Verfasst am: 13.Aug 2007 23:03 Titel: HILFE! Aus dem Urlaub zurück, Firma leer, Geld+Partner weg!
Gleich vorneweg: Das ist ein knackiger Fall mit vielen verschiedenen Problemstellungen. Viele Fragen sind sicher ein Fall für den Anwalt. Doch um eine wirkungsvolle Strategie zu entwickeln, will ich möglichst viele Meinungen einholen, um schließlich die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Bitte beteiligt euch mit eurem Wissen, Ideen und Vorschlägen, auch wenn ihr nur zu einem Punkt einen Hinweis geben können solltet! 1000 Dank!
Fakten zur Firma:
• Mein Partner und ich sind allein vertretungsberechtigte Geschäftsführer einer UK-Limited. Alle GoLimited-Unterlagen wurden im Originaltext belassen. Es wurden auch nachträglich keine Änderungen/Ergänzungen gemacht.
• Wir sind beide Shareholder zu je 47,5% und es gibt noch einen dritten Partner, der 5% hält
• Die Firma ist noch nicht ins dt. Handelregister eingetragen, doch die Unterlagen sind unterschrieben, vom Notar beglaubigt und könnten sofort abgegeben werden. Gewerbeanmeldung ist aufgrund der vorbereiteten Unterlagen schon lange erfolgt. USt-Voranmeldungen wurden ans dt. Finanzamt abgegeben.
• Die Limited wurde vor einem Jahr als Navigationsfirma gegründet, wir wollen ein Produkt speziell für einen ausländischen Markt entwickeln und vertreiben. Die Vorbereitungsphase, vor Gründung der Ltd. betrug bereits zweieinhalb Jahre.
• Bislang hat unsere Firma ausschließlich mit einem Nebengeschäft Geld verdient: Es wurden bis Ende Juli Mobilfunk-Restposten in einem Sonderposten-Geschäft verkauft, dies stand im Zusammenhang mit einer größeren Insolvenz. Es wurde ein erheblicher Umsatz erzielt. Es war geplant, das Geschäft solange fortzusetzen, wie es etwas bringt. Nach vernünftiger Einschätzung wäre das bis Ende 2007 der Fall.
Die Probleme beginnen:
• Die Handlungsweise meines Mit-Geschäftsführers erweist sich seit einigen Wochen als sehr problematisch: Nachdem unser Handy-Handel im März und April sehr gut lief, hat er geäußert, kein wirkliches Interesse daran zu haben und schnellstmöglich das eigentliche Geschäft, die Navigation, angehen zu wollen. Hier war ich der Meinung, dass wir einen rennenden Gaul nicht aufhalten sollten, zumal unser Navi-Projekt so einige Unbekannte enthielt. Eine Einigung kam nicht zustande und in den folgenden Wochen sank das Engagement meines Partners rapide.
• Weiterer Anlass für großen Streit war schließlich, dass er für einen kurzfristigen Kapitaleinsatz an unsere Ltd. erhebliche Zinsen haben wollte, es ging um ca. 10% pro Woche. Zunächst hatten wir dieser Regelung zugestimmt, denn durch seinen Einsatz konnte die Ltd. schließlich erheblich mehr kaufen und verkaufen. Doch über die Beendigung der Regelung zu einer Zeit als die Umsätze stark zurückgingen, konnte wiederum keine Einigkeit erzielt werden. Er rechnete sich reich und wollte schließlich für 100K Kapitaleinsatz um die 90K Zinsen. Über die Regelung gibt es (zum Glück) keine schriftlichen Verträge. Letztlich ist die Situation so, dass vor allem wir beide Geschäftsführer uns total zerstritten haben. Die Handy-Sparte dümpelte in den letzten Wochen vor sich hin, es wurde weder in den Verkauf investiert noch sich ausreichend um die Verwaltung gekümmert. Ich habe dauernd händeringend versucht, eine vernünftige Lösung herbeizuführen (ich wäre zwischenzeitlich sogar mit der Zahlung von 45K einverstanden gewesen), doch sind wir immer weiter in die totale Blockade gerutscht, das Geschäft wurde darüber total vernachlässigt.
• Schließlich habe ich persönlich angefangen, auf eine Trennung hinzuarbeiten. Ich sah nun auch keine Grundlage mehr, um das Navigationsgeschäft mit ihm zu machen. Mein Kollege war prinzipiell bereit, meine Anteile zu übernehmen, doch 2 Wochen später (nach der aufwändigen Erfüllung buchhalterischer Anforderungen) hat er wieder davon Abstand genommen. Seine unglaubliche Sichtweise ist, dass die Firma umbenannt wird, den Namen will er schon haben, und ich den Verwaltungskram dann zu Ende machen und die Firma auflösen soll.
o Der Mit-Geschäftsführer hält sich nun mehr und mehr im Ausland auf, um das Navigationsgeschäft anzukurbeln, jedoch nicht mehr für die Rechnung der Ltd. sondern auf eigene Rechnung. Aufgrund der Blockade und der Ferienzeit lief im Geschäft nicht viel, er war sowieso ständig im Ausland, da habe ich auch mal mit der Familie zwei Wochen Urlaub gemacht. Diesen hat er dann tatsächlich genutzt, das Handygeschäft zu liquidieren, in dem er alle Restbestände mit enormem Verlust an einen ihm bekannten Großhändler verkauft hat, einschließlich Inventar. Die ganze Firma ist nun leer.
Aktuelle Situation:
• Als ich also vor ein paar Tagen aus dem Urlaub zurückkam, fand ich mich mit dieser Situation konfrontiert. Mein Kollege ist nun schon wieder in seinem Land am Bosporus, während ich das Folgende feststelle:
o Die Einnahmen für die Restbestände waren derart gering, dass die momentane Situation der Ltd. eine Unterdeckung aufweist
o Die Einnahmen von 45K sind zudem nicht vollständig auf das Firmenkonto geflossen. Nach Aussage meines Kollegen hat er davon noch zwei größere Außenstände bezahlt, letztlich wurden nur 10K auf das Firmenkonto eingezahlt, eine Abrechnung liegt nicht vor
o Die Rechnung an den Aufkäufer enthält nur die Information, dass ein Restposten inkl. EDV-System verkauft wurde, jedoch keine Angaben über den Umfang der Lieferung. Mündliche Nachfragen beim Käufer haben ergeben, dass weitaus weniger dort angekommen ist, als lt. der letzten Inventur, unmittelbar vor meinem Urlaub gemacht, noch vorhanden sein müsste. Eine Liste der gekauften Gegenstände will dieser jedoch nicht vorlegen. Diese Liste gäbe es, die liege jedoch bei Mit-Käufern. Von meinem Partner bekomme ich keine solche Liste.
• Ich halte es nun für möglich, dass hier ein Betrugsmanöver gelaufen ist: Entweder, dass mein Partner Ware abgezweigt hat, bevor der Restposten verkauft wurde oder dass er zusätzliches Geld „schwarz“ erhalten hat. Zum Vergleich: Ein Anruf bei einem unserer größten Abnehmer hat ergeben, dass dieser für 40% des Restpostens etwa das gleiche Geld bezahlt hätte.
• Nun noch etwas zum Mit-Gesellschafter, der vermeintlich ja mit seinen 5% das „Zünglein an der Waage“ sein könnte: Es war ihm diese Rolle tatsächlich zugedacht worden bei der Konstruktion der Firma. Er erweist sich nun allerdings als furchtbar entscheidungsschwach und „harmoniebedürftig“. Über unsere Streitereien ist er sogar krank geworden. Er kann sich nicht dazu durchringen, sich an vernünftigen Entscheidungen, auch gegen meinen Partner, zu beteiligen und hier entsprechende Beschlüsse herbeizuführen.
Meine Ideen um noch was zu retten und die damit verbundenen Fragen (Kursiv) sehen nun so aus:
o 5%-Gesellschafter mit ins Boot holen, geht wohl nur, in dem er durch Dritte auf etwaige Mithaftung hingewiesen wird, auch für seine beim Restverkauf durch meinen Kollegen ungeeignete Neutralität (er schrieb letztlich sogar die Rechnung): Oder andere Vorschläge, um ihn zu "überzeugen", mit mir zusammenzuarbeiten? Wie ist die Vorgehensweise beim Anteilsverkauf, wie schnell geht das?
o Gesellschafterversammlung einberufen und meinen Mit-Geschäftsführer absetzen: Wie ist hier die genaue Vorgehensweise?
o Möglichst erreichen, dass der Restposten-Kaufvertrag angefochten oder für ungültig erklärt wird, damit die Ltd. nicht ihr Vermögen verliert: Was kann man hier machen? Irrtum geht nicht, da mein Mit-GF zu diesem Vertrag steht. Welche andere Möglichkeiten gibt es?
o Alternativ schnellstmöglich den ausführenden GF zur Verantwortung ziehen: Wie kann man schnellstmöglich eine Schadensersatz-Forderung realisieren? Würde die Staatsanwaltschaft bei einer Anzeige auf Unterschlagung / Veruntreuung das Geld von seinem Privat-Konto holen, wenn welches drauf ist? Würden die Waren beim Käufer des Postens bis zur Klärung evtl. als Hehlerware oder wie auch immer sichergestellt?
o Geeignete Maßnahmen treffen, damit meine Mithaftung für die Taten meines Mit-GF reduziert wird: Geschäftsführerbeschlüsse ein brauchbares Mittel? Was kann ich sonst tun? Wir haben bislang wahnsinnig wenig schriftlich gemacht...
o Aus den Lieferungen meiner eigenen Firma, die unserer Ltd. Waren geliefert hat, sind noch ca. 20K offen. Diese sollen schnellstmöglich gezahlt werden. Problematisch ist dies deshalb, da mein Mit-GF die Barkasse hat und wir für unser Konto nur eine gemeinsame Verfügungsberechtigung haben. Geld ist noch da! Wie kann ich die Forderung vom Konto bezahlt bekommen? Gleiches gilt für mein noch ausstehendes GF-Gehalt von 2 Monaten.
o Aufgabe meines Postens als Geschäftsführer: Wäre es sinnvoll? Wann wäre der richtige Zeitpunkt? Wenn ich nicht GF bin, kann ich einige der obigen Punkte ja nicht durchsetzen.
o Namen der Ltd. festigen, um letztendlich doch noch eine Übernahme meiner Anteile durch den Kollegen zu erreichen: Der Firmenname und Logo sind das Ein und Alles meines Kollegen. Er würde alles tun, um eine Umbenennung zu erreichen, um endlich freie Bahn für seine eigene Firma zu haben. Er hat sogar Ende letzten Jahres seine damals gegründete Einzelfirma mit dem Firmennamen der Ltd. als Zusatzbezeichnung eintragen lassen und schreibt seine Rechnungen mit dem Logo der Ltd. In der Vorbereitungsphase, vor Gründung der Ltd. wurde der Firmenname als Marke auf seinen Namen eintragen, aber z.B. von mir bezahlt. Das Logo habe ich aus mehreren Entwürfen von ihm ausgewählt und das Design verfeinert. Kann er es nun nur für sich schützen? Ich halte es daher für vorstellbar, die Marke anzugreifen und ihm zu verbieten den Namen zu verwenden. Über den Fall, dass ein Geschäftsführer nun mit dem Firmennamen eigene Wege gehen will und das Logo verwenden will, dass auf ihn als Marke eingetragen ist, finde ich allerdings keine Vergleichsfälle. Wer weiß etwas?
Verfasst am: 15.Aug 2007 9:51 Titel: HILFE! Aus dem Urlaub zurück, Firma leer, Geld+Partner weg!
@ bioenergy,
Eine wichtige Anlaufstelle für Geschäftsangelegenheiten sind die Industrie- und Handelskammern. Diese haben gewöhnlich einen eigenen RA. U.U. gewährt dieser Ihnen eine Beratung auch kostenlos (war bei mir/uns jedenfalls so).
Aber es hilft oftmals schon, eine oder mehrere dieser Broschüren zu lesen, die die Kammern im Forum zur Auslage vorliegen haben.
Bedienen Sie sich daran!
Vergessen Sie die IHK und ihre händeringend nach Mandate suchenden Wald- und Wiesenanwälte. Was Sie brauchen:
Sie brauchen einen auf Insolvenz spezialisierten Anwalt. Einen, der nichts anderes macht. Der Sie "rausholt" aus Ihrer Situation, bevor Sie alles verlieren, sich womöglich selbst noch strafbar machen.
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Problematische Situationen erfordern Rechtsanwälte, die wissen - und nicht ertesten - was zu tun ist.
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Die Empfehlung des Strategiedoctors würde mich interessieren! _________________ Wenn der Staat pleite macht, geht natürlich
nicht der Staat pleite, sondern seine Bürger. (Carl Fürstenberg, dt. Bankier, 1850-1933)
Anmeldungsdatum: 07.04.2004 Beiträge: 145 Wohnort: im deutschsprachigen Raum
Verfasst am: 15.Aug 2007 21:08 Titel:
@ bioenergy
Schnell und richtig handeln und nicht gutgläubig sein.
Sonst geht es dir wie mir.
Das letzte Abenteuer hat mir 70T € gekostet.
Die GmbH Anfang Jänner gegründet---im Juni war ich wieder draußen
Geld futsch halbe Stammeinlage futsch
Mit einem absoluten Versager als Anwalt, leider kenne ich schon viele dieser Typen.
Noch eines zum Thema Anwalt.
Du musst dich selber klug machen, denn die meisten Anwälte können nur die Zeit für sinnlose Gespräche und Mails zusammenzählen und dann verrechnen, sonst nichts.
Sogar der Notar war eine Niete.
Was mir trotzdem noch geholfen hat, war die Information von einem TOP Einzelsteuerberater, der war tatsächlich fit.
Danke für das Angebot, ich würde mich über eine Anwaltsempfehlung freuen. Kannst du mir die Daten per Mail zukommen lassen oder wie geht das hier? Habe keine Funktion gefunden, um dir eine Mail zu schicken
Verfasst am: 15.Aug 2007 22:11 Titel: Schnell und richtig handeln!
@beih14
Danke für's Mut machen. Kann ich auf jeden Fall auch gebrauchen.
Was ich aber noch viel mehr brauche sind Tipps fürs schnelle und richtige Handeln.
Am besten schnell...
Wo ich dir auf jeden Fall Recht gebe: Das große und ganze Vorgehen muss man sich selbst aus Einzelmeinungen zusammenbasteln. Alles in Fremde Hände zu geben und sich auf einen Anwalt, Stb. oder ähnliches zu verlassen ist wohl kaum der richtige Weg...
@Alle: Also schreibt mal was aus eurem Erfahrungsschatz...
Meine Steuerberater und Anwälte sind immer so gut, wie die Klienten. Doch hat der Moderator ja schon darauf hingewiesen, wie gehlfen werden kann, denn hier auf dem Forum, und im Hintergrund tummeln sich schon einige sehr gute Spezialisten.
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