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hdschulz * Consulter *
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 1011
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Verfasst am: 30.Jan 2006 13:12 Titel: Cool down, bitte. Zum emotionalen Streit ums Klima |
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Klimaforscher warnen seit Jahren vor einer weiteren Erwärmung der Erdatmosphäre und vor allem die europäischen Staaten drängen auf eine Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen. Unberücksichtigt bleibt dabei jedoch, dass es in der Erdgeschichte dauernd Klimaveränderungen gegeben hat und dass Armutsbekämpfung auf Dauer wohl der beste Klimaschutz ist.
Die Natur schlägt zurück und der Mensch muss für sein frevelhaftes Tun büßen. Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" sieht ein "ökologisches Hiroshima" voraus. Und dessen Ausmaß, da sind sich die Kollegen von "Die Zeit" sicher, "könnte allenfalls ein pathologischer Ignorant bezweifeln". Die beiden Zitate stammen nicht von heute, sondern aus den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts.
Damals waren sich Wissenschaft und Zeitgeist so gut wie einig, dass das letzte Stündlein des deutschen Waldes geschlagen habe. Heute wissen wir, dass die Wälder damals sogar in der Fläche zunahmen. Außerdem wissen wir, dass die beobachteten Schäden auf lokale Luftverschmutzung durch Kraftwerke und natürliche Ursachen zurückgingen. Ein flächendeckendes Waldsterben hat es in Deutschland nie gegeben.
Es ist schon frappierend: Wer die damaligen Debatte zum Waldsterben mit der gegenwärtigen Debatte zur Klimakatastrophe vergleicht, braucht eigentlich nur die Begriffe auszutauschen. Auch heute ist die Wissenschaft sich angeblich vollkommen einig - und wer vorsichtige Zweifel äußert ist ein pathologischer Leugner, ein Irrer oder wurde von finsteren Mächten gekauft. Heute wie damals ist die Debatte von drei Dingen gekennzeichnet: ständige Wiederholung, vereinfachte Schuldzuweisung und emotionale Aufladung. Dies sind Erfolgsmuster klassischer Propaganda. Und deshalb sollte eine gewisse Skepsis erlaubt sein.
Halten wir deshalb einmal kurz fest: Was ist unter Klimaforschern wirklich Konsens und was nicht:
Erstens: Die globale Durchschnittstemperatur ist in den vergangnen 100 Jahren um etwa 0,6 Grad gestiegen.
Zweitens: 6,2 Milliarden Menschen mit ihren 20 Milliarden Haustieren, ihren Feuerstellen, Autos, Fabriken und Kraftwerken sind zweifellos ein Klimafaktor.
Drittens: Der Kohlendioxidanteil in der Atmosphäre steigt aufgrund der Verbrennung fossiler Rohstoffe an. Das führt tendenziell zu einer Erwärmung - es sei denn, andere Einflüsse würden diesen Effekt kompensieren.
Alles andere ist heftig umstritten. Besonders die Frage: Wie gewichtig ist der Einfluss des Menschen verglichen mit natürlichen Faktoren? Wir dürfen ja nicht vergessen: Etwa die Hälfte der Erwärmung der letzten 100 Jahre fand vor 1940 statt, als die Kohlendioxid-Emissionen noch keine große Rolle gespielt haben können. Auch gab es etwa im mittelalterlichen Klimaoptimum schon ähnlich hohe Temperaturen wie heute. Zu den wissenschaftlichen Streitfragen kommt dann noch die politische Auseinandersetzung. Also die Frage: Wie geht man mit dem Problem um?
Bei der aktuellen Klimakonferenz in Montreal stehen sich im Grunde zwei Denkschulen gegenüber. Die einen sind auf die Rationierung der Kohlendioxid-Emissionen nach Art des Kyoto-Protokolls fixiert - je drastischer, desto besser und egal wie hoch die Kosten sind. Dahinter steht im Grunde die Vorstellung, man müsse nur das Kohlendioxid stabilisieren und schon bleibe das Klima wie es ist. Davon kann aber keine Rede sein. Wenn in der Erdgeschichte etwas beständig war, dann der Klimawandel. Und daran wird sich auch nichts ändern - ganz unabhängig vom Menschen.
Und hier kommt die zweite Denkschule ins Spiel: Sie setzt zunächst einmal auf Anpassungsmaßnahmen - weil die in jedem Fall wirksam sind, egal ob ein Sturm oder eine Flut nun vom Menschen gemacht oder natürlichen Ursprungs ist. Dem Kyoto-Protokoll werfen sie seine vollkommene Unwirksamkeit vor: Selbst dessen Unterzeichner räumen ja ein, dass die Vereinbarung bis zum Jahr 2050 bestenfalls eine Temperaturverminderung von wenigen Hundertstel Grad bringen wird - was noch nicht einmal messbar ist. Und das kostet Schätzungen zu Folge jährlich ein Mehrfaches der gesamten globalen Entwicklungshilfe.
Geld kann man aber nur einmal ausgeben, und so ergeben sich einige unangenehme Fragen. Beispielsweise diese: Sollen wir Unsummen ausgeben, damit der Wasserstand in Bangladesh in 100 Jahren um zehn Zentimeter weniger ansteigt? Oder helfen wir den Menschen dort wirkungsvoller, indem wir ihnen heute Schutzbauten finanzieren?
Der deutsche Klimaforscher Hans von Storch, der vom menschengemachten Einfluss auf das Klima überzeugt ist, sagt: "Bislang wird jede Forderung, sich an den Klimawandel anzupassen, verteufelt oder als unmoralisch dargestellt. Unterschwellig wird unterstellt, dass man das Böse einfach hinnimmt oder den Klimawandel sogar gut findet. Doch mir geht es um den rationalen Umgang mit etwas Unausweichlichem. Wir müssen den Menschen die Angst vor der Klimaveränderung nehmen. Wir werden das wuppen."
Angstkampagnen und moralische Schuldzuweisungen bringen überhaupt nichts. Anstatt pragmatische und ökonomische Argumente zu verteufeln, ist es höchste Zeit einmal zuzuhören. Auch den USA! Und die Amerikaner sagen: Nur wachsende Volkswirtschaften werden in der Lage sein, die für Emissionssenkungen notwendigen Technologien zu entwickeln. Nur wohlhabende Nationen werden sich an natürliche oder vom Menschen gemachte Klimaveränderungen anpassen können. Armutsbekämpfung ist auf Dauer der beste Klimaschutz.
Das ist wohl auch der Grund, warum sich China und Indien einer freiwilligen Klimainitiative der USA angeschlossen haben - und nicht dem Kyoto-Protokoll.
Aus dem "Politischen Feuilleton" des Deutschlandradios
Autor: Dirk Maxeiner |
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hdschulz * Consulter *
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 1011
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Verfasst am: 1.Mai 2006 14:50 Titel: Nun wissen wir's aber ganz genau..... |
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Frühling der Propheten
Kolumne von Maxeiner & Miersch erschienen in DIE WELT vom 28.04.2006
Der Winter war lang, kalt und keiner hat ihn vorhergesagt. Auch die Heizölrechnung mag so gar nicht zur globalen Erwärmung passen. Die Klima-Kassandras hatten ein vorübergehendes Glaubwürdigkeitsproblem und schwiegen. Jetzt kommt endlich der Frühling, es wird wärmer und im Garten blühen erste Narzissen und Primeln. Und sofort sind auch die Alarmglöckchen wieder da und bimmeln.
Das Deutsche Klimarechenzentrum in Hamburg hat seinen neuen Supercomputer angeworfen und 432 Billiarden Rechenoperationen ausgeführt. Heraus kam die „Wetterkarte der Zukunft“ (BILD), denn es lassen sich Temperatur, Wind, Niederschlags- oder Sonneneinstrahlungswerte aus der ganzen Bundesrepublik auf den Bildschirm holen. „Und das für jede Stunde bis ins Jahr 2100“, so die Forscher. Das Bundesumweltamt veranstaltete eine Pressekonferenz, Boulevardblätter und Nachrichtenmagazine veröffentlichten kreative Wetterkarten anno 2100 mit eher trüben Aussichten. In den Alpen „Schneeschmelze“, im Großraum Leipzig „Starkregen“, im Südwesten „Steppendürre“ im Osten „Wüstensonne“, an Nord- und Ostsee „Mittelmeerklima“.
Für Hamburg und Kiel hatten wir persönlich ja eigentlich mit hoher Feuchtigkeit gerechnet, weil sie bis dahin doch eigentlich sechs Meter unter dem Meeresspiegel liegen sollten. Aber Schwamm drüber, Mittelmeerklima ist auch hübsch. Miersch versuchte sofort für künftige Urenkel ein Doppelzimmer in Kühlungsborn zu buchen, August 2087. Maxeiner dagegen hat eine für Mai 2050 gebuchte Städtetour nach Berlin abgesagt. „Der Mai verspricht für Berlin wenig Gutes. Es wird viel regnen, über 20 Prozent mehr als normal“, schildert der SPIEGEL den Hauptstadt-Mai 2050 und eine Meteorologin prophezeit „Die Sonne macht sich rar“. Unschlüssig sind wir lediglich, wo wir im kommenden August die Ferien verbringen sollen. Das Wetter in 100 Tagen schafft der Supercomputer leider noch nicht. Je näher der Zeitpunkt einer Vorhersage, desto schwieriger wird sie, wir ahnten das schon.
Nun wollen wir hier keine kleinliche Kritik üben, sondern die Wissenschaft durch interdisziplinäre Denkansätze bereichern. Voraussagen für 2050 oder 2100 können nämlich auch andere, beispielsweise Frank Schirrmacher. Und wenn wir dessen „Methusalem-Komplott“ trauen dürfen, dann wird es in Brandenburg, Meck-Pomm, Thüringen, Pfälzer Wald und Hunsrück dann nicht nur sehr trocken sein, sondern auch sehr einsam. Denn in den demographisch ariden Gebieten werden unsere Kinder wieder „Zeitgenossen der Wölfe“. Die Frage ist nun, wie die dort hypothetisch einwandernden Wölfe mit den dort hypothetisch herrschenden Temperaturen zurechtkommen. Eine echte Aufgabe für den WWF!
Ansonsten haben die Deutschen im Sinne des vorbeugenden Klimaschutzes beschlossen auszusterben. 2050 werden wir laut Methusalem-Komplott bereits „12 Millionen Menschen verloren haben – das sind mehr als die Gefallenen aller Länder im ersten Weltkrieg“. Den Skiliftbetreibern in den Alpen werden also erst die Kunden und dann der Schnee ausgehen. „Die Daten helfen, das Land möglichst schnell auf das sich wandelnde Klima einzustellen,“ sagt das Bundesumweltamt über die neuen Klima-Berechnungen. Aber nicht doch, Deutschland hat sich längst eingestellt. Schlagt nach bei Schirrmacher: Das Land wird unbewohnt sein, bevor es unbewohnbar wird, was soll also die Aufregung.
Nun gibt es in letzter Zeit auch die anders geartete Prognose, dass Deutschland im Jahr 2100 eine gut bevölkerte islamische Republik sein wird. Auch das schreit nach interdisziplinären Ansätzen. Denken wir nur an den verwerflichen westlichen Lebensstil. Ist der Koran in dieser Hinsicht pädagogisch nicht viel wirksamer als das Kioto-Protokoll? Und schützt eine Burka nicht viel effizienter vor der sengenden Ostseesonne als ein Bikini? Und die Räume des Deutschen Klimarechenzentrums könnte in eine Moschee überführt werden. Es würden also lediglich die Propheten wechseln. |
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