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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 5852
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Verfasst am: 24.Jul 2007 5:51 Titel: Atomkraft? Ja bitte! |
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In der Schweiz sollen zwei neue Atomkraftwerke entstehen. Widerstand der Bevölkerung ist unwahrscheinlich – nicht zuletzt, weil Stromkonzerne und Wissenschaftler unisono betonen: Kernkraft ist klimafreundlich. Bisher hat ein Ausstiegsbeschluss bei den Eidgenossen keine Chance.
Wenn er von der Anti-Atom-Bewegung spricht, gerät er ins Schwärmen: monatelange Bauplatz-Besetzungen, Widerstandscamps, Lagerfeuer, Chianti und Gitarren. So hat er sie in Erinnerung, die wilden 70er-Jahre, David Keel, Teamleiter bei Greenpeace in der Schweiz mit inzwischen mehr als 20 Jahren eigener Erfahrung in Bürgerinitiativen und in dem, was er „Campaigning“ nennt. Jetzt steht er vor einer zweiten Karriere: Er leitet den Kurs „Teilchenbeschleuniger“ und bildet dort eine neue Generation von Aktivisten aus, die mit moderneren und effizienteren Methoden gegen den Bau von Atomkraftwerken in der Schweiz vorgehen sollen.
Es wird ein harter Kampf, so viel steht jetzt schon fest. Denn bislang sind die Mehrheiten im Nachbarland anders verteilt als in Deutschland, wo der Atomausstieg als beschlossene Sache gilt. Die offizielle Linie in Sachen Energiepolitik lautet in der Alpenrepublik dagegen: „Es gibt keine Alternative zur Kernenergie.“ Das sagt der Vorsitzende der Schweizerischen Volkspartei, der stärksten Partei des Landes.
In der Schweiz produzieren fünf Atommeiler 40 Prozent des Strombedarfs. Der Rest kommt aus Wasserkraftwerken oder wird im Ausland gekauft. Zwei Kernkraftwerke, die in den 70er-Jahren entstanden, werden im Jahr 2020 ihr Leben aushauchen. Bis dahin müssen neue her.
Die Schweizer Elektrizitätskonzerne Atel und Axpo wollen deswegen im nächsten Jahr ein Bauantrag für neue Atommeiler stellen. Zusätzlich will die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle Endlagerstandorte bekannt geben. In der Schweiz müssen solche Entscheidungen, wie es heißt, „vors Volk“. Und mit Blick auf diese Volksabstimmung laufen sich Gegner und Befürworter jetzt schon warm, um den Menschen Argumente an die Hand zu geben.
Beim letzten Urnengang vor vier Jahren antworteten fast 70 Prozent auf die Frage „Soll die Schweiz aus der Atomenergie aussteigen?“ mit einem „Nein“.
Deswegen wird David Keel von Greenpeace ganze Arbeit leisten müssen, um die Mehrheiten umzukehren. Und deswegen haben sich in dem kleinen Nachbarland, dessen Atommeiler fast alle entlang der Grenzen zu Deutschland oder Frankreich stehen, jetzt auch die rund 50 zersplitterten Organisationen der Anti-Atom-Bewegung unter dem Dach von Greenpeace zu einer Allianz zusammengeschlossen. „Nach einer großen Kampagne von uns wird die Stimmung im Land anders aussehen“, prophezeit Keel selbstbewusst.
Die bisher letzten Auseinandersetzungen um den Bau eines Atommeilers hatten die Eidgenossen in den 80er-Jahren. Sie endeten damit, dass ein Werk in Kaiseraugst an der deutschen Grenze nicht gebaut wurde und die Bauherren gegen 350 Millionen Franken (umgerechnet 210 Millionen Euro) Entschädigung die Bagger in der Garage ließen.
Der Fall ist inzwischen Material für Junghistoriker wie Patrick Kupper von der Eidgenössisch-Technischen Universität Zürich. Er nennt den Kampf um Kaiseraugst eine „Projektionsfläche gesamtgesellschaftlichen Ausmaßes“, auf der sich gegensätzliche Gesellschaftsentwürfe gegenüberstanden. Die Atomkraftgegner sahen in den Befürwortern technikgläubige Kleinbürger. Wie wird der neue Kampf ausgehen? Bisher, so lässt sich die Botschaft der Eidgenossen lesen, hat ein Ausstiegsbeschluss, wie Deutschland ihn wählte, auf jeden Fall keine Chance. „Deutschland hat ein riesiges Problem. Realisiert es aber nicht“, sagt Heinz Karrer. Der hochaufgeschossene Mann ist vom Fach. Karrer ist Chef der Axpo, des mit 6,3 Milliarden Euro Umsatz größten Energieversorgers in der Schweiz, der auch über die Landesgrenzen hinweg seine Dienste als Energiehändler anbietet. „Bei den nächsten Wahlen“, so sagt Karrer voraus, „wird die Kernenergie in Deutschland ein zentrales Thema sein.“
Karrer führt eine Gruppe von Besuchern durchs Axporama, eine Dauerausstellung, in der der Energieversorger das große Einmaleins des Stroms aus seiner Sicht erklärt. Das Axporama liegt in einem Nebengebäude des idyllischen Schlosses Böttstein im unteren Aaretal zwischen Basel und Zürich – einem Ort mit Symbolkraft: Von der Schlossterrasse reicht der Blick über einen See, in dessen Mitte auf einer Insel ein Wasserkraft- und ein Kernkraftwerk friedlich nebeneinander Energie produzieren. „Wir müssen über alle Technologien verfügen“, sagt Karrer.
Für alles gilt dieses Sowohl-als-auch allerdings nicht. So hat die Axpo alle Pläne eingemottet, Gaskraftwerke in der Schweiz zu bauen. Diesen „fossilen Zwischenschritt“ wolle man sich sparen. Karrer macht zudem eine vernichtende Klimabilanz für Gaskraftwerke auf. Sie fällt nicht zuletzt deswegen so schlecht aus, weil er auch den Bau der Tausende von Kilometern langen Gasleitungen in die Bilanz einbezieht.
Unterstützung erhält Karrer vom künftigen Chef des Paul-Scherrer-Instituts, der angesehensten Schweizer Forschungseinrichtung überhaupt. Sie liegt nicht zufällig nur einen Steinwurf weit vom Axporama entfernt. Die Nachbarn kennen und mögen sich: Martin Jermann ist der künftige Direktor des Forschungsinstituts. Der bärtige Forscher in seinem zerknitterten Anzug sekundiert Karrer und versetzt Umweltschützern einen Tiefschlag, wenn er mit seinem ganzen Renommee erklärt: „Visionen sind ja schön, aber ohne Kernenergie geht es nicht.“ Nur die Kombination aller Energiequellen mache eine Kohlendioxid-Verringerung, wie sie erforderlich sei, möglich.
Kopfschüttelnd blicken der Wissenschaftler und der Energiemanager nach Deutschland, wo Umweltminister Sigmar Gabriel beim Energiegipfel in diesem Monat einen „Ausstieg vom Ausstieg“ kategorisch ablehnte. Karrer glaubt, dass Deutschland auf eine Versorgungslücke zusteuert, wenn es nicht massiv Strom importiert, der dann eben aus Atomkraftwerken jenseits der Grenze kommt. Und er hält die vereinbarte Restlaufzeit für eine „Riesendummheit“: „Welches Unternehmen“, fragt er, „investiert noch in eine Technologie ohne Zukunft? Welche kompetenten Mitarbeiter sollen bis zum Schluss bleiben?“
Quelle: HB |
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hdschulz Insider
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 951
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Verfasst am: 24.Jul 2007 9:26 Titel: |
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Der folgende Beitrag aus dem Magazin "Novo" stammt zwar aus dem Jahr 1999, hat aber nichts an Aktualität verloren.
Doch solange bei uns jeder "umgefallene Sack Reis" zu einem "Störfall" mit potentiell katastrophalen Folgen hochstilisiert wird und solange die Atomkraft in der neuen Pseudoreligion "Ökologismus" den Teufelspart zugewiesen bekommt, ist wohl kein rationeller Umgang mit dem Thema zu erwarten.
Atomkraft? Allerdings!
Thilo Spahl ist der Meinung,
daß wir unseren Kindern
gerne Windräder vorenthalten können,
aber auf keinen Fall Kernkraftwerke.
Trittin steht nicht allein. Atomkraft ist in der deutschen Bevölkerung ungefähr so beliebt wie abgestandenes Bier. Von Begeisterung für die Umwandlung von Materie in Energie fehlt jede Spur. Ein neuer Weltrekordler im Gummistiefelweitwurf fürs Guinness-Buch der Rekorde erhält in den Medien mehr anerkennende Beachtung als das niedersächsische Atomkraftwerk Grohnde, das 1998 "Weltmeister" in der Stromproduktion wurde. Es lieferte 11,76 Milliarden Kilowattstunden. Neben Grohnde finden sich unter den ersten sechs in der Welt noch drei weitere deutsche Kraftwerke. Man stelle sich vor, Deutschland wäre auf der ATP-Weltrangliste ähnlich gut vertreten. Wer würde es wagen, den Ausstieg Deutschlands aus dem Tennis zu fordern?
Natürlich sind die beiden Sachen nicht zu vergleichen; auf dem Tennisplatz sterben viel mehr Menschen als in Atomkraftwerken. Und vom Tennis verstehen die meisten Menschen viel mehr als von Atomkraft. Tennis ist einfacher.
BESCHLOSSENE SACHE
In den ersten Monaten der rot-grünen Regierung durften wir eine Ausstiegsdebatte beobachten, die manches Kopfschütteln und Augenverdrehen bewirkte, eine Inszenierung, an der drei Regisseure zur gleichen Zeit arbeiteten und die daher nicht gerade als großes Kunstwerk in die Geschichte der deutschen Politik eingehen wird. Manchem wird inmitten des Getummels entgangen sein, daß es um nichts Grundsätzliches ging. Es ging lediglich um den bescheidenen Unterschied zwischen "Jetzt aber ruck zuck!" und "Nicht jetzt gleich, sondern wirtschafts- und sozialverträglich!". Von einer Kontroverse kann man bei der ganzen Debatte nicht sprechen, der Ausstieg blieb, wie schon seit Jahren, beschlossene Sache. Die Frage scheint heute nur noch, wie man ihn am besten voranbringt. Sehr gut kommt das zum Ausdruck, wenn man liest, wie die Süddeutsche Zeitung ihre Leserumfrage zum Thema formulierte:
Läßt sich im Bestreben um einen Ausstieg aus der Atomenergie nur vehement etwas erreichen, und bringen deshalb die Äußerungen Trittins die Debatten um den Atomausstieg voran - oder schaden sie eher der Sache?
Halten Sie die Vorgehensweise des Umweltministers in der Atompolitik für richtig?
Das Vorgehen in der Atompolitik ist also dann am ehesten richtig, wenn es der guten Sache, dem Atomausstieg, am besten dient. Andere Meinungen scheinen gerade mal noch Lobbyisten der Atomindustrie, einer aussterbenden Spezies, und der CSU vorbehalten zu sein.
ENERGIE: SCHLIMM
ATOMENERGIE: NOCH SCHLIMMER
In der grünen Weltsicht (die sich heute mehr oder minder ausgeprägt in allen politischen Parteien findet) ist Energieverbrauch als solcher schon etwas Schlechtes. Da ist es nicht verwunderlich, daß die Energiequellen, die am meisten liefern, irgendwie die unsympathischsten sind. Dazu gehören neben Atomkraftwerken vor allem große Staudämme. Beliebt dagegen sind Windrädchen, Solarzellen oder vielleicht noch Blockheizkraftwerke, also alles, was sich ohne Probleme im Vorgarten unterbringen läßt. Atomkraft jedoch gehört nicht in den Vorgarten und befindet sich damit außerhalb des braven Häuslebauers Horizont. Atomkraft ist eine technisch aufwendige Form der Energiegewinnung. Das unterscheidet sie von Verbrennungsenergie oder Wasserkraft, wie wir sie schon im letzten Jahrhundert genutzt haben. Sie ist die Energie der Zukunft, sie wird nach dem Ende der Ära fossiler Energien neben der Sonnenenergie die Hauptenergiequelle für die menschliche Zivilisation sein. Während fossile Energieträger ganz deutlich endlich sind und in ein paar hundert Jahren keine große Rolle mehr spielen werden (vgl. Abb. "Consumption of Fossil Fuels"), beträgt nach heutigem Wissensstand die Reichweite von Uran bei intelligenter Nutzung mehrere tausend Jahre. Ähnliche Reichweiten sind für den anderen nuklearen Energieträger Thorium zu erwarten. Die Reichweite der Energieträger Deuterium und Lithium, die in zukünftigen Fusionsreaktoren genutzt werden, ist praktisch unendlich. Das 21. und 22. Jahrhundert werden, objektiv betrachtet, die Periode des Übergangs zum eigentlichen Atomzeitalter sein. Im Rückblick wird es recht skurril anmuten, wenn man sich die heutigen Debatten um den Ausstieg anschaut.
POSITIVE BILANZ
Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war in gewisser Hinsicht die Frühphase des Übergangs zum Atomzeitalter. Betrachtet man sie als Erprobungszeit, muß man konstatieren, daß der Einstieg erstaunlich problemlos gelaufen ist. Vergleicht man mit den Umwelt- und Gesundheitsbelastungen während der Entwicklung der technischen Nutzung fossiler Energien aus Kohle, Öl und Gas, so erweist sich die Atomenergie als um Dimensionen sauberer und sicherer. Die größten Belastungen entstanden zweifellos in den "wilden Jahren" des Uranabbaus in den späten 40er und den 50er Jahren, in denen Hunderttausende von Bergarbeitern hohen Strahlendosen ausgesetzt waren. Der GAU von Tschernobyl kostete 1986 59 Menschen das Leben und führte zu mehreren Hunderten zusätzlicher Fälle von Schilddrüsenkrebs und 17 weiteren dokumentierten Todesfällen in den folgenden zehn Jahren (s. in diesem Heft der Artikel von Patrick Körber). Vergleicht man mit anderen Unfällen in den 80er Jahren, etwa dem Grubenunglück in Mexiko 1984 mit über 500 Toten, dem Dammbruch 1985 in Italien mit 250 Toten, der Explosion auf der Ölbohrinsel Piper Alpha in der Nordsee 1988 mit 167 Toten oder dem Pipelineleck und dem Feuer in Asha-ufa (Sibirien) 1989 mit 600 Toten, so darf man 1986 nicht unbedingt zu den schwärzesten Jahren in der Geschichte der Energiegewinnung zählen. In der gesamten Zeit der friedlichen Atomenergienutzung sind durch Unfälle weltweit bislang weniger Menschen gestorben als jede Woche in Deutschland allein im Straßenverkehr.
Es dürfte schwer sein, eine komplizierte neue Technologie zu finden, die in den ersten vierzig Jahren ihrer Nutzung, eingesetzt in 32 Ländern der Erde, so wenig unerwünschte Nebenwirkungen mit sich gebracht hat wie die Kernenergie.
SCHRECKENSMELDUNGEN UND UNGLÜCKSVISIONEN
Leider interessieren sich viele Menschen nicht sonderlich für die Fakten, weil sie zu sehr von Schreckensmeldungen und Unglücksvisionen beeindruckt sind. Viele hegen Zweifel, ob man diesen entwarnenden Zahlen trauen dürfe. Wird da nicht doch einiges verheimlicht? Viele mutmaßen auch, daß das, was an Katastrophen bisher nicht eingetreten ist, ja noch kommen und dann ungeahnte Ausmaße annehmen könne. Für die weite Verbreitung beider Bedenken gibt es Gründe.
Verheimlichte "Verseuchungen" lassen sich bei der Atomkraft besonders gut vermuten, da man die Strahlung ja weder riecht noch sieht und sie gerade deshalb eine so heimtückische Gefahr darstellt. Das ist richtig. Andererseits reicht es nicht aus, um wirklich heimliche Katastrophen anzunehmen. Denn unbemerkt können sie nicht bleiben, da Strahlung ja, so unsichtbar sie auch ist, durchaus ständig gemessen und überwacht wird. Man muß also zusätzlich eine regierungsseitige Verschwörung von globalem Ausmaß annehmen, die uns solche Informationen bewußt vorenthält. Dies jedoch entbehrt jeder Plausibilität.
Die noch zu erwartenden Katastrophen ungeahnten Ausmaßes erscheinen auf den ersten Blick nicht unwahrscheinlich - schließlich hat man gesehen, was Atombomben anrichten können. Andererseits weiß man auch, daß Atombomben dafür gebaut sind, größtmögliche Zerstörungen anzurichten, während Atomkraftwerke dafür konstruiert sind, jedes mögliche Risiko zu minimieren. Da gibt es schon Unterschiede. Die begonnene Kernschmelze im Reaktor Three Mile Island bei Harrisburg hat gezeigt, daß ein sicherheitstechnisch mittelmäßiges Kraftwerk zwar bei einem Unfall komplett zerstört werden kann (womit eine Milliarde Dollar vernichtet wurden), jedoch bereits vor zwanzig Jahren einen GAU ohne Gefährdung der Bevölkerung überstehen konnte. Neue Reaktortypen sind weit sicherer und setzen zunehmend auf Mechanismen, die eine Kernschmelze naturgesetzlich unmöglich machen.
ATOMMÜLL: EINE HYPOTHEK FÜR DIE ZUKUNFT?
Bleibt die Frage der Entsorgung. Die wird gemeinhin als vielleicht das größte Problem gewertet; man trifft jedoch nur selten jemanden, der sagen kann, was daran problematisch sei. Unter Atommüll verstehen wir strahlende Materialien aus Atomkraftwerken. Der größte Teil davon ist schwach radioaktiv und wird einfach vergraben. Viele Gedanken macht man sich um die Endlagerung hochradioaktiver Stoffe, die nur in geringen Mengen anfallen, jedoch noch über Tausende von Jahren strahlen und deshalb nicht in Kontakt mit Lebewesen kommen sollten, die sie schädigen können. Das ist technisch gesehen eine durchaus zu bewältigende Aufgabe.
Stand der Überlegungen heute ist, sie zu verglasen und dann in Gesteinen oder Salzstöcken zu lagern, in denen sich schon seit mehreren Hundert Millionen Jahren nichts geregt hat. Das ist eine Methode, die weit sicherer ist, als das Gefährdungspotential es erfordern würde. Abgesehen von der Tatsache, daß man etwa Plutonium lieber weiter zur Energiegewinnung nutzen sollte, statt diese kostbare Substanz zu vergraben, spricht nichts gegen diese Form der Endlagerung.
DAS WISSEN DER ZEIT NUTZEN
Die wichtigste Ressource für die Entwicklung der Menschheit ist die menschliche Intelligenz. Das zunehmende Wissen über die Natur ermöglicht es uns, diese zu nutzen und unser Leben zu verbessern. Es war seit Beginn der Wissenschaften immer selbstverständlich, daß die Menschen darauf brannten, neue Erkenntnisse zu nutzen, um die eigenen Möglichkeiten und die folgender Generationen zu erweitern. Die Fortschritte in der Kernphysik gehören zu den großen Errungenschaften des 20sten Jahrhunderts. Die kleine Einsteinsche Formel e=mc2 verweist darauf, daß Materie in Energie umgewandelt werden kann. (Das ist beim Verbrennen von Holz oder Kohle keineswegs der Fall, es sieht nur so aus, weil feste Stoffe weitgehend in gasförmige umgewandelt werden, wobei jedoch kein Masseverlust zu verzeichnen ist.) Dies passiert, wenn große Atome (etwa Uran) zu kleineren gespalten oder kleine (z. B. Wasserstoff) zu größeren verschmolzen werden. Dabei geht tatsächlich Materie verloren, und große Mengen an Energie werden frei. Aus dieser Kenntnis eröffnen sich phantastische Möglichkeiten - aber kaum mehr einer findet sich, der sie nutzen möchte.
Die "Wollen-wir-nicht! Brauchen-wir-nicht!"-Haltung gegenüber der Kernenergie am Ende des zweiten Jahrtausends werte ich nicht als Ausdruck tatsächlicher Bedenken, als Ausdruck (wenigstens für sich selbst) begründeter Angst, schon gar nicht als verantwortliche Entscheidung auf Basis einer aufgeklärten gesellschaftlichen Debatte. Ich werte sie in erster Linie als Ausdruck der Perspektivlosigkeit, als Ausdruck einer tiefgreifenden Begeisterungslosigkeit und Zukunftsferne.
Thilo Spahl ist NOVO-Redakteur des
Ressorts Wissenschaft und Technik.
Kontakt: [E-Mail anzeigen] |
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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 5852
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Verfasst am: 17.Apr 2008 20:39 Titel: |
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In den deutschen Atomkraftwerken hat es im vergangenen Jahr 118 meldepflichtige Störfälle gegeben.
Wie die Saarbrücker Zeitung am Donnerstag vorab berichtete, seien 106 Zwischenfälle aus den in Betrieb befindlichen Kernkraftwerken gemeldet worden, zwölf aus den stillgelegten. |
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hdschulz Insider
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 951
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Verfasst am: 18.Apr 2008 9:28 Titel: |
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| Moderator GM&P hat folgendes geschrieben:: |
| In den deutschen Atomkraftwerken hat es im vergangenen Jahr 118 meldepflichtige Störfälle gegeben... |
Typische Tartarenmeldung, mit der Stimmung gegen die "Atomkraft" gemacht werden soll.
Richtig ist: Es gab im Jahr 2007 in den deutschen Atomkraftwerken 118 "meldepflichtige Ereignisse" von den nicht ein einziges als "Störfall" entsprechend der Definition der "INES" (= International Nuclear Event Scale) einzuordnen war.
Diese Bewertungsskala beginnt bei 0 (Meldepflichtiges Ereignis ohne Störung, keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung) und endet bei 7 (Katastrophaler Unfall, schwerste Freisetzung:
Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld)
Alle melderpflichtigen Ereignisse aus dem Jahr 2007 sind der INES-Kategorie 0 zugeordnet. |
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hdschulz Insider
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 951
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Verfasst am: 18.Apr 2008 12:23 Titel: |
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Ein interessanter Größenordnungsvergleich in diesem Zusammenhang:
Es gibt einen Techniksektor, in dem im Jahr 2007 2,3 Millionen Störfälle gemeldet wurden mit 431.500 verletzten Opfern und gar 4.970 Toten.
Sie ahnen es - dabei handelt es sich um den Straßenverkehr.
Und bitte jetzt keine Vorwürfe,ich würde Äpfel mit Birrnen vergleichen und abwiegeln oder so. Ich vertusche nichts. |
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hdschulz Insider
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 951
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Verfasst am: 18.Apr 2008 13:40 Titel: |
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Die Dialektik des Energiepopulismus
Das kaum mehr abwendbare Aus für das Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg markiert eine Wende in der energiepolitischen Diskussion. Bislang scheiterten Kohlekraftwerke am Widerstand von Bürgerinitiativen oder am Veto von Lokalpolitikern. Moorburg dagegen scheitert mit dem Segen der Bundespolitik: Niemand wird bezweifeln, dass auch Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Koalition der CDU mit den Grünen in der Hansestadt ausdrücklich unterstützt, um ihre Handlungsoptionen zu erweitern. Doch die Folgen für die Energiebranche sind fatal. Schon gibt es einen lachenden Dritten: Mit jedem Kohlekraftwerk, das in Deutschland nicht gebaut wird, wächst der Druck, sich vom Atomausstieg zu verabschieden. Nie waren die Chancen der Kernenergiebranche größer, den „Ausstieg aus dem Ausstieg“ zu erreichen.
(Quelle) |
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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 5852
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Verfasst am: 26.Apr 2008 17:12 Titel: |
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Während in Finnland die Kosten für die Errichtung des Atomkraftwerkes Olkiluoto explodieren und im spanischen AKW Ascó 1 erst vor wenigen Monaten durch ein großes Leck Strahlung ausgetreten ist, jährt sich die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl zum 22. Mal, so die Umweltorganisation Greenpeace gestern in einer Aussendung. Die von der Nuklear-Lobby herbeigesehnte Atomrenaissance gestaltet sich indes weitaus schleppender als ursprünglich gewünscht, weil immer weniger Banken bereit sind, Atomkraftwerke zu finanzieren.
Beim Flaggschiff dieser gewollten Atomrenaissance, dem European Pressurised Reactor (EPR) im finnischen Olkiluoto, beträgt die Bauverzögerung nach zweieinhalb Jahren bereits über zwei Jahre. Darüber hinaus ist mit Mehrkosten von bis zu eineinhalb Milliarden Euro zu rechnen, weshalb die Errichtung dieses Atomkraftwerkes für die Firma Siemens allmählich zu einem finanziellen Debakel wird. In Bezug auf das AKW Flamanville in Frankreich wiederum wurden zwar Verbesserungen versprochen, doch treten inzwischen auch dort ähnliche Probleme auf: Die französische Atombehörde ASN hat auf zahlreiche Mängel hingewiesen, darunter Risse im Reaktor-Fundament sowie grobe Fehler bei einem Viertel der Schweißnähte entlang der Reaktorhülle.
Auch bei den Kraftwerken, die bereits in Betrieb sind, läuft die Pannenserie weiter: Die deutschen AKW Krümmel und Brunsbüttel sind nach einem Brand im Sommer 2007 nach wie vor am Netz. Und im November 2007 machte Greenpeace bekannt, dass durch ein Leck im nordspanischen AKW Ascó 1 radioaktives Material freigesetzt wurde: Aufgrund einer Fehlbedienung wurden am 26. November in der Periode des Brennelemente-Wechsels rund fünfzig Liter hochkontaminiertes Wasser und Schlamm in das Notbelüftungssystem geleitet. Nach einem weiteren Bedienungsfehler am 29. November gelangte dieses Material dann über das Lüftungssystem in die Atmosphäre. Die spanische Atombehörde dementierte das Fiasko zunächst, musste aber schließlich eingestehen, dass das Leck im AKW viel größer war als ursprünglich behauptet.
"Die angekündigte Atomrenaissance entwickelt sich allmählich zu einem massiven Fehlschlag", kommentiert Greenpeace-Energiesprecher Jurrien Westerhof die Entwicklung. "Der Bau und Betrieb von Atomkraftwerken wird zunehmend von einer Serie von Pannen, Fehlkalkulationen, Lügen und Vertuschungen begleitet. Da bleibt nur mehr die Hoffnung, dass die Baustellen von heute nicht zu den Tschernobyls von morgen werden", so Westerhof.
In diesem Zusammenhang begrüßt Greenpeace die Entscheidung der Erste Bank, sich nicht an der Finanzierung des slowakischen Atomkraftwerkes Mochovce zu beteiligen. "Die aktuelle Entwicklung in Finnland zeigt, dass auch ein AKW-Bau zu einem finanziellen Debakel führen kann. Und deshalb ist die Entscheidung der Erste Bank auch ein wichtiger Etappensieg im Kampf gegen die Atomlobby", schließt Westerhof.
Quelle: ots |
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hdschulz Insider
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 951
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Verfasst am: 2.Mai 2008 16:51 Titel: |
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| Zitat: |
| "Die angekündigte Atomrenaissance entwickelt sich allmählich zu einem massiven Fehlschlag", kommentiert Greenpeace-Energiesprecher Jurrien Westerhof die Entwicklung." |
Die Greenpeace-Leute werden doch heute von keinem Sachkenner mehr ernst genommen, weil sie sich immer mehr in ihrer Ideologie verrennen und nichts mehr von dem raffen, was außerhalb ihres Dunstkreises passiert.
Ein schönes Beispiel aus dem wahren Leben in diesem Zusammenhang findet sich hier:
Zitat des Tages: Beifall von der richtigen Seite
"Ich persönlich bin gegen die Abschaltung der Kernkraftwerke, wenn sie technisch sicher sind."
Bundeskanzlerin Merkel gestern am Spätnachmittag in einer Diskussion mit Studierenden der RWTH Aachen; eine Aufzeichnung wurde heute Mittag vom Sender "Phoenix" ausgestrahlt.
Kommentar: Nicht weil die Kanzlerin das gesagt hat, bringe ich es als "Zitat des Tages". Sondern wegen der Reaktion des Auditoriums: Tosender Beifall.
Gewiß, das ist eben eine Technische Hochschule in Aachen (übrigens eine der besten Europas). Aber noch vor, sagen wir, fünfzehn Jahren hätten auch dort die Studenten jemanden ausgebuht, der sich für AKWs eingesetzt hätte.
Die Stimmung dreht sich in unserem Land. Allerdings auf eine, wie mir scheint, recht komplexe Weise: Während unter der gesamten Wählerschaft die Linke immer noch die strukturelle Mehrheit hat, die durch die Wiedervereinigung entstanden ist, ist es unter den besser Ausgebildeten, den Studenten, den Akademikern immer weniger selbstverständlich, sozusagen unbesehen politisch links zu stehen.
Da wächst - so, wie in den USA schon seit Jahrzehnten - eine liberale, eine konservative Elite heran. Daß die Naturwissenschaften, daß die Ingenieurwissenschaften seit dem PISA-Schock an öffentlicher Wertschätzung gewinnen, dürfte dabei eine wesentliche Rolle spielen. |
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