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hdschulz Insider
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 953
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Verfasst am: 18.Jun 2005 11:12 Titel: Naturschutz als Artenkiller - wer hätte das gedacht? |
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Wer die Glaubenssätze der grünen Ideologie hinterfragt, kommt oft zu erstaunlichen Ergebnissen. So auch der Zoologen Josef H. Reichholf in seinen neuen Buch: „Die Zukunft der Arten“. Der Münchner Wissenschaftler sitzt im Stiftungsrat des WWF und gilt als einer der besten Naturschutzexperten Deutschlands. Reichholf hat sich die jüngsten Roten Listen des Landes Bayern vorgenommen, und untersucht, warum nach nunmehr über dreißig Jahren intensiver staatlicher und privater Naturschutzbemühungen dennoch immer mehr Arten als gefährdet gelten.
Faktor Nummer eins - das war bekannt - ist der zu starke Stickstoffeintrag durch die Landwirtschaft, der Pflanzen, Insekten und andere Lebewesen verschwinden lässt, die magere Böden brauchen.
Kaum glauben konnten wir hingegen Faktor Nummer zwei. Reichholfs Resultate zeigen, dass gleich nach der Landwirtschaft die Folgen von Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen zum Rückgang vieler Arten beitragen!
Und zwar mit großem Abstand vor Industrie, Siedlungs- und Straßenbau und den anderen üblichen Verdächtigen. Hinter dem schlichten Titel Buches verbirgt sich eine Sprengladung für Gesinnungsethiker: Naturschutz als Artenkiller. Intention und Wirkung könnten nicht weiter auseinanderklaffen, ungefähr so als fördere die Polizei das organisierte Verbrechen.
Der Rückgang vieler Amphibienarten geht beispielsweise, so der Ökologe, auf das Verbot des ungeregelten Kiesabbaus zurück, der in früheren Zeiten überall kleine Tümpel geschaffen hatte. Doch es waren Naturschützer, die diese „Wunden in der Landschaft“ bekämpften.
Das Birkhuhn und andere bedrohte Vögel, aber auch bestimmte Ameisenarten verschwinden hingegen, weil es aus Naturschutzgründen so gut wie keine Kahlschläge mehr gibt. Sie brauche große, offene Zonen im Forst. Die Förster fällen aber nur noch Einzelbäume, damit keine hässlichen nackten Flächen mehr das Waldbild verunstalten.
Manche Muscheln, Fische und Wasservögel werden seltener, weil erfolgreicher Umweltschutz ihnen die Nahrungsgrundlage entzogen hat. Deutsche Kläranlagen arbeiten so perfekt, dass immer mehr Gewässer Trinkwasserqualität besitzen. Etliche Tiere brauchen jedoch organische Schwebstoffe als Grundlage ihrer Nahrungskette.
Der Normalbürger wird von solchen Befunden kaum etwas erfahren. Naturschutzbehörden und Umweltverbände sind noch nie durch Selbstkritik aufgefallen.
Vereint verhindern sie den Bau von Umgehungsstraßen und Einkaufszentren, wenn eine Rotbauchunke in der Nähe gesichtet wurde. Ihr Blick geht oft konsequent an den Ursachen vorbei auf ideologisch begründete Nebenschauplätze. So kann man mit dem größten möglichen Aufwand, die geringsten Erfolge erzielen.
(nach Maxeiner und Miersch in DIE WELT am 15.06.2005) |
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