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hdschulz * Consulter *
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 1105
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Verfasst am: 22.Okt 2005 14:51 Titel: Umweltminister in drei Minuten |
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Der nächste Umweltminister heißt dem Stand der Dinge nach Sigmar Gabriel. Bei der Nachricht ist uns ein Stein vom Herzen gefallen.
Das liegt weniger an Gabriel als an den Namen, die für dieses Amt sonst noch gehandelt wurden. Es wird gesagt, er sei ein Mann ohne Überzeugungen. Wir sagen: Und das ist gut so. Keine Überzeugungen sind nämlich besser als die falschen (insofern hat Gabriel deutlich bessere Voraussetzungen als sein Vorgänger). Ansonsten lesen wir, er sei bislang „nicht als Experte für Umweltfragen aufgefallen“, bringe „keine Befähigungsnachweise für das Amt mit“ und müssten sich erst „einarbeiten.“ All dies traf allerdings auf Joschka Fischer und Jürgen Trittin zu, bevor sie Umweltministerien bezogen. Beide hatten sich für Natur und Umwelt so viel interessiert wie Verona Feldbusch für die Rechtschreibereform. Zum „Einarbeiten“ dürfte Gabriel freilich die Zeit fehlen, schließlich hat er einen Zeitwohnsitz bei Sabine Christiansen. Deshalb möchten wir ihm hier ein wenig behilflich sein. Es folgt unser Schnellkurs „Umweltminister in drei Minuten“., wir bitten diesen an Herrn Gabriel weiterzureichen, er wird uns ewig dankbar sein.
Lektion eins: Bei öffentlichen Auftritten genügt es, die gleichen Reden zu halten wie bisher, allerdings sollte der Begriff „soziale Gerechtigkeit“ durch „Nachhaltigkeit“ ersetzt werden. Beide Begriffe haben gemeinsam, dass alle dafür sind, weil sich jeder sich etwas anderes darunter vorstellt. Ferner gehören einige wissende Vokabeln wie „ökologischer Fußabdruck“ ins Repertoire. Seien Sie öfter mal nachdenklich, so in der Art: „Wenn die Chinesen genauso viel Auto fahren würden wie wir, dann bräuchten wir zwei Planeten.“ Alle werden applaudieren, außer den Chinesen, aber die sind ja weit weg. Artikulieren Sie stets die „Sorge um künftige Generationen und deren Lebensgrundlagen.“ Als gewesener Pop-Beauftragter wissen Sie vermutlich, dass die Lebensgrundlagen von Zehnjährigen ganz wesentlich aus der neusten Version des i-Pod bestehen. Aber behalten Sie das um Gottes willen für sich! Grundsätzlich keine Scherze zu Umweltthemen, sie könnten religiöse Gefühle verletzen.
Damit sind wir bei Lektion zwei: Als Umweltminister sind Sie in dieser Republik zugleich ein religiöses Oberhaupt. Verinnerlichen Sie die wichtigsten beiden Glaubens-Bekenntnisse: Keine Atomkraft und keine Gentechnik! Ihre erste Äußerung als designierter Umweltminister verrät bereits ein gewisses Naturtalent: „Einen Wiedereinstieg in die Kernenergie wird es mit der SPD nicht geben.“ Hiermit haben sie bereits die Zuneigung von Großreligionen wie „Greenpeace“ und landeskirchlichen Gemeinschaften wie dem „BUND“ erobert. Beschließen Sie ihren Amtseid zusätzlich mit der Formulierung „So wahr mir das Kyoto-Protokoll helfe“. Rhetorisch sind sie damit für eine vierjährige Amtszeit ausreichend gewappnet. Ach ja, und meiden Sie unbedingt konkrete Umweltprobleme (wie z.B. die Überdüngung der Böden). Das interessiert niemanden, außer der Umwelt.
Achten Sie darüber hinaus auf ihren Umgang. Machen Sie unbedingt einen Antrittsbesuch bei Vandana Shiva und Wangari Maathai, das signalisiert globales Denken und ethnische Sensibilität. Loben Sie ihre Gesprächspartnerinnen als „mutige Querdenkerinnen“ und „mahnende Stimmen“. Die Unternehmerseite decken sie mit Lichtgestalten wie dem Biokarotten-Multi Klaus Hipp ab. Arbeiten Sie dringend an ihrer Mimik, sie wirkt derzeit noch ein wenig unbeschwert (mehr Stirnrunzeln!). Am besten, Sie nehmen etwas Schauspielunterricht in Hollywood beim Weltuntergangsexperten Roland Emmerich.
Dritte Lektion: Ihre ersten Erfolge sind zwangsläufig. Sollte der kommende Winter mild und zu warm werden, dann ist das Folge der globalen Erwärmung. Wenn die Deutschen deshalb dann weniger Heizöl verbrennen, melden sie dies als Erfolg ihrer kompromisslosen Klimaschutzstrategie: „Deutschland vorbildlich auf dem Kyoto-Pfad“. Wird der Winter kalt und streng, ist auch das Folge der globalen Erwärmung. Überspielen sie den kleinen logischen Kurzschluss mit der Formulierung von „zunehmenden Wetterextremen“ und fordern energisch den Beitritt der USA zum Kyoto-Abkommen. Das hat inzwischen eine gewisse folkloristische Tradition und gefällt den Deutschen immer. Kreuzen Sie sich dafür den Montrealer Welt-Klimagipfel im Dezember an. Warnen Sie dort eindringlich vor einem steigenden Meeresspiegel. Damit lässt sich garantiert oben schwimmen.
Kolumne von Maxeiner & Miersch in DIE WELT vom 19.10.05 |
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WC.Hofmann Pathfinder
Anmeldungsdatum: 09.12.2004 Beiträge: 363 Wohnort: in der Mitte Europas
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Verfasst am: 23.Okt 2005 23:25 Titel: Re: Umweltminister in drei Minuten |
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| hdschulz hat folgendes geschrieben:: |
Der nächste Umweltminister heißt dem Stand der Dinge nach Sigmar Gabriel. Bei der Nachricht ist uns ein Stein vom Herzen gefallen.
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Es folgt unser Schnellkurs „Umweltminister in drei Minuten“., wir bitten diesen an Herrn Gabriel weiterzureichen, er wird uns ewig dankbar sein.
Lektion eins: ...
Damit sind wir bei Lektion zwei: ...
Dritte Lektion: ...
Kolumne von Maxeiner & Miersch in DIE WELT vom 19.10.05 |
Ja, @hdschulz, da waren M&M mal wieder richtig auf Zack. Als studierter Germanist wird das Allround-Talent Sigmar Gabriel diesen Schnellkurs gut verdauen.
Eine kleine Anregung hätte ich doch noch: Der designierte Bundesumweltminister sollte vielleicht regelmässg mit dem solarangetriebenen Boot von Hannover durch den Mittellandkanal gen Berlin schippern, dann wird er sich bei frischen Briese an dem Biotop "Kanäle und verbundene Havelseen" erfreuen können und viel von der Natur erleben. Während der umweltschonenden Reisezeit kann er auch nicht viel falsch machen. Und es heisst: Wer eine lange Reise macht, kann (im Cabinet) viel erzählen. |
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Trader Insider
Anmeldungsdatum: 28.10.2003 Beiträge: 931 Wohnort: Weesen
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Verfasst am: 24.Okt 2005 6:42 Titel: |
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Ach ja - und bitte nicht vergessen dem modernen Ablasshandel zu huldigen:
Klimaschutzabgabe, Umweltcent, etc, usw (wie auch immer die "Ablassinstrumente" heissen mögen)
So frei nach dem Motto: Bezahlt nur fleissig dann wird es schon wieder mit den Wetterextremen... (und es beruhigt das Gewissen)
Grüsse
Trader |
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Browser .
Anmeldungsdatum: 17.11.2003 Beiträge: 2016
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Verfasst am: 24.Okt 2005 8:40 Titel: |
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So ist es, Trader!
Übrigens die beste Realsatire, weil sie so wahr ist.
Mit den besten Wünschen, Browser |
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WC.Hofmann Pathfinder
Anmeldungsdatum: 09.12.2004 Beiträge: 363 Wohnort: in der Mitte Europas
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Verfasst am: 23.März 2006 8:32 Titel: Re: Umweltminister in drei Minuten |
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| hdschulz hat folgendes geschrieben:: |
Der nächste Umweltminister heißt dem Stand der Dinge nach Sigmar Gabriel. Bei der Nachricht ist uns ein Stein vom Herzen gefallen.
Das liegt weniger an Gabriel als an den Namen, die für dieses Amt sonst noch gehandelt wurden. Es wird gesagt, er sei ein Mann ohne Überzeugungen. Wir sagen: Und das ist gut so. ...
aus Kolumne von Maxeiner & Miersch in DIE WELT vom 19.10.05 |
Hierzu möchte ich nach einigen Monaten Grosse Koalition ebenfalls zitieren, besonders deshalb, weil ich mich weiter oben auch zur Lernfreudigkeit des Bundesministers geäussert hatte.
| Zitat: |
| ... Als studierter Germanist wird das Allround-Talent Sigmar Gabriel diesen Schnellkurs gut verdauen. ... |
Zitat des CDU-Ministerpräsidenten Oettinger
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Vor der jährlichen Versammlung der baden-württembergischen Forstkammer geht Oettinger noch weiter. Hier würdigt er nicht nur die Arbeit Merkels, sondern ebenso die von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, der bekanntermaßen für die SPD im Kabinett sitzt. "Dieser Regierung gehören deutlich weniger Ideologen und Angstmacher an als der vorherigen Bundesregierung", ruft Oettinger in die Schwarzwaldhalle von Baiersbronn. Etliche der versammelten Waldbesitzer, die in grünen Jacken und grauen Hosen an langen Tischen mit karierten Decken sitzen, nicken mit dem Kopf. Hätte er es weiterhin mit Jürgen Trittin als Umweltminister zu tun gehabt, sagt Oettinger, wären die Verhandlungen viel schwieriger geworden. "Aber mit Kauder, Gabriel und Merkel - da herrscht ein Grundvertrauen".
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Wer sich für die ganze Quelle interessiert, der klicke auf den Beitrag
Fegefeuer der Freundlichkeiten
Landtagswahlen in Zeiten der großen Koalition: Allseits Harmonie, kein böses Wort gegen die Regierung, Besinnung aufs Lokale. Nur SPD-Chef Platzeck stört manchmal die Ruhe
von Peter Dausend und Daniel Friedrich Sturm
http://www.welt.de/data/2006/03/23/863909.html?s=3
Fazit: Der Austausch von Freundlichkeiten schadet auch in Wahlkämpfen nicht und entlastet die Politik offensichtlich von Überflüssigem.
Ganz persönliche Anmerkung:
Ich gebe es zu, ich bin ein "Beck"-Fan - schon seit einer Ewigkeit. - Warum? - Weil Beck's klar vorgetragene Definitionen und seine besonnene Art mich politisch überzeugen. |
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