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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 6710
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Verfasst am: 24.Aug 2006 10:22 Titel: Der Dreck wird von Schiffen verheizt. |
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Entschwefelte Treibstoffe sorgen für gute Luft. Aber nur an Land. Der Dreck landet im Schweröl und wird von Schiffen verheizt. Der vermeintliche Umweltschutz belastet Häfen, Küstengebiete und Meere.
Die Hansestadt Lübeck kann aufatmen: Der Tourismus floriert, der Hafen im Heilbad Travemünde auch. Doch der ersehnte Aufschwung fördert ein vertracktes Problem – Hafen und Heilbad geraten in Konflikt. Denn die Frachter und Fähren, denen Ostseegäste gern zuwinken, belasten die Luft massiv. Kaum ein Kurgast weiß, dass ein mittelgroßes Seeschiff mehr Schadstoffe ausstößt als eine Flotte von tausend Lastwagen. Schon vor zwei Jahren warnte die Lokalpresse: »Die Grenzwerte für den Titel Ostseeheilbad werden in Travemünde nicht mehr eingehalten. Der Titel ist in Gefahr!«
Der Titel ist trotz der Zunahme des Schiffsverkehrs inzwischen gerettet – auf dem Papier. Die Anforderungen an die Luft für ein »Ostseeheilbad« wurden kurzerhand so umformuliert, dass Heilbad und Hafen formal wieder harmonieren.
Doch die zunehmende Verschmutzung lässt sich nicht einfach per Federstrich beseitigen, das wissen auch die Senatoren in Lübeck. Was Travemünde plagt, ist kein lokales, sondern ein globales Schifffahrtsproblem. Es stinkt von Turku bis Tokyo, von Hamburg bis Haiti. Darum sucht Lübeck auch die Unterstützung der Ostseeanrainerstaaten und der EU, um mit dem internationalen Projekt New Hansa rauchenden Schiffen den Kampf anzusagen.
In diesem Verbund plant die Travestadt Millioneninvestitionen für ein Pilotprojekt, das Schiffe im Hafen völlig von Lärm und Gestank befreien soll. Das Rezept lautet, allen Pötten während der Hafenliegezeit die Maschinen auszuschalten, insbesondere die Hilfsdiesel zur Erzeugung des an Bord benötigten Stroms. Den liefert fortan ein dickes Kabel am Kai. Für die notwendige Energie sorgen saubere Kraftwerke an Land.
Im Treibstoff der Kähne ist 2700-mal so viel Schwefel wie im Autobenzin
Projektleiter Ralf Giercke, bei den Lübecker Stadtwerken zuständig für Umweltschutz, zählt auf, was die Luft in Travemünde belastet: »Aus der Schifffahrt stammen hier 90 Prozent des Schwefeldioxids, 60Prozent des Feinstaubs, jeweils 70 Prozent der Stickoxide und des Benzols, 80 Prozent vom Ruß.« Das sei durch ein umfangreiches Forschungsprojekt belegt. Warum aber machen Schiffsdiesel so viel Dreck, und zwar weltweit? Mehrere Effekte wirken zusammen:
• Der Schiffsverkehr boomt. Er hält die globalisierte Wirtschaft in Schwung, macht den Warenfluss unschlagbar billig. Wo viel Treibstoff verfeuert wird – die Kosten für ein großes Schiff erreichen mehrere zehntausend Dollar pro Tag –, ist viel Rauch.
• Zweitens qualmen billige Treibstoffe besonders stark. Harter Wettbewerb und steigende Ölpreise zwingen die Reeder, scharf zu rechnen. Am billigsten sind Schweröle mit hohem Schwefelanteil. Sie kosten deutlich weniger als Rohöl. Darum fahren mittlerweile fast alle Hochseeschiffe damit.
• Drittens freut dies die Mineralölwirtschaft, die ihr Hauptgeschäft mit leichten Bestandteilen des Rohöls macht, mit Benzin, Diesel und Heizöl. Sie muss ihre teuren Destillate zwecks Luftreinhaltung möglichst entschwefeln. Wenn nämlich Schwefel, der im Rohöl natürlich vorkommt, verbrennt, entsteht ein stechend riechendes Gas: Schwefeldioxid. Dieses bildet in der Lunge oder zusammen mit der Feuchtigkeit in der Luft ätzende Schwefelsäuren – Teil des gefürchteten »sauren Regens«. Obendrein fördert Schwefel die Ruß- und Partikelbildung in Heizungen und Motoren und beeinträchtigt Abgaskatalysatoren. Also weg damit vom Land aufs Meer.
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