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Goodman *** Consulter ***
Anmeldungsdatum: 16.01.2002 Beiträge: 5416
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Verfasst am: 26.Sep 2003 16:31 Titel: Regenerative Energien - Pommes im Tank? |
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www.sueddeutsche.de ; 25.09.2003, von Arne Boecker
Wenn es aus dem Tank nach Pommes riecht
Für die Salatsauce oder den Traktor - der Mecklenburger Andreas Tornow und andere Bauern fahren mit reinem Rapsöl. Viele Tankstellen dürfte es in Deutschland nicht geben, an denen ein Spruch von Hermann Hesse pappt. "Gegen die Infamitäten des Lebens sind die besten Waffen: Tapferkeit, Eigensinn und Geduld."
Varchentin, im September - Tapfer scheint der Mann, der die Tankstelle betreibt, tatsächlich zu sein. Tunkt den Zeigefinger in den Kraftstoff, schnuppert am goldgelben Schmier und schleckt die Kuppe ab. "Schön nussig", behauptet er. Es riecht nach Pommes Frites.
Andreas Tornow aus Varchentin, einem Dorf in Mecklenburg, mag tapfer sein; verrückt ist er nicht. Der Kraftstoff, den er degustiert hat, ist Rapsöl in einer Qualität, dass man damit einen Salat anmachen könnte. Der Landwirt beteiligt sich am 100-Traktoren-Programm des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, das bis Ende 2005 läuft. Der Staat übernimmt die Hälfte der Kosten für die Umrüstung von Diesel- auf Rapsöltraktoren und zahlt den Bau der Tankstellen; im Gegenzug darf die Uni Rostock auf den Höfen Daten aus den Treckern melken.
Die meisten Teilnehmer des Projekts sitzen in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern. Die Verbrennung von Rapsöl gilt als diejenige Antriebsart, die das Klima am wenigsten belastet. Und sie erzeugt auch weniger Lärm als Normaldiesel. "Das Programm soll den Nachweis erbringen, dass Technik und Rapsöl marktreif sind", sagt Steffen Daebeler von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe, die im mecklenburgischen Gülzow ansässig ist und das Projekt betreut.
Schwer trägt der Raps an seinem Ölanteil von fast 50 Prozent, keine andere Pflanze erreicht diesen Wert. Als Energiespender erlebt der Kreuzblütler gerade ein Comeback. Im Mittelalter hatten Müller dem Raps Lampenöl abgetrotzt, bevor im 19. Jahrhundert das Petroleum aufkam. Fortan wusste niemand mehr etwas mit der ungenießbaren Pflanze anzufangen. Erucasäure machte sie bitter, Glucosinolate vergällten den eiweißreichen "Kuchen", der beim Auspressen abfällt. Erst vor 20 Jahren befreiten Pflanzentechniker den Raps durch Züchtungen von diesen Stoffen, nun ließen sich aus brassica napus Speiseöl und Margarine gewinnen.
Schnell wucherte die Fläche, auf der im Mai grellgelb Raps in Deutschland blüht, von 200 000 auf 1,3 Millionen Hektar; das weite Mecklenburg-Vorpommern gilt als Rapskammer der Nation. Etwa ein Viertel der Ernte wird zu Biodiesel verarbeitet, der sich unter den Kraftstoffen einen Marktanteil von zwei Prozent erkämpft hat. Biodiesel wird auf der Basis von Rapsöl hergestellt, gilt aber nicht mehr als reines Naturprodukt. Der Zusatz von Methanol macht ihn "zündwillig", wie Fachleute sagen. Im August hat Andreas Tornow den Raps vom Feld geholt. Vier Tage braucht er mit drei Mähdreschern für 500 Hektar. Tornow zeigt auf einen Kipphebel: "Zwei Tanks!", dröhnt er gegen den Lärm an. "Erst legen wir mit 150 Liter Diesel los, und wenn der Motor warm ist..." - er legt den Hebel um - "paffen wir 600 Liter Rapsöl weg." Jetzt, im September und Oktober, verfährt der Maschinenpark das Rapsöl aus Eigenproduktion. Pro Hektar erntet Tornow normal vier Tonnen, in diesem trockenen Jahr sind es nur drei. Jede Tonne ergibt 350 Liter Öl, der Rest wird Viehfutter.
Pflanzenölfahrer müssen ihre Maschinen umbauen, weil die Verbrennung von Rapsöl länger dauert als die von Diesel. Einer der sechs Umrüster, die das 100-Traktoren-Programm mit Know-how ausstatten, ist Siegfried Hausmann aus dem bayerischen Wilfertshausen. "Wir bohren die Einspritzpumpen an, um eine winzige keramische Heizung in Stellung zu bringen", erklärt Hausmann. "Sie wärmt genau den Ölstrahl vor, der gerade eingespritzt wird." Steffen Daebeler von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe sagt allerdings, dass "bislang noch kein Umrüstkonzept Marktreife besitzt". Auch das Institut für Energie und Umwelttechnik der Universität Rostock nennt "eine breite Markteinführung zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht". Und die Qualitätssicherung bedürfe ebenfalls noch " weiterführender Maßnahmen".
Regionaler Kreislauf
Ein Liter Diesel kostet Landwirte derzeit 65 Cent, Subvention inklusive. Streicht man diese, wie zur Zeit erwogen, wird der Treibstoff um gut 20 Cent teurer - und Rapsöl attraktiver, Andreas Tornow kalkuliert es mit 65 Cent pro Liter. "Die Kollegen haben aber Angst vor teuren Reparaturen", sagt der Landwirt. "Sie wollen Garantien sehen." Derzeit stehen die Umrüster für ihre Technologie gerade, aber die meisten sind Bastler mit wenig Eigenkapital.
Ökologisch gesehen, ist jedenfalls schon etwas gewonnen. Andreas Tornow hat in Varchentin einen regionalen Wirtschaftskreislauf geschaffen. Rund um das Dorf wird Raps angebaut und geerntet, in der Mühle wird er zu Öl verarbeitet und zum Teil wieder in die Traktoren gefüllt, die die Felder rund um das Dorf beackern. Der "Kuchen" landet im Schweinetrog des Nachbarn. Anderswo in Mecklenburg und Vorpommern sind viele Dörfer tot. Die riesigen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) haben die Wende nicht überlebt; Traktoristen und Tierzuchttechniker verdösen ihre Tage beim Dosenbier unter der Dorfkastanie. Solches gibt es auch im 120-Seelen-Varchentin zu beobachten, aber Andreas Tornow versorgt immerhin 20 Menschen mit Arbeit. Hofladen, Backhaus und Schlachthaus hat er gebaut, sommers kommen Feriengäste in den alten Pfarrhof aus dem Jahr 1860. Der ist voller Leben, was man von den allerwenigsten Guts- und Herrenhäusern Mecklenburgs behaupten kann.
Andreas Tornow, ehemaliger Abteilungsleiter der LPG Varchentin, bezeichnet sich als "nicht-militanten Globalisierungsgegner". Aber kann sein Raps-Kreislauf ein Modell sein für das große Ganze und eines Tages die Abhängigkeit der westlichen Industriegesellschaften vom Erdöl mindern? Falls es gelingt, die verbleibenden Probleme zu lösen, müssten Landmaschinenhersteller und Mineralölindustrie die neue Technik fördern. Weil Rapsöl und Biodiesel aber allerhöchstens zehn Prozent des Kraftstoffmarktes erobern könnten, ist Steffen Daebeler von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe skeptisch: "Wir reden hier wohl von einem Nischenmarkt."
Mehr Erfolg dürften synthetische Kraftstoffe haben, die durch Vergasung aus jeder beliebigen Biomasse gewonnen werden. Unterstützt von Niedersachsen und Brandenburg, erprobt Volkswagen seit kurzem ein solches Produkt, SunFuel genannt. Experten halten einen Marktanteil von 25 Prozent für möglich. Andreas Tornow versucht derweil den Druck der Bauern auf die Industrie zu verstärken. An diesem Wochenende findet auf seinem Hof das "erste bundesweite Pflanzenölfahrertreffen" statt. |
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Heinrich Dreier ** Consulter **
Anmeldungsdatum: 28.09.2003 Beiträge: 2926
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Verfasst am: 4.Okt 2003 7:11 Titel: |
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Hallo liebe Leser
<<Weil Rapsöl und Biodiesel aber allerhöchstens zehn Prozent des <<Kraftstoffmarktes erobern könnten, ist Steffen Daebeler von der <<Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe skeptisch: "Wir reden hier wohl <<von einem Nischenmarkt."
Das ist wohl so, aber auch Nischen muss es geben.Wenn aber Jemand sagt, das alle Verbrennungsmotore sich eigendlich überholt haben, und das Strom der Energieträger der Zukunft ist, dann wird man beschimpft. Wenn also heute Jemand sagt, das eine Maschine aus wenig Strom viel Strom erzeugt, dann lachen alle ,,Fachleute", denn das wiederspricht doch dem Energieerhaltungsgesetz.
Wer macht denn die Gesetze?
Na klar, wir Menschen.
Was machen wir Menschen?
Auch klar, Fehler. Gut das ich schon so viele Fehler gemacht habe, denn sonst würde ich hier nicht schreiben können.
Mit freundlichen Grüssen
Heinrich Dreier |
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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 7645
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Verfasst am: 28.Aug 2008 7:36 Titel: |
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Altes Frittieröl eignet sich auch als Treibstoff für Autos. Die britische "Grease-to-Greece-Rally" will darauf hinweisen, dass man statt Dieselöl zu tanken auch mit altem Speiseöl fahren kann. Am Dienstag hatte der Rallyefahrer Andy Pag nach insgesamt neun Tagen Fahrt sein Zielland, Griechenland, erreicht. Mittwoch sollte das Team dann in Athen ankommen, berichtet BBC-Online.
Das Auto, ein alter Peugeot-Diesel, dessen Motor leicht modifiziert wurde, hat die ganze Fahrt nichts anderes getankt als altes Speiseöl.
Statt Tankstellen aufzusuchen, habe man in Restaurant, Bars, Kneipen und Tavernen nach altem Speiseöl gefragt. "Wir haben deutlich gezeigt, dass dies machbar ist", meint Esther Obiri-Darko, Chemielehrerin und Partnerin von Pag. Viele Menschen haben nicht geglaubt, dass das je funktionieren würde. "Die meisten haben jedoch aus Umweltschutzgedanken mitgemacht", so Obiro-Darko. Vor dem Befüllen des Tanks wird das Altöl gefiltert und in einer Zentrifuge von Speiseresten und anderen Verunreinigungen befreit.
Insgesamt hat Pag mit seinem Fahrzeug auf der Reise 3.200 Kilometer zurückgelegt und dabei etwa 200 Liter Altöl gebraucht. Pro 100 Kilometer braucht das Auto 6,25 Liter Öl. Insgesamt hat sich Pag mehr als 350 Euro an Treibstoffkosten erspart. Das ganze Unterfangen soll nur darauf hinweisen, dass man auch mit anderen Treibstoffen fahren kann, meint Pag. Die Expeditionsteilnehmer berichten auch, dass das System in einigen der besuchten Orte großen Gefallen gefunden habe.
Ein Vorzeigebeispiel für die Verwendung von Biodiesel, der aus Speiseöl erzeugt wird, findet sich in Graz, wo über 100 Busse mit diesem den CO2-Ausstoß verringernden Kraftstoff betrieben werden.
Die Idee dazu kam vom Grazer Umweltamt, das damit verhindern wollte, dass Altspeiseöl über die Kanalisation entsorgt wird.
Seit 1990 kann Altspeiseöl aus privaten Haushalten an Problemstoffsammelstellen kostenlos abgegeben werden. Neun Jahre später wurde zusätzlich ein kostenloses Sammelsystem für Gastronomiebetriebe eingerichtet. Die Sammlung des Altöls erfolgt durch die gemeinnützige Beschäftigungsgesellschaft Öko-Service .
"Ökobilanzen unterstützen uns bei der Wahl aus dem zunehmenden Angebot an alternativen Kraftstoffen", erklärt Gerfried Cebrat von der Forschungsgesellschaft Mobilität - Austrian Mobility Research . Kraftstoffe aus Kurzumtriebsholz oder biologischen Abfällen aus anderen Bereichen wie etwa Speiseöl schneiden in der Ökobilanz tendenziell besser ab als Kraftstoffe, die aus Feldfrüchten gewonnen werden.
Quelle: pressetext
Lesen Sie auch:
→ Dieseltreibstoff aus Abfällen und nachwachsenden Rohstoffen
→ Pflanzenöl gesucht |
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