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WC.Hofmann Pathfinder
Anmeldungsdatum: 09.12.2004 Beiträge: 355 Wohnort: in der Mitte Europas
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Verfasst am: 30.Okt 2006 23:32 Titel: Ersatzbrennstoff (EBS) oder auch Sekundärbrennstoff (SBS) |
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@Anton aus Tirol
Das von Ihnen angesprochene Thema EBS, also Ersatzbrennstoff oder besser noch Sekundärbrennstoff, ist im Rahmen der Bewältigung der anfallenden Abfallmengen in Haushalt und Industrie sehr wichtig. Daher sollte es besser in einem eigenen Thread diskutiert werden. Es hat zudem wenig mit dem Thema „Dieseltreibstoff aus Abfällen und nachwachsenden Rohstoffen“ zu tun, zumindest nichts mit der bisherigen Diskussion in besagtem Thread.
Ich gehe davon aus, dass Sie einem thematisch neuen Thread „Ersatz- oder Sekundärbrennstoffe“ zustimmen und Ihre Fragen, die bestimmt auf grösseres Interesse stossen werden, bitte hier stellen.
Wir wollen direkt in die Sachdiskussion einsteigen. Sie schreiben
| Zitat: |
| Allerdings bleibt Abfall - obwohl weiterverarbeitet - rechtlich immer noch Abfall und ist kein Produkt. Die Abfallwirtschaft muss immer noch für ein Produkt (EBS), welches Eigenschaften hat wie Braunkohle - immer noch Zuzahlungen begleichen um es los zu werden. |
Diese Meinung teile ich nicht! - Die Herstellung von EBS oder SBS ist nach langer wissenschaftlicher Begleitung heute nur in einer ganzen Reihe von technologischen Schritten erzielbar, die überwiegend der mechanischen Verfahrenstechnik zuzuordnen sind. Das wesentliche Kriterium für einen brauchbaren EBS ist ein Heizwert mit geringen Schwankungen, so z.B. Hu = 16.000 bis 18.000 KJ/kg. Ich denke hierbei insbesondere an das von der Firma HERHOF entwickelte Trockenstabilat-Verfahren, das sich einen Marktplatz erkämpft hat.
Natürlich gibt es auch EBS mit höheren durchschnittlichen kalorischen Inhalten; dabei handelt es sich aber eher um spezielle EBS-Produkte aus Produktionsabfällen, die schon von Hause aus z.B. einen hohen Anteil an Ölen bzw. Fetten haben.
In der Sammlung „Abfälle aus Haushalten“ werden aber Öle / Fette eher nur als vereinzelte Fehlwürfe von Ignoranten vorkommen, so dass ein Sortierverfahren mit nachfolgender EBS-Produktion auch keine höheren Heizwerte erwarten lässt, als oben erwähnt.
Meine provokative Frage: Warum soll dieses EBS-Produkt denn nun noch „Abfall“ sein? – Ich kann noch nicht einmal einen sog. Abfallcharakter erkennen, da diese heizwertreiche Restmenge den Inert-Anteil verloren hat; die Restfeuchte ist bis auf 15% abgesenkt worden; der überwiegende Teil an sog. Störstoffen ist aussortiert worden. Es liegt nun ein leichtes Schüttgut aus Papierresten, Kunststoffen, Textilien und weiteren Leichtstoffen vor, dass lagerungsfähig ist, das zu Ballen gepresst / gewickelt werden kann, das handling- und transportfähig ist. Komposierbare Inhaltsstoffe wurden aussortiert (gesiebt). Meiner Meinung nach hat dieser Ersatzbrennstoff, dem der Abfallcharakter abhanden gekommen ist, nichts in einer Abfallverbrennungsanlage zu suchen. Eine Abfallverbrennungsanlage unterliegt in Deutschland neben dem Punkt 8.1 / Spalte 1 (Öffentlichkeitsbeteiligung) der 4. BImSchV (Durchführungsverordnung für genehmigungsbedürftige Anlagen) insbesondere der 17. BImSchV (Verordnung für Verbrennungsanlagen für Abfälle und ähnliche brennbare Stoffe), - aber hierzu gehört nicht das Zementwerk als Verwerter des o.a. EBS. Man berücksichtige seit dem 01.03.2006 auch die Anforderungen der 30. BImSchV für Neuanlagen. [Lesen Sie bitte im BImSchG (Bundes-Immissionsschutz-Gesetz) nach.]
Ein Beispiel aus der Praxis: Das Heizkraftwerk Weisweiler in NRW hat seit diesem Jahr die Genehmigung des RP-Köln für den Einsatz von Sekundärbrennstoffen. Das heisst also, das KW darf der Rohbraunkohle aus dem Tagebau Inden II ein gewisses Kontingent an Sekundärbrennstoffen zuführen. Sie werden wissen, dass das deutsche Abfallrecht keine Vermischung von Abfällen mit anderen Wertstoffen zulässt. Das KrW-/AbfG (Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz) ist in diesem Fall sehr eindeutig; die Vergehen werden rigoros geahndet. Die vorerwähnte Genehmigung verstösst natürlich nicht gegen das Abfallrecht, da dem Sekundärbrennstoff der sog. „Abfallcharakter“ durch die aufwendige Behandlung genommen wurde.
Diese Meinung habe ich schon vor Jahren vertreten. Deshalb konnte ich auch nicht verstehen, warum einige Betreiber von kleineren Verbrennungsanlagen (Grössenordnung 10 MW thermisch) sich im Genehmigungsverfahren die 17. BImSchV aufbrummen liessen. – Heute sind wir in dieser Frage einen Schritt weiter.
Dies zum Einstieg in die Diskussion.
Ihre „unverblümte Frage“ hiess: Wie schaut`s aus mit der Technologiereife?
Diese Frage wird bestimmt in der Folge in diesem Forum zufriedenstellend beantwortet werden. |
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Anton aus Tirol Newbie
Anmeldungsdatum: 05.07.2006 Beiträge: 13
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Verfasst am: 31.Okt 2006 8:08 Titel: |
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Nur um Mißverständnisse vorzubeugen: Auch ich bin ein Fan der MBA - Technologie und Sekundärbrennstoffherstellung. Auch ich sehe EBS als Produkt und nicht als Abfall - aber ich sehe wie ein Produkt, welches eindeutig Wertstoffeigenschaften besitzt - in Deutschland wie in Österreich wie Abfall behandelt wird.
Ich gebe Ihnen technologisch vollkommen Recht. Das Problem bei dem gesamten Sekundärbrennstoffmarkt ist ja nicht das Produkt selbst, nicht einmal die Produktionskapazitäten, die ja jährlich erhöht werden. Es ist vielmehr die gesetzliche Einstufung bzw. die gesamte Abnehmermarktsituation.
Ihr Beispiel und Ihre Auslegegung der derzeitigen Rechtslage ist interessant :;. Sehen wir uns doch einmal die Situation in Österreich an:
Es gibt eine Reihe von kommunalen MBA Lösungen, die durchaus eine die mehrere 100.000 Tonnen EBS liefern. Die Herstellung ist kein Problem mehr. Das Problem ist die Verwertungskapazität:
Meines Wissens gibt es momentan in Österreich nur eine richtige Verwertungsanlage: die Abfallverbrennungsanlage Lenzing. Lenzing, die selbstverständlich einem Stromkonzern gehört, verlangt für die Abnahme - insbesondere durch die Begründung der hohen Auflagekosten - Zuzahlungen. Diese Zuzahlungen sind momentan nicht viel niedriger, als würde man Hausmüll direkt verbrennen. (??!!!??)
Problem Nr. 1:
Es gibt derzeit keinen freien Markt. Die EBS Fraktion besitzt derzeit keinen eigenen Abnehmermarkt bzw. keinen Markt, der sich von den Abfallverbrennungsanlagen unterscheidet. Es erscheint fraglich wann hier ein echter Wettbewerb entsteht und die Zuzahlungskosten endlich sinken. Das sehe ich als Hauptproblem.
Problem Nr. 2:
Es gibt zu wenig Verwertungskapazität. Das EBS muss ja auch erst verwertet werden. Dazu braucht es einen Abnehmer, der möglichst ganzjährig Energie und Wärme im industriellen Maß brauchen kann.
Derzeit wird der Hauptanteil wie Müll verbrannt und dementsprechend dafür gezahlt. (bis zu 90 Euro die Tonne, während der Hausmüll um ca. 150 bis 170 Euro die Tonne angenommen wird). Die Schaffung zusätzlicher Verwertungskapazitäten erscheint auch mir dringend erforderlich.
Problem Nr. 3:
Die EBS sind nicht handelbar - insbesondere über Grenzen. Wie sie wissen gibt es hier eigene Erlaubnishindernisse seitens des Gesetzgebers. Eine Lieferung in andere europäische Ländern ist zwar grundsätzlich möglich, aber praktisch kaum durchsetzbar. Obwohl gerade in Österreich große Energieabnehmer (abseits der Fernkraftwerke) Mangelware sind.
Mein Schluss: der Markt funktioniert nicht - und ich sehe momentan keine Anzeichen für eine Änderung, die dem Produkt EBS und seiner Wertstoffeigenschaften gerecht wird.
Ich habe meinen Beitrag unter dem Thema "Diesel aus Abfall und nachwachsenden Rohstoffen" gepostet, weil mir insbesondere das EBS Material am besten für diese Technologie geeignet scheint. Es hat einen hohen Brennwert, ist defacto Eisen und Metall frei und es ist in einer relativ stabilen Quallität vielfach vorhanden und wartet nur auf eine günstige Verwertungsmöglichkeit. Der Charme der Technologie besteht ja nicht nur in seiner Wirtschaftlichkeit sondern in der Möglichkeit autarke Komplettentsorgungslösungen für eine Region anzubieten - unabhängig von den großen MVA Anlagen und deren Interessen.
Im übrigen danke ich dafür, dass sie dieser wichtigen Diskussion einen eigenen Raum geschaffen haben.
Ich freue mich schon auf Ihre Antwort |
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eagleflight Specialist
Anmeldungsdatum: 12.10.2004 Beiträge: 93 Wohnort: Frankfurt - Germany
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Verfasst am: 11.Nov 2006 9:33 Titel: |
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Ich finde es gut, dass EBS hier separat diskutiert werden kann, da im anderen Thread auc viel zu viel Polemik gemacht wird.
Wir sehen EBS nicht als Abfall sondern die Verwertung von EBS als weiteren Recyclingschritt. In den davor liegenden Schritten werden Wertstoffe, wie z.B., Glas, Metalle usw. entfernt.
Im Verölungsschritt werden die Kohlenwasserstoffe (als Brennstoff also auch ein Wertstoff) entfernt. Was übrig bleibt ist dann wirklich im wahrsten Sinne des Wortes Abfall, nämlich ein um ca. 80 Vol% reduziertes Gemisch aus Kohle, Metallsalzen, Restöl, und Sand.
Wir haben uns für die Zukunft vorgenommen diesen Reststoff nochmals aufzuarbeiten und event. durch Elektrolyse die Metallsalze weiter zu bearbeiten. Erste Berechnungen scheinen hier aber keine nachhaltige Wrtschaftlichkeit zu ergeben.
Wir sehen in der Verarbeitung von EBS eigentlich nur zwei Herausforderungen.
Zum Einen ist EBS nicht gleich EBS. d.h. die Qualität des Produktes ist nicht konstant und man hat mit einer gewissen Normierung zu kämpfen da das entstehende Leichtöl in seiner Zusammensetzung schwankt. Hieraus ergibt sich, dass relativ viel Material verarbeitet, also verölt werden muß, dann gelagert um im letzten Schritt das gelagerte Gemisch aus den unterschiedlichen EBS'ssen mittels Additiven zu Treibstoffqualität zu bringen. Das bedeutet grosse Lagerkapazitäten des Öls am Ort und kein kontinuierlicher Output zum Verkauf.
- Alternative ist hier die Anlieferung an eine Raffinerie die über die Lagerkapazitäten verfügt und im Zuge der Beimischung zum Mineralischen Treibstoff die Schwankungen egalisiert.
Zum Anderen stellt die Vorverarbeitung von EBS ziemliche Anforderungen an die Schreddertechnik, da EBS ja kein homogenes Gemisch ist, sondern alle Arten von Materialien drinnen vorkommen. Die Schreddertechniken basieren im wesentlichen auf Messertechnik oder Hammermechanik und diese verschleißen je nach Elastizität des Materials unterschiedlich. Es ist damit fast unmöglich Korngrössen unter 3-4mm wirtschaftlich zu erreichen. Da die von uns eingesetzte Verölungstechnik mit grösseren Korngrössen klarkommt stellt das kein Problem dar, jedoch benötigen grössere Teilchen entsprechend länger zur Erwärmung und reduzieren damit die Stundenkapazität um 10-15%.
- Alternative: 2te Maschine kaufen.
Das Interessante an der Verarbeitung von EBS ist aber die tatsächliche Wirtschaftlichkeit. Wenn man von einer Zuzahlung bei EBS von ca. 75€ frei Verölungsstandort ausgeht, so liegt der Produktionspreis nach Abzug aller Kosten, Abschreibungen, Zinsen usw. bei ca. 32ct. dazu kommen noch die Verkaufsmargen der Zwischenhändler, Mineralölsteuer von 47ct und Nebenkosten. Daraus ergibt sich dann ein erzielbare Gewinnspanne von ca. 20ct / Ltr. Beim direkten Verkauf an die Raffinerie sogar noch etwas mehr, weil der Enddestillationsprozeß wegfällt und man etwa 10-15% unter dem Preis für Heizöl (z.Zt.58ct) bekommt.
Hieraus ergibt sich für einen Entsorger natürlich eine positive Rechung, da
die Zuzahlungen für EBS meistens deutlich über den angesprochenen 75€/to liegen, Tendenz steigend, ein großer Eigenbedarf an Treibstoff für den Fahrzeugpark sowieso vorhanden ist und der Zusatzertrag bei einem angenommenen Output von 500-700Ltr. Öl/to EBS, je nach Qualität, Spaß macht.
Darüber hinaus ist am Standort der Recyclinganlage meistens noch genug Platz für eine Anlage und die benötigten Schredder lassen sich in den bisherigen Betriebsablauf integrieren um Kosten zu sparen und die Transportwege zu optimieren.
Den Entsorgern, die Zweifel an der Funktionsfähigkeit des Verfahrens haben bieten wir im übrigen an das EBS zu Ihren bisherigen Zuzahlungspreisen anderweitig langfristig geischert zu entsorgen, falls das Verfahren nicht bestimmungsgemäß funktioniert. Das sind halt die Zugeständnisse die man bei einer neuen Technologie machen muß.
So das wars für heute.
Schönes Wochenende
Eagle |
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