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money-baer Insider
Anmeldungsdatum: 28.02.2002 Beiträge: 779 Wohnort: /Mfr.
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Verfasst am: 7.Jul 2003 8:32 Titel: Nach PROTECTOR f. LV jetzt MEDICATOR für pKV?? |
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Markt und Politik vom 7.7.2003
Medicator soll drohende Schieflage richten
„Medicator“ heißt die neue Auffang-Gesellschaft, die jetzt auf Betreiben des Verbands der privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) gegründet wurde.
Die Branche baut vor. Sollte ein privater Krankenversicherer in Schieflage geraten, soll es künftig die Medicator AG richten können. Verbraucherschützer haben bereits Bedenken dazu angemeldet.
Nachdem die Lebensversicherer unter dem Dach von „Protektor“ die Verträge der in Schieflage geratenen Mannheimer Lebensversicherung AG auffangen wollen, haben offenbar die 50 PKV-Verbands-Mitglieder Handlungsbedarf gesehen, um eventuell die Verträge der Mannheimer Kranken in sichere Verwaltungs-Hände zu legen.
Wie der PKV-Verband mitteilt, steht Medicator bereit, die Erfüllung der Versicherungs-Verträge zu sichern, „falls ein Krankenversicherungs-Unternehmen in eine finanzielle Notlage geraten sollte“.
Reine Vorsichts-Maßnahme
Allerdings handele es sich um eine reine Vorsichts-Maßnahme, ließ PKV-Präsident Reinhold Schulte wissen. Nach wie vor gebe es kein Unternehmen, das sich in einer finanziellen Notlage befinde.
Als die Nachricht kurz vor Anbruch des Wochenendes auf die Redaktions-Schreibtische flatterte, war von den Offiziellen niemand mehr wegen ausführlicherer Auskünfte zu erreichen.
Mitgeteilt wurde allerdings, dass Köln der Amtssitz der Medicator AG sein wird, wo auch der PKV-Verband zu Hause ist.
1 Milliarde Euro Haftungs-Kapital
Es wird ein Haftungs-Kapital von 1 Milliarde Euro angestrebt, heißt es in der offiziellen Presse-Mitteilung. Außerdem: Die Gründungs-Mitglieder gehen von der solidarischen Beteiligung aller Unternehmen der PKV an Medicator aus.
Wie von nicht bestätigter Seite inzwischen verlautete, sollen zu den Gründungs-Gesellschaften jeweils die Krankenversicherer der folgenden Unternehmensgruppen gehören:
· Allianz,
· Barmenia,
· CKV,
· Continentale
· Debeka,
· DKV,
· Landeskrankenhilfe Lüneburg und
· Signal Iduna.
Auch die restlichen 42 Mitglieds-Unternehmen sollen demnach dem Auffang-Pool beitreten.
Sog-Wirkung bei den Mannheimern?
Das Mannheimer Desaster im Lebensversicherungs-Bereich könnte Sog-Wirkung haben. So ist inzwischen selbst bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (BaFin) zu hören, dass die Mannheimer Kranken ebenfalls Probleme bekommen könnte.
Eine Art „Kirch-Syndrom“ wäre bei der Mannheimer Gruppe denkbar, kommentiert auch Manfred Poweleit, Herausgeber des Branchen-Informations-Dienstes map-report, die derzeitigen Vorgänge.
Die Schwierigkeiten, die die Mannheimer Leben und somit auch die Mannheimer Holding AG bekamen, könnten auch auf die anderen Gesellschaften der Gruppe durchschlagen (VersicherungsJournal 27.6.2003).
Forderung des Bundes der Versicherten
Indes forderte der Bund der Versicherten (BdV) bereits frühzeitig zur Absicherung von privaten Krankenversicherungs-Unternehmen eine Art Protektor II.
Begründung: Diese Kranken-Risikoversicherungs-Verträge müssten in der Tat Bestand haben, weil es für viele (besonders kranke) Versicherten unmöglich wäre, einen neuen Vertrag zu bekommen, wenn der Versicherer pleite gehe. Auch die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung sei für die meisten Versicherten unmöglich.
Kritik an den Branchen-Lösungen
Frank Braun, Geschäftsführer des Verbraucherschutzverbandes BdV, meldet aber auch Kritik an den bisher getroffenen Branchen-Lösungen mit der Gründung ihrer Auffanggesellschaften an: „Mit einem Konkurs-Sicherungs-Fonds wären die Versicherten besser abgesichert.“
Das gelte nicht nur für die Protektor-Auffang-Lösung, sondern in der folge auch für die Medicator AG.
Bessere Alternative: Konkurs-sicherungs-Fonds?
Seit langem fordere man einen echten Konkurs-Sicherungs-Fonds. Die von der BaFin gebilligte Lösung über Protektor sei kein echtes Sicherungsnetz für Verbraucher, weil schon die Insolvenz eines großen oder mehrerer mittlerer Lebensversicherer nicht dauerhaft von Protektor bewältigt werden könne.
Besser wäre ein Konkurs-Sicherungs-Fonds, in den alle Lebensversicherer Beiträge einzahlen müssten. Im Konkursfall eines Unternehmen würden die Kunden ausgezahlt und könnten ihre Geldanlage neu ordnen.
Die Kunden wären dann nicht auf „Gedeih und Verderben“ an einen ungünstigen Kapital-Lebensversicherungs-Vertrag gebunden, so Braun.
Zentrale Schwächen bei Auffang-Gesellschaften
Auch die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) wies inzwischen auf „zentrale Schwächen der Auffang-Gesellschaft der Versicherungswirtschaft“ hin. „Die Insolvenz-Sicherung durch die Protektor Lebensversicherung AG ist nicht zukunftstauglich“, sagte Manfred Westphal, Fachbereichsleiter Finanzdienstleistungen beim vzbv.
Für die Lebensversicherungs-Kunden der Mannheimer Leben oder anderer, relativ kleiner Versicherer reiche das Garantie-Kapital von Protektor zwar aus, nicht jedoch für Zusammenbrüche großer Versicherer.
Hier – genauso wie für die privaten Krankenversicherungen – könne nur ein Insolvenz-Sicherungs-Fonds die nötige Rund-um-Sicherheit gewähren.
Quelle: Versicherungs-Journal |
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money-baer Insider
Anmeldungsdatum: 28.02.2002 Beiträge: 779 Wohnort: /Mfr.
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Verfasst am: 14.Nov 2003 8:49 Titel: Es kommt noch schlimmer !? |
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Die Kranken und die Gesunden
Nach dem Debakel um die Solvenz der Lebens-Versicherer haben Rating-Agenturen herausgefunden, dass die privaten Kranken-Versicherer (PKV) im letzten Jahr insgesamt 5,7 Milliarden Euro an stille Lasten aufgetürmt haben. „Stimmt so nicht“, hält PKV-Präsident Schulte dagegen.
In kaum gekannter Einmütigkeit haben gleich mehrere Rating-Agenturen und Experten ein tiefes Loch im Finanz-Säckel von 30 bis 50 Prozent der PKV-Unternehmen ausgemacht.
5,7 Milliarden „Miese“ gegen 2,8 Milliarden im Plus
FitchRatings-Analyst Christian Kühner rechnet vor, dass Ende 2002 die stillen Lasten der PKV-Unternehmen rund 5,7 Milliarden Euro ausgemacht hätten. Die stillen Reserven dagegen hätten nur 2,8 Milliarden Euro betragen.
Die Summen entsprechen nach Aussagen von Reinhold Schulte, Präsident des PKV-Verbandes, nicht den Tatsachen. Richtig sei vielmehr, dass „nur“ 1,3 Milliarden Euro an stillen Lasten gestemmt werden müssten.
Die FitchRatings-Experten weisen darauf hin, dass – zwar vom Fiskus legitimiert – aber doch auch bedenklich, eine unterschiedliche Darstellungsweise der Unternehmens-Solvabilität nach Buchwert- und Marktwert-Berechnung zu der Diskrepanz führe.
Buchwert ist …
Marktwert ist …
... der Wert von Vermögens-Gegenständen und Schulden in der Bilanz. Es handelt sich hierbei etwa um Anschaf-fungs- oder Herstellungs-Kosten unter Berücksichtung eventueller Zu- und Ab-schreibungen sowie der Rückzahlungs-Betrag bzw. der Barwert.
... der aktuelle Zeitwert für Vermögens-Gegenstände und Schulden zum Bilanz-Stichtag.
Schützenhilfe von Fach-Kollegen
Die Analysten von FitchRatings, denen in der letzten Zeit von der Assekuranz unsensibles Vorgehen im Veröffentlichen von Rating-Wahrheiten vorgeworfen wird, bekommen unversehens bei ihrer Kritik an PKV-Unternehmen Schützenhilfe von Morgen&Morgen, Assekurata und Peter Schramm, öffentlich bestellter Sachverständiger für die private Krankenversicherung.
Deutlich eingetrübte Lage
Die Lage der PKV-Branche habe sich gegenüber dem Vorjahr deutlich eingetrübt, schreibt Morgen&Morgen-Geschäftsführer Joachim Geiberger im Wirtschafts-Magazin Capital 21/2003: Aus Kapitalanlagen hätten die Privaten Kranken-Versicherer im Schnitt nur 3,5 Prozent Netto-Verzinsung herausgeholt.
Im Vorjahr seien es noch 6,2 Prozent gewesen.
Kollektives Schwächeln
Im selben Capital-Heft bescheinigt Assekurata-Geschäftsführer Christoph Sönnichsen den privaten Kranken-Versicherern „kollektives Schwächeln“. Nach dem Extrem-Fall der Mannheimer seien auch einige andere in ernsthaften Schwierigkeiten.
Nach Berechnungen der Assekurata verloren die PKV-Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren insgesamt 7 Milliarden Euro an den Kapital-Märkten.
Nur vier Gesellschaften im grünen Bereich
Laut dem Capital-Rating von Morgen&Morgen liegen nur vier von 39 getesteten privaten Kranken-Versicherern in allen Bewertungs-Kriterien (Ertrag, Sicherheit und Wachstum) im „grünen Bereich“:
· Barmenia,
· Debeka,
· R+V und
· Süddeutsche.
Der Rest ist Schweigen
Resümee: Der Rest ist offensichtlich Schweigen. Eine komplette Übersicht von Morgen&Morgen ist in Capital 21/2003 nachzulesen.
FitchRatings, das die „komplette Wahrheit“ über die PKV unlängst zusammenstellte, nennt bisher öffentlich erst wenige Details. Im Magazin „Der Spiegel“ vom 3. November 2003 sind Auszüge und ein „gruseliges Ergebnis“ nachzulesen.
Sechs Versicherer mit negativem Eigenkapital
Marco Metzler von FitchRatings kommt danach zu dem Ergebnis. „Auf Basis von Marktwerten lag am 31.12.2002 bei sechs Kranken-Versicherern ein negatives Eigenkapital vor.“
Das Augemerk liegt auf den „Problemfällen unter den privaten Krankenversicherern“, zu denen offensichtlich die Inter (stille Lasten 179,6 Millionen Euro), die Hallesche (101,8 Millionen Euro), die Freie Arzt- und Medizinkasse (FAM, 6,3 Millionen Euro) sowie die Mannheimer mit 10,2 Millionen Euro stillen Lasten zählen.
Lasten höher als Reserven
Bei der FAM standen Ende 2002 den 6,3 Millionen Euro stillen Lasten 0,5 Millionen Euro stille Reserven gegenüber. Das aufsichtsrechtliche Eigenkapital wurde mit 4,4 Millionen Euro angegeben.
Daraus errechnet sich laut Fitch ein negatives Eigenkapital von minus 1,4 Millionen Euro.
Nachprüfbar?
Die stillen Lasten der Halleschen von minus 101,8 Millionen Euro (gegenüber 10,1 Millionen Euro stillen Reserven) hat Assekurata inzwischen relativiert.
Seit dem letzten Bilanz-Stichtag haben sich laut einer Presse-Mitteilung des Rating-Unternehmens deren stillen Lasten des Versicherers bereits um 70 Prozent reduziert. Für die Öffentlichkeit sind die Zahlen allerdings derzeit nicht nachprüfbar.
Längst keine heile Welt mehr
Fitch-Analyst Kühner kommentierte das offensichtliche PKV-Desaster entsprechend. Unter dem Deckmantel der Buchwert-Betrachtung existiere auch bei den Kranken-Versicherern hinsichtlich Stabilität und Solvabilität schon lange keine heile Welt mehr.
So hätten sich die PKV-Unternehmen in den vergangenen Jahren viel zu sehr auf das Prinzip Hoffnung verlassen und sich damit von dem in der Vergangenheit zu recht gültigen Prinzip Vorsicht entfernt.
Adäquate Kapital-Ausstattung
Nach Ansicht von FitchRatings wäre für eine adäquate Kapital-Ausstattung der Kranken-Versicherer zusätzliches Kapital von 3 bis 5 Milliarden Euro notwendig.
Pro Kopf der rund 15 Millionen Versicherungsnehmer (voll- und zusatz-versichert) wären das etwa 250 Euro.
Ellen Bocquel
Versicherungsjournal 14.11.2003
____________________
... und zieht euch warm an. |
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