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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 7645
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Verfasst am: 29.Jul 2008 18:49 Titel: Umwelt-Schaden-Police |
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Wer bisher einen Tümpel verseuchte, musste zahlen, wenn der Besitzer sauber macht. Neuerdings soll der Umweltsünder zudem die Frösche, die dabei verjagt wurden, wieder ansiedeln.
Das ist der Kern des Umweltschadengesetzes, das so gut wie jedes deutsche Unternehmen trifft. Umweltverschmutzung kann also teuer werden, deshalb lohnt sich eine Versicherung.
Bisher war diese bei vielen Versicherern gratis. Doch das wird sich ändern.
Das neue Umweltschadengesetz, das seit einem Jahr in Kraft ist, wird zu höheren Prämien führen. „Die Freude der Haftpflichtversicherer“ über das neue Gesetz halte sich dennoch in Grenzen, sagte Walter Tesarczyk, Vorstand der Allianz-Versicherungs-AG. Denn es ist schwer, die Risiken zu kalkulieren.
Theoretisch betrifft das neue Gesetz viele Unternehmen. Denn nahezu alle deutschen Industriebetriebe liegen nach Erhebungen der Versicherungswirtschaft weniger als zehn Kilometer von einem Schutzgebiet entfernt. „Wir wissen aber nicht, was es kostet, eine scheue, besonders sensible Tierart wieder anzusiedeln“, beschreibt Allianz-Manager Tesarczyk das Dilemma der Branche. Für die Kalkulation sei eine gewisse Schadenmenge erforderlich. Erst in sieben bis acht Jahren werde die Branche wirklich wissen, was auf sie zukomme.
Zunächst wird die Neuregelung daher zusätzliches Geld in die Kassen der Versicherer bringen. Wie viel? Das hängt davon ab, wie viele Unternehmen den Zusatzschutz tatsächlich buchen. Bei der Düsseldorfer Ergo etwa ist das bisher nur jeder zehnte Kunde.
In Versicherungskreisen wird damit gerechnet, dass sich durch eine Umweltschaden-Basisdeckung der Haftpflichtschutz für normale Betriebe ohne größere umweltgefährdende Anlagen bis etwa fünf Prozent verteuern wird. Bisher hatten viele Versicherer die neuen Schadensrisiken gratis mitversichert. Das wollen sie nun nicht mehr. Bei kritischen Betrieben kann der Zuschlag deutlich höher ausfallen. Letztlich hängt dies von der Risikoeinschätzung des jeweiligen Versicherers ab.
Umweltexperten bezweifeln, dass eine Flut von Schadensfällen auf die Versicherer zukommen wird. Beim Naturschutzverband BUND ist bisher noch kein Fall bekannt, bei dem das Gesetz angewandt wurde. Im Einzelfall könne die Regelung hilfreich sein, sagte Peter Rottner, Geschäftsführer beim Bund Naturschutz in Bayern.
„Wenn eine Behörde nicht von sich aus aktiv wird, kann man damit ein Handeln einfordern.“ Allerdings ändere sich nichts daran, dass bei Umweltschäden das Hauptproblem der Nachweis sei, dass eine Handlung wirklich die Ursache für den Schaden sei. „Solange sich da nichts ändert, ist auch das neue Gesetz ein eher zahnloser Tiger und die Krallen sind stumpf.“ Daher rechnen die Naturschützer nicht mit vielen neuen Prozessen, zumal die Behörden auf Basis anderer Gesetze härter durchgreifen könnten.
Für die Unternehmen ist das ein Argument, die Versicherung zu vernachlässigen – zumal sie freiwillig ist. Die Versicherer wollen es dennoch nicht weiter umsonst tun, denn aus ihrer Sicht steigt das Risiko von Schäden, je länger das Gesetz gilt. Die Allianz, mit einem Marktanteil zwischen 22 und 25 Prozent größter Haftpflichtversicherer für Industrie- und Gewerbekunden, will daher nun Geld für den Schutz verlangen. Auch die Konkurrenten HDI-Gerling in Hannover oder die Ergo-Tochter Victoria in Düsseldorf planen dies. Allerdings halten sich alle über die Höhe bedeckt.
Marktbeobachter rechnen damit, dass das zusätzliche Prämienvolumen zunächst beim Marktführer einen zweistelligen Millionen-Betrag ausmachen dürfte, der dann auf mehrere Hundert Millionen Euro steigen könnte. In der Industrieversicherung ist der Konkurrenzkampf aber hart. „Der Wettbewerb erlaubt nicht, dass der Versicherer große Vorsichtszuschläge nimmt“, sagt Tesarczyk.
Quelle: A.Höppner/T.Schmitt |
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