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Nutzung der Kernenergie - notwendig?

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WC.Hofmann
Pathfinder


Anmeldungsdatum: 09.12.2004
Beiträge: 358
Wohnort: in der Mitte Europas

BeitragVerfasst am: 7.Jun 2006 22:12    Titel: Nutzung der Kernenergie - notwendig? Antworten mit Zitat

Australien prüft Einstieg in Atomkraft

Australien prüft angesichts hoher Ölpreise und Gefahren durch Treibhausgase den Einstieg in die Gewinnung von Atomstrom. Jetzt sei die Zeit, darüber eine Debatte zu beginnen, sagt der australische Regierungschef John Howard am Dienstag. (dpa)

Dem J.H. muss jemand gesagt haben, was gut tut. - Nur Mut!
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hdschulz
* Consulter *


Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 1036

BeitragVerfasst am: 13.Jul 2006 16:41    Titel: Antworten mit Zitat

Solange bei uns der gesunde Menschenverstand keine Chance gegen das "politisch korrekte" Gutmenschentum der grünen Ökologisten hat, wird die Titel-Frage wohl mehrheitlich nur als Provakation angesehen.

Für alle, die sich ein eigenes Urteil bilden möchten:


Kernenergienutzung global betrachtet


Lutz Niemann über die weltweit wachsende Akzeptanz und Nutzung der Kernenergie:

In seiner Rede anlässlich der Stilllegung des Kernkraftwerkes Stade sagte der damalige grüne Umweltminister Jürgen Trittin: „In der EU ist heute die Mehrheit der Länder atomenergiefrei – wie Dänemark, Österreich und Italien – oder auf dem Weg raus aus der Atomenergie.“ Schön gesprochen, aber unwahr. Tatsächlich betreiben von den 25 EU-Staaten 13 Kernkraftwerke – das ist eindeutig die Mehrheit. Aber wie sieht es mit der Nutzung der Kernenergie in der Welt aus? Wollen wirklich andere Staaten dem Beispiel Deutschlands folgen und aus der Kernenergie aussteigen?

Ende 2004 waren 22 Kernkraftwerke in Bau, und zwar in den Ländern Russland (2), Rumänien (1), Iran (1), Argentinien (1), Indien (9), China (2), Japan (3), Taiwan (2) und Finnland (1). Weiterhin sind rund 80 Kernkraftwerke in Planung: in Russland (ca. 15), in der Slowakei (2), in China (ca. 15 bis 45), Indien, Japan (je 5), Nordkorea (1), Südkorea (6), Bulgarien (1), Pakistan (2), in der Türkei (6 bis 9), in Bangladesch (1) und in Kasachstan (1).(1)

Des Weiteren sind folgende Projekte und Entwicklungen nennenswert:

• Finnland: Mit dem Neubau eines Kernkraftwerkes wurde bereits begonnen. Man hat sich für den Europäischen Druckwasserreaktor (EPR) entschieden, eine deutsch-französische Gemeinschaftsentwicklung. Mit der Fertigstellung wird 2008 gerechnet.
• USA: Die Betriebsgenehmigungen der laufenden Kernkraftwerke werden auf 60 Jahre verlängert. Anfang 2005 waren die Genehmigungen für ein Drittel der 104 Reaktoren erteilt. Auch in anderen Ländern (Schweiz, Schweden, Niederlande, Tschechien, Ungarn, England) werden Laufzeitverlängerungen der Kernkraftwerke genehmigt bzw. sind in Planung.
• Frankreich wird den Europäischen Druckwasserreaktor im eigenen Lande bauen, als Standort ist Flamanville in der Normandie ausgewählt. Die dortige Bevölkerung stimmte dem Projekt begeistert zu, denn es sichert der Gegend weiteren wirtschaftlichen Aufschwung.
• Schweiz: In der Volksabstimmung „Strom ohne Atom“ von 2003 sprachen sich 66 Prozent für die weitere Nutzung der Kernenergie aus. In früheren Abstimmungen (1979, 1984 und 1990) war ähnlich entschieden worden. Inzwischen wurden am Kraftwerk Leibstadt Renovierungen vorgenommen, um einen 60-jährigen Betrieb zu ermöglichen.
• Kanada: Es wurde ein außer Betrieb gesetztes Kernkraftwerk wieder in Betrieb genommen.
• Belgien: Es wurde der Beschluss gefasst, die Kernkraftwerke nach 40 Betriebsjahren bis 2025 stillzulegen – allerdings verbunden mit der Klausel, dass die Versorgungssicherheit nicht gefährdet werden dürfe. Damit ist der Beschluss als eine Beruhigungspille für Kernenergiegegner zu sehen, denn natürlich ist Versorgungssicherheit nicht mehr gegeben, wenn Belgien seine Kernkraftwerke abschaltet (das Land wird zu 58 Prozent mit Kernkraftstrom versorgt).

In den vergangenen zehn Jahren sind weltweit 42 neue Kernkraftwerke ans Netz gegangen. Die Gesamtzahl der Kernkraftwerke ist nur leicht gestiegen, da immer wieder kleine Prototypen aus den Anfangsjahren abgeschaltet wurden. Die Stromerzeugung durch Kernkraftwerke stieg dagegen aufgrund der Leistungssteigerungen der bestehenden Kraftwerke stark an. Von 2003 bis 2004 wuchs der Anteil an Atomstrom weltweit um 150 Mrd. kWh an, das entspricht der Leistung von zehn großen Kraftwerken.

Zeitgleich wurde aber auch eine Reihe von Kernkraftwerken aus politischen Gründen abgeschaltet:

• Österreich: Das Kernkraftwerk Zwentendorf wurde nach seiner Fertigstellung 1977 aufgrund einer Volksbefragung vom 5.11.78 (Kanzler Kreisky, SPÖ) nicht in Betrieb genommen und das Kernenergieprogramm Österreichs abgebrochen. Inzwischen ist Österreich Stromimportland geworden, es wird zu ca. zehn Prozent mit Kernenergiestrom aus Tschechien versorgt.
• Italien: Das Land stimmte bei einer Volksabstimmung ein Jahr nach dem Tschernobyl-Unfall für die Stilllegung seiner drei Kernkraftwerke (210, 862, 270MWel), die Kraftwerke wurden abgeschaltet. Inzwischen muss Italien die Kraftwerksleistung von 6000MW in der Grundlast einführen, das entspricht der Leistung von vier großen Kernkraftwerken. 2004 importierte Italien 45,6 Mrd. kWh aus Frankreich. Damit verbraucht Italien ebenfalls Kernenergiestrom, wenn es ihn auch nicht selber erzeugt.
• Schweden: Barsebäck 1 wurde 1999 stillgelegt (nach dem Volksentscheid von 1980), am 1.6.05 wurde auch Barsebäck 2 abgeschaltet. Die Stromproduktion aus Kernkraftwerken verringerte sich aber nicht, da Leistungserhöhungen in den anderen Kraftwerken erfolgten. Das älteste KKW in Schweden (Oskarshamn 1) wurde inzwischen modernisiert, um weitere 20 Jahre betrieben werden zu können. Weitere Stilllegungen sind nicht geplant, weil dies Nachteile für das Land zur Folge hätte.
• Deutschland: Der Hochtemperaturreaktor von Hamm-Uentrop (307 MWel), ein Prototyp, war rund 16.000 Stunden in Betrieb und wurde 1988 stillgelegt. Der Grund hierfür waren nicht technische Probleme, sondern die enormen Verteuerungen auf mehr als das Sechsfache wegen ständig neuer Nachforderungen der SPD-Regierung in NRW unter dem damaligen Ministerpräsident Johannes Rau. Der Reaktor wird derzeit in Südafrika mit deutscher Hilfe weiterentwickelt. Er besitzt aufgrund seiner Bauweise besondere Sicherheitsmerkmale: Er ist inhärent sicher, so dass auch bei einem Totalausfall aller Systeme keine Kernschmelze mit Entweichen von Radioaktivität auftreten kann. Damit wäre er geeignet, bei knapp werdenden fossilen Brennstoffen inmitten von Großstädten als Wärmequelle in Heizkraftwerken zu dienen.
Der Schnelle Brüter von Kalkar (300MWel) wurde nach sechs Jahren der Verzögerungstaktik durch die Behörden von Nordrhein-Westfalen während der Vorbetriebsphase in 1991 aufgegeben. Hinzu kam, dass inzwischen der Uranpreis so stark gesunken war, dass der Brüter mit Plutoniumproduktion wirtschaftlich weniger interessant wurde. Die Entwicklung der Brütertechnologie zur Erschließung neuer Energiequellen wird jedoch in Frankreich, Russland und Japan weiter betrieben. Auch Indien hat die Vorteile der Brütertechnologie erkannt und begann 2004 mit dem Bau eines Brüters mit 500MWel.
Das Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich (1219 MWel) war etwa ein dreiviertel Jahr in Betrieb, bevor es aufgrund juristischer Probleme stillgelegt wurde. Die erste Teilerrichtungsgenehmigung war widerrufen worden, da bei einer genehmigten Änderung der ursprünglichen Gebäudeanordnung (wegen Verwerfungen in der Erdkruste) das Gericht eine fehlende Prüfung der Auswirkungen auf den „großräumigen Standort“ bemängelt hatte. Jahrelanges Prozessieren war die Folge. Nach der Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Energieversorgungsunternehmen vom 14.6.00 haben die Betreiber auf die Wiederinbetriebnahme verzichtet, derzeit wird das Kraftwerk rückgebaut.
Das Kernkraftwerk Stade (640 MWel) ging am 14.11.03 außer Betrieb, es war damit das zweite Kernkraftwerk, das der Vereinbarung vom 14.6.00 zum Opfer fiel (nach 32 Betriebsjahren). Alle beteiligten Fachleute vor Ort bestätigten, dass das Kraftwerk in sehr gutem Zustand war und noch viele Jahre hätte weiter betrieben werden können. Das Kraftwerk befindet sich in der Nachbetriebsphase.
Das Kernkraftwerk Obrigheim (340 MWel) war das dritte Kraftwerk, das als Folge des rot-grünen Ausstiegsprogramms am 11.5.05 abgeschaltet wurde. Die Regierung in Berlin behauptete dazu in einer zwölfseitigen Broschüre „Obrigheim, Magazin zum Abschalten“ (Auflage 1,3 Mio.): „Die dort abgeschalteten 357 Megawatt sind längst durch moderne, klima- und menschenfreundliche Energien aus Sonne, Wind, Biomasse, Erdwärme und Wasser ersetzt worden.“ Das ist nicht korrekt, der Betreiber EnBW hat als „mittelfristigen Ersatz für das abgeschaltete Kernkraftwerk Obrigheim“ die Reaktivierung zweier uralter, fossil befeuerter Blöcke vorgesehen: erstens ein heizölbefeuerter Block im Kraftwerk Marbach mit 265 MW (1974 in Betrieb gegangen, 1998 stillgelegt), zweitens ein kohlebefeuerter Block im Kraftwerk Walheim mit 103 MW (1964 in Betrieb genommen, 2000 stillgelegt). Es geschieht also genau das, was einzugestehen der alte wie auch der neue Umweltminister sich hüten: Kernkraftwerke werden durch Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen ersetzt, denn Ersatz durch Wind- und Sonnenstrom ist nicht möglich.

Es zeigt sich also, dass in vielen Staaten der Welt die Kernenergie genutzt und ausgebaut wird. Weltweit geht es mit der Kernkraft steil nach oben. Der World Energy Council (WEC) geht von einer Verfünffachung der weltweiten Kernenergiekapazitäten bis 2050 aus. Nur in Deutschland scheint die Kernenergie partout nicht gewollt zu sein. So ist Deutschland Weltmeister bei der Windenergie und im Abschalten voll funktionsfähiger Kernkraftwerke. Das sollte nicht als Zeichen besonderer Klugheit gewertet werden, wie es unsere Regierung glauben machen will.
In der Bevölkerung ist – so hat das Allensbach-Institut herausgefunden – die Ablehnung der Kernenergie bei weitem nicht so groß, wie oft behauptet wird
Quelle: E. Noelle-Neumann und R. Köcher: Allensbacher Jahrbuch der Demoskopie, 1998-2002, Band 11, S.890.

Die weitere Umsetzung der Vereinbarung vom 14.6.00 zur Abschaltung von deutschen Kernkraftwerken bedeutet, dass Deutschland entweder zunehmend mit Kohlestrom aus eigenen Kraftwerken oder mit Kernenergiestrom aus Kraftwerken unserer Nachbarn versorgt wird. Das ist gewiss kein sinnvoller Weg, es ist vielmehr Zeit für den Ausstieg aus dem Ausstieg!

Aus "Novo" Heft 81
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