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Corax Specialist
Anmeldungsdatum: 03.08.2004 Beiträge: 247 Wohnort: Hannover
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Verfasst am: 3.Aug 2005 10:27 Titel: Versorger kämpfen gegen das Wassersparen |
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Der größte deutsche Wasserversorger, Gelsenwasser, hat die Verbraucher aufgefordert, beim Wasserkonsum großzügig zu sein. "Es macht ökonomisch wie ökologisch keinen Sinn, in Nordrhein-Westfalen Wasser zu sparen", sagte Vorstandschef Manfred Scholle.
Gelsenwasser: Sparen zahlt sich nicht aus
Während Rohwasser in Deutschland im Überfluss vorhanden sei, müsse der sehr hohe Fixkostenanteil von Netz und Wasserwerken auf eine immer geringere Menge umgeschlagen werden. "Letztlich wird durch geringeren Wasserverbrauch keine finanzielle Einsparung erzielt", sagte Scholle. Der Verbrauch in Deutschland liegt bei täglich 130 Litern pro Kopf, 20 Liter weniger als noch 1990.
Keine Auswirkung auf internationalen Markt
Wenn der deutsche Wasser-Marktführer sich derart unverhohlen für verschwenderischen Umgang mit dem kostbaren Nass ausspricht, steht das auf den ersten Blick in krassem Gegensatz zum weltweiten Wassermangel. Nach Schätzungen haben derzeit 1,1 bis 1,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu einwandfreiem Trinkwasser, jeder sechste Erdbewohner. Allerdings wird Wasser, anders als Rohstoffe wie Öl oder Metalle, in regionalen Märkten gehandelt. Einsparungen in niederschlagsreichen Ländern mit guter Infrastruktur bringen Mangelregionen daher keinen Gewinn. Dazu sind nur Investitionen vor Ort in der Lage.
Wachstumsgeschäft Wasser
Laut der Weltbank sind dazu jährlich 60 Mrd. $ erforderlich. Trotz Finanzierungsproblemen entwickelt sich die Verbesserung der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung zu einem starken Wachstumsgeschäft - so stellte es jedenfalls unlängst eine Studie der Investmentbank Goldman Sachs fest. Wichtigste Triebkraft sei das Bevölkerungswachstum. Die UN fürchten, dass sich ohne ausreichende Investitionen der Anteil der schlecht versorgten Menschen weltweit bis 2025 auf ein Drittel erhöht. Zudem steigt in einigen Industrieländern der Verbrauch - anders als hier zu Lande - stärker als die Bevölkerungszahl. So hat sich der Konsum in den USA in den letzten 30 Jahren auf knapp 300 Liter pro Einwohner verdreifacht, während die Bevölkerung nur um 50 Prozent wuchs.
Zuwächse von 10-15% möglich
Der globale Wassermarkt hat derzeit ein Volumen von 365 Milliarden US-Dollar. Goldman Sachs erwartet in den kommenden Jahren Zuwächse von jährlich 10 bis 15 Prozent in weniger entwickelten Ländern und von vier bis sechs Prozent in den Industrieländern. Die Beratungsfirma Frost&Sullivan rechnet für Europa mit einem Marktwachstum von durchschnittlich 4,1 Prozent bis 2010.
Übernahmewelle bei Ver- und Entsorgern
Die Perspektive hat in den letzten Jahren eine Übernahmewelle ausgelöst. Neben Ver- und Entsorgern erfasste sie Hersteller von Aufbereitungstechnologie, Entsalzungsanlagen, Pumpen oder Ventilen und Automatisierungstechnik. Unter den zehn weltweit größten Anbietern sind laut Goldman Sachs die deutschen Konzerne RWE (DE0007037129) als Versorger und Siemens (DE0007236101) mit Aufbereitungstechnik.
Starke Konzentration
RWE kommt mit einem Wasserumsatz von 12,6 Mrd. $ auf Rang zwei hinter dem französischen Marktführer Veolia (FR0000124141). Siemens rückte mit dem Kauf des Filtertechnologie-Herstellers US Filter für knapp 1 Mrd. $ auf Rang sechs der umsatzstärksten Wasserkonzerne, vor mit einem Umsatz von 1,57 Mrd. $ im Wassersegment. Durch die Übernahmen hat die Konzentration stark zugenommen. Der US-Mischkonzern General Electric (US3696041033) erwarb im vergangenen November für 1,1 Mrd. $ die Aufbereitungsfirma Ionics; ITT Industries kaufte die deutsche Wedeco Water Technologies und Shanghai Hengton; der US-Konzern Pentair erwarb die Schweizer Filtrationsfirma Wicor für 850 Mio. $. "Wir bewegen uns in Richtung eines Wasseroligopols", schreibt Deane Dray, Mitautorin der Goldman-Sachs-Studie.
Deutschland bei den Preisen ganz oben
In Deutschland ist die Situation konträr. Die Branche ist zersplittert. Gelsenwasser (DE0007760001) ragt mit rund 5,5 Millionen Kunden heraus. Die Branche wehrt sich gegen Liberalisierung und Privatisierung. Kritiker wie Hubertus Bardt, Umweltexperte des Kölner IW-Instituts, machen die ineffektive Struktur für die hohen deutschen Wasserpreise verantwortlich. Laut der Beratungsfirma NUS liegt der Preis in Deutschland mit 1,83 Euro je Kubikmeter am oberen Rand. In Spanien zahle man nur 0,71 Euro, in den USA nur 0,49 Euro. Die deutsche Branche stemmt sich gegen solche Vergleiche.
Grundsatzstreit entbrannt
Die Auseinandersetzung spiegelt einen Grundsatzstreit. Viele Umwelt- und Menschenrechtsgruppen sehen Wasserversorgung als Menschenrecht, das nicht Wirtschaftsmechanismen unterworfen werden dürfe. Dagegen sehen Befürworter der Privatisierung darin den besten Weg zu guter Versorgung und günstigem Wasser. Am höchsten sind die Kosten in den ärmsten Gebieten der Welt. Die Bewohner müssen für Wasser das Gros ihres Einkommens aufwenden.
Quelle: t-online.de |
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