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Chinas Städte ersticken im Smog

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Moderator GM&P
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 5917

BeitragVerfasst am: 11.Aug 2007 13:59    Titel: Chinas Städte ersticken im Smog Antworten mit Zitat

Sandstürme pfeifen durch Peking und verwandeln die Straßen in dunkles orange. Der Himmel ist kaum sichtbar. Der Verkehr kommt fast zum Erliegen, jede Bewegung wird zur Qual. Wer nicht vor die Tür treten muss, bleibt lieber zu Hause. Die Sandkörner sind schmerzhaft wie Nadelstiche. Dass Sand aus der mongolischen Steppe bis nach Peking weht, ist normal. Doch ein solches Ausmaß hat man hier früher nicht gekannt. Diese Stürme sind die Quittung dafür, dass rund um Peking radikal zu viele Wälder abgeholzt wurden.

Auch wenn gerade kein Sand durch die Straßen wirbelt: Hinter dem ganz alltäglichen Smogschleier sieht man die Sonne nicht. Laut Weltbank sind von allen Städten mit starker Luftverschmutzung auf der Welt zwei Drittel in China. Das Hauptproblem sind nach wie vor die Kohlekraftwerke. China deckt damit 70 Prozent seines Energiehungers. Und vom Energiehunger hat das Reich der Mitte wahrlich genug. Chinas Wirtschaft wächst zweistellig. Versuche der Regierung, das Tempo zu drosseln, laufen ins Leere.

Langsam liegt die Umweltbelastung schwerer auf Chinas Wirtschaft als die Überhitzung. Ungeklärte Abwasser und verseuchte Flüsse: Nach westlichen Erkenntnissen sterben jährlich 750.000 Menschen in China durch Umwelteinflüsse. Seen verwandeln sich in eine klebrige grüne Masse. Abgasfilter gibt es selten. Und viele Mülldeponien haben keine Genehmigung und keinen Grundwasserschutz.

Ein Jahr vor Beginn der Olympischen Spiele hat die Regierung in Peking versucht, die Veröffentlichung von Zahlen über die Umweltverschmutzung zu unterdrücken. Denn sie will eine "grüne Olympiade“ auszurichten. Peking soll sich der Welt als saubere Stadt präsentieren. Viele Fabriken und Schlote sind schon kurzerhand aus dem Stadtzentrum verbannt worden. Auf den kargen Bergen rund um die Olympiastadt werden Bäume gepflanzt - um zumindest ein bisschen Schutz vor den verheerenden Sandstürmen zu bieten. Zuversicht herrscht sogar im Hinblick auf die Trinkwasserqualität. Dabei greift jeder, der es sich leisten kann, auf Mineralwasser-Flaschen zurück. Jetzt soll aber das Leitungswasser sauberer werden.

Selbst mit dem Spucken auf offener Straße ist bald Feierabend. Schlechte Manieren vor den Augen der Weltöffentlichkeit – das wird den Chinesen rechtzeitig ausgetrieben. Zu tausenden schwärmen Helfer aus, um Peking die westliche Form der Körperhygiene beizubringen: Man nehme ein Taschentuch, puste oder spucke hinein und entsorge es diskret in einem Plastikbeutel.

Nicht nur die heimlichen Spucker, auch das Wetter wollen die Olympia-Organisatoren unter Kontrolle kriegen. Das haben sie sich wohl von den Russen abgeschaut, denn bei offiziellen Paraden auf dem Roten Platz schien immer die Sonne. Störende Regenwolken wurden kurzerhand durch Raketen aufgelöst. Auch zur Eröffnungs- und Abschlussfeier in Peking soll kein trüber Himmel die Laune verderben.

Wie ernst es den Chinesen mit der „grünen Olympiade“? In die weltweiten Bemühungen um den Klimaschutz wollen sie sich jedenfalls nicht einbinden lassen. Verpflichtungen zum CO2-Asstoß entziehen sie sich und verweisen auf die westlichen Industriestaaten, die mehr in der Pflicht stehen würden.

Auch die Wasserader des Landes, der Jangtse, ist in weiten Teilen eine einzige Drecksbrühe. 300 Millionen Menschen in China haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Die Regierung will nun gegen steuern und Milliarden in Kläranlagen investieren. Damit die Natur und Wirtschaft nicht irgendwann am Boom ersticken.
Quelle: 3sat
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