GoMoPa
 
 
 
 
GoMoPa    SuchenSuchen RegistrierenRegistrieren ProfilProfil LoginLogin
FAQFAQ MitgliederlisteMitgliederliste Einloggen, um private Nachrichten zu lesenEinloggen, um private Nachrichten zu lesen



Haftung von Juristen

Neuen Beitrag schreiben   Auf Beitrag antworten GOMOPA® : Startseite ->  Foren-Übersicht -> Urteile & Recht
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen 
Autor Nachricht
GM&P Info
.


Anmeldungsdatum: 18.01.2006
Beiträge: 3708

BeitragVerfasst am: 24.Apr 2006 8:03    Titel: Haftung von Juristen Antworten mit Zitat

Zitat:
Im Zweifel für den Anwalt

Mancher Rechtsstreit geht wegen des eigenen Juristen verloren. Dann stellt sich die Frage nach der Haftung

Pfuscht ein Handwerker, kann der Auftraggeber verlangen, daß die Arbeit nachgebessert wird. Er kann den Werklohn mindern oder gar vom Vertrag zurücktreten. Nicht ganz so eindeutig ist die Situation, wenn ein Rechtsanwalt schlechte Leistungen bringt. Denn einerseits handelt es sich nicht um einen Werkvertrag, bei dem die genannten Rechte geltend gemacht werden könnten. Zum anderen ist es für Laien zumeist nicht leicht, anwaltliche Beratungsfehler oder Versäumnisse zu erkennen. Denn klar ist auch: Nicht jede ungünstig verlaufene rechtliche Angelegenheit kann auf anwaltliches Fehlverhalten zurückgeführt werden.

Konkrete Zahlen liegen nicht vor, "denn anwaltliche Haftungsfälle sind nicht meldepflichtig", so Peggy Fiebig, Referentin bei der Bundesrechtsanwaltskammer in Berlin. Experten kalkulieren mit lediglich einem Haftungsfall pro Anwalt alle fünf Jahre, und dies im Übrigen unabhängig von der Berufserfahrung des Advokaten. Anders gerechnet: Bei aktuell rund 138 000 zugelassenen Rechtsanwälten in Deutschland, wären dies jährlich gut 27 500 Fälle, in denen die Anwaltsleistung zu einer Auseinandersetzung mit dem eigenen Mandanten führt. Denn der Rechtsanwalt ist stets der erste Ansprechpartner, wenn der Mandant Schadenersatz geltend macht. Die Bundesrechtsanwaltsordnung schreibt zwar vor, daß Rechtsanwälte eine Haftpflichtversicherung besitzen müssen. "Einen Direktanspruch, wie etwa bei der Auto-Haftpflichtversicherung, gibt es derzeit aber nicht", so Antje Jungk, Leitende Justitiarin bei der Allianz-Versicherung.

"Am häufigsten lassen sich Fristversäumnisse erkennen", so Brigitte Borgmann. Die Münchner Juristin ist Begründerin des Standardwerks zur Anwaltshaftung. "Ursache dafür sind meist Personalfehler, die sich der Anwalt aber zurechnen lassen muß", so Borgmann. Allein die Tatsache, eine Frist versäumt zu haben, kann zum Verlust eines Prozesses führen. Gut 40 Prozent der Haftungsfälle gehen auf verpaßte Fristen zurück, belegt eine Statistik der Allianz-Versicherung, bei der etwa die Hälfte der deutschen Rechtsanwälte versichert ist.

Neben dem Verpassen von Fristen kommt auch anderes Verhalten in Betracht, das zur Haftung des Rechtsvertreters führen kann - wie eine unschlüssige Klage oder das Annehmen eines gerichtlichen Vergleichs, obwohl die Fortsetzung des Prozesses angezeigt gewesen wäre. Entweder räumt der Anwalt selbst seinen Fehler ein, was bei versäumten Fristen zumeist unvermeidlich ist, oder man sollte den Verdacht eines Fehlers von einem anderen Anwalt prüfen lassen. In Betracht kommen zudem allgemeine Beratungsfehler oder die unzureichende Prüfung eines Vertragswerkes.

Doch auch wenn ein anwaltlicher Fehler vorliegt, muß dieser nicht ursächlich für den eingetretenen Schaden sein. "Entscheidend, beispielsweise bei einer versäumten Frist, sind die Aussichten des Verfahrens", erklärt Versicherungsjuristin Jungk. Wurde die Frist für eine Berufung verpaßt, hätte die Berufung aber keine Aussicht auf Erfolg gehabt, dann sei die verpaßte Frist nicht ursächlich für den Schaden.

Ein vom Bundesgerichtshof (BGH) entschiedener Fall (Az.: IX ZR 106/04) macht die Grenzen anwaltlicher Haftung deutlich: Eine Mandantin schickt ihrem Anwalt einen vom Kaufinteressenten vorlegten Vertragsentwurf über einen Grundstückskauf - mit der Bitte ihn auf "Fußangeln" zu überprüfen. Der Vertrag enthielt eine übliche Gewährleistungsklausel, daß das Grundstück unbelastet sei. Anwalt und Mandantin hatten drei Monate zuvor erfahren, daß es schwere Bodenverunreinigungen darauf gibt. Dennoch hatte der Anwalt am Vertrag nichts auszusetzen. Das Grundstücksgeschäft scheiterte, weil der Käufer es wegen arglistiger Täuschung erfolgreich angefochten hat. Begründung: Die Verkäuferin hätte über die Bodenverunreinigung aufklären müssen.

Hätte der Anwalt spätestens bei Lektüre des Vertragsentwurfs seine Mandantin darauf hinweisen müssen, daß sie dem Grundstückskäufer die Bodenverunreinigungen hätte offenbaren müssen? "Nein", sagte der für die Anwaltshaftung zuständige 9. Senat des Bundesgerichtshofs. Die Richter konnten keine Pflichtverletzung des Rechtsanwalts erkennen, obwohl dieser sowohl von der Bodenverunreinigung als auch von der Vertragsklausel wußte, die sinngemäß besagte: "Der Verkäuferin sind keine wesentlichen Mängel des Grundstücks bekannt." Begründung der Richter: Zwischen dem Beratungsgegenstand, also dem Vertrag, und der Information an den Anwalt über die Bodenverunreinigung habe keinerlei Zusammenhang bestanden. Denn es "liege fern", daß diese Information dem beklagten Anwalt drei Monate später noch "gegenwärtig" gewesen sei.

Für Nichtjuristen ist diese Beurteilung auf den ersten Blick zwar schwer nachvollziehbar. Doch der von der Grundstückseigentümerin erteilte Auftrag lautete lediglich, den Vertrag auf "Fußangeln" zu überprüfen. Und "die Gewährleistungsregelung war üblich, klar verständlich", so die BGH-Richter über den zu prüfenden Vertrag.

Pflichtverletzungen, zudem ursächlich für einen Schaden, sind nicht die Regel. Weit über die Hälfte der Haftpflichtprozesse gegen den eigenen Anwalt gehen verloren. Deshalb empfiehlt es sich, als Mandant von Beginn an alle Pflichten zu erfüllen. Wichtig ist insbesondere, seinem Rechtsvertreter alle relevanten Informationen im Rahmen des Mandats zukommen zu lassen - und schriftlich nachzufassen, ob noch Informationen benötigt werden. Dann liegt es am Anwalt, die richtigen Fragen zu stellen und wichtige Unterlagen anzufordern, um nicht zu haften


Quelle: Welt - Marcus Preu
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden www.finanzkatalog24.net www.finanzblog24.net Werben mit GoMoPa® Beschwerde erheben
www.janolaw.de
Beiträge vom vorherigen Thema anzeigen:   

Neuen Beitrag schreiben   Auf Beitrag antworten     Foren-Übersicht -> Urteile & Recht Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehen Sie zu:  
Sie können keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Sie können auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Sie können an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Ähnliche Beiträge
Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
Keine neuen Beiträge Thumbnails verletzen Urheberrecht, tr... Verbraucheranwalt Urteile & Recht 0 23.Apr 2008 8:09 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge KG: Haftung nach §171 HGB froehlich_qlb Deutsche Strukturen 6 16.März 2008 14:39 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Prospektübergabe/Kenntnisnahme für Ha... RA Göddecke Urteile & Recht 0 26.Feb 2008 9:18 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Limited in Deutschland: Haftung des D... Peter Wilhelm UK Limited 4 24.Jan 2008 16:40 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge US-Corporation: Begrenzte Haftung der... Verbraucheranwalt Firmengründung und Offshore 1 13.Jan 2008 11:02 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Haftung des GmbH-GF bei Insolvenz der... GM&P Info Urteile & Recht 0 14.Sep 2007 8:24 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Haftung des Steuerberaters Flavia Steuerberatung & Steueroptimierung 2 23.Mai 2007 17:06 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Haftung von eBay bei Markenverletzungen Eiliger Geist Urteile & Recht 3 19.Apr 2007 15:54 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Haftung des Directors bei Insolvenz e... NOMOCON UK Limited 2 11.Feb 2007 19:00 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge EU-Rechtsprechung: Haftung der Mitgli... London Europaeische Unternehmensformen 0 14.Jan 2007 9:40 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Fluggesellschaften dürfen Haftung nic... Moderator GM&P Urteile & Recht 0 13.Dez 2006 10:09 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Haftung ein KG bei Steuerschulden Joschi2006 Allgemeines 0 8.Sep 2006 14:02 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Vereinsrecht: Haftung der Mitglieder ... GM&P Info Urteile & Recht 1 18.Aug 2006 6:38 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge BGH: Haftung in Sachen Drei-Länder-Fonds Verbraucheranwalt Urteile & Recht 1 15.Aug 2006 19:08 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Ltd. by shares: Haftung grds. nach e... Anlegeranwalt Urteile & Recht 0 20.Jun 2006 7:42 Letzten Beitrag anzeigen


Powered by phpBB © phpBB Group
 
 

Copyright 2000-2008 - GoMoPa® - Goldman Morgenstern & Partners Consulting LLC
Impressum | Presse | Kooperation | Forenwerbung | Downloads | Newsletterwerbung | Sitemap | Partnerprogramm | Bannergenerator | Polizei-STA-Behoerden | Premiumaccounts | Werbung | Finanzlinks | Beschwerde

Katalog für Finanzen | Suche für Finanzen | Blog für Finanzen