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Versorger bauen Stromnetz wegen Windenergie aus

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Goodman
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Anmeldungsdatum: 16.01.2002
Beiträge: 5416

BeitragVerfasst am: 7.Mai 2005 9:59    Titel: Versorger bauen Stromnetz wegen Windenergie aus Antworten mit Zitat

Handelsblatt; 04.05.2005

Versorger bauen Stromnetz wegen Windenergie aus

Vattenfall Europe plant zwei neue Leitungen, will aber auch selbst in Windparks investieren. Die Energiekonzerne Eon und Vattenfall Europe wollen wegen des geplanten Baus neuer Windparks auf hoher See ihre Stromnetze massiv verstärken.

HANDELSBLATT, 4.5.2005 juf BERLIN. Die Vattenfall Europe AG gab gestern bekannt, sie plane zwei neue Überlandleitungen mit zusammen 360 Kilometern Länge, um Windenergie von der Küste abtransportieren zu können. Deutschlands viertgrößter Energiekonzern will dafür rund 300 Mill. Euro investieren, sagte Vorstandschef Klaus Rauscher gestern auf der Bilanz-Pressekonferenz in Berlin. Eine Leitung soll von Schwerin nach Hamburg führen, eine von Sachsen-Anhalt über Thüringen nach Bayern. Auch Eon plant neue Hochspannungsleitungen.

Neben dem Konkurrenten Eon, der im Nordwesten das Stromnetz betreibt, ist Vattenfall Europe im Nordosten für den Abtransport des Stromes verantwortlich, den die geplanten Offshore-Windparks auf hohere See produzieren werden. Die beiden Konzerne müssen den Windstrom im Bundesgebiet verteilen. Die bundeseigene Deutsche Energieagentur (Dena) hatte im Februar in einer Studie den Bedarf an neuen Hochspannungsleitungen durch den geplanten Ausbau der Windenergie bis 2015 mit 460 Kilometer beziffert. Hintergrund: Nach Vorgaben der Bundesregierung soll sich der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung bis 2020 auf 20 Prozent verdoppeln - vor allem durch neue Windräder vor den Küsten, weil an Land kaum noch geeignete Standorte vorhanden sind.

Ende 2004 seien im Netzgebiet von Vattenfall Europe bereits Windkraftanlagen mit einer Leistung von 6 000 Megawatt installiert gewesen, bis 2011 werde die Menge auf 11 000 Megawatt steigen, sagte Rauscher. "Dann stehen fast die Hälfte der bundesweit installierten Windkrafterzeugungsanlagen in der Regelzone von Vattenfall Europe." Das deutsche Übertragungsnetz und die innerdeutschen Leitungen seien aber nicht dafür ausgelegt, die Windstrommengen in die Verbrauchszentren in West- und Süddeutschland zu transportieren: "Deshalb müssen wir unsere Netzkapazitäten ausbauen."

Eon wolle sein Hochspannungsnetz wegen der Windenergie um 110 Kilometer erweitern, sagte ein Sprecher. Geplant seien drei Strecken, zwei an der Nord- und eine an der Ostsee. Eon wolle hierfür rund 70 Mill. Euro investieren. Bei allen drei Projekten liefen die Genehmigungsverfahren aber noch. Im Eon-Gebiet befänden sich derzeit Windräder mit einer Leistung von rund 7 000 Megawatt, 2010 sollen es rund 12 000 Megawatt sein.

Die Kosten würden die beide Unternehmen allerdings letztlich nicht selbst tragen, hält ein Sprecher des Bundesverbandes Windenergie (BWE) entgegen. Zum einen sehe das Erneuerbare-Energie-Gesetz inzwischen einen Lastenausgleich zwischen Eon, Vattenfall Europe und den beiden anderen Netzbetreibern RWE und Energie Baden-Württemberg (EnBW) vor: "Und letztlich legen die Versorger die Kosten ohnehin auf die Verbraucher."

Vattenfall Europe will auch selbst von der Windenergie profitieren. "Wie alle großen Versorger prüfen auch wir die Beteiligung an Offshore-Windparks", sagte Rauscher. Er betonte, dass der schwedische Mutterkonzern schon bald zu einem der größten Windparkbetreiber Europas aufsteigen könnte, sollte die geplante Zusammenarbeit mit dem dänischen Elsam-Konzern zu Stande kommen.

Vattenfall Europe war 2003 durch die Fusion der Versorger Bewag aus Berlin und HEW aus Hamburg mit dem Braunkohleverstromer Veag und dem Braunkohletagebaubetreiber Laubag entstanden. Nachdem die anschließende Restrukturierung das Unternehmen im Jahr 2003 noch mit 139 Mill. Euro in die Verlustzone gedrückt hatte, erzielte Vattenfall Europe im vergangenen Geschäftsjahr einen Überschuss von 264 Mill. Euro. Das operative Ergebnis stieg nach den HGB-Bilanzierungsregeln um rund 50 Prozent auf 545 Mill. Euro. Der Umsatz verbesserte sich um knapp 27 Prozent auf 10,7 Mrd. Euro.

Milliarden für die Zukunft.

Netze: Vattenfall Europe will für rund 300 Millionen Euro zwei neue Überlandleitungen bauen, um Windenergie von der Küste abtransportieren zu können. Eine soll von Schwerin nach Hamburg, eine in den Süden führen.

Kraftwerke: Bis 2010 will der Energiekonzern zwei neue Kraftwerke bauen. Im sächsischen Boxberg plant das Unternehmen einen Braunkohleblock, in Hamburg ein Steinkohleheizkraftwerk.

Zukäufe: Nach Abschluss der Restrukturierung nimmt das Unternehmen auch wieder Zukäufe ins Visier. Nach den Worten von Vorstandschef Klaus Rauscher prüft Vattenfall Europe Akquisitionen im In- und Ausland.

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WC.Hofmann
Pathfinder


Anmeldungsdatum: 09.12.2004
Beiträge: 355
Wohnort: in der Mitte Europas

BeitragVerfasst am: 11.Mai 2005 18:06    Titel: Re: Versorger bauen Stromnetz wegen Windenergie aus Antworten mit Zitat

Zitat:
Handelsblatt; 04.05.2005

Versorger bauen Stromnetz wegen Windenergie aus

Vattenfall Europe plant zwei neue Leitungen, will aber auch selbst in Windparks investieren. Die Energiekonzerne Eon und Vattenfall Europe wollen wegen des geplanten Baus neuer Windparks auf hoher See ihre Stromnetze massiv verstärken. ...

... "Und letztlich legen die Versorger die Kosten ohnehin auf die Verbraucher."

Vattenfall Europe will auch selbst von der Windenergie profitieren. "Wie alle großen Versorger prüfen auch wir die Beteiligung an Offshore-Windparks", sagte Rauscher. ....
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Selbstverständlich ist das Engagement der Energieversorger auf dem Sektor "regenerative Energieerzeugung" zu begrüssen. Und wir Bürger sowie unsere Wirtschaft erwarten eine stabile Netzversorgung. Erstens, die Gründe liegen alle auf der Hand und zweitens, der Bürger bezahlt den Netzausbau über die Bereitstellungskosten und den Stromzähler.

Dennoch: Die elektrische Energie ist in Deutschland zu teuer!

(An die aus meiner unmassgeblichen Sicht teilweise verfrühte Abschaltung des einen oder anderen KKW möchte ich heute nicht denken, - man mag mich darum heftig kritisieren.)
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WC.Hofmann
Pathfinder


Anmeldungsdatum: 09.12.2004
Beiträge: 355
Wohnort: in der Mitte Europas

BeitragVerfasst am: 12.Mai 2005 8:22    Titel: Stromnetz um ein zweites KKW entlastet / Windenergie ahoi Antworten mit Zitat

WC.Hofmann hat folgendes geschrieben::
...
Dennoch: Die elektrische Energie ist in Deutschland zu teuer!

An die aus meiner unmassgeblichen Sicht teilweise verfrühte Abschaltung des einen oder anderen KKW möchte ich heute nicht denken, - man mag mich darum heftig kritisieren.


Ich wollte die Schlagzeile eigentlich berufeneren Usern überlassen.

Obrigheim ist stillgelegt
Atomkraftwerk geht vom Netz - Opposition will längere Laufzeiten für restliche Meiler
siehe auch: http://www.welt.de/data/2005/05/12/717326.html

Aber beim zweiten Mal wird es schon zur Routine, - wie im wirklichen Leben.
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hdschulz
Insider


Anmeldungsdatum: 27.08.2004
Beiträge: 953

BeitragVerfasst am: 24.Mai 2005 9:03    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Obrigheim ist stillgelegt
Atomkraftwerk geht vom Netz - Opposition will längere Laufzeiten für restliche Meiler
siehe auch: http://www.welt.de/data/2005/05/12/717326.html

Aber beim zweiten Mal wird es schon zur Routine, - wie im wirklichen Leben.


Die Routine wird hoffentlich am 18.09. unterbrochen
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Ronald
Insider


Anmeldungsdatum: 28.02.2005
Beiträge: 781

BeitragVerfasst am: 24.Mai 2005 17:36    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, die Hoffnung habe ich auch. Möge Vernuft und Weitsicht Einzug halten.
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WC.Hofmann
Pathfinder


Anmeldungsdatum: 09.12.2004
Beiträge: 355
Wohnort: in der Mitte Europas

BeitragVerfasst am: 24.Mai 2005 17:51    Titel: Energiemix Antworten mit Zitat

Ronald hat folgendes geschrieben::
Ja, die Hoffnung habe ich auch. Möge Vernuft und Weitsicht Einzug halten.


Auch in der Schweiz wird in Bezug auf die sichere Energieversorgung weit voraus geplant. Die am Dienstag präsentierte Axpo-Studie «Stromperspektiven 2020» befasst sich aber nicht nur mit der Frage der Kernkraftwerke. Inhalt ist die grundsätzliche Energieversorgung in den nächsten Jahrzehnten.

http://www.nzz.ch/2005/05/24/il/newzzE944HGIM-12.html
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Anmeldungsdatum: 25.01.2002
Beiträge: 2182

BeitragVerfasst am: 4.Sep 2005 9:19    Titel: Antworten mit Zitat

Handelsblatt; 31.08.2005

Versorger stehen unter Spannung

Die Politik prägt keine Branche so stark wie die Energiewirtschaft. Deutschland im Jahr 2025: Im Norden, vor der Küste, drehen sich riesige Windräder, im Süden der Republik sind große Felder mit Solaranlagen bestückt, in vielen Kommunen liefern Biomassekraftwerke Strom für die Haushalte - und dort, wo vor Jahren das letzte Atomkraftwerk vom Netz ging, entsteht ein großer Freizeitpark.

Nur eine Vision? Wenn es nach der rot-grünen Bundesregierung geht, soll aus diesem Szenario mittelfristig Wirklichkeit werden. Vor allem die Grünen haben in den sieben Jahren an der Macht auf eine energiepolitische Wende gedrängt - und sie auch eingeleitet: Der Ausstieg aus der Atomkraft ist beschlossen, die sauberen Energien Wind, Sonne, Wasser und Biomasse werden massiv gefördert.

Kaum eine Branche wurde von der rot-grünen Regierungszeit so geprägt wie die Energiewirtschaft. Neue Anbieter für Wind- und Sonnenenergie sind auf dem Markt, Entscheidungen über milliardenschwere Kraftwerksprojekte werden durch politische Vorgaben beeinflusst. "Energiepolitik war eine Spielwiese der Grünen, bei denen Ökologie im Vordergrund stand", hält Wulf Bernotat, Vorstandschef von Deutschlands größtem Energiekonzern, Eon, nüchtern fest.

Im Wirtschaftsministerium hatten die Konzerne Eon und RWE allerdings auch immer einen guten Fürsprecher: Ob zuerst Werner Müller, vor und nach seiner Amtszeit als Energiemanager tätig, oder später Wolfgang Clement, der aus dem Stammland der beiden Großunternehmen, Nordrhein-Westfalen, kommt - die Wirtschaftsminister hörten stets hin, wenn die Branche rief. Immer wieder kam es deshalb zum Konflikt mit Umweltminister Jürgen Trittin. Bundeskanzler Gerhard Schröder musste mehrmals vermitteln und die Spitzen der Branche gar zum "Energiegipfel" bitten.

Heraus kamen zumeist Kompromisse, mit der die Branche durchaus leben kann. Beispiel Atomausstieg: Als Trittin 1998 das Umweltministerium übernahm, wurden die Vorstände der großen Versorger äußerst nervös. "Wir hatten richtig Angst, dass wir unsere Kernkraftwerke rasch vom Netz nehmen müssen", berichtet ein Energiemanager. Drei Jahre lang wurde verhandelt, dann stand der Atomkonsens. Die Branche versprach keine neuen Reaktoren zu bauen, bekam im Gegenzug für ihre bestehenden Kraftwerke aber Restlaufzeiten zugebilligt. Die Auswirkungen sind bislang begrenzt. 2003 ging Stade vom Netz, vor wenigen Monaten Obrigheim, 17 Anlagen sind aber noch in Betrieb.

Geht es nach der Union, wird das auch noch lange so bleiben. Kanzlerkandidatin Angela Merkel will den Atomkonsens nicht komplett kippen, der Neubau von Atomkraftwerken soll weiter tabu sein. Die bestehenden Kraftwerke sollen aber mindestens acht Jahre länger am Netz bleiben dürfen. Für die Versorger wäre das reizvoll. Sie müssten nicht so rasch neue Kohle- und Gaskraftwerke bauen, um Reaktoren zu ersetzen. Und mit den abgeschriebenen Anlagen könnten sie billig Strom produzieren. Analysten haben für die Betreiber einen Nutzen von mehreren Milliarden Euro errechnet (siehe Seite 35).

Sorgen bereitet die bevorstehende Bundestagswahl dagegen den Managern aus Wind- und Solarenergieunternehmen, haben sie in den vergangenen Jahren doch massiv von der staatlichen Förderung profitiert: "Seit 1998 hat sich der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch bei uns verdoppelt, die aus Wind produzierte Menge versechsfacht und aus Biomasse verdreifacht", berichtet Umweltminister Trittin stolz. 11,6 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr mit erneuerbaren Energien umgesetzt. Und geht es nach der amtierenden Bundesregierung, soll es dabei nicht bleiben. Im Jahr 2012 soll Deutschland bereits 12,5 Prozent des Stromes mit erneuerbaren Energien erzeugen, 2020 sollen es 20 Prozent sein.

Die Union hat sich noch nicht genau zu ihren Plänen geäußert. Dass sie das erste Ziel für erreichbar hält, das zweite für unrealistisch und das Fördersystem auf den Prüfstand stellen will, steht aber außer Zweifel. Die Wünsche der Versorger an die nächste Regierung - egal welcher Couleur - liegen indes schon vor: "Das Dreieck aus Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz muss besser ausbalanciert werden", sagt Eon-Chef Bernotat. "Wir brauchen belastbare Bedingungen für Investitionen."


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Anmeldungsdatum: 25.01.2002
Beiträge: 2182

BeitragVerfasst am: 18.Sep 2005 13:15    Titel: Antworten mit Zitat

IWR; 14.09.2005

Die Wirtschaftlichkeit der Offshore-Projekte auf dem Prüfstand

Der Offshore-Markt gilt als große Hoffnung der deutschen Windbranche und die Offshore-Technologie hat sich in den letzten Jahren zu einem Zugpferd der Windenergie-Forschung entwickelt.

Sulzbach/Ts. (iwr-pressedienst) - Doch die Realisierung von Offshore-Windparks in Deutschland geht längst nicht in so hohem Tempo voran wie vorausgesagt. Ein wichtiger Schritt für die Branche ist Anfang September erfolgt, als Bundesumweltminister Jürgen Trittin den Förderbescheid zum Erwerb der Standortrechte für das bundesdeutsche Offshore-Testfeld an die neu gegründete "Stiftung Offshore-Windenergie" überreicht hat.

Bis die erste Offshore-Anlage in deutschen Gewässern in Betrieb genommen werden kann, müssen noch viele technische, finanzielle und wirtschaftliche H³rden genommen werden. Hinzukommt die derzeitigen Unsicherheit in Bezug auf die energiepolitischen Rahmenbedingungen nach den Wahlen und die Auswirkungen auf die Offshore-Branche.

Auf der Konferenz "Going Offshore 2006" vom 02. bis 04. November 2005 in Hamburg stellen Finanzierer, Versicherer, Projektierer und Betreiber die Wirtschaftlichkeit von Offshore-Projekte auf dem Prüfstand. Die Hürden der Banken für Finanzierungszusagen werden ebenso besprochen wie z.B. technische Kostenfallen bei der Gründung und Wirtschaftlichkeitsprüfungen durch den Einsatz von Windmessmasten.

Im Mittelpunkt einzelner Praxisberichte stehen außerdem die Lösungen und Grenzen der Netzanbindung von deutschen Offshore-Windkraftanlagen sowie die Betreibung des zur Zeit viel diskutierten bundesdeutschen Testfeldes. Weiterhin informieren u.a. E.ON, RWE, GE Energy und Vestas über den Betrieb sowie Wartungs- und Reparaturkonzepte ihrer europäischen Offshore-Windparks.

Die Konferenz richtet sich an Betreiber, Planer und Ingenieurbüros, die sich mit Offshore-Windparks beschäftigen, an Hersteller von Windenergieanlagen, Offshore- und Messtechnikunternehmen, Service- und Wartungsanbieter sowie an Finanzierungsdienstleister und Versicherungen. Der Veranstalter ETP (Energie Training f³r die Praxis) will dieser Zielgruppe eine Gelegenheit geben, sich Informationen zum aktuellen Handlungsbedarf in der Offshore-Branche zu holen und Kontakte zu vertiefen.

IWR
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Anmeldungsdatum: 25.01.2002
Beiträge: 2182

BeitragVerfasst am: 25.Sep 2005 9:28    Titel: Antworten mit Zitat

ftd.de; 20.09.2005

Windkraft tief unter der Erde speichern

Wenn Fritz Henken-Mellies durch die Maschinenhalle des Luftspeicher-Gasturbinen-Kraftwerks in Elsfleth schreitet, gerät er ins Schwärmen: "Das ist eine alte Dame, die uns in mehr als 30 Jahren nie im Stich gelassen hat." Henken-Mellies ist Diplomingenieur und leitet das Werk, das zwischen Oldenburg und Bremen liegt und europaweit das einzige seiner Art ist.

1978 hatte ein Vorgängerunternehmen des Eon-Konzerns den Block in Betrieb genommen. Er bringt 290 Megawatt (MW), moderne Atomkraftwerke schaffen rund 1100 MW, Kohlekraftwerke 750 bis 800 MW. "Die Technik ist genial einfach", sagt Henken-Mellies. Bei schwacher Stromnachfrage pumpt die Anlage nachts Luft in zwei unterirdische Lagerstätten, die Kavernen. Sie liegen 800 Meter tief in der Erde in Salzstöcken (im Ruhrgebiet lagert die Kohle 1000 bis 1200 Meter tief).

Das Salz wurde aus den Kavernen gespült, so können diese zusammen rund 300 000 Kubikmeter Luft speichern - etwa so viel, wie 300 Heizöltanks aufnehmen können, die jeweils 1000 Liter fassen.

Der Speicher entlädt sich auf Knopfdruck. "Wenn wir von unserem Lastverteiler das Signal bekommen, geht es los", erklärt Henken-Mellies. Knapp acht Minuten braucht die Gasturbine, um volle Leistung zu bringen. Gut zwei Stunden erzeugt sie Strom, dann ist der Luftspeicher leer.

Bislang nutzten die Energiefirmen die Technik nicht aus, weil sie relativ wenig Strom mit Wind erzeugten: Zurzeit sind es rund sechs Prozent des Gesamtstroms. Mit dem Ziel der Bundesregierung, bis 2030 etwa 25 Prozent des Stroms mit Windenergie zu produzieren, ändert sich aber das Kalkül. 15 Prozent des Windstroms sollen aus den geplanten Offshore-Windparks in der Nordsee kommen.

Die dort gewonnene Energie findet an der Küste aber nicht ausreichend Abnehmer. Also braucht man Trassen, zum Beispiel bis ins Ruhrgebiet. Rund 850 Kilometer der neuen Hochspannungsleitungen sind bis zum Jahr 2005 notwendig. Das hat die Deutsche Energie-Agentur (Dena) in ihrer Netzstudie berechnet.

Auch wenn es technisch und finanziell machbar ist - Professor Hans-Jürgen Haubrich bezweifelt, dass alle 450 Kilometer Trassen gebaut werden, die in einer ersten Etappe bis zum Jahr 2010 vorgesehen sind. "Das ist bei der heutigen Genehmigungspraxis völlig illusorisch", sagt er. Haubrich ist Leiter des Instituts für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. "Deshalb sind Alternativen wie die Zwischenspeicherung in einem Druckluftspeicher sinnvoll." Damit wird der Strom nur bei Nachfrage in die Ballungsgebiete geleitet.

So sparen die Energielieferanten den Bau zusätzlicher Trassen. "Damit könnten wir den von der Dena errechneten Netzausbau zum Teil überflüssig machen", hofft auch Udo Paschedag, der im Bundesumweltministerium (BMU) das Referat Windkraft leitet. "Ich bin überzeugt davon, dass wir auf Dauer einen Markt für Speicherstrom bekommen", sagt der BMU-Windexperte.

Wirtschaftlichkeit prüfen

Branchenkenner gehen ebenfalls davon aus, dass Druckluftkraftwerke in Deutschland eine Renaissance als Zwischenspeicher erleben könnten. Der ideale Ort sind nach Haubrich die vielen Salzstöcke, die den Untergrund der Norddeutschen Tiefebene durchziehen: "Das passt wunderbar zusammen, da dort auch die Schwerpunkte der Windstromeinspeisung sind." Seine Vorstellung: In die ausgesolten Salzstöcke könnte der Windstrom in Zeiten, wo die Stromnachfrage gering ist, Druckluft pressen - und fertig wäre ein Zwischenspeicher. Wie wirtschaftlich dieses Vorgehen ist, soll Haubrich in einem Gutachten für das BMU klären.

Das Ministerium greift dabei ein Konzept von Fritz Crotogino auf. Der Projektleiter der heutigen KBB Underground Technologies (KBB UT) hat das Druckluftkraftwerk in Elsfleth vor mehr als 30 Jahren mitgeplant: "Ich kann mir gut vorstellen, dass es künftig überall da, wo der Offshore-Strom ankommt, auch einen Druckluftspeicher gibt."

Allerdings sollten sich weder Politik noch Windbranche Illusionen darüber machen, dass Luftspeicherkraftwerke konventionelle Anlagen ganz überflüssig machen könnten - also Schattenkraftwerke, die für eine Stromversorgung bei Windflauten sorgen. "Einen völligen Ersatz wird es aus Kostengründen nicht geben. Aber selbst wenn wir den Bedarf an Schattenkraftwerken bereits um 10 bis 15 Prozent mindern könnten, wäre das ein großer Fortschritt, der helfen würde, viel Geld zu sparen", sagt der KBB-UT-Fachmann.

Crotogino hat keinen Zweifel daran, dass auch die großen Energieversorger Interesse an den Druckluftspeicherkraftwerken haben. Der Turbinenbauer Alstom Power arbeitet unter anderem mit MAN Turbo, einem der größten Hersteller von Druckluftkompressoren, der Deep Engineering, einer Schwesterfirma von KBB UT, sowie RWE und Eon an der nächsten Generation von Druckluftkraftwerken.

Wärmeenergie miterzeugen

Diese Anlagen haben einen entscheidenden Vorteil: Wenn sich die Luft verdichtet, entsteht automatisch Wärmeenergie. Die kann der neue Typ Kraftwerk zwischenspeichern, der alte nicht. Bei den betagten Modellen sind noch Kühler eingebaut, die diese Energie vernichten. Der Prozess schluckt bei den alten Anlagen viel Brennstoff - ebenso wie das Zusammenpressen der Luft. Die neuen Kraftwerke brauchen hingegen keinen Brennstoff mehr, was Kosten spart. Außerdem haben sie einen wesentlich höheren Wirkungsgrad. Dieser beschreibt das Verhältnis zwischen eingesetzter und erzeugter Energie. Der neue Typ hat einen Wirkungsgrad von 70 Prozent, die Anlage in Elsfleth einen von 42 Prozent, ein Kohlekraftwerk neuer Bauart einen von 45 Prozent.

Wenn die Forscher gut vorankommen, wäre die nächste Generation der Druckluftkraftwerke etwa dann fertig, wenn auch die meisten Offshore-Windparks in Betrieb gehen. Das könnte den neuen Speichern zum Durchbruch verhelfen.

Potenzielle Investoren sollten aber nicht zu lange warten. Laut Crotogino kostet es viel Zeit, die Kavernen auszusolen. "Allein bis ein Hohlraum für einen Speicher mit einem Fassungsvermögen von einer Million Kubikmeter ausgespült ist, braucht es fünf Jahre", sagt der Experte.

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