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Scharia-Investmentsfonds aus islamischen Ländern

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Moderator GM&P
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 5849

BeitragVerfasst am: 4.Sep 2006 12:19    Titel: Scharia-Investmentsfonds aus islamischen Ländern Antworten mit Zitat

Investoren aus muslimischen Ländern wollen Milliarden in europäische Immobilien stecken. Das ist schwierig: Die Objekte müssen strengen Glaubensregeln genügen.

Die Summen sind gigantisch.

Nach einer Studie der Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) wollen Investmentfonds aus islamischen Ländern bis 2015 Jahr für Jahr rund 16 Mrd. Euro in Immobilien anlegen. Ganz oben auf der Einkaufsliste stehen Deutschland und Europa.

Während bis zur Jahrtausendwende Investoren aus dem Mittleren Osten außer attraktiven Renditen meist keine weiteren Anforderungen an die Objektwahl stellten, ist heute alles anders.
Seit der Islam in muslimischen Ländern das Alltagsleben wieder stärker bestimmt, fordern immer mehr Anleger von Marokko bis Malaysia, dass Fonds, denen sie ihr Kapital anvertrauen, die Regeln der Scharia beachten, das religiös begründeten Recht des Islams. Allein in Kuwait ist das von Scharia-konformen Investmentfonds verwaltete Vermögen im vergangenen Jahr von 3,78 auf 7,29 Mrd. Euro gestiegen, meldet die Central Bank of Kuwait.

Eine Regel der Scharia besagt, dass gläubige Muslime weder Geld gegen Zinsen verleihen noch solche bezahlen dürfen. „Dies stellt für die Fonds bei der Immobilienfinanzierung kein Problem dar“, erläutert Claus Thomas, Geschäftsführer bei LaSalle Investments in Deutschland.
Um das Zinsverbot zu umgehen, würden einfach Disagio-Darlehen eingesetzt.
Dabei wird lediglich die Summe ausgezahlt, die zur Finanzierung tatsächlich benötigt werde. Ein Teil der Gesamtsumme wird vom Zinsgeber einbehalten als Zinsvorauszahlung oder Darlehensgebühr. Der am Ende der Laufzeit zurückzuzahlende Gesamt-Kreditbetrag fällt entsprechend höher aus. „Wichtig ist nur, dass im Darlehensvertrag niemals das Wort ?Zins’ auftaucht“, sagt ein mit der Materie vertrauter Investmentbanker.

Schwieriger wird es jedoch, weitere Scharia-Vorgaben einzuhalten, weiß Lars Breuer, Geschäftsführer des Berliner Maklerhauses Savills, das von Arab Investment Ltd. mit der Akquise Scharia-konformer Immobilien in Deutschland betraut wurde: „Der Koran verbietet es Investoren auch, Geld aus Geschäften mit dem Verkauf von Alkohol, Nikotinwaren, Schweinefleischprodukten sowie Pornografie und Spielsucht zu verdienen. Immobilien, deren Räume langfristig an Schlachtereien, Sex-Shops, Spielhallenbetreiber oder Spirituosen- oder Tabakläden vermietet sind, kommen deshalb für viele Scharia-Fonds nicht in Frage.“

Allerdings würden die Investoren aus dem Mittleren Osten kulturelle Unterschiede durchaus berücksichtigen. „Zwar werden in einem deutschen Supermarkt auch alkoholische Getränke, Zigaretten und Schweinefleisch verkauft“, sagt Breuer. „Weil das Kerngeschäft jedoch der Grundversorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln dient, sehen die meisten Scharia-Fonds kein Problem darin, in Einzelhandelsimmobilien zu investieren.“

Alle Scharia-Fonds haben einen religiösen Gelehrten in ihrem Investment-Komitee, der darüber entscheidet, ob ein Immobiliengeschäft den Vorgaben des Korans entspricht. Dabei gebe es zum Teil erhebliche Unterschiede in der Rechtsauffassung der einzelnen Gelehrten, wissen Immobilien-Dienstleister.
Fonds aus Saudi-Arabien würden die Vorgaben der Scharia meist deutlich strenger auslegen als Immobilieninvestoren aus Kuwait, Ägypten oder den Vereinigten Emiraten. „Einige Trusts tolerieren sogar Immobilien, die eine kleinere Fläche an einen Sex-Shop oder eine Schlachterei vergeben haben“, sagt ein Berater, „jedenfalls so lange aus dem Mietvertrag der eigentliche Geschäftszweck des Ladens nicht ersichtlich ist“.

(WELT)
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Moderator GM&P
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 5849

BeitragVerfasst am: 8.März 2007 7:49    Titel: Antworten mit Zitat

Das Angebot an Scharia-Investments wächst rasant. Auch westliche Banken legen ständig neue Produkte auf – und sichern sich so den Zugang zu einem lukrativen Markt.

Als Dubais Hafenbetreiber DP World im vergangenem Jahr im Poker um den britischen Rivalen P&O internationale Mitbieter aus dem Rennen warf, horchte die Finanzbranche auf. Nicht nur, weil DP World damit zum drittgrößten Hafenbetreiber aufstieg - für Aufsehen sorgte vor allem die Finanzierung der Übernahme: 3,5 Mrd. $ entstammen einer Sukuk-Anleihe, die islamischen Finanzregeln entspricht. Gläubige Muslime dürfen demnach keine Zinsen nehmen. Für eine zinsfreie Rendite werden die Sukuk-Halter deshalb an den Gewinnen aus den Hafengebühren beteiligt.

"Dass diese Anleihen die Milliardenschwelle erreicht haben, hat in der Branche einiges angestoßen", sagt Michael Gassner von der gleichnamigen Beratungsfirma für die Entwicklung islamkonformer Produkte, die lange ein Nischendasein führten. Doch jetzt wächst der Markt sprunghaft: Binnen wenigen Jahren wuchs allein das Volumen von Sukuk-Anleihen von wenigen Millionen auf mehr als 40 Mrd. $. Insgesamt wird das Volumen schariagerechter Investments aus islamischen Ländern auf 500 Mrd. $ geschätzt, bei Wachstumsraten von rund 15 Prozent.

Angeheizt wird die Branche durch das enorme Wachstum in den Golfstaaten. Allein dort wird das liquide Vermögen auf 2400 Mrd. $ geschätzt. Den Startschuss für die steigende Nachfrage nach islamkonformen Investments gab der 11. September 2001. "Nach den Anschlägen zogen islamische Investoren riesige Summen aus den USA ab", sagt der auf islamische Finanzen spezialisierte Rechtsanwalt Kilian Bälz von der Kanzlei Gleiss Lutz. "Ein Großteil davon floss bewusst in islamisch korrekte Investments."

Der Bedarf der Kunden nach Diversifizierung sei groß. "Der Markt schreit nach weiteren Produkten, die den Risikoappetit befriedigen", sagt Safdar Alam, Leiter Islamic Banking der Calyon Corporate & Investment Bank. Lange schienen etwa Hedge-Fonds wegen des Verbots von Leerverkäufen unvereinbar mit der Scharia. Im Januar stellte Société-Générale-Broker Fimat drei Produkte vor. Weitere sind in der Pipeline. An der Verfeinerung von schariakonformen Derivaten wird ebenfalls getüftelt. Längst mischen bei der Entwicklung westliche Banken mit, die sich auf diesem Weg den Zugang zu neuen Kunden erhoffen. So dehnen Citigroup, UBS, HSBC, Credit Suisse, BNP Paribas und WestLB ihr Engagement in islamischen Ländern aus.

Auch der umgekehrte Weg wird eingeschlagen: Dem Vorbild der Londoner Islamic Bank, mit der die Briten Europas erste vollislamische Bank etablierten, eifern weitere Länder nach. In Paris wartet die Tayseer Bank France auf ihre Genehmigung. Seit Oktober gibt es mit Faisal die erste Schweizer Bank nach islamischen Regeln. Als Vorreiter sieht sich auch die Deutsche Bank, die mehr als 30 Produkte für gläubige Muslime bereithält. "Viele weitere Institute engagieren sich derzeit", sagt Rechtsanwalt Bälz. Seit rund einem Jahr sei die Nachfrage nach Beratung bei der Entwicklung so groß wie nie zuvor.

Doch nicht alle jubeln. Die Westler trieben das Investieren nach islamischen Regeln in die falsche Richtung, beklagen Vertreter islamischer Banken. Sie interessierten sich mehr für institutionelle Investoren und zu wenig für Kleinanleger. Statt nach Wegen zu suchen, das Zinsverbot zu umgehen, müsse es um ethische Verpflichtung und soziale Verantwortung gehen. Deutlich mehr im Sinne des islamischen Finanzwesens seien etwa Mikrokredite für benachteiligte Länder.

Der Ansturm großer Banken auf den noch kleinen Markt könnte zu einem Verdrängungswettbewerb führen. "Insgesamt wird das Wachstum weitergehen", sagt Stefan Kirsch, Direktor im Private Wealth Management der Deutschen Bank. "Aber auch ein Ausleseprozess ist zu erwarten."
Quelle:FTD
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