Internet, geeignet für humusreichen Wald und Acker.
Das Gerät sieht aus wie eine Krücke, die im Krankenhaus an Beinbrüchige verteilt wird. Am unteren Ende klebt ein Teller, die so genannte Spule. Es gibt Geräte, die moderner aussehen, mit Digitalanzeige und zuschaltbarer Computerstimme, wie der Garrett GTI 2500 für etwa 1300 Euro. Ich glaube, gute Schatzsucher pfeifen auf Anzeigen, weil sie letztendlich nur Strom verbrauchen. Die Neun-Volt-Blockbatterie des Cibola hält mehr als sieben Stunden.
Mobiltelefone, Zäune und Hochspannungsleitungen stören den Betrieb des Geräts, steht in der Anleitung. Ich schließe den Kopfhörer an und drehe am wichtigsten Knopf: dem Diskriminator, vulgo Schrottfilter. Damit sage ich dem Gerät, dass es Nägel und Kronkorken ausblenden soll. Deshalb wird es bei Kronkorken krächzen und bei Gold, Silber, Messing und Kupfer wie ein Baby schreien. Schatzsuchen ist ein ständiges Diskriminieren.
Metallsonden wurden nach dem Zweiten Weltkrieg erfunden, zum Aufspüren von Minen. Der Cibola fahndet in einer Tiefe von bis zu 30 Zentimetern nach Metallischem. Ich finde in wenigen Minuten Kronkorken, Spielzeugautos, Zeltheringe, Schrauben, Hundehalsbänder, Zeltösen, aber keine Münzen. Ich finde mehr Glasbruch als Coladosen und frage mich, ob das Dosenpfand die deutschen Strände sauberer gemacht hat. Münzen soll es wie Sand am Meer geben. Den Sand habe ich, das Meer auch.
Schlechtes Geld
Ein guter Schatzsucher findet an einem beliebigen Badestrand 15 Euro pro Stunde und aufs Jahr verteilt ohne große Mühe 1000 Euro, plus 1000 alte D-Mark. Ich habe zwei Euro-Münzen gefunden, die eine ist rot berostet, die andere ist schwarz und sieht aus, als wäre eine Batterie ausgelaufen. Euros sind das qualitativ schlechteste Geld, das es je gab, billige Legierungen, kaum Edelmetalle. Nach einem Jahr ist von einem Centstück kaum noch was übrig. Früher war einfach alles besser, vor allem das Geld. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man in 500 Jahren noch Münzen von uns finden wird.
Wer mit einem Detektor sucht, muss sich an eines gewöhnen: die Blicke der Spaziergänger und diese Fragen. Da wir in Deutschland sind, lautet die erste Frage nicht: "Was machen Sie da?", sondern: "Lohnt sich das?" Gerne gefragt auch: "Schon was gefunden?" Manchmal: "Suchen Sie hier Tiere?" Selten: "Gibt's auch Bernstein am Strand?" Am Ende meist: "Ist das überhaupt erlaubt?"
In Niedersachsen jedenfalls nicht im Wald, in Brandenburg nicht auf Schlachtfeldern, in Rheinland-Pfalz nicht im Moseltal. Denn ob ich suchen darf, regeln die Denkmalschutzgesetze der Bundesländer. Es ist eine Grauzone: Kinder dürfen ganz legal im Sand buddeln. Ich darf nach meinem verlorenen Schlüssel suchen, nach historischen Schätzen nicht.
Angebot und Nachfrage
Trotzdem soll es bundesweit mehr als 100.000 Sondengeher geben, 10.000 in Bayern, 500 in Schleswig-Holstein. Angebot schafft sich seine Nachfrage selbst: viel historisches Zeug im Boden produziert viele Metallsondengeher. Und das Glück liegt nun mal im Boden.
In den Goldgräberzeiten, vor etwa 30 Jahren, war Deutschland ein Selbstbedienungsladen. Als in Bayern damals Autobahnen gebaut wurden, hechelten die Sondengeher den Baggern regelrecht hinterher, fast unbehelligt. Manche fanden Spangen aus Gold, Münzen, so wertvoll, dass sie sich ein Haus in Spanien kaufen konnten, erzählen sich Schatzsucher.
Das Gerät piepst ständig, doch Münzen - Fehlanzeige. Vielleicht ist hier an diesem Ostseestrand einfach niemand baden gegangen und hat deshalb kein Geld verloren. Kohle müssen die Badeurlauber jedenfalls richtig viel liegen lassen. In Timmendorf soll es Strandkorbvermieter geben, die abends mit dem Detektor den Sand absuchen. Vielleicht ist dieses Baderevier schon abgegrast, und ich finde deshalb nur Schrott.
Goldfunde noch möglich
Schatz, wo bist du? Experten gehen ja davon aus, dass in Deutschland noch 1600 Tonnen Gold und Silber verbuddelt sind. Am bayerischen Ammersee, vor 16 Jahren, fand ein Mann keltische Goldmünzen. Er verkaufte sie illegal für 50.000 Euro und setzte sich in die Karibik ab.
Ich fühle mich gut als kultureller Erbschleicher. Nach zwei Stunden finde ich im Sand einen Silberring. Profis finden 30 Ringe pro Tag. Der Fund sieht wertvoll aus, obwohl Silber nichts wert sein soll. Als gesetzestreuer Bürger bringe ich ihn zum Fundamt.
Funde, die einen Wert über 10 Euro haben, müssen nämlich gemeldet werden. Nach einem halben Jahr gehört er mir, die Hälfte muss ich an den Eigentümer des Drecks abgeben, in dem ich das Ding gefunden habe, so die Regel in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hessen.
Andernorts gilt das so genannte Schatzregal: Alles, was so lange im Boden war, dass der Eigentümer nicht mehr ermittelt werden kann, gehört dem Bundesland, in dem es gefunden wurde.
Nach vier Stunden Suche gebe ich auf. Die Deutschen müssen mehr Urlaub machen und noch mehr Geld dabei verlieren. Vielleicht bieten die neuen Badehosen zu wenig Stauraum, oder ich bin an einem FKK-Strand gelandet. Meine Bilanz: 5 Euro, 3 DM und 17 Fragen. Als ich am Ende eine Dosenlasche aufpicke und in meinen Drei-Liter-Müllbeutel gebe, fragt mich ein Spaziergänger: "Machen Sie das im Auftrag der Kurverwaltung? Den Müll suchen und einsammeln, ja? Finde ich toll."
von Gerald Drissner / Financial Times Deutschland |
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Galerie Fliesentraum Newbie
Anmeldungsdatum: 05.04.2006 Beiträge: 3 Wohnort: Coesfeld
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Verfasst am: 12.Mai 2006 11:30 Titel: Re: Schatz, wo bist du? |
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Einfach KÖSTLICH dieser Beitrag!!
Danke für mehr als nur ein Schmunzeln!! ) |
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