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Abschluss Klimakonferenz in Montreal mit alter Messlatte

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daianafilm
Specialist


Anmeldungsdatum: 21.09.2005
Beiträge: 66
Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 9.Dez 2005 21:21    Titel: Abschluss Klimakonferenz in Montreal mit alter Messlatte Antworten mit Zitat

Das "Nichtverlassen der Klimakonferenz v. den USA" wird uns von europaeischen Politikern u. Medien bereits als Erfolg serviert.

Wie tief unter null wurde die Messlatte angelegt,dass dies bereits ein Erfolg sein soll?
Es spottet jeder Bewertung.

Wo bleiben die grossen Aufmaersche.Fortschritte u.Realisation der Visionen der Gruenen, mit denen sie sich vor ueber 10 Jahren mit den Stimmen von wohlmeinendem politischem Stimmvieh die Macht erschlichen?
Sieht so aus,als diente alles nur dazu, sich ein finanzielles Polster zu verschaffen

Sie waren sieben Jahre an der europ.Schaltstelle,haben sich situiert.Wo bleiben jetzt die damaligen Schreihaelse.
.
Ihr Wendehals zu Kriegseinsaetzen,ihr verlangsamen der Schaltgaenge im Klimaschutz u.ihre Bilanz verdiente es,dass sie spaetestens heute politisch wegradiert wuerden.

Gruss daianafilm
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hdschulz
Insider


Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 993

BeitragVerfasst am: 10.Dez 2005 12:43    Titel: Re: Abschluss Klimakonferenz in Montreal mit alter Messlatt Antworten mit Zitat

daianafilm hat folgendes geschrieben::
.....ihr verlangsamen der Schaltgaenge im Klimaschutz u.ihre Bilanz verdiente es,dass sie spaetestens heute politisch wegradiert wuerden.


Aber nicht doch - nicht so rabiat. Vielleicht haben die Schreihälse von damals ja inzwischen gemerkt, daß sie viel Unsinn geschrien haben?

Ein bißchen mehr Nachdenklichkeit und weniger reflexartige Reaktionen beim Thema Klimawandel ist wohltuend, z.B. so:

Hier ein aktueller Bericht von der UN-Klimaschutzkonferenz in Montreal. Korrespondent Oliver Marc Hartwich, International Policy Network:

“Nun geht diese Konferenz doch zu Ende, und zum Abschied hat sich die Natur noch einmal etwas Feines einfallen lassen, denn über Nacht hat sie Montreal hübsch eingeschneit. Aber ist das hier eigentlich Montreal, oder habe ich mich in der Stadt geirrt? SPIEGEL online berichtete gestern nämlich über neue Kohlenstoff-Funde in der Arktis („Gefährliche Kohlenstoffe: Turbo fürs Treibhaus“). Der Artikel begann wie folgt:

„In den Böden der Arktis ist einer neuen Studie zufolge viel mehr Kohlenstoff gespeichert als vermutet. Durch die globale Erwärmung könnte daraus schnell weiteres Treibhausgas werden. Beim Klimagipfel in Toronto gab es massive Kritik an der Verweigerungshaltung der USA.“

Sollte es noch eine Parallelveranstaltung zur UN-Klimakonferenz geben? Aber warum findet sie dann auch noch in Kanada statt? Und warum habe ich bislang nichts davon mitbekommen? Nach einer entsprechenden Anfrage beim SPIEGEL meinerseits hat man aber inzwischen den Text korrigiert. Ich bin also beruhigt: Es gibt nur eine Klimakonferenz und – ganz ehrlich – eine reicht auch.

Was einen aber doch ein bisschen wundert, ist die Tatsache, dass neue Kohlenstoffreservoirs, neue Wetterextreme und abdrehende Meeresströmungen immer genau kurz vor oder während UN-Klimakonferenzen auftauchen. Da schlummern die Kohlenstoffe Millionen von Jahren unter dicken Eispanzern in der Arktis, und kaum ist es Dezember und die UN-Klimakarawane setzt sich in Bewegung, da tauchen sie auf wie das Monster von Loch Ness. Das ist schon ziemlich gutes Timing, bloß wie macht die Natur das eigentlich?

An der Einleitung des SPIEGEL online-Artikels können wir ansonsten den neuen journalistischen Dreisatz ablesen. Erstens: Es ist etwas Neues entdeckt worden, was mit dem Klima zu tun hat, wenn auch nur über drei Ecken. Zweitens: Wissenschaftler können nicht ausschließen, dass daraus irgendwann einmal ein großes Klimaproblem wird. Drittens: Schuld sind, wenn sich sonst kein Sündenbock findet, im Zweifelsfall die Amerikaner.

Alle können mit dieser Vorgehensweise leben: Wenn man etwas nicht ausschließen kann, dann hat man sich auch dann nicht geirrt, wenn es am Ende doch nicht eintritt. Solange es aber wie ein Damoklesschwert über einem hängt, ist es gut für die Begründung von Forschungsgeldern, für das Erhaschen von Aufmerksamkeit und zur Untermauerung allgemeiner politischer Statements. Wissenschaftler, Journalisten und auch Politiker, die so verfahren, riskieren damit nichts, noch nicht einmal Widerspruch. Denn wer (von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen) legt sich schon gerne freiwillig mit der überwiegenden Mehrheit der Gesellschaft an, wo es doch ‚um die gute Sache’ geht?

Wie erfrischend ist da ein Blick in „The Globe and Mail“, Kanadas führende Tageszeitung. Dort schrieb Margaret Wente gestern einen sehr lesenswerten Kommentar („Will we freeze or will we fry?“) über die Voreingenommenheit vieler Umweltjournalisten (leider steht der Artikel nur im kostenpflichtigen Internet-Angebot der Zeitung, daher leider kein Link). Laut Ms. Wente spielt es für viele Journalisten einfach keine Rolle mehr, ob an den neuesten Katastrophenszenarien hinsichtlich des Klimawandels etwas dran ist oder nicht. Als Beispiel führt sie die jüngsten Berichte über das Versiegen des Golfstroms an. Obwohl anerkannte Forscher wie der Ozeanograph am Massachusetts Institute of Technology, Professor Carl Wunsch, immer wieder betonen, dass „ein Klima ohne Golfstrom in den nächsten dutzenden Millionen Jahren eine Wahrscheinlichkeit von etwas über null hat“, wird in den Medien nur über eine einzige (!) Studie berichtet, die von einer Abnahme der Golfstromintensität in den letzten zwei Jahren berichtet. Und natürlich, wie könnte es auch anders sein, wurde diese Studie kurz vor der Klimakonferenz in der Wissenschaftszeitschrift ‚Nature’ veröffentlicht.

Für die Kommentatorin der „Globe and Mail“ ist diese selektive Wahrnehmung symptomatisch dafür, wie viele ihrer Kollegen mit Umweltnachrichten umgehen. Zitat:

„We in newsland regard ourselves as hard-headed, skeptical objective folks. But show us a forlorn polar bear on a melting ice floe, and we check our brains at the door. Our environmental coverage regularly serves up the most hysterical, most credulous and most selective stories in all the news. The truth is, most of what passes as environmental reporting is little more than cheerleading for the Sierra Club and the World Wildlife Fund. It’s about as objective as the news reports you used to read in Pravda quoting party leaders on the glorious 14th party congress. The difference is, in Pravda, all the news was always good; on the environmental beat, all the news is always bad.”

So etwas kann man also in einer führenden kanadischen Tageszeitung lesen. In Deutschland müsste sich der Verfasser wahrscheinlich nun auf empörte Leserbriefe einrichten, aber bislang gab es noch keine Reaktion darauf. Dafür finden wir in der heutigen Ausgabe der „Globe and Mail“ einen Kommentar, in dem der kanadische Premierminister für seine Kritik an der US-Klimapolitik kritisiert wird, und zwar aus ganz ähnlichen Gründen, wie in meinem gestrigen Artikel an dieser Stelle. Ich kann das hier nur noch einmal unterstreichen: Wer im Treibhaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen

Dem geneigten Leser wird nicht entgangen sein, dass ich noch gar nichts zum Fortgang der Klimakonferenz geschrieben habe. Der Grund dafür ist einfach: Es gibt auch eigentlich nichts mehr zu berichten. Nach zwei Wochen Diskussionen im Palais des Congrès ist inzwischen alles schon gesagt, wenn auch vielleicht noch nicht von jedem. Und wenn auch am Ende nicht alle einer Meinung waren, so sind doch viele Fragen offen geblieben.

Im Ernst: Langeweile macht sich unter den Tagungsteilnehmern breit. Auf den überall im Kongresszentrum aufgestellten Fernsehern werden Statements von Delegationsmitgliedern aller Herren Länder übersetzungs- und untertitellos übertragen, und da meine eigenen Sprachkenntnisse nur unwesentlich besser entwickelt sind als jene unseres geschätzten Bundesumweltministers (der sein Statement im Plenum aber zu meiner großen Verwunderung wenn auch abgelesen, so doch auf Englisch vorgetragen hat – Respekt!), kann ich nicht wirklich verstehen, was der asiatische Sprecher dort gerade vorträgt. Aber er sieht sehr besorgt aus. Reicht das schon für eine Schlagzeile?

Die Langeweile setzt sich fort bis in die Side Events. Da die Auswahl zur Mittagszeit nicht besonders groß war, habe ich ein Mittagessen bei der japanischen Delegation geschnorrt (Thunfisch, Reis und aus einem kleinen Holzfässchen eingeschenkter Sake-Wein), dann aber doch eine Veranstaltung der Delegation von Belize besucht. Belize, zur geographischen Information, ist ein an Mexiko und Guatemala grenzender Staat mit einer Einwohnerzahl, die ziemlich exakt derjenigen meines Geburtsortes Gelsenkirchen entspricht. Gelsenkirchen ist aber nicht auf der Klimakonferenz vertreten, Belize hingegen hat dafür seinen Chefmeteorologen, dessen Assistentin und den ‚Public Education and Outreach Specialist’ aus dem ‚Mainstreaming Adaptation to Climate Change Project’ des ‚Carribean Community Climate Change Centre’ entsandt. So etwas gibt es in Gelsenkirchen nicht; dafür haben wir einen besseren Fußballclub.

Lange Vorrede, kurzer Sinn: Auf dem Belize-Event sollte es um Anpassungsmaßnahmen für den Klimawandel gehen, aber vielleicht war das nun etwas zu verkürzt dargestellt. Im Programmheft las sich die Ankündigung zumindest so:

„Central America and the Caribbean: advances in adaptation to climate change - Joint presentation of CATALAC and CCCCC on new developments and approaches in Central America and the Caribbean.”

Und da ich das aus mir im Nachhinein unerklärlichen Gründen für spannend gehalten habe, suchte ich also den Tagungsraum auf. Die schlechte Publikumsresonanz hätte mich stutzig machen sollen. Doch dann wurde die Tür geschlossen, und die Falle schnappte zu. Für die nächsten siebzig Minuten saß ich nun in einer Veranstaltung, in der sich die Teilnehmer eine Abkürzung nach der anderen zuwarfen, meist quittiert mit verständnisvollem Kopfnicken. Es erinnerte mich an den Witz, in dem Konferenzveteranen ihre altbekannten Witze durchnumeriert haben und dann bei Ansage einer Zahl zu lachen anfangen. Nur als ein junger Kollege die ‚16’ in den Raum wirft, bleibt es still – er habe den Witz schlecht erzählt, beschweren sich die anderen.

Nach siebzig Minuten ist die Prozedur vorbei, und das ist sogar zwanzig Minuten vor der geplanten Zeit, aber nicht einmal mehr Fragen wollten die Teilnehmer stellen. Nachdem die Moderatorin um Fragen aus dem Publikum bat und sich auch nach zwei Minuten, die mir allerdings wesentlich länger vorkamen, niemand rührte, beendete sie dann die Veranstaltung – natürlich nicht ohne vorher den Referenten für ihre aufschlußreichen Vorträge gedankt zu haben. Leicht irritiert verließ ich den Raum. Selten zuvor habe ich mich so unwissend gefühlt wie gestern.

Zurück im Ausstellungsbereich kann mich nach ein paar Tagen auf der Konferenz auch nichts mehr überraschen. Vor dem ‚Kyot-o-meter’ tappt ein Umweltaktivist im Eisbärenkostüm auf und ab, die japanischen Geologen servieren nach wie vor Polareis, und bei Greenpeace geht die Welt immer noch unter. Zwischen all dem serviert man im ‚Cool Canada Cafe’ heiße Getränke. Das Ganze erinnert zuweilen mehr an eine Kirmes als an eine internationale Konferenz.

Selbst an die von den Aktivisten verteilten Broschüren gewöhnt man sich recht schnell. Anscheinend damit sie überhaupt noch Beachtung finden, werden sie immer reißerischer. Dass sie sich dabei immer weiter von jeder wissenschaftlichen Fundierung entfernen, versteht sich von selbst. Spannend wird es dann, wenn dieser Unfug auch noch von Regierungsbehörden verbreitet wird. Das ‚Asian Wetlands Symposium’, das unter anderem vom indischen Umweltministerium unterstützt wird, verbreitet zum Beispiel ein kleines Flugblatt mit dem Titel „The Tsunami and Coastal Wetlands – Recommendations for Action“. Man befürchtet Schlimmstes und wird in der Tat nicht enttäuscht. Auf der Rückseite ist nämlich zu lesen:

„Noting that the tsunami is an extreme natural event of relatively low frequency, but that as a result of climate change it is predicted that there will be an increasing frequency and intensity of storms and other extreme weather events …”

Danach folgen dann sieben konkrete Forderungen für einen verbesserten Küstenschutz, die sicherlich diskussionswürdig sind. Vollkommen indiskutabel, ja absolut abwegig, ist es hingegen, den Tsunami mit der Erderwärmung auch nur in Verbindung zu bringen. Das eine hat mit dem anderen nämlich nichts, aber auch gar nichts zu tun. Tsunamis werden durch Erbeben auf dem Meeresgrund ausgelöst, und Erdbeben wiederum entstehen durch die Plattentektonik und nicht aufgrund von Wind und Wetter. Wer nun aber so tut, als hätte das eine mit dem anderen zu tun, der führt seine Leser in die Irre, und zwar ganz bewusst.

Geradezu harmlos nimmt sich dagegen das Faltblatt der kanadischen David Suzuki-Foundation aus, die zumindest grafisch auf höchstem Niveau ist. In diesem Hochglanzdruck sind fiktive Postkarten abgebildet, welche die Gefahren des Klimawandels für Kanada visualisieren sollen. Auf der ersten sehen wir einen Eskimo auf einem Schlitten in der Wüste. Die Huskies liegen nach Wasser lechzend im Sand. Darüber die Überschrift „The Great White North“. Die nächste Postkarte zeigt einen Skifahrer, der eine grüne Wiese hinunterfährt: „The Majestic Rocky Mountains“. Dann wäre da noch das Mädchen im Schwimmreifen auf einem ausgetrockneten Flachland: „The Great Lakes“. Und schließlich hätten wir noch den Farmer mit der Mistgabel auf vertrocknetem rötlichen Boden: „The Bountiful Prairies“. Mein Costa Ricanischer Kollege Juan Carlos kam beim Anblick dieser Bilder aus dem Lachen gar nicht mehr heraus: „Warum bilden sie nicht statt dieser Horrorbilder einen schönen karibischen Strand ab? Ein wenig mehr Wärme würde Kanada bestimmt gut tun, oder nicht?“

Manchmal ist die Konferenz schwer zu ertragen, und so kam es einer Erlösung gleich, als meine Kollegin Kendra uns völlig unverhofft eine Einladung zu einer gänzlich anderen Abendveranstaltung verschaffte. Was ich ehrlich gesagt gar nicht wusste: In Montreal gibt es einen liberalen Think Tank. Und das, obwohl Québec für Kanada ist, was Schweden, Deutschland und Frankreich in der EU sind, nämlich ein Ort für Sozialstaatsromantiker. Aber dort gibt es nun seit 1999 das ‚Institut économique de Montréal - Montreal Economic Institute’ (http://www.iedm.org), und eben jenes Institut lud zu einem Dinner mit Vernon Smith ein. Für die Nicht-Ökonomen: Professor Smith war der Gewinner des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaft im Jahr 2002 und gilt als einer der Begründer der experimentellen Ökonomie. Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, einen solch bedeutenden Wissenschaftler live zu erleben? Wirklich schweren Herzens habe ich also auf die Klimakonferenz-Side Events verzichtet, auch wenn Veranstaltungstitel wie ‚Preventing and resolving disputes in flexible mechanism contracts’, ‚New issues in emission trading - the RGGI model: allocation, offsets, and linkages’ oder ‚Western U.S. power issues: balancing growth and environmental impacts description’ einen großen Erkenntnisgewinn versprachen.

Nun muß man zu Vernon Smith sagen, dass er genau so aussieht, wie man sich einen Ökonomie-Nobelpreisträger nicht vorstellt. Eine sportliche Erscheinung trotz seiner 78 Jahre, an jeder Hand drei dicke indianische Silberringe, die weißblonden Haare zu einem langen Zopf gebunden: so könnte Vernon Smith auch als Alt-Hippie durchgehen. Aber dieser ungewöhnliche Ökonom hat einiges zu sagen, was einem echten Hippie nur schwer verständlich wäre: „Globalisierung ist nur ein neues Wort für einen ganz alten Vorgang. Wir haben in der Geschichte der Menschheit immer am meisten gewonnen, wenn wir den freien Austausch von Waren und Ideen ermöglicht haben. Wir brauchen daher wirtschaftliche Freiheit. Toleranz, Frieden und Wohlstand werden folgen.“ Der kapitalistische Frieden ist für Vernon Smith das größte Ziel. Er zitiert den französischen Schriftsteller und Wirtschaftswissenschaftler Frédéric Bastiat: „Wenn Waren nicht Grenzen überqueren können, dann werden es Soldaten tun.“

In der halben Stunde des Vortrags von Professor Smith konnte man mehr lernen als in einer ganzen Woche auf der Klimakonferenz. Was kann uns aber Vernon Smith zum Klimawandel sagen, fragte ich ihn in der anschließenden Diskussion. Seine Antwort war eindeutig: „Wenn man konkret nachweisen kann, welche Umweltschäden ein Schadstoff anrichtet, dann ist ein System mit handelbaren Verschmutzungsrechten sicherlich eine gute Art und Weise, mit dem Problem umzugehen,“ sagte Professor Smith. „Aber in der jetzigen Debatte scheint es mir doch so zu sein, dass wir noch viel zu wenig darüber wissen, welche Wirkungen Kohlendioxid wirklich hat, wieviel wir an Emissionen einsparen müssten, um bestimmte Ziele zu erreichen und welche Zeitverzögerungen dabei auftreten. Ich denke daher, dass eine wesentlich bessere Strategie so aussähe, dass man sich dem wandelnden Klima einfach anpasst.“ Auch wenn es den Umweltaktivisten nicht gefällt: Ich denke, der Nobelpreisträger hat Recht. Anpassung ist zur Zeit die beste Strategie.

Es ist übrigens ein wenig ermutigend, dass man das Wort ‚Anpassung’ auf der Klimakonferenz immer häufiger hört. Allerdings werde ich das Gefühl nicht los, dass sich unter ‚Anpassung’ immer mehr Regierungen unterentwickelter Länder eine neue Form der Entwicklungshilfe vorstellen. Natürlich kann es in Einzelfällen finanzielle Unterstützung geben, etwa beim Deichbau in Bangladesch. Aber die beste Anpassungsmaßnahme ist und bleibt wirtschaftliche Entwicklung.

Und so sieht der letzte Konferenztag aus: Heute Nachmittag soll noch einmal Bill Clinton einen flammenden Appell an die Konferenz richten. Aber warum konnte er eigentlich, als er noch Präsident war, seinen eigenen Senat nicht vom Kyoto-Protokoll überzeugen (die Abstimmung verlor er damals mit 95 Stimmen zu null), frage ich mich. Und dann steht als Schlusspunkt der Konferenz noch das Side Event „Argentinische Städte singen gegen den Klimawandel“ auf dem Programm. Das ist übrigens kein Scherz: Dieses Event gibt es wirklich. Ich denke mir so etwas ja nicht aus. Damit geht für mich die Konferenz an diesem Tag zu Ende. Hätte ich mir jemals träumen lassen, mich nach dem Londoner Winter zu sehnen? Von mir aus auch nach britischer Innenpolitik zur Abwechslung. Jedenfalls fühlt man nach der Konferenz eine gewisse Erleichterung. Und so verabschiede ich mich aus Montreal und von den Lesern meiner Berichte. Aber im nächsten Jahr, bei der nächsten Klimakonferenz, bin ich dann doch wohl wieder dabei. Over and out aus Montreal. Oliver Marc Hartwich, International Policy Network.“
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